Amerikaner: Menschen wie wir!

Ein persönlicher und subjektiver Bericht über Begegnungen in den USA.

Independence Day Foto: JF

Ich habe ein paar Tage in den USA verbracht, genauer: elf Tage in Alaska, vier Stunden in einem Flugzeug der Alaska Airlines, sowie 3 Stunden auf dem Flughafen von Seattle. Die Zeiten an Bord von Condor-Maschinen will ich nicht zählen.

Meine Kontakte zu Amerikanern waren notwendig beschränkt auf wenige Personen, das sei gleich vorweg zugegeben. Ein Paar aus Reno, Nevada, eine junge Frau aus Houston, Texas, ein junger Mann, der von irgendwo oder überall her stammte und uns auf unserer Trekking-Tour begleitete, der Besitzer der Firma aus McCarthy, einem Ort ganz weit draußen in Alaska, bei der wir das Trekking gebucht hatten. Darüber hinaus: ein paar Bar-Keeper in Anchorage, ein Juwelier-Paar, eine Stewardess – Zufallsbekanntschaften. Keine repräsentative Stichprobe, aber es ergab sich ein Bild. Das ist jetzt mein Bild von „den Amerikanern“.

Fußball

Amerikaner gucken europäischen Fußball. Bei unserem ersten Besuch in der Hotelbar lief das EM-Spiel Deutschland-Italien auf zwei Bildschirmen. Es war zu diesem Zeitpunkt schon vorbei, wir waren im Flugzeug sogar über den Verlauf informiert worden. Aber nun hätten wir, wenn wir gewollt hätten, das Spiel auch noch sehen können.

Als ich unseren amerikanischen Mit-Trekkern am nächsten Tag verwundert davon erzählte, erwiderten sie mit leuchtenden Augen „We saw the shootout!“ (Wir haben das Elfmeterschießen gesehen!)

Politik

Amerikaner interessieren sich für europäische Politik. Das heißt in diesen Tagen vor allem: Sie fragten uns nach dem Referendum in Großbritannien. Dabei zeigten sie wenig bis gar kein Verständnis für die EU-Ablehnung der Briten.

Merkel ist natürlich eine große Politikerin und eine famose Kanzlerin.

TTIP hingegen sagt ihnen gar nichts, davon hatten sie noch nichts gehört. Auf unsere Erklärung hin fanden sie die Idee natürlich gut. Chlorhähnchen lehnen sie auch ab.

Insgesamt glaube ich, dass der Verbraucherschutz in den USA wenigstens genauso gut ist wie in Europa.

Deutschland

Deutschland finden die Amerikaner toll, nicht nur den Fußball und die Kanzlerin. Jeder, der merkte, dass wir aus Deutschland kommen, wollte wissen, wo wir genau her sind. Münster kannte aber niemand. „Zwischen Köln und Hamburg“ – das war eine befriedigende Auskunft. Lukas Podolski kommt aus Köln – das habe ich in Alaska gelernt. Und der Juwelier war ganz stolz, dass er Namen wie „Götze“, „Müller“ und „Manuel Neuer“ aussprechen kann.

Überhaupt sind die Leute extrem freundlich. Der Barkeeper meinte „The best wines of the world are from Germany!“ (Die besten Weine der Welt kommen aus Deutschland!). Da ist man dann doch zunächst sprachlos und etwas irritiert. Gemeint war aber der weiße, der Riesling – gut, da mögen unsere Weinbauern führend sein.

Ausrüstung

Die Trekking-Ausrüstung, die man sich in Houston, Texas, oder in Reno, Nevada, kauft, ist exakt dieselbe wie die, die man in Münster, NRW, kauft. Bis hin zur Farbe der Schuhe und der Suppenschüssel. Die Luftmatratzen und Trinkflaschen die wir hatten, kamen sowieso aus den USA, da war vorher schon klar, dass wir alle dieselben haben.

Noch was

Vor amerikanischen Supermärkten gibt es genauso viele unbenutzte Behindertenparkplätze wie bei uns. Was wir aber noch lernen können: Auf jedem öffentlichen Herren-WC, egal, ob irgendwo in Alaska oder auf dem Flughafen von Seattle, gibt es einen Baby-Wickel-Tisch.

Um jeden Anflug von Shitstorm zu vermeiden: Ich finde das gut. Ich finde Amerika überhaupt gut. Ich werde dahin zurückkehren.

P.S.

Da es sich bei diesem Bericht fast um so etwas wie eine persönliche Urlaubs-Nachlese handelt, hier noch ein paar Eindrücke in bewegten Bildern:

Backpack Trekking im Nationalpark Wrangell – St. Elias, Alaska


Eindrücke aus den Orten McCarthy und Kennecott, ganz weit draußen in Alaska


Schließlich noch ein paar Bilder aus Anchorage, der Hauptstadt Alaskas.

Jörg Friedrich

Jörg Friedrich

Der Philosoph und IT-Unternehmer Jörg Friedrich schreibt und spricht über die Möglichkeiten und Grenzen des digitalen Denkens. Aufsehen erregte sein Buch Kritik der vernetzten Vernunft, in dem er zeigte, dass digitales Denken nicht durch Computer und Internet entstanden ist, sondern umgekehrt: das digitale Denken hat sich seine passenden digitalen Medien geschaffen . Friedrich ist Diplom-Meteorologe und Master of Arts in Philosophie. Sie erreichen Jörg Friedrich per E-Mail: joerg.friedrich@diekolumnisten.de

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