Lieber Dr. Mathias Döpfner,

Eine liebevoll traurige Betrachtung des Kommentares von Dr. Döpfner in der Welt, zum rassistisch motivierten Amoklauf in Hanau. Eine Kolumne von C.M. Mayer


 

Auf Fotos erinnern Sie immer ein wenig mehr an Walter White, den „guten“ schlimmen Bösewicht aus ‘Breaking Bad’, aber vermutlich müssen Rechtsstaats-Sheriffs wie Sie so verwegen aussehen.

Die verwirrten Hass-Morde, die ein psychisch gestörter Amokläufer mit rassistischem Weltbild in Hanau an zahlreichen jungen Menschen verübte haben Sie aufgeschreckt.

Wie schon bei den Morden in Halle waren Sie  einmal mehr motiviert einen glühenden Meinungskommentar in der ‘Welt’ zu schreiben. Bei soviel düster-dunkler Leere und Trauer.
Sie dürfen das wann immer Ihnen danach ist, denn Sie sind der große Zampano bei Springer SE, dem Medienkonzern mit rund 3,2 Milliarden Euro Umsatz.
Vor Ihnen und Ihrer Meinung stehn im Hause Springer alle stramm.

Die Opfer von Hanau sind vorwiegend Menschen mit Migrationshintergrund – also solche gegen die Sie Julian Reichelt, den harten Hund, in der „BILD“  bei Bedarf gut und oft hetzen lassen.
Dort schüren Sie die Wut gegen migrantische  „Messermänner“, „Kopftuchmädchen“ und ähnliche „Taugenichtse“. Gut, dies waren die Worte der kühlen Blonden von der AFD.
In der „BILD“ schreibt man dafür: „Burka Frau verprügelt Dessousverkäuferin“  „Wir haben zuviele kriminelle Ausländer“ oder „Islamismus Alarm an Grundschulen“

Bei den rassistischen Hass-Morden in Hanau sehen Sie, lieber Herr Dr. Döpfner, nun plötzlich aber dann doch den wehrhaften Rechtsstaat in Gefahr.

Sie fordern mehr Geld für Polizei, Justiz, und Verfassungsschutz.

Diese brennenden Sorgen schienen Ihnen bis vor Kurzem noch fremd.

Solch leidenschaftliche Zweifel trieben Sie in der jüngeren Vergangenheit zu keinen glühenden Kommentaren, jedenfalls nicht als das terroristische Netzwerk NSU mordete oder die gerichtliche Aufklärung der NSU Terrortaten von amtlicher Seite  behindert wurde.
NIcht bei dem rechtsterroristischen Mord an Walter Lübcke, nicht  bei den mehrfachen Morddrohungen gegenüber der Anwältin Seda Başay-Yıldız, die in hessischen Polizeistuben erdacht und geschrieben wurden.
Sie äußerten auch keine Furcht um die Wehrhaftigkeit des Rechtsstaates, als Hans Georg Maaßen, damals noch oberster Leiter des Verfassungsschutzes, die Jagd auf Ausländer in Chemnitz mit besonderem sprachlichem Feinsinn relativierte.

All dies war für Sie kein Anlass für ein Plädoyer, dass in Justiz, Polizei, und Ministerien kein Platz für extremistisch, oder rassistisch gesinnte Subjekte sein dürfe.

Sie mahnten bei Maaßen nicht sorgenvoll, dass dem Verfassungsschutz kein Rassist vorstehen dürfe, mit einem Herz für rechte Umvolkungs-Hass-Prediger aus der AFD

Sie bekundeten nicht Anstoß daran zu nehmen, als sich Maaßen in seiner Funktion als Chef des Verfassungsschutzes zu fragwürdigen, vielleicht konspirativen Gesprächen mit Alexander „Vogelschiss“ Gauland von der AFD traf.

Aber mit Halle und Hanau erwachte Ihr großes Sheriffsherz für den wehrhaften Rechtsstaat. 

Es erwachte nicht dort wo tatsächlich extremistische Strukturen am Werke waren, sondern dort wo mutmaßlich einzelne mehr oder weniger geistig labile Täter am Werk waren.

Wie plötzlich fühlte Ihre Sheriff-Seele sich in der Pflicht zu fordern: Mehr Polizei, mehr Verfassungsschutz und mehr Justiz!

Für dieses Wunschkonzert pfeifen sie einfach kurzer Hand mal auf die Unterscheidung zwischen der Amoktat eines offenkundig psychisch verwirrten Menschen in Hanau und einer in rechtsextremistischen Netzwerken organisierten Terrortat wie der Mord an Walter Lübcke.

In Ihrer staatstragenden Wut gerinnt Ihnen mehr dies als jenes zur terroristischen Tat.

Dass die AFD nicht an allem Schuld sei, diese Platitüde gönnen Sie sich in Ihrem Kommentar zu der Tragödie in Hanau wie einen edlen Tropfen Eierlikör.

Und mit der Schärfe eines Schwertes von Hattori Hanzō erkennen Sie bei dem wahnhaft verwirrten Tobias R. einen Zusammenhang zwischen rechten Hasspredigern und rechtsextremen Gewalttaten.
Schließlich hat der Täter von Hanau – ganz unabhängig davon ob er überhaupt in rechtsextremen Netzwerken verkehrte – in seinem Schreiben über die Notwendigkeit der Ausrottung ganzer Völker nachgedacht, möglichst auf Knopfdruck, damit nur ja keiner leide. Das allerdings geht Ihnen dann doch zu weit, da ist mit Ihnen kein Millimeter Terraingewinn zu machen, lieber Herr Dr. Döpfner, denn das hatten wir ja schon einmal in der deutschen Geschichte!Bei den rassistischen Morden in Halle – begangen durch einen rechtsesxtremistisch motivierten Deutschen – sahen Sie noch die „falsche Flüchtlingspolitik“ von Merkel ursächlich, den „falschen Umgang mit kriminellen Einwanderern“, das „Verschweigen von Ausländerkriminalität“.
Wie ein großer Zauberkünstler brachten Sie in Ihrem Kommentar zu Halle die 1800 antisemitischen Straftaten, die im Jahr 2018 erfasst wurden, mit muslimischem Antisemtismus in Zusammenhang.
Dabei ließen Sie lügend virtuos unter dem Tisch verschwinden, dass 90% davon – also 1620 der  erfassten 1800 antisemitischen Straftaten – einen rechtsextremistischen Hintergrund hatten, also null-komma-nichts mit muslimischen Antisemitismus zu tun hatten, auch wenn es diesen zweifelsfrei gibt.
Sie verschwiegen auch die 7700 fremdenfeindlichen Straftaten, die für 2018 erfasst wurden.

Bei der Tragödie in Halle, vor nur wenigen Monaten, war es Ihnen wichtig zu sagen, die Flüchtlingspolitik, also Merkel, sei verantwortlich, also schuld.

Die rhetorischen Tricks für Ihre tendenziösen Meinungskommentare beherrschen Sie virtuos. Wie ein echter Maestro zauberten Sie  den folgenden flammenden Satz aus Ihrem Halle-Hut hervor: 

Wir brauchen die Durchsetzung des Rechtsstaates, die Anwendung geltender Gesetze. Und eine selbstbewusste souveräne Verteidigung unserer liberalen Werte. Wir brauchen eine wirklich wehrhafte Demokratie. Wenn Deutschland die Herausforderung eines alten, nun aber neu aufflammenden islamistischen, linken und rechten Antisemitismus nicht meistert, hat es seine geschichtliche Bewährungsprobe verspielt.

Lieber Herr Dr. Döpfner, nehmen Sie sich nun absofort doch bitte einmal beim Wort! 

Legen Sie Ihren scharfen Ressentiment-Hund Reichelt ein wenig an die rosafarbene Plüschkette.
Lassen Sie nicht weiter zu, dass Neid, vorurteilsgetragene Abneigung und daraus entstandene Wut als Instrumente des Frustrationsmanagements verwendet werden.
Verzichten Sie auf Manipulationen der Gefühle, auf die Sie doch nur zurückgreifen um die marktradikalen Vorstellungen  und Interessen der Besitzstandsmehrung und -wahrung Ihres elitären Milieus durchzusetzen.
Lassen Sie Julian Seifenblasen der Liebe in die polarisierungsgeplagte Gesellschaft pusten, auf dass die ressentimentschwangeren Themen der AFD  feucht im Sonnenlicht zerplatzen.
Bringen Sie Licht in all das Dunkel, werfen Sie Dahlien, Ranunkeln und Sonnenblumen gegen all den Hass, und all die Aggressionen, die der Springer Konzern so gern pflegt.
Sie wären dann zumindest glaubwürdiger als Walter White, dem kühl kalulierenden Bösen aus „Breaking Bad“, dem Sie auf Fotos irgendwie ähnlich sehen.
Kurz:
Lassen Sie Ihren schalen Lippenbekenntnissen auch vollbusige Taten folgen, denn Sie sind der Big Boss bei Springer.
mit flammendem Herzen und träumend verbleibe ich
Ihre Charly Maria Mayer
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C.M. Mayer

C. M. Mayer ist in Südafrika, in Kapstadt, geboren und hat an der Stellenbosch University Arts & Social Sciences studiert. Nach einer beträchtlichen Erbschaft und einer wilden Zeit in New York (im Umfeld der feministischen Punkautorin Kathy Acker) landete Charly M. Mayer, am Ende einer 2 jährigen Weltumrundung mit der familieneigenen Segelyacht, schließlich in Hamburg, der deutschen Heimat ihrer Eltern. Dort studierte sie in Clubs und Kneipen die unterschiedlichsten Frauen, Männer, und andere Wesen der Nacht. Als Ghostwriterin hat sie für etliche Prominente, Politiker und Journalisten gearbeitet und dabei unzählige Zigaretten geraucht. Weil das ungesund war, bevorzugt sie heute lieber dicke kubanische Zigarren. Sie liebt Wein, Whiskey und ihren alten, dunkelblauen Maserati Granturismo. Mit der Zeit ist sie der Menschen überdrüssig geworden. Daher hat sich C. M. Mayer mit ihrer Lebensgefährtin und dem gemeinsamen Afghanischen Windhund 'Hush' in einen kleinen Ort, im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis zurückgezogen. Dort fand sie die notwendige Muße, um sich autodidaktisch der Philosophie, der Fotografie und dem Studium der Natur zu widmen. Als Autorin bevorzugt sie es, ihr eigener Geist zu bleiben.

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