Eine Axt müsste man haben! Einwurf zur Handball-WM

In letzter Sekunde findet sich doch noch ein Anbieter, der die Handball- WM in Frankreich überträgt. Hendrik Heim von Bad-Boys-Handball findet dennoch: So geht es nicht weiter!

Der kritisierte Hassan Moustafa - von Mohan unter CC-BY-2.0, zugeschnitten

Monatelanges warten und zittern, Übertragunsrechte in der Schwebe. Rechtliche Komplikationen, die viele Handballfans zur Verzweiflung treiben und in Unverständnis münden. Handballdeutschland im Aufschwung, die stärkste Liga der Welt auch endlich wieder mit einer der stärksten Nationalmannschaften der Welt. Überall kommen neue Fans aus den Ecken, sogar solche, die Handball gar nicht mehr ohne siebten Feldspieler kennen!

IHF verliert Fans aus dem Blick

Und das freut uns Handballer, das freut den DHB, das sollte auch den IHF freuen. Dann kommt auch noch die WM in Frankreich, die Grande Nation, „Les Experts“, die Mannschaft, die das letzte Handballjahrzehnt dominiert hat, schickt sich an den nächsten und eventuell auch letzten großen Wurf zu packen. Mittendrin befinden sich die Jungen „Badboys“ aus Deutschland als möglicher Spielverderber. Vielleicht ist es das letzte Mal, dass wir die Spieler der goldenen Generation der Franzosen über die Mattscheibe rennen sehen. Für viele der neuen Handballfans auch das erste Mal.

Oder eben nicht, denn die IHF und Präsident Moustafa haben es geschafft: Die WM wird nicht im frei empfangbaren Fernsehen übertragen. Und das nicht wie viele glauben, weil ARD und ZDF nicht wollten, sondern weil den öffentlich Rechtlichen viele Steine in den Weg gelegt wurden. Vor allem die verlangte strikte Beschränkung des Sendegebietes auf die Landesgrenzen stellte die Sender vor Probleme, die dafür hätten ihr Signal verschlüsseln müssen oder sogar einen neuen Sateliten zum Einsatz bringen.

Immerhin, die Übertragung ist für dieses Mal gesichert. Dafür muss man der DKB danken, die viele Spiele über handball.dkb.de streamen wird.

Zu teuer, zu viele Hürden

Doch dass die öffentlich Rechtlichen nicht dabei sind, hängt auch an den horrenden Preisen. Denn richtig teuer müssen die Rechte natürlich sein, wir Handballer sind ja größenwahnsinnig. Wie hat mir mal ein Kollege gesagt: die Handballer sitzen in ihrem Elfenbeinturm. Unterschreiben kann ich das so nicht ganz. Aber für IHF und den autoritären Präsidenten Moustafa trifft das in jedem Fall zu. Hermetisch abgeriegelt. Die bekommen scheinbar gar nichts mehr mit. Eine Axt müsste man haben um die Türen einzureißen.

Traurig ist allerdings auch, dass nur die Übertragung von Fußball WM und EM, sowie olympischen Spielen und wohl auch der Wintersport im Rundfunkvertrag festgeschrieben sind, während vermeintliche „Randsportarten“ wie der traditionsreiche Handball nicht zum Bildungsauftrag gehören.

Jetzt liegen die Rechte bei handball.dkb.de und wir können uns freuen, dass Live Handball noch nicht ganz verloren ist. Im Internet, nicht im Fernsehen. Wie gesagt, ich freue mich, doch optimal ist anders. Hängende Streams, schlechte Internetverbindungen, man kennt die Krankheiten, mit denen selbst die Streams großer Anbieter noch zu kämpfen haben. Sport gemeinsam mit Freunden in der Kneipe genießen, oder lieber alleine am Laptop? Meine Entscheidung ist klar, doch wie viele Läden werden den Aufwand betreiben? Wenige.

Der Gelegenheitszuschauer bleibt außen vor

Vor allem bietet der Fernseher die deutlich niedrigere Einstiegsschwelle in den Sport. Wie viele potentielle neue Fans werden die Mühen des Internets auf sich nehmen? Wir Alteingesessen, wir schauen die Spiele, planen das in unseren Tag ein. Aber schaue ich Handball erst seit den Badboys, dann ist das doch eher unwahrscheinlich. Und mancher bleibt sonst einfach hängen, wenn er durch das Programm zappt. So werden viele trotz des Wiederaufstiegs der deutschen Nationalmannschaft diese WM verpassen und wenn wir uns dann in 10 Jahren über Handball unterhalten, nie verstehen wieso wir über die Athletik eines Narcisse und Abalo, die Wunder eines Omeyer und die unbändige Kraft von Nicola Karabatic schwärmen. Und so wirken die Handballer dann wieder, als säßen sie in einem Elfenbeinturm. Deswegen dürfen wir uns nicht zufrieden geben, dass wir unseren geliebten Sport zumindest im LIVE-Stream wieder haben. Wir müssen weiter Lärm machen, dass auch die oberen im IHF merken, dass es so nicht geht. Den Elfenbeinturm stürmen und die Mauern einreißen.

Ja, eine Axt müsste man haben!

 

Hendrik Heim

Hendrik Heim

Hendrik Heim ist Sportwissenschaftler, Handball-Vize-Europameister der Studenten und betreibt das Webportal Bad-Boys-Handball.

More Posts

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir verwenden Cookies, um Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an soziale Medien und für Analysen weiter. Durch die Benutzung unserer Webseite stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen

Wir verwenden Plugins, mit denen Sie unsere Inhalte in sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Google+ teilen können. Bereits durch den Aufruf von Seiten werden Informationen an diese sozialen Medien weitergegeben. Außerdem verwenden wir Google Analytics, um die Nutzung unserer Seite analysieren zu können.

Schließen