Kostenlose Hörbücher & Bildung für Alle!

Sören Heim erklärt, wo man kostenlosen Hörstoff herbekommt.

Bild: SH

Bezüglich meiner vergangene Woche erschienenen Hörbuch-Kolumne erreichte mich die Kritik, dass, alle anderen Pros und Contras beiseite gelassen, eines doch zumindest gegen das Hörbuch spreche: Es sei teuer, für Menschen mit kleinem Geldbeutel, ob nun arbeitslos, Student oder einfach in einem dieser beschissenen Jobs die kaum zum Leben reichen, geradezu unerschwinglich.

Eine Analogie

Der Einwand befremdet mich. Nicht weil er nicht nachvollziehbar wäre, wäre er richtig. Sondern: Weil er falsch ist und einen jener Fälle darstellt, in denen lieber gleich gemeckert wird statt erst einmal genau zu prüfen ob man überhaupt Grund zum meckern hat. Analog befremdeten mich schon auf der Uni Mit-Geisteswissenschaftsstudenten, die mit dem Slogan protestierten „wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut“. Nicht, weil sie protestierten. Sondern weil dank Internet, Bibliotheken, Fernleihe-Angeboten und zahlreichen illegalen und halb legalen Möglichkeiten an freie Texte zu kommen es wohl wenig auf dieser Welt gibt, was den Interessierten günstiger zu stehen kommt als eine umfassende literarische oder philosophische Bildung. Aber gut: (tief einatmen, das wird lang):

Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Führung bei der Auswahl wie wir uns bilden sollen sowie den Zugang zu vernünftigen Abschlüssen die uns auf dem sowieso schon hart umkämpften staatskapitalistischen Markt für Gesinnungsprosa oder im Bereich Irgendwasmitmedien zumindest eine geringe Chance lassen klaut

wäre wohl wirklich ein beschissener Slogan für Studentenproteste gewesen, die ansonsten  durchaus gute Gründe hatten.

Hörbücher wie Sand am Meer

Nun aber: Hörbücher. Die gibt es, gerade die guten, für wenig bis kein Geld wie Sand am Meer, und ich möchte diese Kolumne mit einigen Hinweisen schließen, wo man suchen muss.

Da wäre in erster Linie Librivox, das größte mir bekannter Archiv für Hörbücher gemeinfreier Texte, hier findet sich zumindest fast jeder englischsprachige Klassiker, und auch in anderen Sprachen kommen immer mehr Hörexte dazu.

Des weiteren produzieren zahlreiche öffentlich-rechtliche Radiosender Hörbücher und Hörspiele, wobei besonders der bayerische Rundfunk mit seinem Archiv heraussticht.

Dann: YouTube & vergleichbare Portale. Auf einem nach dem berühmten anonymen Gedicht „Tom O’Bedlam“ benannten Kanal finden sich unzählige englischsprachige Lyrikklassiker, intoniert mit herrlicher Bassstimme. Überhaupt findet sich fast alles nur denkbare an lyrischer Dichtung auf YouTube, sowie auch viele zeitgenössische Romane, die man nach meiner Kenntnis der Rechtslage sorgenfrei anhören darf, auch wenn der Upload illegal ist.

Wem der Sinn nach zeitgenössische Lyrik steht, der findet im Lyrikarchiv Lyrikline viel Futter, hier lesen Autoren wie zum Beispiel Paul Celan ihre Texte selbst.

Selbst die kleinsten Stadtbibliotheken haben heute nicht selten Hörbuch-Archive, auch hier ist Fernleihe möglich und nicht wenige partizipieren an Systemen wie der Onleihe, die nochmal massenhaft Aufnahmen zur Verfügung stellt.

Kassette, Kassette!

Und zuletzt: Hörkassetten (das sind diese Dinger mit dem Band das man so schön herausziehen kann und nie wieder herein bekommt) gibt es oft für nen Appel und en Ei auf Ebay oder anderen Gebrauchtmärkten.

Sören Heim

Sören Heim

Sören Heim ist Journalist, Übersetzer und Schriftsteller. Er ist Träger des kosovarischen Preises für moderne Dichtung „Pena e Anton Pashkut“ (Stift des Anton Pashku) und des Sonderpreises „Favorit von Daniel Glattauer“ der art.experience 2014. In HeimSpiel schreibt Sören Heim mit Heimvorteil zu den Schnittpunkten von Kunst, Kultur und Gesellschaftspolitik. Er beleuchtet die unerwartete Bedeutung ästhetischer Fragestellungen für zeitgenössische Debatten, die mit Kunst auf den ersten Blick kaum Berührungspunkte haben. Und wo immer, sei es in der Politik, sei es in der Ökonomie, sei es gar im Sport, er auf geballten Unsinn und Unverstand trifft, wagt der Kolumnist auch das ein oder andere Auswärtsspiel. Bisher erschien die Kolumne HeimSpiel im Online-Debattenmagazin The European. Daneben veröffentlicht Heim in mehreren Literaturzeitschriften vornehmlich Lyrik und dichte Kurzprosa, und bloggt auf der eigenen Homepage aus seinem Zettelkasten. Auf Youtube macht er gemeinfreie Lyrik und eigene Texte hörbar, zuletzt Rilkes Duineser Elegien. Im Juli erschien ein Gastbeitrag zu Jan Wagner auf dem Literaturportal Literaturschock. Heim ist mit seiner Autorenseite auch auf Facebook vertreten. 2016 veröffentlichte Heim den "Roman in 24 Bildern" Kleinstadtminiaturen. Erschienen im Girgisverlag, ISBN: 978-3939154181.

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