Ellwangen – Kein Grund zur Aufregung

In der Nacht zum Montag verhinderten rund 150 Bewohner einer Flüchtlingseinrichtung in Ellwangen die Abschiebung eines Bewohners, der aus Togo stammt. Am Donnerstag rückte die Polizei mit rund 200 Mann an und nahm den Mann und weitere Personen fest.

Politiker loben die Polizei für den Einsatz.

Der Rechtsstaat setzt sich durch.

sagte der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU). Ja, das tut der Rechtsstaat und es ist seltsam, dass ein Innenminister glaubt, das betonen zu müssen.

Wer gegen Gesetze verstößt wird, dafür bestraft. Dass eine Gefangenenbefreiung eine Straftat ist, dürfte auch hinreichend bekannt sein. Gefangener ist man, ab dem Beginn der Ingewahrsamnahme aufgrund eines Haftbefehls. Für diese Tat kann man mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe bestraft werden.

§ 120

Gefangenenbefreiung

(1) Wer einen Gefangenen befreit, ihn zum Entweichen verleitet oder dabei fördert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ist der Täter als Amtsträger oder als für den öffentlichen Dienst besonders Verpflichteter gehalten, das Entweichen des Gefangenen zu verhindern, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe.

(3) Der Versuch ist strafbar.

(4) Einem Gefangenen im Sinne der Absätze 1 und 2 steht gleich, wer sonst auf behördliche Anordnung in einer Anstalt verwahrt wird.

Das ist ein Vergehen und nicht der Gipfel der Kriminalität, schon gar nicht, wenn die Täter keine Gewalt angewendet haben. Aber sei‘s drum. Es gehört angemessen bestraft.

Für die Befreier kann dies bedeuten, dass sie aufgrund dieser falsch verstandenen Solidarität auch abgeschoben werden. Zwingend ist das aber nicht.

Dass die Polizei sich nicht einfach so vom Hof jagen lässt, dürfte auch jedem klar sein. Und dass sie beim nächsten Mal mit massiverem Druck kommt, war nun auch nicht schwer vorherzusehen.

Nun sitzen sieben Bewohner der Einrichtung in Haft und gegen sie und weitere 20 wird wegen allerlei Straftaten ermittelt.

Revolte?

Ich hätte die Aufregung um diese „Revolte“ verstanden, wenn es zu Gewalt, Brandstiftung oder ähnlichem gekommen wäre. Ist es aber nicht.

Auch das Urteil Strobels, die Polizei habe

sehr besonnen, klug, professionell und intelligent reagiert

ist eigentlich keines Kommentars bedürftig. So und genauso handelt die Polizei von Ausnahmen abgesehen meistens. Warum sollte sie auch unbesonnen, unprofessionell und dumm reagieren?

Und dann kommt das, um dass es vielen Politikern in den Zeiten der AfD-Cholera in Wirklichkeit geht.

Harte und konsequente Abschiebepolitik als Signal an die Herkunftsländer. Wie jetzt? Ging es nun um den Rechtsstaat, der zu loben ist und der nach Recht und Gesetz handelt, oder geht es um Härte. Dieses immer wieder auch als „volle Härte“ getunte und von Politikern strapazierte Wort, ist an keiner Stelle Bestandteil irgendeines Gesetzes. Beim Rechtsstaat geht es um Gerechtigkeit, um Rechtsanwendung, aber nicht um Härte.

Gewaltenteilung

Was für ein Verständnis von Rechtsstaat und Gewaltenteilung haben eigentlich diese Minister, die wie Heimatminister Seehofer fordern, dass die Beteiligten

mit aller Härte und Konsequenz verfolgt werden ?

Was faselt der schon wieder von einem Gastrecht, das man nicht missbrauchen dürfe? Ein solches Recht gibt es nicht. Asybewerber sind keine Gäste, Auch das ein populistischer Begriff aus der Propagandakiste der WIR-Menschen.

Warum mischt sich die neue Justizministerin Barley, von der man bisher wenig bis gar nichts gehört hat, ein und fordert ein hartes Durchgreifen?

Das Rechtsstaatsverständnis des bekannten Berufsgiftzwerges Rainer Wendt von der DPolG, bekannt aus Film,Funk und Fernsehen,  kommt mal wieder deutlich durch, wenn er meint:

Diejenigen, denen man Straftaten nachweisen kann, müssen in Untersuchungshaft und sollten die Freiheit erst wieder erlangen, wenn sie den Boden ihrer eigenen Heimat betreten. Das wäre das richtige Signal.

Nein, Herr Wendt, das wäre ein fatales Signal. Ob dem mal jemand erklären kann, was Haftgründe sind? Untersuchungshaft dient nicht der Strafe oder als Signal für andere. Aber das kümmert den ja eh nicht. Hauptsache seine Fans sind glücklich. Da tut er sich nichts mit den Gangsterrappern.

Ankerzentren

Der Vize-Vorsitzende der GdP, Jörg Radek, denkt da etwas weiter als der wütige Wendt. Er warnt deutlich vor den vom Bund geplanten Asyl- und Abschiebezentren, die auf den lustigen Namen Ankerzentren getauft werden, weil das irgendwie schnuckeliger klingt als, sagen wir mal, Lager.

Ankerzentren machen es erst möglich, dass solche Strukturen und Dynamiken entstehen, wie wir sie jetzt in Ellwangen erlebt haben

sagte er zu Focus Online. Und da könnte durchaus was dran sein. Nicht umsonst fordern z.B. Tierschützer die Massentierhaltung einzustellen. Wenn an sich harmlose Mastschweine sich zu Kannibalen entwickeln, dann werden Menschen in Erwartung ihrer Abschiebung bestimmt nicht zu sanftmütigen Lämmern werden, wenn man sie mit 1500 Personen in ähnlicher Lage zusammenpfercht.

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther brachte die aktuelle Problematik sehr schön auf den Punkt. Es gebe zwar

definitiv ein Vollzugsdefizit bei Abschiebungen

das Problem sei aber sehr vielschichtig. Zutreffend stellt er fest, dass die Abschiebung – Härte, Härte, Härte – häufig diejenigen treffen würden, die hier seit Jahren friedlich leben und gut integriert seien, andere Personen, die hier ihr Unwesen trieben, würden aber nicht abgeschoben.

Da muss angesetzt werden und dafür braucht es kein populistisches Härte-Geschrei. Es sind gerade die Politiker, die in der Vergangenheit Stellen bei Polizei und Justiz auf Deubel komm raus eingespart haben, um dem allgegenwärtigen Gott der schwarzen Null zu huldigen, die jetzt so tun, als sei es etwas Besonderes, wenn die Polizei einen erfolgreichen Einsatz mit rechtsstaatlichen Mitteln hinbekommt. Nee, ihr Lieben, das ist nichts Besonderes, das ist durch unzählige Überstunden und eine an die Grenzen des Erträglichen gehende Arbeitsbelastung von Polizeibeamten bezahlt.

Wer effektiver, aber auf rechtsstaatlicher Basis abschieben will, der braucht nicht rumzukrähen, der muss Kohle in den Apparat stecken.

Für die blaubraunen Freunde ist es natürlich ein gefundenes Fressen, dass es sich bei den Gefangenenbefreiern um Schwarze handelt. Aber nur weil dem Schampus-Max vor Freude ein Messer in der Tasche aufgeht, muss nun nicht jeder Politiker wieder mal einen Schritt nach rechts treten, aus Angst er könne sonst ein paar Wählerstimmen verlieren. Jegliche Aufregung ist zu vermeiden und jede rassistische Äußerung auch völlig überflüssig. Und jeglicher rassistischer Behauptung, ganz gleich von wem, ist deutlich zu widersprechen.

Die Verdächtigen, die nun festgenommen wurden, werden ihre Verfahren nach den Regeln der Strafprozessordnung erhalten. Es gibt allen Unkenrufen zum Trotz in Deutschland weder rechtsfreie Räume noch No-go-Areas. Es wird gerichtliche Entscheidungen geben, wie auch immer. Wir brauchen weder „schärfere“ noch „härtere“ Gesetze. Wir brauchen auch nicht mehr Überwachung. Wir brauchen als letztes Politiker, die so tun, als stünde Deutschland vor einem rechtslosen Zustand der Anarchie ( wobei die meisten Anarchie völlig falsch verstehen). Was wir brauchen, ist das Vertrauen in unsere Verfassung und unseren – trotz aller Mängel im Einzelnen – immer noch gut funktionierenden Rechtsstaat. Das reicht.

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11 comments
Jerry Cotton

… richtig Hr. RA, ‚Erlangen‘ ’ne Lachnummer und no-go areas? … nie gehörtgelesen! https://bit.ly/2txcqE7 … nix is‘ passiert, legen S’e sich mal wieder hin.

    Justus Maria Wunderlich

    Was ist denn das für eine rechte Scheiße? Jerry Cotton, kriechen Sie zurück in Ihr Groschenroman und treiben dort Ihr Unwesen. Da können Sie von mir aus die Welt retten.

      Phil Decker

      … mhm? Recht ist Scheiße? Das kann nur das rotgrün=braune Unrecht behaupten. q.e.d..

      Rainer Seifert

      Schreibt das etwa jemand, der sich im Ausland ebenso daneben benimmt und deshalb für solches Verhalten ganz, ganz viel Verständnis aufbringt. Wäre ja kaum zu glauben. Diese vielen Beschwichtiger und Schönredner wachen erst auf, wenn sie selber was über die Rübe kriegen. Und dann fragen sie sich natürlich auch noch, was sie – unseren Gästen gegenüber – falsch gemacht haben. Man möchte es kaum glauben, welche Naivität breite Kreise der schon länge rhier Lebenden erfasst hat.

      Das Groschenroman? Grünlinke Kreise haben sich doch schon mehr als genug an unserer Sprache versündigt.

martin schumacher

Ich empfehle: Runter vom Sofa Heinrich!

Es gibt keine No-Go Areas?
Für einen Rechtsanwalt aus Düsseldorf mag das stimmen.
Ich versuche das jetzt auch so zu sehen….
Alles klar!

Achim Niewind

Man kann etwas sowohl hysterisieren, als auch herunterreden.

Hier ist erkennbar Letzteres der Fall.
Worum es sich hier handelte, war ein aggressiver Mob.
Wobei Vorkommnisse dieser Art nun schon häufiger vorkamen.

„Ellwangen“ war kein friedlicher „Bürger-Protest“.

Massive Zusammenrottungen spezifischer Gruppen, genau wie hier per Hdy mobilisiert, schlugen in bestimmten Arealen schon ganze Polizei-Trupps, von kleineren Streifen ganz abgesehen, in die Flucht, wenn diese nur versuchten, Personen-Kontrollen oder gar die Verhaftung von Personen dieser Gruppe durchzusetzen.
Manchmal erzeugte schon die bloße, pure Anwesenheit solche Aktionen.

Dies geschieht mit einer gewissen Regelmäßigigkeit in den „no go“ – Zonen migrantisch dominierter Stadt-Viertel.
Oder aber auch in sog. „befreiten Gegenden“ der äußersten Rechten –insbesonders im „Osten“.

Nur ist pikanter Weise die offene Gewaltbereitschaft gegenüber Repräsentanten des Staates bei den Mobs in den Regionen abgeschotteter islamischer Soziokultur quantitav erheblich ausgeprägter, als -zumindest noch.- in den beantspruchten Dominanz-Bereichen der erwähnten Rechten.

Was Ellwangen betrifft:
Es wurde vermeldet, dass bei dem letzten massiven Einsatz erhebliche Mengen an Diebes-Gut gefunden wurden, Drogen und auch Waffen.

Hier geht es allemal wohl nicht „allein“ um die Solidartiät unter „Flüchtigen“, sondern erkennbar -zumindest auch– um die „Solidarität“ vielfältig kriminell Aktiver, die sich zudem j e d e r Abschiebung entziehen wollen.

Hier wird nicht nur der Rechtsstaat offensiv „in Frage gestellt“.
Hier wird aggressiv das Gewalt-Monopol des Staates, der immer noch der Unsere ist, frontl angegriffen.

Und das –wie erwähnt– zum x-ten Male.

Rainer Seifert

Wie schrieb Heinz Buschkowsky sinngemäß in „Neukölln ist überall“? Wenn Polizisten in Neukölln, besonders in der Sonnenalle, Fahrzeuginsassen zur Rede stellen, weil die Nobelkisten der Hartz4 Empfänger in zweiter Spur oder auf dem Fußweg stehen, und es daraufhin zu Massenversammlungen feindselig auftretender „Deutscher“ kommt, sagt ihnen ihr Chef, sie sollen Augenmaß bewahren. Parkt Otto Steuerzahler aber einmal falsch, dann wird er natürlich zur Rechenschaft gezogen und löhnt. Wa sbin ich froh, dass wir keine no go areas haben.

Nun ist es, zugegeben, noch längst nicht so schlimm wie in Brüssel, aber Europas stolze Hauptstadt wird in 10-15 Jahren in diesem Sumpf versinken.

    Fred Groeger

    Also eigentlich kümmert sich in ganz Berlin eher selten die Polizei um Falschparker.

    Das macht das Ordungsamt.

    Buschkowsky ist auch eher der Experte der Übertreibung, um sein Büchlein zu verscherbeln.

    Und wenn Sie mal einen Bezirk sehen wollen, in dem rücksichtslos dumm geparkt wird, dann fahren Sie eher nach Zehlendorf. Da wird auch selten überhaupt kontrolliert.

      Rainer Seifert

      Ich kenne solche Kontrollen vom Hindenburgdamm in Lichterfelde. Sehr wohl polizeiliche, und zwar vom Streifenwagen aus. Ist allerdings zum Glück ein paar Jährchen her.

      Ja klar, jeder, der wie Buschkowsky die Wahrheit schreibt und sagt ist sowieso nur ein rechter Lügner oder gar ein Nazi. Da strifft nun sogar schon SPD Urgesteine.

      Schaut weg, Leute. Dann seht ihr auch erst das was ihr gar nicht sehen sollt, wenn es ohnehin zu spät ist.

Cormann

Herr Rechtsanwalt,
wenn Sie jeden kriminellen Sachverhalt weiterhin mit einer abgebrühten Verantwortungslosigkeit weichspülen wollen, dann wird der Breitscheid- Platz oder zum Beispiel der Mord in Freiburg zu einem Mißgeschick, das man ja nicht wirklich ernst nehmen muss. Ausser , wenn man natürlich paranoid ist. Und sind Köln Domplatz, und all die “ Asylanten- Verbrechen“, nicht sowieso nur wieder AfD- Propaganda? Also, ich verachte Sie für solche schriftliche Ausfall- Erscheinungen.