Barbara oh Barbara

Moderation-Allzweckwaffe Barbara Schöneberger gibt es jetzt auch als Magazin und die Medien sind begeistert. Unter dem Motto „Weniger Druck, mehr Spaß“ will das Blatt gewollt anders sein. Unsere Kolumnistin bekommt da den Barbara-Overkill.

Barbara Schöneberger
Bild (Montage): Timo Rödiger

Man liebt oder man hasst sie: Barbara Schöneberger. Gerne als Presswurst im Schlafrock gestylt, geizt die Blondine nicht mit ihren Reizen und gibt sich stets betont witzig. Mit der Kamera geht auch die gute Laune an, und die Schöneberger ballert einen Knaller nach dem anderen aus dem Ärmel. Als wäre es mit alldem nicht genug, hat der Traum jedes Schwiegervaters, vielleicht auch sein nächtliches Lustobjekt, sein eigenes Magazin herausgebracht.

Mit Barbara im Namen, Barbara auf dem Cover und ganz viel Barbara drin. Was das bedeutet? Man könnte es wie die Dove-Kampagne als Printauflage umschreiben, gewollt anders, bloß nichts, was Frau unter Druck setzen könnte.

Keine Diät-Tipps, keine Regeln, einfach nur FUN FUN FUN! Passend dazu titelt das Heft auch unter anderem mit dem Thema „Einen Menschen loslassen“ und thematisiert den Tod. Der angepriesene Spaß soll schließlich wohldosiert sein, sonst knallt das Heft noch durch.

„Hier sind wir endlich unter uns“, leitet Barbara Schöneberger im Editorial ein und gibt dabei die Busenfreundin. Da gehören dann auch schlüpfrige Themen aus Babsis Vergangenheit dazu, als sie sich noch für einen Mann in diverse Kostüme stecken musste. Huch, wie intim.
Ansonsten steckt übliches drin, wie ein bisschen Beauty, ein bisschen Home & Living und auch etwas Mode. Jedoch alles mit ganz umgangssprachlichen Headlines versehen: „Pool für den Piepmatz“ für einen ja, Badeschale für den dekadenten Balkonbesucher oder „Vorsicht, wird kalt“ für die Wollmütze.

Es wirkt wahnsinnig gewollt locker, als zöge man sich den Stock Millimeter für Millimeter aus dem Arsch. Ein bisschen Bravo, ein bisschen BILD, InTouch-Sprech – aber alles andere, als ein vollendeter Lesegenuss. Wobei es Frauen beim Studieren von Zeitschriften ja oft nicht um Letztgenanntes geht – Entschuldigung, vielleicht pauschalisiere ich hier, und Ihnen geht es einzig und allein darum. Manchmal reichen eben auch interessante Bilder und Eckdaten mit ein bisschen Trends von morgen. Ansonsten findet man auch Mantras „Man kann reinspringen ins Leben oder sich davor verstecken. Besser ist das Erste. Auch wenn es manchmal richtig wehtut.“

Und genau das tut mir weh. Anders als die anderen zu sein mag grundsätzlich ein Erfolgsgarant sein, den sich eigentlich jedes Magazin auf die Fahne schreibt. Mit 350.000 gedruckten Exemplaren hat sich Barbara auch großes vorgenommen, und alle machen so erwartungsvolle Kulleraugen, wie die Schöneberger selbst. Warum eigentlich das Ganze? Verdient man als Allzweckwaffe nicht schon genug? Vielleicht liegt es an (Achtung, Ironie) Barbaras Mutterrolle, die sie so nachdenklich stimmte, damit sie auch an morgen denkt, wenn alle Welt von ihren Moderationen und Testimonial-Gesabbel genug haben sollten. Man möchte ja schließlich nicht irgendwann ungeliebt auf den Straßen von Berlin-Westend enden, Gott bewahre. Nur ist es dann die logische Konsequenz, ein ebenso penetrant selbstverliebtes Magazin auf den Markt zu bringen, das nur nach Aufmerksamkeit schreit?

Alissia Passia

Alissia Passia

Die gebürtige Berlinerin blieb bis heute der Hauptstadt treu, obwohl sie zu ihr eine gewisse Hassliebe pflegt. Kein Wunder, dass sie diesen inneren Konflikt auch gerne in ihrer Kolumne thematisiert.
Passia hospitierte im Hause Axel Springer, wo sie ebenfalls nebenberuflich tätig war. Seit 2006 ist sie im Bereich Werbetext für verschiedene namhafte Agenturen, wie Jung von Matt oder BBDO, tätig. Sie konzipierte ebenfalls mehrjährig auf Kundenseite und zuletzt in der Berliner Agentur für digitale Transformation. Dem Digitalen bleibt Passia auch zukünftig treu und macht „irgendwas mit Medien“.

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