#Linke für Trump?

Ein später Einwurf zur US-Wahl & der Dialektik der internationalen Balance of Power

Trump bei einer Rede für die Conservative Political Action Conference - Gage Skidmore unter CC-BY-3.0, zugeschnitten

Zuspitzung: Linke für Trump gibt es, auch wenn die Achse des Guten ihre erfunden hat.

Genauer vielleicht: Linke die zwar beteuern, Donnie J. Darko nicht zu mögen aber 90% ihrer Posts & Artikel auf Clintons Verfehlungen konzentrieren. Man begründet das, nach meinen Erfahreungen in den sozialen Netzwerken Facebook und Žižek™ gern damit, dass

a) die Staatenkonkurrenz sowieso ein Machtspiel ohne Moral sei und nun eben Russland und China, (die sich von der USA sowieso nur graduell unterschieden) ein bisschen mehr am Drücker seien.

und

b) Trump immerhin kein Kandidat des Establishments & damit kein außenpolitischer Falke oder Kriegstreiber sei, was anderen Weltregionen Luft zum Atmen und Raum zur Entwicklung geben könnte.

Mal ungeachtet dessen, ob das Unsinn ist (yeah, it is! man google zum Beispiel mal Trump+Nuclear Weapons) – sollte man nicht vielleicht gerade mit diesem fatalistischen Weltbild sich am Ende an Clinton halten? Denn, auch wenn hier die ungeliebte Dialektik bemüht wird, gerade deren von Linken erwartete kompromisslose außenpolitische Haltung könnte innerhalb des sowieso geringen Spielraums, den derzeitige politische Entwicklungen zu erlauben scheinen, letztlich auch für die Bewohner direkt mit der USA konkurrierender Staaten, ein mehr an Freiheit bringen.

So wie der real existierende Sozialismus als Gegenpol den sozialen Kahlschlag im Westen erschwerte, so unterfüttert die Kombination aus Freiheitsrhetorik und pragmatischem Interventionismus zivilisatorische Standards in Modernisierungsdiktaturen mittels einer Kombination von Idealbildung & Drohung.

Für die Einfachdenker: In Frankreich siegt Le Pen, in Deutschland Höcke. Wen hätte ihr da lieber im Weißen Haus sitzen?

 

Sören Heim

Sören Heim

Sören Heim ist Journalist, Übersetzer und Schriftsteller. Er ist Träger des kosovarischen Preises für moderne Dichtung „Pena e Anton Pashkut“ (Stift des Anton Pashku) und des Sonderpreises „Favorit von Daniel Glattauer“ der art.experience 2014. In HeimSpiel schreibt Sören Heim mit Heimvorteil zu den Schnittpunkten von Kunst, Kultur und Gesellschaftspolitik. Er beleuchtet die unerwartete Bedeutung ästhetischer Fragestellungen für zeitgenössische Debatten, die mit Kunst auf den ersten Blick kaum Berührungspunkte haben. Und wo immer, sei es in der Politik, sei es in der Ökonomie, sei es gar im Sport, er auf geballten Unsinn und Unverstand trifft, wagt der Kolumnist auch das ein oder andere Auswärtsspiel. Bisher erschien die Kolumne HeimSpiel im Online-Debattenmagazin The European. Daneben veröffentlicht Heim in mehreren Literaturzeitschriften vornehmlich Lyrik und dichte Kurzprosa, und bloggt auf der eigenen Homepage aus seinem Zettelkasten. Auf Youtube macht er gemeinfreie Lyrik und eigene Texte hörbar, zuletzt Rilkes Duineser Elegien. Im Juli erschien ein Gastbeitrag zu Jan Wagner auf dem Literaturportal Literaturschock. Heim ist mit seiner Autorenseite auch auf Facebook vertreten. 2016 veröffentlichte Heim den "Roman in 24 Bildern" Kleinstadtminiaturen. Erschienen im Girgisverlag, ISBN: 978-3939154181.

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