Warum das Abendland wirklich untergeht!

Das Abendland geht unter. Soviel sollte wohl klar sein. Aber warum? Sören Heim präsentiert eine Alternative zu Flüchtlingskrise, Islamisierung und großer Verschwulung. Ebikes und der Mini sind Schuld!

Pedelec Cargo Bicycle, zugeschnitten - von Federation European Cyclists unter CC BY 2.0

Das Abendland geht unter. Und eBikes und der Mini sind schuld. Was sagen Sie? Vollkommener Unsinn? Wie? Das mit dem Untergang stimme schon? Aber eBikes? Und der Mini? Den Bären könnte ich nicht mal Ihrer Großmutter aufbinden? Bitte? Das mit den eBikes könnten sie sich sogar noch vorstellen … ? Diese verdammten Grünen und ihr Ökofimmel! Aber wann hätte man schon mal nen Islamisten im Mini gesehen? Bitte. Hören Sie mir doch in Yehovas Namen einmal einen Moment zu, sie verblendeter Gutmensch. Dann werden sie schon sehen was es mit der Sache auf sich hat. Denn ich habe Recht und sie haben Unrecht. So wie es bisher eben immer war. Ruhe auf den billigen Plätzen!

Bedrohung 1: eBikes!

Also. Fangen wir bei den eBikes an. Seit Menschengedenken ist Radfahren ein besonders männlicher Sport. Erst haben Männer das Rad erfunden, kurze Zeit später das Radfahren. Manche behaupten es sei andersrum gewesen, einfach weil Radfahren ohne Räder ziemlich idiotisch aussah. Wie dem auch sei: Allein gegen die Natur, im Pulk gegen ein Rudel Feinde – Radfahren IST Männlichkeit

Henninger_Turm-2005-T-MOBILE_TEAMVon Heidas unter CC BY 3.0, zugeschnitten

Radfahren IST Männlichkeit

Demographische Studien zeigen, wie der Kollege Heiko Heinisch1 zuletzt hier kenntnisreich dargelegt hat, wie gefährlich ein Haufen deklassierter und frustrierter Jungmänner für die Stabilität einer Gesellschaft sind. Ägypten. Osteuropa. Iran. Überall Mobs wütender Jungspunde in den Straßen und Gassen, die nix anderes können als protestieren, bis nichts mehr da ist zum protestieren. Und was noch? Genau: Praktisch keine Radfahrer. Das wird jeder bestätigen der diese Länder einmal bereist hat. Während in Mitteleuropa der Anteil der radfahrenden Bevölkerung seit 1945 durchgängig im Steigen begriffen ist geht er in den Krisenregionen dieser Welt gegen Null. Tja. Und nun kommt das eBike auf. Junge Männer in der Mitte ihres Lebens werden regelmäßig am Berg von alten Frauen überholt, kleine Kinder rasen gestandenen Recken davon. Man(n) erlebt seine pedalierende Kastration.

Die frustrierte Jugend wendet sich verständlicherweise vom Rad ab oder sattelt selbst aufs eBike um und – verweichlicht. Klar. Sicher, das sei doch alles bekannt, sagen Sie? Aber so eine verweichlichte Jugend mache immerhin keine Revolutionen? Schon richtig. Und hier kommt der Mini ins Spiel.

Bedrohung 2: Der Mini!

Sehen Sie, eine der wichtigsten Triebkräfte aller menschlichen Taten ist doch die Sexualität. „Deklassierung + Sexuelle Frustration = Kabumm“. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Lesen Sie es bei Heinisch nach!2 Und der Austin Mini Cooper (der neue natürlich, nicht der alte, der ist ein ehrwürdiger mehrfacher Mille Miglia Sieger) ist einer der Hauptgründe, wenn nicht DER Hauptgrund der heute grassierenden sexuellen Frustration unter jungen Männern. Warum? Ganz einfach: Irgendwann in den frühen 00er Jahren hat sich das Gefährt zu dem Automobil entwickelt, mit dem höhere Töchter, die etwas auf sich hielten unterwegs waren. Spätestens zum Abi mit 18 wuchs jedem Mädel, deren Vater mindestens in Besoldungsgruppe A13 anzusiedeln war, so ein Mini. Die privatwirtschaftlich beschäftigte Elternschaft zog natürlich nach. Mini, das hieß jung, gerade flügge, aus behütetem Haus und auf Abenteuer aus. Wie bei einem pawlowschen Reflex erregte so nach einiger Zeit schon der bloße Anblick eines Mini die Aufmerksamkeit junger Männer. Und heute? Sind Frauen jeden Alters im Mini unterwegs, nicht selten sogar Typen. Die Jugend weiß nicht mehr, worauf Sie sich verlassen kann. Mancher Halbstarke eilte gerade noch, die Tür eines haltenden Mini in kavalieresquem Überschwang aufzureißen, nur um dann jener älteren Dame gegenüberzustehen, die ihn grad gestern auf dem eBike überholt hat. Wo soll das nur hinführen?

Zurück zur Kohle!

Ich sage es Ihnen: Direkt zum Untergang des Abendlandes. Aber noch ist es nicht zu spät. Tun wir etwas dagegen. Verschrotten wir diese verdammten eBikes und kehren zu ordentlichen traditionellen kohlebetriebenen Fahrrädern zurück. Und keine Minis mehr. Überhaupt, was ist aus der Maxime „größer ist besser“ geworden? Dann noch Kraftwerk in den guten Alten Kassentenrekorder, und das Abendland könnte noch ein paar Jährchen haben. Obwohl es jetzt doch schon ziemlich lange Abend ist. Und so düster auf einmal…

 

1Das steht da wirklich.

2Nein, Wirklich!

Sören Heim

Sören Heim

Sören Heim ist Journalist, Übersetzer und Schriftsteller. Er ist Träger des kosovarischen Preises für moderne Dichtung „Pena e Anton Pashkut“ (Stift des Anton Pashku) und des Sonderpreises „Favorit von Daniel Glattauer“ der art.experience 2014.

In HeimSpiel schreibt Sören Heim mit Heimvorteil zu den Schnittpunkten von Kunst, Kultur und Gesellschaftspolitik. Er beleuchtet die unerwartete Bedeutung ästhetischer Fragestellungen für zeitgenössische Debatten, die mit Kunst auf den ersten Blick kaum Berührungspunkte haben. Und wo immer, sei es in der Politik, sei es in der Ökonomie, sei es gar im Sport, er auf geballten Unsinn und Unverstand trifft, wagt der Kolumnist auch das ein oder andere Auswärtsspiel.

Bisher erschien die Kolumne HeimSpiel im Online-Debattenmagazin The European. Daneben veröffentlicht Heim in mehreren Literaturzeitschriften vornehmlich Lyrik und dichte Kurzprosa, und bloggt auf der eigenen Homepage aus seinem Zettelkasten.

Monographien:
Kleinstadtminiaturen: Ein Roman in 24 Bildern. Girgis Verlag: 2016 – ISBN: 978-3939154181.Cover nur Front
Gewogene Worte: Nachdichtungen aus dem Chinesischen. edition maya: 2016 – ISBN: 978-3930758463.cover
kathaStrophen. Experimente in Rhythmus und Melodie. Chiliverlag: 2017 -ISBN: 978-3943292541.FrontCover 2_bleu
Algenhumor: Gedichte für das dritte Jahrtausend. Girgis Verlag: 2016 – ISBN: 978-3939154228.algen

Audio-Exklusiv:
La vie! La jeunesse! – Hörmordkartell 2017

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