Mansplaining – Nur für Männer!

Wollen Sie ein moderner Mann sein? Nie wieder als Reaktionär gelten? Dann lesen Sie diese Tipps.


Diese Kolumne richtet sich ausschließlich an Männer, Frauen sollten ab dieser Stelle nicht weiterlesen. Er schadet ihrer Gesundheit. Insbesondere diejenigen Frauen, die beim Lesen der Überschrift und nachdem sie bemerkt haben, dass der Autor ein Mann ist, ein gewisses Grummeln verspürt und kritisch die Augenbrauen hochgezogen haben, seien gewarnt: All Ihre Befürchtungen werden sich bestätigen.

Also, liebe Männer, nachdem wir jetzt so ganz unter uns sind, möchte ich euch zwei Tipps geben: Wenn Ihr so Typen seid, die gern mal anderen Menschen was erklären, z.B. den Unterschied zwischen Web-App und nativer App oder ähnlich schwerwiegende Dinge, auch wenn die das vielleicht gar nicht erklärt haben wollen oder es vielleicht sogar selbst besser wissen: Schaut genau hin, ob euch ein Mann oder eine Frau gegenüber ist.

Ist es ein Mann, macht ruhig weiter. Vielleicht schaut der euch genervt an und sagt: „Halt die Klappe, ich weiß das selbst.“ Oder er sagt: „Behalt deine Schlauheit für dich, mich interessiert das nicht!“ Zu mir hat sogar mal einer gesagt: „Hast du keinen Friseur? Erzähl dem das!“ – aber mehr passiert nicht.

Wenn es aber eine Frau ist, der ihr euer Wissen aufdrängt, dann ist das, was ihr da macht „Mansplaining“ und das ist nicht nur nervig, sondern politisch, jawohl. Ihr seid dann nicht nur Besserwisser, sondern extrem reaktionär, fast AfD, oder so.

Oder wenn ihr mal eine Person seht, die irgendwas macht, und ihr habt das Gefühl, sie stellt sich ungeschickt an, und ihr denkt, ihr könntet das schneller und besser und wollt gar helfen – oder nur zeigen, was ihr für geschickte Leute seid. Bevor ihr diese Person beiseiteschiebt und ihr das Werkzeug aus der Hand nehmt, schaut genau, ob es eine Frau oder ein Mann ist.

Bei einem Mann, kann euch nicht viel passieren. Vielleicht schubst er euch zurück und sagt: „Ich will das selbst hinkriegen“ oder „Lass mich in Ruhe, ich kann das schon.“ Im schlimmsten Fall, wenn ihr es dann selbst nicht hinbekommt, werdet ihr ausgelacht. Bei einer Frau kann es euch aber passieren, dass ihr bei ihrem als Beispiel für diese schreckliche Sorte Männer herhalten müsst, die das Patriarchat aus dem vorletzten Jahrhundert wiederhaben wollen, die das Frauenwahlrecht ablehnen und überhaupt finden, dass Frauen besser zu Hause bleiben sollen. Denn was ihr dann macht, ist eben dieses Mansplaining, und das ist viel schlimmer, als einfach nur zu nerven.

Wer als Mann als fortschrittlich und zeitgemäß gelten will, beherzigt am besten folgende Grundregeln: Helft keiner Frau, wenn sie nicht ausdrücklich darum bittet. Und macht nie mehr als wirklich nötig. Erklärt einer Frau nichts, wonach sie euch nicht explizit gefragt hat. Und kein Wort mehr als unbedingt erforderlich. Dann seid ihr moderne Männer. Eure Freude am Erklären und am Helfen lebt besser unter Männern aus.

Jörg Phil Friedrich

Jörg Phil Friedrich

Der Philosoph und IT-Unternehmer Jörg Phil Friedrich schreibt und spricht über die Möglichkeiten und Grenzen des digitalen Denkens. Aufsehen erregte sein Buch Kritik der vernetzten Vernunft, in dem er zeigte, dass digitales Denken nicht durch Computer und Internet entstanden ist, sondern umgekehrt: das digitale Denken hat sich seine passenden digitalen Medien geschaffen . Friedrich ist Diplom-Meteorologe und Master of Arts in Philosophie. Sie erreichen Jörg Friedrich per E-Mail: joerg.friedrich@diekolumnisten.de

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