Muslimische Männer, oder: Von der Soziologie in der Netzwerkdemagogie

Anlässlich der Diskussionen um die Vorfälle am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht: Eine abstrakt gehaltene Replik auf Alexander Wallasch’s „Kölner Polizei: Es waren 1100 arabisch aussehende junge Männer“


Ich bin ein Fan der Soziologie. Das bedeutet, dass ich es für spannend und auch sehr wichtig halte, nach den gesellschaftlichen Hintergründen und Ursachen menschlichen Verhaltens zu suchen und auf der Grundlage der Ergebnisse sich Gedanken über künftige Folgen des untersuchten Verhaltens zu machen. Soziologische Untersuchungen beziehen dabei soziale, kulturelle, politische und familiäre Faktoren in die Analyse mit ein, um zu einem mehrdimensionalen Urteil zu gelangen. Wie alle Wissenschaften trachtet sodann auch die Soziologie danach, die einzelnen Ergebnisse zu verallgemeinern, um aus ihnen allgemeingültige Sätze ableiten zu können. Und wie in fast allen anderen Wissenschaften geschieht dies in der Soziologie – von einigen Schulen vielleicht abgesehen – ebenfalls über die Suche nach signifikanten Häufungen der Untersuchungsergebnisse bei vergleichbaren Fällen. Ist eine solche Suche erfolgreich, erscheint menschliches Verhalten – ob auf individueller oder kollektiver Ebene – erklär- und verstehbar zu sein.

Wenn Adorno und Popper denselben Alptraum haben

Die Soziologie hat mit allen anderen Wissenschaften noch etwas gemein: Ihre Methoden schützen sie bestenfalls vor handwerklichen Fehlern, aber nicht vor Trugschlüssen und schon gar nicht vor politisch motiviertem Missbrauch. Die quantitative Sozialforschung, die ja lediglich das notwendige Vorgeplänkel soziologischer Analysen darstellt, wird im Medien- und Politikbetrieb bereits seit mindestens zwei Jahrzehnten für immer haarsträubendere diskursive Manöver missbraucht. Für jedes Argument gibt es mindestens eine Statistik, wobei das jeweilige Argument sich längst nicht mehr an der entsprechenden Statistik orientiert oder die das Argument vertretende Person zumindest das Netz nach einer passenden Statistik gefiltert hat (ob nun bewusst oder unbewusst #Filterblase). Vielmehr werden Statistiken bedarfsorientiert als Dienstleistung für potente Akteurinnen und Akteure erstellt – Korrelationen werden also bestellt. Das Verhältnis zwischen Induktion und Deduktion sprengt jeglichen Rahmen kritisch-rationalistischer Grundsätze: Falsifizierung als Ehrenkodex soziologischer Selbstkontrolle existiert im Metier der Zulieferinstitute nicht mehr.

Einst wurden auf hohem Niveau die Postulate und Grundannahmen des Kritischen Rationalismus Karl Poppers oder der Werturteilsfreiheit Max Webers als unzulänglich oder den gesellschaftlichen Status Quo verklärend kritisiert. Ob Hannah Arendt, Theodor W. Adorno, Simone de Beauvoir oder Michel Foucault: Sie alle müssten ihre damaligen wissenschaftlichen Gegner*innen heute als das geringere Übel ansehen. Nur der Empirie gegenüber verpflichtetes Denken, wie Popper es propagierte, ist wohl zurecht als eindimensional zu kritisieren – doch gegenüber einer mithilfe der heute unüberschaubar gewordenen Methodenvielfalt zurechtgebogenen Empirie, die nur den Auftraggebern und Auftraggeberinnen verpflichtet ist, ist der Kritische Rationalismus Aufklärung pur.

Schlimmer geht immer

Mit dem bis hierhin Geschilderten habe ich nur die für alle gut sichtbare Spitze des Eisbergs beschrieben. Der Willkür und Geldhörigkeit des kommerziellen Betriebs quantitativer Sozialforschung – der natürlich schon längst nicht mehr vor Universitäten halt macht – lässt sich noch mit entsprechenden qualitativen Analysen, also echter Soziologie begegnen, auch wenn der Kampf um eine breite Wahrnehmung der Ergebnisse schwer genug ist. Doch die Widersprüche, auf die die Frankfurter Schule und die diversen diskursanalytischen Strömungen in Bezug auf die gesellschaftlichen Machtverhältnisse, die ihren Ausdruck eben auch in der Soziologie als Teil der Gesellschaft finden, aufmerksam machten, sind heute kaum als ein geringeres Problem gegenüber dem grassierenden Statistikhokuspokus anzusehen. Vielmehr wird auch jene tatsächliche Soziologie, das heißt qualitative Sozialforschung, als Brennmaterial zur Befeuerung der Netzwerkdemagogie eingesetzt.

Mit der Politisierung des Alltags durch die so genannten „Sozialen Medien bzw. Netzwerke“, durch die ständige politische Selbstverortung des Subjekts, wird Soziologie zunehmend auf die Funktion reißerischer Klatschpresse degradiert. Auf Facebook und Twitter werden die miteinander vernetzten user*innen zu Redakteuren und Redakteurinnen des gemeinsamen publizistischen Projektes: Sich im Anspruch auf Deutungshoheit gegenseitig zu bestärken. Dieser Anspruch muss beständig unterfüttert und verteidigt werden. Die das Netz überflutenden Statistiken können diesen Bedarf aufgrund ihrer zu kaum mehr als Internetspam verfallenen Qualität nicht ausreichend decken. Vielmehr bedarf es argumentativer Tiefe, um sich der Überlegenheit des eigenen Kollektivs und der Verteidigung des vermeintlichen oder tatsächlichen Status zu vergewissern. Insofern dies nicht durch in sich geschlossene, gegen äußerliche Kritik abgekapselte Verschwörungstheorien geschieht, wird auf die Soziologie zurückgegriffen – und zwar in erster Linie von jenen, die tatsächlich einen gesellschaftlichen Status zu verteidigen haben.

Gesellschaft braucht pluralistische Soziologie

Und hiermit möchte ich endlich zum Anlass meines Textes kommen. Im Diskurs um die Vorfälle rund um den Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht wird – wie schon so oft – die Soziologie den gesellschaftlichen Machtverhältnissen unterworfen und dienlich gemacht. Als Fan der Soziologie müsste ich eigentlich eine Analyse der Vorfälle, der Taten und der Täter, die die sozialen, kulturellen, politischen und familiären Faktoren berücksichtigt und so eine valide Aussage ermöglicht, sehr begrüßen. Ich müsste mich freuen, dass so viele Menschen auf Facebook und Twitter sich die Mühe machen, Texte zu schreiben, zu lesen und zu teilen, die auf einer solchen Analyse aufbauen und dass sie ihre Argumentation auf ihnen begründen. In einer aufgeklärten Gesellschaft müsste es genauso laufen, wie es mir auf Facebook in den letzten Tagen begegnete. Und doch erkenne ich im Diskurs um die Vorfälle am Kölner Hauptbahnhof das Gegenteil: Rassismus, Xenophobie, Statusangst, bürgerliches nach-unten-Treten.

Es ist jenes Problem, das auch die Diskussionen um so genannte Ehrenmorde, Zwangsheirat, Burka oder „Parallelgesellschaften“ ausmacht. Überall hier finden sich soziologische oder zumindest soziologisch angehauchte Argumentationen: Die konkreten Fälle werden mehrdimensional, das heißt also eben nach sozialen, kulturellen, politischen und familiären Hintergründen durchleuchtet, die Ergebnisse mit ähnlichen Fällen verglichen und so Aussagen generiert. Unzweifelhaft erklärt das häufige Zusammenspiel von Migrations(familien)biographie, sozialer Deprivation und Religion – in Deutschland meist eine Form des Islam – vielfache konkrete Ausformungen männlicher Gewalt. In einer anderen, besseren Gesellschaft wäre die Verbreitung dieses Wissen über die Techniken der so genannten „Sozialen Medien“ Aufklärung in Reinform.

Doch in dieser, in der deutschen Gesellschaft des Jahres 2016, wird der in der Soziologie schon in ihrer Entstehung angelegte Missbrauch auf die Spitze getrieben. Denn von derartigen soziologischen Analysen, die die eigene Gruppe oder gar das Individuum, das Selbst, betreffen, wollen die user*innen der „sozialen Medien“ nichts wissen. Zu den spezifisch deutschen oder kulturindustriell bedingten Ursachen von „Familientragödien“, die sich meist in mittelständigen, biederen und „nicht-migrantischen“ Haushalten ereignen, zur alkoholbefeuerten Gewalt in dörflichen Großraumdiskos oder in Vergnügungsvierteln deutscher Großstädte, zum Enthemmten Sexismus auf Volksfesten wie dem Oktoberfest oder männlicher Gewalt rund um Fußballstadien werden keine Analysen auf Facebook herumgereicht. Ein deutsch-deutscher Hintergrund einer Tat stellt für die user*innen keinen hinreichenden Grund dar, soziologische Fragestellungen zu entwickeln.

Aufklärung muss allgemeingültiger Anspruch sein

Die Ebene der ökonomischen Macht und der aus ihr folgenden Gewalt, die sich in der bürgerlichen Gesellschaft und ihrem Staat rationalisiert und objektiviert, ist hier noch gar nicht tangiert und soll an dieser Stelle nur erwähnt werden, um den Zustand der Soziologie im Jahr 2016 in seiner desaströsen Gesamtheit zu umreißen. Hier geht es darum, wie die Soziologie anstatt der Aufklärung der Gesellschaft über sich selbst dem Alltagsrassismus und dem Anspruch auf Deutungshoheit deutsch-deutscher Subjekte nutzbar gemacht wird. Eine Soziologie der Gewalt auf deutschen Straßen, in deutschen Stadien, auf deutschen Festen, in deutschen Clubs und in deutschen Haushalten würde auch sie dazu zwingen, sich mit sich selbst und ihrem Kollektiv kritisch auseinander zu setzten. Mit der Floskel von der „Integration“ aber wird ein solches Handeln nur von einer Gruppe verlangt – die dann schon längst nicht mehr soziologisch bestimmt, sondern durch die unzulässige Verallgemeinerung spezifischer Analyseergebnisse im bürgerlichen Ressentiment konstruiert wird.

Aufklärung über das eigene Handeln, seine Ursachen und Wirkungen sowie der an eine solche Aufklärung gekoppelte Anspruch, Konsequenzen aus den Erkenntnissen zu ziehen – solch eine Haltung als Maxime menschlichen Handelns war die Utopie vieler Soziologinnen und Soziologen. Die Dreistigkeit, mit der heute eine solche Haltung durch privilegierte Subjekte von anderen gefordert wird, ohne ihr selbst im geringsten nach zu kommen, und dies auch noch auf Grundlage von stereotypisierten Ergebnissen soziologischer Fallanalysen, ist der wohl nur vorläufige Höhepunkt der Dialektik der Aufklärung.

Marcus Munzlinger

Marcus Munzlinger

1983 geboren in Berlin, aufgewachsen in Schleswig-Holstein und Hamburg. Studium der Romanischen Philologie mit Schwerpunkt Spanische Literaturwissenschaften im Hauptfach Magister an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel mit den Nebenfächer Soziologie und Pädagogik. Vorstandsarbeit bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung Schleswig-Holstein und Ausschussarbeit in der Jugendbildung der Rosa-Luxemburg-Bundesstiftung in Berlin. Redaktionsarbeit bei der Gewerkschaftszeitung Direkte Aktion in den Ressorts Kultur & Globales. Seit 2014 Mitarbeiter im Programmteam des Kulturzentrums Pavillon in Hannover im Bereich Gesellschaft & Politik. Daneben freie journalistische Arbeit mit Veröffentlichungen in der Jungle World, ak – analyse & kritik und Straßen aus Zucker.

More Posts

  • Vielen Dank Marcus Munzlinger für diese auf so schöne Weise spontan zustande gekommene und vor allem: so intelligente Replik.

    • Marcus Munzlinger

      Danke Alexander für die herzliche Aufnahme als Gastkolumnist!

    • derblondehans

      … nun ja, wenn Heinrich Schmitz hier liest, müsste er M.M. mindestens ‚Whataboutism‘ vorhalten. Und ich meine, H.S. hätte damit Recht. Die Behauptung, ‚Ein deutsch-deutscher Hintergrund einer Tat stellt für die user*innen keinen hinreichenden Grund dar, soziologische Fragestellungen zu entwickeln.‘ ist Quark, der den Deutschen, nebst ‚Alltagsrassismus‘ und dem ‚Anspruch auf Deutungshoheit deutsch-deutscher Subjekte‘ stündlich, täglich, seit anno Schnee vorgehalten wird.

      Ahem, ich brauch das nicht. Bleibt die Frage wer, warum auch immer, diese Art einer ‚Soziologie‘ brauch.

      • Marcus Munzlinger

        Und gehe ich recht in der Annahme, dass Sie sich seit anno Schnee von gestern täglich bemühen, sich solch lästiger Fragestellungen zu entledigen und ihnen dafür #Köln womöglich einen willkommenen Anlass bietet?

        • derblondehans

          … Ihre Annahme ist falsch.

  • Heiko Heinisch

    Was ist ein sogenannter Ehrenmord?
    Kurz zusammengefasst würde ich sagen, Kulturrelativismus pur. Die kulturelle Hintergründe werden zwar erwähnt, aber nur, um dann eben nicht auf sie einzugehen.

    • Marcus Munzlinger

      Weil es in diesem Text eben nicht um jene geht, sondern um die selektive Wahrnehmung kultureller Hintergründe. Hintergründe erforschen ist gut und richtig, genau dafür soll hier ein Lanze gebrochen werden. Wenn aber der Hinweis darauf, dass es bei den gesellschaftlichen Verhältnissen Sexismus, sexuelle Gewalt, gruppendynamische männliche Gewalt zwar spezfifische Ausprägungen – und in diesen Ausprägungen auch signifikante Häufungen – bei feststellbaren muslimischen kulturellen Hintergründen gibt, diese Verhältnisse aber eben auch kulturelle deutsche/christliche/bürgerliche Ausprägungen haben, wenn diese – angesichts der der Ausweitung der politischen Fragestellung auf den gesamten Komplex Flucht & Migration notwendige -Feststellung jetzt als Relativierung von Vorfällen denunziert wird, dann zeigt sich doch wohl tatsächlich eine schwerwiegende Selektion in der Wahrnehmung kultureller Hintergründe.

      • Heiko Heinisch

        Ich stimme ja so weit zu, dass die Wertung der Hintergründe sehr stark von der jeweils vertretenen Ideologie abhängt und in der öffentlichen Debatte kaum Zwischentöne zu hören sind: Einerseits ihre Überbetonung („so sind Muslime“), andererseits ihre Leugnung im Sinne von „Ehrgewalt ist auch nichts anderes als „unsere“ Familiendramen. – In diesem Zusammenhang steht auch meine Frage, was ein „sogenannter Ehrenmord“ ist.

        • Marcus Munzlinger

          Nun, das hat zugegebener Weise mit begrifflicher Haarspalterei zu tun. Der Terminus Ehrenmord wird von den Tätern so nicht verwendet, sondern dient zur Beschreibung einer meist im familiären Umfeld aus traditionalistisch-konservativen und darin patriachalen Motiven begangenen Tat durch eine Justiz/ eine Öffentlichkeit, die wiederum den in der Motivation des Täters vorhandenen Ehrbegriff nicht teilt. Nochmal: Der Untersuchung von und Aufklärung über solche Taten und die Verhältnisse wird in dem Text das Wort geredet. Doch der darin zum Ausdruck kommende Anspruch, so die Forderung, muss allgemeingültig sein und entsprechend praktiziert werden.

          • Heiko Heinisch

            Die Taten werden begangen, um eine traditionell kollektivistisch verstandene Familienehre wieder herzustellen – da finde ich den Terminus Ehrgewalt und Ehrenmord äußerst treffend. Im Übrigen müsste es – und das genau unterscheidet es vom „Familiendrama“ – DIE Täter heißen.

          • Marcus Munzlinger

            In den meisten Fällen d’accord: die Täter. oder manchmal sogar: die Täter*innen. Und das es qualitative Unterschiede zwischen so genannten Familiendramen und meinetwegen Ehrgewalt gibt – genau dies wird im Text ja ausgeführt. Beides sind eben spezifische Ausprägungen (meist, nicht immer) männlicher Gewalt. Aber: Eine Analyse häuslicher Gewalt, oder derjenigen Frauen, die in Frauenhäusern Schutz suchen, zeigt auf, dass männliche Gewalt gegen Frauen ein gesamtgesellschaftliches Problem ist, eben mit spezifischen Ausprägungen. Mitarbeiterinnen in Frauenhäusern gehen entsprechend damit um: Es müssen differenzierte Maßnahmen beim Schutz gegen Zwangsheirat oder beim Schutz vor alkoholbegünstigter häuslicher Gewalt ergriffen werden. Trotzdem landen beide Fälle im Frauenhaus – da es eben zum Komplex Gewalt gegen Frauen gehört.

          • Heiko Heinisch

            Da sind wir einer Meinung. Unsere Position sind scheinbar weniger weit auseinander, als ich zunächst angenommen hatte.
            Bei den Maßnahmen muss aber eben, sowohl was den Umgang mit den Opfern als auch was die Prävention betrifft, differenziert werden. Ein Projekt wie HEROES richtet sich nicht umsonst speziell an männliche Jugendliche aus ehrkulturellem Kontext (natürlich in einem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang, um gleichzeitig das Wir-Ihr aufzubrechen).
            Anders gesagt: Patriachale Gewalt gibt es vermutlich überall, aber was die Art der Gewalt, die Motivation zur Gewalt, das unmittelbare Umfeld (ablehnend – zustimmend) der Gewalttäter usw. betrifft, gibt es große Unterschiede. Wenn diese nicht analysiert und benannt werden, wird man an den Ursachen der Gewalt nichts ändern können.
            Für mich ist es bezeichnend – kleiner Themenwechsel, gleiches Fachgebiet – dass sich die Vorurteilsforschung bislang in erster Linie mit Vorurteilen der Mehrheitsgesellschaft gegenüber Minderheiten befasst hat und es kaum tragfähige Studien zu mitgebrachten Vorurteilen gibt, die in Zuwandere-Communities über Generationen hinweg tradiert werden. Als würden Menschen ihre Vorurteile bei der Migration an den Grenzen abgeben. Dieser Mangel an Forschung und Debatte führt dann dazu, dass Sozialarbeiter ethnischen Konflikten etwa in Flüchtlingsunterkünften völlig hilflos gegenüber stehen.

          • Marcus Munzlinger

            Das Beispiel der heroes habe ich auf Facebook bei der gleichen Diskussion auch gebracht, und derart gibt es ja noch weitere Projekte, etwa vom durch iranische Migrant*innen gegründeten Verein Kargah hier in Hannover. Und auch was die mangelnde Aufklärung über Ideologeme in der Wahrnehmung von Migrant*innengruppen angeht, gebe ich ihnen recht: Wie schon weiter oben in der Antwort auf „Surprise“ ausgeführt, ist die deutsche Politik noch immer entsetzlich blind dafür, was Träger kultureller und religiöser Bildung wie etwa DITTIB hier in Deutschland anrichten. Erst vor ein paar Monaten wurde die Zusammenarbeit von SPD und CDU Politiker*innen mit Milli Görüs Verbänden in Nordrhein-Westfahlen etwa von „kontraste“ thematisiert – ohne dass dies parteiintern große Wellen geschlagen hätte.

          • Heiko Heinisch

            Das ist hier in Österreich das selbe. Zusammenarbeit fast aller politischen Parteien und Ministerien mit Gruppen, die recht eindeutig der Muslimbruderschaft nahe stehen, mit Milli Görüs oder ATIB (das Pendant zur DITTIB). Manchmal weiß ich nicht, wie oft man die entsprechenden Entscheidungsträger/innen darauf aufmerksam machen muss und wieviele Zeitungsberichte es noch braucht…
            War schön, mit Ihnen zu diskutieren!

          • Marcus Munzlinger

            Gleichfalls!

          • derblondehans

            ‚Ehrenmord‘ in einer islamischen Bevölkerungsgruppe, ist, zumindest in Deutschland, kein gesamtgesellschaftliches Problem. Ein Familienvater, der seine Tochter tötet, weil Sie sich in seinen Augen der ‚westlichen Wertegemeinschaft‘ anpassen möchte, da genügt die Liebe zu einem ‚Ungläubigen‘, tut nicht mehr und nicht weniger als das, was die Schriften der Mohammedaner verlangen. Beispiele zuhauf.

            Zwar behaupten die Mohammedaner, Glaube lässt sich nicht erzwingen, Unterwerfung unter das islamische Recht aber sehr wohl. Und sich den Mohammedanern widersetzen – ist tödlich. Das können Sie, M.M., zum Beispiel, in diversen Rechtsgutachten zur Apostasie, den Glaubensabfall im Islam, bei dem alle Rechtsschulen im Islam die Todesstrafe fordern, nachlesen.

            Dazu zählt auch, oder gerade, der sogenannte Ehrenmord, an Frau und Kind. Daher mein Vorhalt: Eine Religion die dekretiert, dass Religionsabtrünnige ermordet werden MÜSSEN, ist gar keine Religion – sondern ein erbärmlicher, menschenfeindlicher Abschaumkult.

            Welcher zivilisierte Mensch will diese Ideologie in seinem Land haben?

            Und zu ‚Ihrer‘ Analyse häuslicher Gewalt, oder derjenigen Frauen, die in Frauenhäusern Schutz suchen, hätte ich gern eine Quellenangabe. Zahlen, Fakten, von wem erhoben?

          • Marcus Munzlinger

            Die neuesten Zahlen können sie kommenden Montag hier bestellen: http://www.frauenhauskoordinierung.de/fhk-materialien-service/bewohnerinnenstatistik.html

            Eine journalistische Zusammenfassung von 2014 finden Sie hier: http://www.wz.de/home/panorama/haeusliche-gewalt-statistiken-und-der-reale-ansturm-auf-frauenhaeuser-1.1750640

            Für Grundlagen zu empfehlen: Kessl, Fabian; Plößer, Melanie (Hg): Differenzierung, Normalisierung, Andersheit. Soziale Arbeit als Arbeit mit den Anderen.

            Der Islam ist an sich „erbärmlicher, menschenfeindlicher Abschaumkult“, und zwar im Gegensatz zu anderen Religionen, verstehe ich Sie richtig? Ihre Sprachwahl lässt tief blicken…

          • Marcus Munzlinger

            Oder etwas neuer: von Langsdorff, Nicole (Hg): Intersektionalität und Jugendhilfe. Berlin/Toronto

          • derblondehans

            … raunen Sie nicht so bedeutungsvoll, raus mit der Sprache, so Sie die Apostasie im Islam als kulturelle Errungenschaft für Deutschland betrachten.

          • Marcus Munzlinger

            Ich lasse mich nicht auf Ihr Freund-Feind Weltbild ein, bitte entschuldigen Sie

          • derblondehans

            … nein, ich entschuldige nix.

            … und M.M., mit Ihrem Hinweis auf die Statistik, in beiden von Ihnen angegeben links, fühle ich mich veralbert. Die Bewohnerinnenstatistik 2014 wird nur als Broschüre zur Verfügung gestellt. Sie kann gegen einen Unkostenbeitrag in Höhe von 15 Euro (7,50 Euro ermäßigt für Mitglieder und Studierende) bezogen werden. Die Bestellung der Bewohnerinnenstatistik 2014 ist ab 11. Januar 2016 per E-Mail möglich.

            Heute ist der 06. Januar 2016.

          • Marcus Munzlinger

            ja, gewissenhafte Auswertung, vor allem wenn sie von unterbesetzten Verbänden geleistet werden muss, braucht ihre Zeit. Detaillierter werden sie keine Zahlen & Analysen bekommen. Der Link zum Artikel der Westdeutschen Zeitung bespricht Zahlen und problematisiert Ergebnisse. Aber ich habe keine Lust, mich weiterhin mit ihrer Aggressivität herum zu schlagen. Besorgen Sie sich Bücher zum Thema Sozialarbeit und Gewalt gegen Frauen, wenn Ihnen das Thema denn tatsächlich so wichtig ist. Einen schönen Abend noch

          • derblondehans

            … werter M.M., Sie beziehen sich auf vage Artikel zu Statistiken, ohne Statistik, über Frauenhäuser aus der Presse. Oder noch wirrer, über Statistiken die in der Zukunft erscheinen. Darauf aufmerksam gemacht und auf Fakten, wie sie zum Beispiel die Sharia im Islam verlangt, reagieren Sie wie eine beleidigte Leberwurst. Ehrlich? Ich würde Soziologen in die Produktion schicken.

          • Marcus Munzlinger

            Eine letzte Antwort für heute, ich brauche Computerpause: 1. Ihre Forderung danach, Soziologen (und wohl auch Soziologinnen) in die Produktion zu schicken, unterschreibe ich sehr gerne, wenn auch aus wahrscheinlich gänzlich anderen Gründen. 2. Eben: Valide sozialwissenschaftliche Ergebnisse kursieren üblicherweise nicht for free im Netz. Sie sollten bereit sein, dafür auch mal etwas Geld zu bezahlen. Bei uns im Haus gibt es regelmäßig Tagungen der karitativen und Sozialverbände, die an der erwähnten Publikation beteiligt sind. Sind Sie nicht bereit, noch 4 Tage zu warten und den Preis zu bezahlen, oder sich in die Materie anhand weitergehender Literatur einzulesen, bin ich gerne bereit, Ihnen in den nächsten Tage einige Ergebnisse mitzuteilen, auch wenn ich bestimmt nicht ganze Bücher einscannen werde und am Copyright vorbei ins Netz stelle. 3. Eigentlich steige ich bei Begriffen wie „Abschaum“ oder der Aufforderung, mich zum Kampf für ein anti-islamisches Abendland zu bekennen, sehr viel früher aus. Wenn Ihnen ein Herumreiten auf derlei nicht passt, dann unterlassen Sie es einfach.Für heute verbleibe ich mit besten Wünschen für den Feierabend.

          • derblondehans

            … werter M.M., ich habe nie Feierabend, sparen Sie sich die Arbeit des Einscannens. Mir genügen selbsterfahrene Fakten und die Erfahrungen meiner Ehefrau als Pädagogin, und ihre langjährige, ehrenamtliche, Mitarbeit in der Kinder- und Jugendfürsorge. Unter anderem auch in Berlin.

            Wenn Sie ein ’schöneres‘ Wort für die Apostasie, die verlangte Ermordung von Menschen bei Glaubensabfall, haben, als eben ‚Abschaumkult‘, ich ‚höre‘ Ihnen zu.

  • Surprise

    Nach dem Lesen ihrer Kritik sind mir leider einige Negativbeispiele seitens der etablierten Parteien und Medien eingefallen, die sich eher immer weiter verschlimmern.
    Zum Beispiel: Diskussionen nach Veröffentlichung von regelmäßigen Integrationsberichten. Da diese ein Zusammentragen der vorliegenden Daten der Bundesbehörden sind, müssten man die Ergebnisse nüchtern besprochen können. Diese kommen seit Jahren zu dem Ergebnis, dass bestimmte Gruppen erhebliche Defizite bei der Integration aufweisen. Und das in der 2. und 3. Generation.
    Dieses Problem wird völlig unverständlicherweise aus politischer Korrektheit garnicht angegangen. Nach dem Aufschrei nach Bekanntwerden der PISA Ergebnisse vor 15 Jahren wurden erhebliche Aufwendungen gemacht, um die bestehenden Mängel zu beseitigen. Mit einigermaßen gutem Erfolg.

    Wenn dann jedes Mal von Politikern betont wird, dass die Integration von Migranten gut geklappt hat, dann haben sie Recht, allerdings nicht für eben die Migrantengruppen, die zu Millionen nun gut integriert werden müssen. Aber wie soll das gehen? Nach dem laissez-faire Prinzip der Vergangenheit? Integration ist hauptsächlich eine Bringschuld. Wir stellen die nötigen Mittel und Hilfen, aber die Integration kommt von seiten der Immigrierten. Eine Diskussion/Kritik darüber wurde einstmals angestoßen. Die Initiatoren wurden oftmals als rassistisch diffamiert, um eine Diskussion im Keim zu ersticken.
    Ebenso fehlt jetzt jeglicher Ansatz, um diese Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Wo bleibt der öffentliche Diskurs? Schon wiegt der deutsche Michel sich in Sicherheit, weil die Kanzlerin nach eigenen Angaben einen Plan hat. Worin genau besteht der nochmal?

    • Marcus Munzlinger

      Die Probleme waren, sind und bleiben komplex. In vielen Fällen müssten wir erstmal Begriffe klären und würden dabei vom 100sten ins 1000ste kommen. Doch um eine Abkürzung zur politischen Ebene zu nehmen: Womöglich können wir darin übereinstimmen, dass die Anerkennung von islamischen Trägern kultureller Bildung wie etwa dem DITTIB (und noch vielen weiteren) durch sowohl SPD als auch CDU historisch ein Fehler, und aktuell nur noch als Skandal bezeichnet werden kann, der die Verbreitung eines konservativen, oftmals reaktionären und im Fall DITTIB auch noch von einer derzeit verbrecherischen türkischen Regierung gesteuerten Islamverständnisses in Deutschland begünstigt. Mit Vertreter*innen solcher Verbände anlässlich der Anschläge von Paris „gemeinsam Flagge gegen Islamismus“ zeigen zu wollen, und außenpolitisch sich mit den staatlichen Vertretern aus der Türkei oder Saudi-Arabien gut zu stellen, ist eine absurde Politik.

Wir verwenden Cookies, um Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an soziale Medien und für Analysen weiter. Durch die Benutzung unserer Webseite stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen

Wir verwenden Plugins, mit denen Sie unsere Inhalte in sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Google+ teilen können. Bereits durch den Aufruf von Seiten werden Informationen an diese sozialen Medien weitergegeben. Außerdem verwenden wir Google Analytics, um die Nutzung unserer Seite analysieren zu können.

Schließen