Stille nimmt der Klinge ihre Schärfe – Eine Kolumne für Joan As Police Woman

In der neuen Hörmal-Kolumne beschaftigt sich Ulf Kubanke mit Joan Wasser alias Joan As Police Woman. Die studierte Violinistin, die bereits mit zahllosen Weltstars arbeitete, bringt gerade ihr siebtes Album „Damned Devotion“ heraus. Die Platte verführt mit atmosphärischen Klangfarben aus Triphop, Soul plus R&B und ist schon jetzt eines der Genre-Highlights des Jahres.

Foto by kind permission of Play It Again, Sam-Records

Der Bekanntheitsgrad Joan Wassers bzw. ihrer Inkarnation als Joan As Police Woman kommt nicht ganz mit der ausnahmlslos herausragenden Qualität ihres musikalischen Schaffens mit. Die Laufbahn der studierten Violinisten spricht jedoch Bände. Eine Liste ihrer Kollaborationen umfasst schillernde Namen wie Elton John, Rufus Wainwright, Sheryl Crow, David Sylvian, Laurie Anderson, Sparklehorse, John Cale, Beck, Sufjan Stevens, RZA, Norah Jones oder Woodkid. Als weiteres Highlight begleitete sie eine komplette Tour von Lou Reed oder war Mitglied bei Antony And The Johnsons als Geigerin.

Siebtes Album auf dem Weg

Als Joan As Police Woman bringt sie gerade ihr siebtes Album „Damned Devotion“ heraus. R & B, Triphop und Soul bilden das Fundament ihrer ebenso modernen wie zeitlosen Soundlandschaft. Dem ganzen mischt sie ein hochentwickeltes Gespür für Grooves und Stimmungen bei. Hört man nur den faszinierenden, diesmal durchaus sehr entspannenden Sound, könnte die Platte durchaus als reines Wohlfühlalbum für anspruchsvolle Ohren durchgehen. Textlich jedoch kontrastiert sie die Klangfarben gern mit ernsten Zeilen über Eifersucht, Verwundbarkeit, Schuld, Liebeskummer, Paranoia und Tod.

Das ist kein Wunder. Wasser hat einiges im bisherigen Leben mitgemacht. Stets streiten sich in ihr das Naturell einer ewigen Romantikerin mit der zur Reflexion neugenden Analytikerin. Zu den Kernerfahrungen zählen u.A. der tragische Unfalltod Jeff Buckleys 1997, mit dem sie damals eine Beziehung führte oder der Suizid des engen Freundes Elliot Smith. Gleichwohl muss hier niemand ein depressives Runterzieher-Album befürchten. Im Gegenteil: Der fließende musikalische Strom lässt die Zeilen eher lebensweise als finster wirken. „Die Stille nimmt der Klinge ihre Schärfe“, sagt Wasser treffend.

Relaxen oder nachdenken?

Anders gesagt: Der Hörer kann hier zwischen zwei Arten des Eintauchens – Relaxen oder Nachdenklichkeit – wählen. Besonders animierend wirken neben ihrer charismatischen Stimme die vielfältigen perkussiven Einfälle Wassers mit Drummer Parker Kindred. Ein Zufall ist das nicht. Für Wasser stehen Beats und Rhythmen stets als Herzschlag des jeweiligen Liedes im Zentrum aller Ausstrahlung. Gern bekennt sie, dass ihr beim Komponieren nie Melodie oder Text als erstes in den Sinn kommen. „Alles geht von den Drums aus.“

Das gilt sogar für Kernlieder wie etwa das Jean Genet gewidmete „Steed“ oder das dem letztjährigen Women’s March gewidmete, hochpolithsche „The Silence“. Sehr deutlich veranschaulichen beide Stücke auch die kreative Lust der Amerikanerin am Detail. So enthält „Steed“ ein zurückhaltendes, sehr warmes Saxofon und „The Silence“ eine passend zum Text energisch fordernde E-Gitarre.

Wer die ganz große melodische wie dramatische Geste sucht, wird sich augenblicklich in das ergreifende „What Was It Like“ verlieben. Bevorzugt man hingegen den absoluten Nachtsoul zwischen den Geistern Billi Holidays oder Portisheads, so greife man getrost zum famosen „Silly Me“. Welcher Liebling sich am Ende auch immer durchsetzen mag. Sogar nach diversen Durchläufen entdeckt man noch immer farbenprächtige Nuancen auf diesen verführenden zwölf Songs.

Hier noch die beiden aktuell verfügbaren Anspieltipps:

Ulf Kubanke

Ulf Kubanke

Ehemaliger Anwalt; nun Publizist, Gesprächspartner und Biograph; u.a. für Deutschlands größtes Online-Musikmagazin laut.de.

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