Partisanen im virtuellen Raum

Carl Schmitt gehört zu den deutschen Denkern in der Schmuddelecke. Es lohnt sich, ihn da rauszuholen.

Carl Schmitt: Immer noch anregend.

Liest man die „Theorie des Partisanen“ von Carl Schmitt, dann wird schnell klar. Die Partisanen von heute verteidigen vor allem ihre Freiheit im Netz, ihre virtuelle Heimat. Es lohnt sich, das Buch von 1963 im Lichte aktueller Ereignisse zu lesen.

Das Video bei YouTube:

Den ganzen Podcast als puren Hörgenuss bei SoundCloud:

Jörg Friedrich

Jörg Friedrich

Der Philosoph und IT-Unternehmer Jörg Friedrich schreibt und spricht über die Möglichkeiten und Grenzen des digitalen Denkens. Aufsehen erregte sein Buch Kritik der vernetzten Vernunft, in dem er zeigte, dass digitales Denken nicht durch Computer und Internet entstanden ist, sondern umgekehrt: das digitale Denken hat sich seine passenden digitalen Medien geschaffen . Friedrich ist Diplom-Meteorologe und Master of Arts in Philosophie. Sie erreichen Jörg Friedrich per E-Mail: joerg.friedrich@diekolumnisten.de

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  • Michael Kumpmann

    Ich hab mich schon lange für Carl Schmitt interessiert, ihn aber bisher nicht wirklich verstanden. Danke, dass man den hier mal verständlich erklärt. Ich finde das Video gut und werde ihm gleich auch einen Like bei Youtube geben und Sie abonnieren.

    Das Einzige, was Ich daran auszusetzen habe, am Video, ich halte das Ding für viel zu kurz. (Ich hätte es auch schön gefunden, wenn auf das Thema der „politischen Religion“ eingegangen wäre.)

    Zum Thema der „Schmuddelecke“, ich bin absolut dagegen, Philosophen in die Schmuddelecke zu stellen und ich denke, das läuft de Facto darauf hinaus, den Nationalsozialismus mit Bücherverbrennungen bekämpfen zu wollen. Außerdem hatte Ich persönlich an philosophischen „Bad Boys“ wie de Sade, Nietzsche, Stirner, Evola, Jünger, Sprengler, Heidegger oder Alexander Dugin meistens deutlich mehr Spaß, als an „Good Boys“ wie Immanuel Kant, Rousseau, Hegel oder John Locke, muss Ich ehrlich zugeben.

    (Kann sein, dass ich irgendwie unterbewusst mit gerne philosophisch ein „Gangsta“ Image zulege. 😉 )

    Und ich finde es sowieso nicht gut, dass im öffentlichen Diskurs die deutsche Philosophie ständig fast auf Kant (und bei Linken noch auf Marx) eingegrenzt wird und alle anderen Philosophen gefühlt als böse Nazis verdammt werden, um eine Selbstzensur und „Schere im Kopf“ zu produzieren.

    Das Video gibt einige Denkanstöße

    Ich kannte diese Theorie des Partisanens bisher noch nicht, muss Ich zugeben, obwohl es vielleicht anderweitig den Anschein hatte. Das erklärt auch ein wenig, woher Alexander Dugin die Idee hat, dass menschliche Dasein sei stark durch den „Nährboden“/“Mutterboden“, auf dem sich dieses Dasein entwickelt, geprägt. (Neben gewissen offensichtlichen Verbindungen zur Theorie von Basis und Überbau.) Wenn man Raum nicht unbedingt als physischen Raum interpretieren muss, stellen sich 2 Fragen.

    Die erste Frage wäre, ob man, um ein freier Mensch zu sein, nicht in Wahrheit ein Partisanenleben führen muss, um sich ein freies, eigentliches Dasein zu schaffen. (Womit sich wahrscheinlich auch der Kreis zu Che Guevara schließen würde, der von Jean Paul Sartre als freiester Mensch seiner Zeit bezeichnet wurde.Ein wenig muss Ich auch an Albert Camus „Mensch in der Revolte“ denken.)

    Die andere Frage und auch der Grund, warum man meinen könnte, ich hätte Schmitts Theorie des Partisanentums gekannt, ist, ob Ich selbst de Facto seit Jahren im Geist ein Partisanenleben führte. (Dies würde auch de Facto meine Metapher des Waldganges aus meinem Gastartikel noch viel passender machen. Besonders für die Leute, die verstehen, woher Ich diese Metapher entlehnte.)

    Ich hatte ja de Facto auch diesen tellurischen Bezug zum freien Raum und der Verteidigung dessen gegen eine Art von „äußeren Feind“. Dieser Raumbezug war neben einem de Facto räumlichen Ankerpunkt hauptsächlich eine Art soziale Form von Raum, die sich auch, wie Sie beschrieben, stark im Bezug auf das Internet auftat.

    In anderen Bereichen meines Lebens ausser diesem Bereich würde die Metapher eines geistigen Partisanentums mit Irregularität auch sehr passend sein. Auch auf den Streit vor ein paar Monaten, wo ich mich gegen einen gewehrt hatte, der mich uniformieren und auf eine exakte Parteilinie zwingen wollte. (Die Person kennt bei den Kolumnisten keiner. Das war bei einer bestimmten liberalen Gruppe.)

  • Gregor Samsa

    Fast 10 wirklich schwer zu ertragende Minuten der Lobhudelei auf Carl Schmitt, die sich inhaltlich aber auf die Wiedergabe der „Partisanen“-Definition in einem Spätwerk beschränken.
    Soweit Anhänger rechtspopulistischer Strömungen sich im Rahmen der aktuellen „Rechtsstaatsdebatte“ bei Schmitt einen philosophischen Unterbau ihrer Politik erhoffen sollten, wird dies nur ihre wahren Absichten zum Vorschein bringen. Am deutlichsten hat Schmitt seine diesbezüglichen Auffassungen in dem Aufsatz „Der Führer schützt das Recht“ (Deutsche Juristen-Zeitung 1934, S. 945 ff.) zum Ausdruck gebracht, der als Reaktion auf den sog. „Röhm-Putsch“ sowie das hierzu beschlossene Gesetz der Reichsregierung zu verstehen ist. Zitat:

    „Der Führer schützt das Recht vor dem schlimmsten Mißbrauch, wenn er im Augenblick der
    Gefahr kraft seines Führertums als oberster Gerichtsherr unmittelbar Recht schafft: „In dieser
    Stunde war ich verantwortlich für das Schicksal der deutschen Nation und damit des Deutschen
    Volkes oberster Gerichtsherr“. Der wahre Führer ist
    immer auch Richter. Aus dem Führertum fließt das Richtertum. Wer beides voneinander trennen
    oder gar entgegensetzen will, macht den Richter entweder zum Gegenführer oder zum Werkzeug
    eines Gegenführers und sucht den Staat mit Hilfe der Justiz aus den Angeln zu heben.“

    Wollen wir uns (und anderen) das wirklich nochmals antun?

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