Die Kolumnisten

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Die perfekte Nationalhymne

Die Nationalhymne ist wiedermal in der Diskussion. Text ändern? Abschaffen? Jörg Phil Friedrich sucht nach einem neuen Text

Frau singt die Nationalhymne

Immer wieder kommt die Nationalhymne ins Gerede. Neuerdings wird vorgeschlagen, den Text geschlechtsneutral umzuformulieren. Bei der Gelegenheit drängt sich natürlich die Frage auf, ob man nicht eine völlig neue Hymne schreiben könnte – wenigstens der alte Text könnte ja mal durch einen modernen ersetzt werden.

Wozu überhaupt eine Nationalhymne?

Natürlich melden sich auch Stimmen, die für die Abschaffung der Hymne überhaupt eintreten. Für sie ist die Hymne, wie auch die anderen Symbole des Nationalstaats, ein Relikt aus der Zeit, in der Staaten Kriege gegeneinander führten – am liebsten würden sie mit der Hymne auch die Nationalfarben und Wappen oder gleich den ganzen Staat abschaffen.

Es wäre zumindest eine sehr unpraktische Angelegenheit, wenn Deutschland beschließen würde, auf staatliche Symbole ganz zu verzichten. Hier und da, sei es bei Treffen von Regierungschefs oder bei sportlichen Großveranstaltungen, zeigen alle Länder Flagge, werden die Nationalhymnen gespielt. Ein Land, welches darauf verzichtet, spielt nicht richtig mit, fällt aus der Rolle, grenzt sich aus.

Es klingt vielleicht paradox, aber das Nutzen staatlicher Symbole grenzt nicht aus, sondern verbindet. Jeder sagt, wo er her kommt, wo er sich zugehörig fühlt. Und es ist nun mal unter Menschen Konsens, dass sie irgendwo hingehören, dass sie sich einer Tradition, einer Gegend, einer Kultur verbunden fühlen. Ob der Nationalstaat da immer die optimale Klammer ist, sei dahingestellt, aber er ist schon mal ein Anhaltspunkt, aus welcher Gegend jemand stammt, und damit auch, zu welcher Tradition und Kultur er gehört.

Während die anderen staatlichen Symbole, Flagge in Nationalfarben und Wappen, eine eher zufällige Gestalt haben, deren Bedeutung sich jedenfalls nicht ohne weiteres erkennen lässt, kann der Text einer Nationalhymne ein paar Kernaussagen zur Sprache bringen zum Selbstverständnis der Menschen, die diesen Text zu ihrer Nationalhymne gemacht haben. So kann man dann auch in den verschiedenen Abstufungen vom Inbrünstig-Singen über das Mit-Murmeln und Lippen-Bewegen bis hin zum Schweigen ein bisschen erkennen, wie wichtig dem Einzelnen diese Identifikation mit der Herkunft ist. Deshalb ist ein Text für eine Nationalhymne auch für die wichtig, die die Zugehörigkeit zur Nation eigentlich ablehnen – wie könnten sie besser zeigen, dass sie nichts damit zu tun haben wollen, als im Schweigen, wo alle anderen singen?

Der Text der Hymne

Wir könnten einen Wettbewerb für einen neuen Hymnentext für die deutsche Nationalhymne ausschreiben. Wenn ich mir vorstelle, dass ich mich an einem solchen Wettbewerb beteiligen würde, was für einen Text würde ich zu schreiben versuchen?

Der Text müsste ein paar Sachen aufzählen, die an dem Land, welches er preist, lobenswert sind. Das können die Natur, die Landschaft und ihre Vielfalt sein, es können auch die kulturelle Tradition und die Leistungen vergangener Generationen sein, mit denen alle Bürger irgendwie aufwachsen.

Also: Meere, Seen, Flüsse und Berge, Burgen und Schlösser, Ländliches und Urbanität. Dann Literatur, Philosophie, Wissenschaft und Industrie. Das Denken und das Dichten, das Planen und Bauen.

Sodann müsste die Hymne ausdrücken, was den Leuten hier wichtig ist. Verbundenheit und Freundschaft zu anderen, Einbindung in Europa, aktive Rolle zum Nutzen der Weltbevölkerung.

Eine Hymne muss natürlich auch spezifisch sein, ein Text, der auf alle Völker passen kann, taugt nicht zur Nationalhymne.

Schließlich muss so ein Hymnentext klar, verständlich und leicht mitzusingen sein. Nicht akademisch, sondern emotional. Deshalb werde ich als Philosoph auch keinen Preis in diesem Wettbewerb gewinnen, und meine Versuche, eine Hymne zu dichten, behalte ich lieber für mich.

Aber wer weiß, vielleicht fühlen Sie sich jetzt herausgefordert, die ideale deutsche Nationalhymne zu dichten. Haben Sie Mut! Für einen nachhaltigen Ruhm kann man kaum was Besseres tun, als dem Heimatland couragiert eine Hymne zu dichten!

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7 comments
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Andreas Kern

Man sollte die Kirche im Dorf lassen und die dritte Strophe von Hoffmann von Fallerslebens „Lied der Deutschen“ – und nur um diese Strophe geht es – so lassen, wie sie ist. Im Vergleich zu den Hymnen der USA, Italiens und Frankreich, wo es darum geht, „bereit zum Tod zu sein“ sind, und kämpfen zu wollen „bis unreines Blut unserer Äcker Furchen tränkt“, ist von Fallerslebens Text, um es mit Golo Mann zu sagen, in der Tat zarteste Lyrik. Am Vaterland würde ich mich ebenso wenig stören, wie ich an der Muttersprache oder an Mutter Natur störe.

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Uwe Fischer

Einfach gut sein lassen, es ist halt ein Stück Musik mit Text aus Zeiten, in denen die Sprache eine andere war. So betrachtet müsste alle paar Jahrzehnte eine neue Hymne her. Ich singe die eh nicht mit, und wer das möchte soll es halt tun.
Weder muss sie unnötig erhöht noch unnötig herabgewürdigt werden.

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Rainer Reusch

Ich frage mich, wann diese linkshysterischen Weiber beginnen, unser ganzes Kulturgut „geschlechtsneutral“ umzuformulieren, wann sie in alte Kunstwerke korrigierend hinein malen, Grünewalds auferstehenden Jesus (Isenheimer Altar) als auferstehende Jesa mit roten Lippen, C.D. Friedrichs „Mönch am Meer“ in eine Femen-Aktivistin am Meer und Leonardos Abendmal als Kita-Vegan-Frühstück umdeuten? Asterix und Obelix würden sagen „die spinnen die Weiber“!

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Peter

Infragestellung der Nationalhymne wie auch Beleidigung der Flagge oder unserer Nation muss grundsätzlich unter Strafe gestellt werden.

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Gert W. Knop

Mein Vorschlag einer neuen gesamtdeutschen Nationalhymne wird demnächst dem Deutschen Bundestag als Petition vorgelegt. Elemente der gegenwärtigen Nationalhymne kombinierte ich mit einigen der DDR-Hymne. Einige Länder änderten ihre Nationalhymnen nach einem politischen Wechsel.

Die war mein Vorschalg:
Mein Beitrag zu einer neuen gesamtdeutschen Nationalhymne, die Teile der DDR-Hymne mit der veralteten Deutschlandhymne vereint.
Auch wird ab Strophe 2 nur die Komposition von Hanns Eisler übernommen.

Für Strophe eins noch die Komposition von Haydn.

Text:

1. Strophe (mit Haydens Komposition):

Einigkeit und Recht und Freiheit
sei beschieden,
Deutschland, unserm Vaterland.
Danach lasst uns alle streben,
brüderlich mit Herz und Hand

2. Strophe (mit Hanns Eislers Komposition):

Alle Welt sehnt sich nach Frieden,
reicht den Völkern uns’re Hand,
dass kein Krieg bezwingt den Frieden,
Einigkeit sei uns beschieden
und des Glückes Unterpfand

3. Strophe (mit Hanns Eislers Komposition):

Einigkeit und Recht und Freiheit,
danach lasst uns immer streben,
damit wir in Frieden leben.
Blüh‘ im Glanze dieses Glückes,
blühe deutsches Vaterland

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Ich hatte im Vergleich zum ursprünglichen Petitionstext noch die Strophen leicht verändert.

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Bernhard Hermann Efinger

Einen etablierten Hymnentext zu ändern, halte ich grundsätzlich für unsinnig. Jeder Autor will seine Gedanken manifestieren, in der Hoffnung, dass sein Werk so wie es geschrieben steht, erhalten bleibt. Sonst hätte er sich ja auch anderes ausdrücken können Wer also andern in die Suppe spuckt, schadet sich selbst. Alle Rechtfertigungen, die man dem Hoffmann’schen Hymnentext beimisst, ändern nichts an der Tatsache, dass ein bereits 180 Jahre altes Gedankengut als Hymne nicht in die heutige Zeit passt. Aufgrund einer fehlenden Alternative ist 1991 zu Gunsten von Hoffmann entschieden worden. Nun stehen endlich neue Texte zur Verfügung, die nur darauf warten, dass man sie vergleichsweise mal unvoreingenommen unter die Lupe nimmt und in sachlichen Diskussionen eine Abwägung zur dringlichen Änderung herbeigeführt wird.

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Bernhard Hermann Efinger

Hier ist er:
Ein neuer Hymnentext als Alternative für die Bundesrepublik Deutschland.

So man bittet um Vergebung,
keimt die Saat der Offenheit,
ihre edle Frucht gedeihe
auf dem Weg zur Einigkeit.
Möge die Vernunft uns zwingen,
nicht als Mahnung nur allein,
ohne Hass, mit sich im Reinen,
andern gutgesinnt zu sein.

Volkes Wille ist die Freiheit,
den Naturgewalten gleich,
Brauchtum und Kultur bewahren,
wie auch Kunst an Arten reich.
Fortan soll das Glück des Friedens
gegen blinden Widerstand
dem Gemeinwohl sittsam dienen
im vereinten Vaterland.

Unsre liebenswerte Heimat
strahle in die Welt hinaus,
dass im Lichte der Versöhnung
Frieden segne jedes Haus.
Denn auf ihren Fundamenten
von der Niedertracht befreit,
ringen wir um Selbsterhaltung,
Würde und Gerechtigkeit.