Mach et, Daniel!

Er wollte sich lieber die Pulsadern aufschneiden, als noch einmal den 007 zu geben. Aber nun macht Daniel Craig doch weiter. Bond-Fans und Produzenten dürfte es freuen. Letztere auch, weil sie nun Zeit haben, sich besser auf den irgendwann anstehenden Abschied ihres Zugpferdes vorzubereiten.

Bleibt vorerst Doppelnull-Agent: Daniel Craig, hier bei einer Filmpreisverleihung in London 2007. Foto: Wikimedia Commons, Autor: Autor: Caroline Bonarde Ucci

Die Ärzte von Daniel Craig können entspannt bleiben. Der Mime wird sich nicht die Pulsadern aufschneiden, obwohl er genau das für den Fall angekündigt hatte, dass er noch einmal in die Rolle von James Bond schlüpfen sollte. In einer Talkshow hat Craig nun den seit Monaten andauernden Spekulationen um die Besetzung des für 2019 geplanten Bond-Streifens ein Ende gesetzt. Auf die Frage, ob er dann wieder dabei wäre, antwortete der Engländer dem Moderator schlicht mit: „Ja.“ Craig hätte wohl gleich an den Titel eines älteren Bond-Films denken sollen: „Sag niemals nie!“

Für die Fans ist das eine gute Nachricht. Gilt Craig doch bei Anhängern und vielen Kritikern als einer der besten Bonds, zumindest als der Beste seit Roger Moore. Mit Craigs Name verbinden sie auch den größten Relaunch der Serie seit dem Dienstantritt Moores zu Beginn der 70er Jahre. Erhielt Bond durch Moore eine nonchalante, selbstironische Note, so wurde der Superagent durch Craig härter, verletzlicher und bodenständiger. Beide Male fand ein Update hin zum jeweiligen Zeitgeist statt. Der Craig-Bond orientierte sich dabei an gebrochenen, an sich zweifelnden Helden, wie sie beispielsweise durch 24 oder die Bourne-Filme populär wurden. Auch das Tempo der Bond-Reihe passte sich diesen Vorbildern an.

Mit Craig wurde Bond härter

Die Macher von 007 mögen sich an diesen Serien angelehnt haben, die Persönlichkeit Craigs macht seinen Bond aber unverwechselbar. Sein Debüt-Streifen „Casino Royale“ aus 2006 und „Skyfall“ aus 2012 gelten sogar als zwei der besten Filme der Reihe überhaupt. Der Vollständigkeit halber muss man aber sagen, dass „Ein Quantum Trost“ aus 2008 ziemlich dünn war und der jüngste Film „Spectre“ aus 2015 allenfalls mittelprächtig. Vielleicht ist ja der Wunsch, sich nicht mit einem schwachen Film zu verabschieden, ein Grund für Craigs Zusage, weiterhin den Agenten Ihrer Majestät zu geben.

Die Produzenten indes dürften erleichtert sein. Der Craig-Bond funktioniert, alle seine Filme waren Kassenschlager. Zudem hätten sie beim Abschied des Engländers ein echtes Nachfolge-Problem gehabt. Zwar werden immer wieder spannende (Henry Cavill, Tom Hiddleston, Damian Lewis) und eher unwahrscheinliche Namen (Idris Elba, Priyanka Chopra) gehandelt, doch keinem davon dürfte es leicht fallen, schnell aus Schatten einer so prägnanten Figur wie Craig zu treten. Am leichtesten noch Tom Hardy („The Revenant“), der in den entsprechenden Foren ja auch als heißester aller Kandidaten galt. Aber auch er ist nicht wirklich weit vom Craig-Style entfernt. Ein Problem: Die möglichen Role Models aus der Serienwelt haben sich seit 2006 nicht derart dramatisch verändert, als dass einem gleich die zündende Idee für ein Bond-Neudesign einfiele.

Produzenten haben Zeit gewonnen

Das Grundproblem aller Bond-Besetzungen ist und bleibt ja dasselbe. Einerseits muss sich ein neuer 007 immer von seinem Vorgänger unterscheiden, andererseits muss Bond schon Bond bleiben: Männlich, britisch und ein bisschen arrogant. Alles andere mag gut sein („DCI Luther“ oder „Quantico“ sind auf ihre Art schon gut), ist aber nicht mehr Bond. Bei allzu revolutionären Ideen bestünde die ernsthafte Gefahr, dass viele eingefleischte Fans abspringen könnten und die Serie Gefahr liefe, obsolet zu werden.

Mit der Craig-Zusage haben die 007-Macher auch Zeit gewonnen, sich auf ein irgendwann sicher notweniges weiteres Update noch besser vorzubereiten. Ein vernünftiger Plan B sollte spätestens dann fertig in der Schublade liegen.

Andreas Kern

Andreas Kern

Der Diplom-Volkswirt und Journalist arbeitet seit mehreren Jahren in verschiedenen Funktionen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Kern war unter anderem persönlicher Referent eines Ministers, Büroleiter des Präsidenten des Landtages von Sachsen-Anhalt sowie stellvertretender Pressesprecher des Landtages. Er hat nach einer journalistischen Ausbildung bei einer Tageszeitung im Rhein-Main-Gebiet als Wirtschaftsredakteur gearbeitet . Aufgrund familiärer Beziehungen hat er Politik und Gesellschaft Lateinamerikas besonders im Blick. Kern reist gerne auf eigene Faust durch Südamerika, Großbritannien und Südosteuropa.

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