Wieder Terror

Um dem Terror langfristig wirksam entgegenzutreten, müssen endlich jene bekämpft werden, die seine ideologischen Grundlagen in unserer Mitte verbreiten.


Wieder Terror. 84 Menschen gewaltsam aus dem Leben gerissen. Wieder in Frankreich. In Nizza. Am französischen Nationalfeiertag.

Nach allem, was wir bisher wissen, wieder ein islamistischer Täter. Diesmal mit einem LKW. – Ein in Israel erprobtes Mittel des Terrors: Autos, Baumaschinen, Traktoren und LKWs gehören dort bereits seit Jahren zum Waffenarsenal der Terroristen. Der IS ruft seine Anhänger dezidiert zu solchen Taten auf, ganz nach dem Motto „Jeder kann etwas tun!“

In den nächsten Tagen werden wir wieder Solidaritätsbekundungen hören. Werden sich wieder alle gegen den Terror der Dschihadisten aussprechen. Ihr Beileid mit den Hinterbliebenen verkünden. Darunter auch führende Vertreter islamistischer Staaten und Organisationen.

Und dann werden wieder alle zur Tagesordnung übergehen. Saudi Arabien, Katar und die Türkei werden weiterhin islamische Einrichtungen, Moscheen, Schulen und Kulturzentren in Europa finanzieren. Islamistische Netzwerke wie jenes der Muslimbruderschaft werden weiterhin bei EU-Institutionen und Regierungen für ihre Sache werben dürfen. Werden weiterhin vor Islamophobie warnen. Werden weiterhin versuchen, jede kritische Diskussion über den Islam als „antimuslimischen Rassismus“ zu denunzieren.

Und der Dschihadismus wird weiterhin in unserer Mitte gedeihen, weil das genau der Humus ist, auf dem er wachsen kann. Islamische Staaten finanzieren antiwestliche Propaganda und niemand hindert sie daran. Organisationen aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft oder anderer islamistischer Organisationen werden als offizielle Partner unserer Regierungen anerkannt. Ihre Vertreter finden wir mittlerweile als Mitglieder in den politischen Parteien und auf Mandaten dieser Parteien in politischen Institutionen. Sie werden hofiert, auf offiziellen Empfängen verhätschelt, ausgezeichnet und dienen als Berater für alle Belange, die Muslime betreffen.

Nicht wenige erhalten staatliche Unterstützung und können ungehindert ihr Projekt einer Umgestaltung der Gesellschaft nach islamischen Kriterien vorantreiben – denn ihre Utopie ist, entgegen ihrer Behauptung, nicht die demokratische und pluralistische Gesellschaft. Es fängt klein an, etwa mit der Werbung für die Verhüllung der Frau, die sich in islamischen Schulbüchern für den staatlichen Religionsunterricht ebenso findet wie auf den Websites islamischer Organisationen, mit der Forderung nach Geschlechtertrennung im Schwimmunterricht oder in Schwimmbädern überhaupt – aber die Grenze wird Stück für Stück verschoben. Das bekommen zu allererst Muslime zu spüren, die nicht ins Bild der selbsternannten Repräsentanten des Islam passen, aber letztlich betrifft es die ganze Gesellschaft. Alles unter dem Label „Religion“ und im Namen der Religionsfreiheit. Wären die Rechten intelligenter, würden sie anstelle von Parteien Religionsgemeinschaften gründen.

Um den Terror an der Wurzel zu packen, müssen unsere Regierungen die Finanzierung islamischer Einrichtungen durch Staaten wie Saudi Arabien, Katar und die Türkei endlich stoppen und die Zusammenarbeit mit islamistischen Organisationen, vor allem aus dem inzwischen weitverzweigten Netzwerk der Muslimbruderschaft in Europa, beenden. Wer dem Terror den Boden entziehen will, muss jene bekämpfen, die seine Ideologie verbreiten – auch wenn sie dies gewaltfrei tun.

Heiko Heinisch

Heiko Heinisch

Nach Abschluss des Geschichtsstudiums arbeitete Heiko Heinisch u.a. am Ludwig-Boltzmann-Institut für historische Sozialwissenschaft. Nach längerer freiberuflicher Tätigkeit arbeitet er seit Mai 2016 als Projektleiter am Institut für Islamische Studien der Universität Wien. Nach längerer Beschäftigung mit den Themen Antisemitismus und nationalsozialistische Judenverfolgung wuchs sein Interesse an der Ideengeschichte, mit Schwerpunkt auf der Geschichte der Ideen von individueller Freiheit, Menschenrechten und Demokratie.
Er hält Vorträge und veröffentlichte Bücher zu christlicher Judenfeindschaft, nationalsozialistischer Außenpolitik und Judenvernichtung und widmet sich seit einigen Jahren den Problemen, vor die Europa durch die Einwanderung konservativer Bevölkerungsschichten aus mehrheitlich islamischen Ländern gestellt wird. Daraus entstand das gemeinsam mit Nina Scholz verfasste Buch „Europa, Menschenrechte und Islam – ein Kulturkampf?“ im Wiener Passagen Verlag (2012). Er ist Mitglied des Expert_Forum Deradikalisierung, Prävention & Demokratiekultur der Stadt Wien.
Im Dezember 2016 erschien das gemeinsam mit Nina Scholz verfasste Buch „Charlie versus Mohammed. Plädoyer für die Meinungsfreiheit“ im Passagen Verlag.

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