„On a dark desert Highway…“ – Eine Kolumne für den Eagles-Welthit „Hotel California“

Die neue Hörmal-Kolumne widmet unser Musik-Maniac Ulf Kubanke diesmal dem immergrünen Übersong der Eagles „Hotel California“ aus dem Jahr 1976.


„On a dark desert Highway….“

Ok, ich liebe den „Dude“. Und wir alle wissen: Der „Dude“ hasst die „goddamn fukking Eagles“. Aber man kann ja nicht immer einer Ansicht sein, nicht wahr? Nicht einmal mit dem „Big Lebowski“! Die Ehrungen und Chartnotierungen suchen zu Recht ihresgleichen, bedeuten jedoch nicht einmal entfernt die Essenz des Liedes.

„There she stood in the Doorway….“

Ich gestehe freimütig meine Liebe zu diesem doppelbödigen Juwel. Don Henley, Glenn Frey und Don Felder legen das Stück einerseits als bizarre Mischung, elegant verdrehter Gestalten an. Mystische Gruselstory a la Hotel Overlook in „Shining“ trifft Poes „Die Maske Des Roten Todes“. „…some dance to forget….“

Einige sehen darin die metaphorische Darstellung der Drogensucht. Meine Lieblingsvarianten sind Theorien, derengemäß es sich wahlweise um eine Ehrung Aleister Crowleys oder der „Church Of Satan“ Anzon Szandor LaVeys handele. Zuguterletzt bringen manche vor, das Hotel sei in Wahrheit ein Irrenhaus, in dem der Wahnsinn das Ruder längst übernommen hat. So hat jeder seine ureigene Interpretation; meist gefüttert mit Ängsten oder Sehnsüchten.

Für mich liegt ein Geheimnis der Ausstrahlung in der zunächst unbestimmten, dann im Verlauf textlich festgezurrten Atmosphäre des Unentrinnbaren,
des sicheren Untergangs,
des namenlosen Grauens,
welches erst das Blut gefrieren lässt, um hinterher zu verschlingen.

„And in the master’s chambers
They gathered for the feast
They stab it with their steely knives
But they just can’t kill the beast.“

Das alles transportieren und kontrastieren sie gleichsam mit warm ohrenschmeichelnder Melodie in einem Arrangement, dessen zarter Vorwärtsdrang gar nicht anders kann, als gen Abgrund zu verführen. Hierzu nutzen sie eine geschickte Dramaturgie, die auf stetiges Hinzutreten musikalischer Elemente bis fast zum Schluss setzt. Ohnehin ist „Hotel California“ trotz aller Eingängigkeit ein sehr komplexer Song. Es passiert unglaublich viel in diesen sieben Minuten, ohne, dass es am Ende möbelhaushaft vollgestopft klänge. Alle Elemente korrespondieren songdienend miteinander unter raffinierter Einbeziehung des Stereoeffekts.

So stehen die verschiedenen elektrischen Gitarren einander ebenso gegenüber wie ihnen die Akustische. Das Piano erhält seinen Duettpartner in Form des Clavinets, einem elektrischen Cembalo.

Empfehlenswert ist darüber hinaus ihre nicht minder filigrane Akustikvariante vom hervorragenden „Hell Freezes Over“-Reunion-Gig aus dem Jahr 1994 nach knapp 15 Jahren Trennung. Es war Wiedervereinigung auf höchstem musikalischen und atmosphärischen Niveau. Besonders das neue Intro und die niedliche Nachahmung des großen elektrischen Solos mittels Akustigitarre geben dem Lied frisches Blut.
Doch seid gewarnt und vergesst eines nicht vor dem Hörgenuss: http://www.dailymotion.com/video/x30pss5

„…you can never leave….“

Ulf Kubanke

Ehemaliger Anwalt; nun Publizist, Gesprächspartner und Biograph; u.a. für Deutschlands größtes Online-Musikmagazin laut.de.

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