Maduro jagt die Brownie-Bäcker

Der Mangel in Venezuela wird immer größer. Inzwischen wird Bäckern sogar vorgeschrieben, was sie mit ihrem Mehl anfangen müssen. Mehrere Bäckermeister, die statt Brot Süßwaren wie Brownies oder Croissants gefertigt hatten, sollen Medienberichten zufolge verhaftet worden sein. Was wie eine Schote aus Absurdistan klingt, zeigt einmal mehr: Das Regime von Nicolas Maduro hat abgewirtschaftet.


Neues aus Absurdistan, früher bekannt als Venezuela. Mit immer wahnwitzigeren Methoden kämpft Präsident Nicolas Maduro gegen die Gesetze der ökonomischen Schwerkraft. Weil im Pleitestaat außer der Korruption kaum noch etwas funktioniert, hungern seit Monaten viele Menschen. Und das, obwohl Venezuela dank seiner Ölvorräte eigentlich im Geld schwimmen müsste. Doch das hat Vorgänger Chavez in guten Jahren entweder verprasst oder an Gesinnungsgenossen in aller Welt verschenkt, während die Regierung mit großangelegten Verstaatlichungen die Wirtschaft komplett vor die Wand fuhr. Selbst einfachste Gebrauchsgegenstände wie Toilettenpapier oder Zahncreme fehlen. Von Medizin oder Elektrontechnik ganz zu schweigen. Und weil die regierenden Sozialisten auch die Ölförderung auf Verschleiß fuhren, kommt es mangels funktionierender Infrastruktur selbst dort zu Engpässen.

Doch anstatt Reformen zuzulassen, doktern Maduro und Genossen mit obskuren Instrumenten wie Preiskontrollen, Einfuhrkontrollen und Produktionsvorgaben an den Symptomen herum – und verschlimmbessern dabei die Lage. Preis- und Einfuhrkontrollen befeuern vor allem dem Schwarzmarkt, an dem auch Funktionäre aus Partei- und Sicherheitsapparat an vorderster Front mitmischen. Besondere Not leiden die Armen, die Maduro in seiner großspurigen Rhetorik eigentlich immer in den Mittelpunkt stellt. Wer kein Geld hat, um Lebensmittel am Schwarzmarkt zu kaufen, dem knurrt der Magen. Wer sich keine teure Privatklinik leisten kann, riskiert, selbst wegen normalerweise gut heilbarer Krankheiten in Lebensgefahr zu geraten.

Nur der Schwarzmarkt boomt

Der politische Protest wird derweil entweder von Regierungsorganen oder dem Regime nahen Schlägertrupps zusammengeprügelt. Die Opposition wiederum bremsen Maduro & Co mit juristischen Spitzfindigkeiten aus, eine willfährige Justiz hilft dankbar mit. Und wo immer möglich, wird Kritik schlicht und einfach ignoriert. Zudem wurden mehrere regierungskritische Politiker wie der Bürgermeister der Hauptstadt Caracas, Antonio Ledezma, oder der frühere Oppositionsführer Leopoldo Lopez unter fadenscheinigen Anschuldigungen weggesperrt. Immer mehr zeigt sich Autokrat Maduro bereit, seine politische Zukunft auf die Macht aus den Gewehrläufen zu stützen. Venezuela ist endgültig auf dem Weg, eine lupenreine Diktatur zu werden.

Dennoch scheint das Regime bei linken Nostalgikern hierzulande unter Artenschutz zu stehen. Aber wenigstens in Südamerika hat sich seit den Regierungswechseln in Brasilien und Argentinien der Wind gedreht. Insbesondere Argentiniens liberalem Präsidenten Mauricio Macri ist es zu verdanken, dass Venezuela wegen Missachtung freiheitlicher und demokratischer Standards im Dezember vergangenen Jahres aus dem Handelsbündnis Mercosur ausgeschlossen wurde. Inzwischen wird auch ein Rauswurf aus der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) diskutiert.

Croissants backen als Verbrechen

Die neueste Episode aus dem Karibikstaat, die zeigt, wie sehr der sogenannte Sozialismus des 21. Jahrhunderts in Venezuela inzwischen abgewirtschaftet hat, ist der „Brot-Krieg“. Angesichts der grassierenden Lebensmittelknappheit hat das Regime verfügt, dass 90 Prozent des Mehls zum Brotbacken verwendet werden müssen. Staatliche Inspektoren und Armeeangehörige wurden losgeschickt, um diese Vorgabe zu kontrollieren. Medienberichten zufolge sollen inzwischen mehrere Bäcker inhaftiert worden sein, weil sie statt Brot lieber süße Sachen wie Brownies oder Croissants fabriziert hatten. Den Berichten zufolge sei sogar eine Bäckerei verstaatlicht worden. Süße Teilchen backen als Staatsvergehen, Sicherheitskräfte im Einsatz gegen Backverstöße – selbst einem Satiriker unter Einfluss bewusstseinserweiternder Substanzen dürfte es schwerfallen, sich solche Schoten auszudenken. Den Chávistas in Venezuela indes fallen Skurrilitäten offenbar leichter als eine vernünftige Regierungsführung. Zu bedauern sind die Menschen, die unter solchen chaotischen Zuständen leben müssen.

„Revolution war ein Schwindel“

Gegenüber dem Sender Deutschlandradio Kultur brachte der Schriftsteller und Autor Leonardo Padron kürzlich die triste Lage in seiner Heimat auf den Punkt: „Das Regime weiß genau, dass die Venezolaner die Hoffnung aufgegeben haben. Die Revolution war nichts als Schwindel, ein monumentales Fiasko. Das Bedürfnis nach Veränderung ist riesig.“

Veränderungen wird es ohne Druck von Außen aber nicht geben. Der erst Schritt dazu wäre, dass man Maduros Regierung allgemein als das bezeichnet, was sie ist: ein Unrechtsregime.

Andreas Kern

Der Diplom-Volkswirt und Journalist arbeitet seit mehreren Jahren in verschiedenen Funktionen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Kern war unter anderem persönlicher Referent eines Ministers, Büroleiter des Präsidenten des Landtages von Sachsen-Anhalt sowie stellvertretender Pressesprecher des Landtages. Er hat nach einer journalistischen Ausbildung bei einer Tageszeitung im Rhein-Main-Gebiet als Wirtschaftsredakteur gearbeitet . Aufgrund familiärer Beziehungen hat er Politik und Gesellschaft Lateinamerikas besonders im Blick. Kern reist gerne auf eigene Faust durch Südamerika, Großbritannien und Südosteuropa.

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