So macht man die AfD stark

Eine Band meint, Wahlkampf gegen die AfD machen zu müssen. Ihr Video erreicht 10 Mio Aufrufe bei Facebook. Aber es wird der AfD mehr nützen als schaden.


Machen wir es uns doch ganz einfach. Hören wir auf, irgendetwas nachzulesen, lassen wir das Recherchieren, suchen wir nicht mehr nach Fakten. Behaupten wir doch einfach das, was unser Publikum hören will, sagen wir das, was unsere Fans toll finden. Dann können wir uns gut fühlen, dann gehören wir auch zu den Fortschrittlichen, zu den Freunden der Menschheit, und bekämpfen gleichzeitig mutig und entschieden die Bösen.

Sie wissen, von wem ich rede? Konkret von einer Band namens „Jennifer Rostock“ die gerade ein Lied gemacht hat, in dem sie, scheinbar ironisch und sehr intelligent, dazu „aufruft“ die AfD zu wählen, allerdings nur, wenn man „zu den allerdümmsten Kälbern“ gehört, die „ihre Metzger selber“ wählen.

Die Methode: der Text zählt ein paar politische Forderungen auf, Strophe für Strophe, und sagt den Zuhörern dann im Refrain, wenn man dies wolle, dann solle man die AfD wählen.

Faktencheck

Das Problem: Die Liste politischer Statements hält dem Faktencheck nicht stand. Beispiel: Im Lied heißt es gleich in der ersten Zeile:

Bist du alleinerziehend und willst nicht, dass der Staat dich unterstützt, dann wähl die AfD.

Im AfD-Programm gibt es aber einen Unterabschnitt mit der Überschrift „Alleinerziehende unterstützen. Familien stärken“. Diesen Abschnitt muss man erst mal gelesen und verstanden haben, er lässt sich ganz sicher nicht auf die zitierten Liedzeilen reduzieren. Die AfD fordert nämlich durchaus an dieser Stelle, Alleinerziehende (und Unterhaltszahlende) zu unterstützen, will aber gleichzeitig die Vater-Mutter-Kind-Familie stärken. Da könnte man natürlich kritisch nachfragen, wie das wohl alles zusammen gedacht und realisiert werden soll. Aber die Behauptung des Lied-Textes zeigt vor allem: Die Band hat das Programm nicht gelesen und nicht verstanden. Sonst wüsste sie: Die AfD will „Mehr Kinder statt Masseneinwanderung“ und eine „Willkommenskultur für Neu- und Ungeborene“ – dazu gehört auch die Unterstützung von Alleinerziehenden. Das Programm der AfD lässt sich sicherlich gerade an dieser Stelle sehr plausibel kritisieren – aber nicht durch Verdrehung der Fakten.

Noch schlimmer wird es, wenn das Lied behauptet:

Willst du, dass man Sozialleistungen kürzt, und sowieso, was spricht schon gegen Arbeit unterm Mindestlohnnivieau … dann wähl die AfD.

Die AfD will nämlich den Mindestlohn ausdrücklich beibehalten. Sozialleistungen zugunsten von Familien mit Kindern sollen verbessert werden. Ich will das hier gar nicht weite im Detail ausführen, denn ich will hier keine AfD-Werbung machen.

Ginge es mir hier um eine Auseinandersetzung mit dem Programm der AfD, würde ich z.B. danach fragen, wo die AfD konkret Änderungen am Bestehenden vornehmen wollen würde, wo sich das, was sie so vehement fordert, eigentlich von dem unterschiedet, was die Große Koalition längst gemacht hat, und wie sie das, was sie darüber hinaus fordert, finanzieren will, wem sie dann „in die Tasche greifen“ will. Denn das Programm der AfD ist vor allem eine Liste toll klingender Forderungen, aufgestellt nach der Methode: Was die Leute hören wollen, schreiben wir ins Programm. Das ist das Problem.

Wie sie sich gleichen…

Mit ihrem Song voller Unwahrheiten zeigt die Band „Jennifer Rostock“ nur, dass sie gar keine ernsthafte Auseinandersetzung mit der AfD will. Auch sie schreibt in den Liedtext nur, was ihre Fans hören wollen. Und so viele plappern es nach: Zeitungen, Politiker der anderen Parteien, die Aktivistinnen in den Sozialen Medien. Sie alle erzählen sich und ihren Lesern, Wählern, Fans und Followern immer nur das, was die hören wollen. Sie gleichen darin erschreckend denen, die sie mit so viel gutem Gewissen in die Böse Ecke stellen wollen.

Und sie helfen denen in Wirklichkeit nur. Denn für die AfD ist es so einfach, die plumpen Fälschungen dieses Songs, und aller ähnlichen Behauptungen, von denen die Reden der vereinigten AfD-Feinde voll sind, zu widerlegen. So macht man diese Partei stark.

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Jörg Friedrich

Jörg Friedrich

Der Philosoph und IT-Unternehmer Jörg Friedrich schreibt und spricht über die Möglichkeiten und Grenzen des digitalen Denkens. Aufsehen erregte sein Buch Kritik der vernetzten Vernunft, in dem er zeigte, dass digitales Denken nicht durch Computer und Internet entstanden ist, sondern umgekehrt: das digitale Denken hat sich seine passenden digitalen Medien geschaffen . Friedrich ist Diplom-Meteorologe und Master of Arts in Philosophie. Sie erreichen Jörg Friedrich per E-Mail: joerg.friedrich@diekolumnisten.de

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  • The Saint

    Die Weist hat den IQ von Tütensuppe, und diese Erkenntnis leite ich keinesfalls von dem Umstand ab, dass sie aussieht wir eine laufende Landkarte, sondern von den wenigen Talkshowauftritten, in denen Sie sich als 1A Simpleton offenbart. Dem Geschwalle der Band würde ich keine Bedeutung beimessen.

    Die Mucke von JR ist aber gut, da gibt es gar nichts.

    • Jakob Nägele

      Ihr Lover wurde doch von Migranten am RAW in Berlin abgestochen…..was sagte sie dazu??

  • Fred Groeger

    Tut mir leid Jörg Friedrich, schlampige Recherche.
    Lesen Sie bitte alle Wahlprogramme der AfD. Jennifer Rostock spielt nicht auf das Bundeprogramm der AfD an, sondern in großen Teilen auf das Berliner Wahlprogramm. Da findet sich auch das Kürzen von Sozialleistungen und die Abschaffung des Mindestlohns.

    Geben Sie sich bitte mehr Mühe.

    • Jörg Friedrich

      Wie ich Ihnen schon auf Facebook geantwortet habe: Wie Sie ganz sicher wissen, geht es der Band, deren Herkunft sie schon im Namen verrät, um die Wahlen in Mecklenburg Vorpommern, die in der nächsten Woche stattfinden. Muss man natürlich nicht drauf kommen. Wenn, dann müssten wir also deren Programm zu Rate ziehen. Ich habe auch das gelesen, dort findet man allerdings etwa zum Mindestlohn nichts explizites. Die Aussagen, die da stehen, gehen aber eindeutig Richtung Bundesprogramm. Also, einfach mal ein bisschen weniger schlampig recherchieren, Herr Kritiker. Hinzu kommt, dass auch Ihr zitierter Satz nicht einfach als „wir wollen Arbeit unter Mindestlohnniveau“ interpretiert werden darf. Der Satz könnte auch in vielen anderen Wahlprogrammen stehen. In Deutschland gibt es nämlich die berühmte Tarifautonomie.

      Und dann verlinken Sie mir doch bitte die Stellen im Berliner Wahlprogramm, in denen sich etwa die Ablehnung der Unterstützung Alleinerziehender oder irgendwelcher anderer Behauptungen des Liedes ableiten lassen.

      Im Übrigen singt die Band von „der AfD“. Woher Sie Ihre Kenntnis haben, dass sie sich dabei auf „der Berliner AfD“ bezieht, wüsste ich auch gern. Selbst wenn es so wäre, wäre die generelle Aussage, „die AfD wolle dies und das“ schlicht falsch.

    • The Saint

      Herr Groeger, selbst wenn die AfD den Mindestlohn abschaffen und Sozialleistungen kürzen wollte, wären das legitime politische Forderungen, die man befürworten oder ablehnen kann. Man muss aber schon den Intellekt eines Brötchens haben, wenn man sich durch das Geträllere einer Band beeinflussen lässt, wo man sein Kreuz macht, und die geistigen Fähigkeiten von J. Rostock dürften ebenfalls in etwa auf dem Niveau der Sesamstrasse liegen.

      • derblondehans

        … ich mag die Sesamstraße, … die hat mehr Niveau als Merkel und andere.

      • RuWu

        Ich persönlich wähle die AfD nicht, weil ich einen Großteil ihrer politischen Forderungen ablehne.

        • The Saint

          Das ist Ihr gutes Recht, und ich finde das Programm der AfD auch nicht sehr überzeugend, aber wir haben einen kranken Patienten, und die anderen Parteien bieten an: Nichtstun, Aderlaß, Beten, positives Denken und Infektion aller anderen Patienten.

          • RuWu

            Sehe ich nicht so.

          • The Saint

            Überzeugendes Argument. Diese Möglichkeit hatte ich überhaupt noch nicht in Erwägung gezogen.

          • RuWu

            Freut mich, dass ich Sie überzeugen konnte.

    • Jakob Nägele

      Die tätowierte Schlampe kann lesen? Wundert mich aber….Bundesprogramm zählt.

    • Jakob Nägele

      Es gibt nicht die AfD, es gibt nicht „den Islam“…lol

    • Hans Schmidt

      Dinge, die auf Bundesebene geregelt werden, dazu kann jeder in sein Programm schreiben was er will. Das machen alle Parteien so. Außerdem erwähnt sie nicht explizit, daß das Berliner AfD-Wahlprogramm gemeint ist. Also ist es schon so wie es aufgefaßt wurde – es geht gegen die AfD allgemein und da zählt nur das Parteiprogramm
      .

  • Tutnix Zursache

    Was die Leute nicht verstehen,daß das Wahlprogramm unwichtig ist.Ich werde definitiv AFD wählen,nicht weil ich für/gegen den Mindestlohn bin,auch nicht,weil wir Asylanten aufnehmen,sondern einfach,weil ich es hasse,angelogen zu werden.Und es wird auch nie wieder einen weg zu CDU/SPD und schon gar nicht zu Grünen oder Linken geben.Wenn ich das so sehe,wie Gabriel die CDU so kurz vor den Wahlen für ihre und vor allem auch seine Flüchtlingspolitik kritisiert,könnte ich nur so k…..Für mich gibts so gesehen nur 2 Optionen,CSU oder AFD.

  • derblondehans

    So macht man die AfD stark: Wir schaffen das!

    • derblondehans

      ‚Rückführung, Rückführung und nochmals Rückführung‘

      • Jakob Nägele

        Die lügt, wenn sie das Maul aufmacht. 600.000 sollen ausreisen, pro Jahr schieben wir 20.000 ab….genial…die werden sich hier schneller vermehren, als wir abschieben können.

  • camigo alex

    Sehr gut erkannt und beschrieben. Die meisten Anti-AfD Aktivisten wollen ihre kontraproduktivität einfach nicht erkennen. Wie lange wollen die an dieser Strategie festhalten? Haben die Wahlen am 13.3. Nicht sehr gut gezeigt, dass solch plumpes Anti mehr schadet als nutzt?

  • Jakob Nägele

    Gutmenschen wollen das Gute und tun das Böse. In diesem Fall helfen sie der AfD…vielen Dank.

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