Zika-Epidemie: Gentechnik ist Lösung, nicht Ursache

Warum wir den Versuch nicht aufgeben sollten, gefährliche Mücken auszurotten


Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen des Zika-Virus und dessen möglicher Verbindung mit Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie) bei Babies am 1. Februar den globalen Gesundheitsnotstand erklärt. Das Zika-Virus hat sich bereits in 33 Ländern verbreitet. Fünf der betroffenen Länder haben nach WHO-Angaben zudem eine gleichzeitige Zunahme der seltenen Lähmungskrankheit Guillain-Barré-Syndrom (GBS) gemeldet. Zika ist damit zwar im Vergleich zu Krankheiten wie Ebola oder Malaria noch immer ein relativ kleines Problem. Dennoch scheint es geboten, den Ausbruch mit möglichst effektiven Mitteln einzudämmen. Eines davon könnte die Bekämpfung der das Virus übertragenden ägyptischen Tigermücke der Art Aedes aeqypti mit gentechnischen Methoden sein.

Die Firma Oxitec hat diese Mücken schon vor Jahren gentechnisch so verändert, dass ihr Nachwuchs im Larvenstadium stirbt, und diese in Freisetzungsversuchen auf den Cayman Inseln, Malaysia und Brasilien auch schon erfolgreich getestet. Lokale Populationen der Mücke, die auch Überträger der Erreger des Dengue Fiebers und des Chikungunyafiebers ist, konnten damit drastisch dezimiert werden. Noch effektiver könnten die Mücken mit neuen Genmodifikationen bekämpft werden, die den Mechanismus des Gene Drifts nutzen, wie ich an anderer Stelle beschrieben habe.

Bedauerlicherweise gibt es nach wie vor genug einflussreiche Antigentechnik-Aktivsten, die jede noch so segensreiche Wirkung von gentechnisch veränderten Organismen unter Verweis auf mögliche sogenannte „unbekannte Risiken“ ablehnen. Im Fall von Zika und den Oxitec Mücken wurde sogar eine Verschwörungstheorie verbreitet, die modifizierten Mücken seien verantwortlich für den Zika-Ausbruch. Entsprechende Stories kamen unter anderem bei Russia Today und der Daily Mail. Sie sind kompletter Nonsens. Die seit 1947 bekannte Zika-Infektion hat mit modifizierten Mücken ungefähr so viel zu tun wie Grippe mit Tempotaschentüchern.

Es war nicht der erste Versuch, das Auftreten von Kindern mit Schädelfehlbildungen der Gentechnik in die Schuhe zu schieben. So hat der Naturschutzbund Deutschland (NABU) 2011 in einer Studie „Glyphosat und Agrogentechnik“ behauptet, das Herbizid Glyphosat, das vor allem beim Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen eingesetzt wird, sei für Mikrozephalie verantwortlich. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) produzierte 2013 ein Animationsvideo, in dem Tausende Babys wie Kohlköpfe auf dem Feld wachsen und dann mit Glyphosat tot gespritzt werden. Mit einer rationalen Debatte über Chancen und Risiken haben solche rein denunziatorischen Behauptungen nichts zu tun. Sie sind vor allem ein beliebtes Mittel der Angst- und Spendengenerierung.

Sinnvolle Eingriffe in die „Natur“

Das Unbehagen vieler Menschen hat damit zu tun, dass man sich Natur als ein statisches, harmonisches Gebilde vorstellt, dessen fragiles Gleichgewicht durch menschliche Eingriffe gefährdet ist. Darf man die Natur eines Lebewesens verändern, indem man sein Genom manipuliert? Darf man Aedes aegypti einfach ausrotten? Ja, man darf. Denn die Vorstellung, dass genau die Arten, die heute auf der Welt oder in einzelnen Regionen leben, die „Natur“ seien und bewahrt werden müssten, ist irrig. 99% aller Arten, die je auf dem Planeten lebten, sind wieder ausgestorben, die Artenzusammensetzung ist in ständigem Wandel begriffen. Es gibt Arten, die eine wichtige Rolle in einem Ökosystem und mitunter auch für das Wohlergehen des Menschen spielen, und andere, die dies nicht tun. Mücken gehören gemeinhin zur zweiten Kategorie. Die Begriffe „Schädling“ und „Nützling“ sind nicht aus der Luft gegriffen. Skrupel, Aedes aegypti in Lateinamerika auszurotten, sind schon gar nicht angebracht, denn die Mücke ist dort noch nicht einmal heimisch, sondern wurde von Menschen eingeschleppt. Sie jetzt wieder loszuwerden würde keine Lücke in irgendwelche Ökosysteme reißen. Tatsächlich war der größte Teil Südamerikas in den 1970er Jahren dank konsequenter Bekämpfung mit DDT schon einmal frei von Aedes aegypti. Es gibt genug andere Mücken. Auf eine, die gleich drei schwere Krankheiten auf Menschen überträgt, kann man gerne verzichten.

Welche Methode ist die beste?

Das Problem der Oxitec-Mücken ist, dass sehr große Mengen freigesetzt werden müssen, also ein erheblicher Aufwand erforderlich ist. Es ist also zu klären, ob es unter ökonomischen Aspekten die beste Methode ist. Alternativen wären Impfungen. Doch Impfstoffentwicklung ist ebenfalls langwierig und teuer und Impfprogramme bei großen Bevölkerungen sehr aufwändig. Auch die klassischen Bekämpfungsmethoden, Insektizide, Unfruchtbarmachen durch radioaktive Bestrahlung, Trockenlegung von Brutplätzen erfordern erheblichen Mittel und Arbeitseinsatz. In Brasilien sind dafür derzeit 200.000 Soldaten im Einsatz. Die Gentechnik-Mücken werden wohl noch ein paar Jahre der Optimierung brauchen. Aber vieles spricht dafür, dass sie zum Mittel der Wahl werden könnten, um eine Vielzahl von Krankheitsüberträger auszuschalten und das Leben von Hunderten von Millionen Menschen zu verbessern. Wir sollten mit hohem Einsatz daran arbeiten, die Möglichkeiten schnell und umfassend zu nutzen.

 

 

Thilo Spahl

Thilo Spahl

Thilo Spahl ist Diplom-Psychologe und lebt in Berlin. Er ist freier Wissenschaftsautor, Mitgründer des Freiblickinstituts und Redakteur bei der Zeitschrift NovoArgumente.

More Posts

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir verwenden Cookies, um Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an soziale Medien und für Analysen weiter. Durch die Benutzung unserer Webseite stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen

Wir verwenden Plugins, mit denen Sie unsere Inhalte in sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Google+ teilen können. Bereits durch den Aufruf von Seiten werden Informationen an diese sozialen Medien weitergegeben. Außerdem verwenden wir Google Analytics, um die Nutzung unserer Seite analysieren zu können.

Schließen