Lieber Clemens Tönnies,

Charly M. Mayers Post an Clemens Tönnies.


Bild von PublicDomainPictures auf Pixabay

Lieber Clemens Tönnies,

Sie sind der größte Fleischmogul Deutschlands, vielleicht sogar Europas. Stunde um Stunde quiecken arme Schweine mit angstvoll aufgerissenen Äuglein in Ihren Schlachthäusern um Ihr Leben.
Jeden Tag 56667 mal Todesangst. Erbarmungslos werden die fühlenden Wesen durch Ihre Firmen zur Wurst.
Mit der Tönnies Holding Aps & Co. KG, die Ihnen mit Ihrem Bruder gehört, machen Sie sehr viel Knete. Ungefähr gute 6 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Ohne Moos nix los.
Sie wären bereit den Mindestlohn zu bezahlen, behaupteten Sie. Aber z.B. in Rheda-Wiedenbrück, Ihrem Hauptwerk, oder in Weißenfels schuften bevorzugt Leiharbeiter aus Osteuropa für Sie.
Bis zu 190 Stunden Knochenarbeit für 1300 Euro im Monat. Die Miete von 250 Euro ziehen Sie gleich vom Lohn ab, steht geschrieben. Für einen Wohnraum, den sich 7 Arbeiter teilen.

Klimawandel

Auf die Frage wie dem Klimawandel zu begegnen sei, sagten Sie vor kurzem, statt die Steuern hier zu erhöhen, solle man lieber jedes Jahr 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren.
„Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren“, so flapste es aus Ihrem Mund.
Ihr Satz schlug ein wie ein Blitz. Nicht in Afrika, das ist weit weg. Aber in Deutschland.

Die Empörung war groß, dieser Satz sei rassistisch, hieß es überall mit großem Geläut.

Von Fußballern kennen wir ungeschickte Sätze, wie: „Es überwiegt eigentlich beides“.
Ein bischen so hat sich das angehört, was Sie da sagten: entsetzlich ungeschickt und recht dumm.
Aber Sie sind kein Fußballer. Sie sind nicht Bodo Ballermann vom Rambo-Zambo Kickerverein.
Sie sind Firmenchef einer großen Industrie. 16500 Mitarbeiter tanzen nach Ihrer Pfeife. Sie müssten mehr im Kopf haben als nur einen runden Ball. Gesellschaftliche Verantwortung tragen.

Rassistisch – in strengem Sinne – war Ihre Aussage nicht. 

Sie haben ein Verhältnis von wirtschaftlichem Wohlstand, Bildungsstand und Geburtenkontrolle angezeigt.
Sie haben auf die Korrelation von rapidem Bevölkerungswachstum, Schädigung der afrikanischen Regenwälder und der Entwicklung des Klimawandels verwiesen.
Das hat nichts mit Rasse zu tun und nicht unbedingt etwas mit afrikanischer Kultur.
Ein schillerndnes Körnchen Wahrheit enthält Ihre überhebliche, respektlose Aussage auch.
Wer ihre Sätze rassistisch nennt, der polarisiert und nutzt damit den rechten Populisten. Auch weil die mediale Empörung über Ihre Aussage – von z.B. Spiegel bis Bild –  heuchlerisch ist.

Für Rassisten und Identitäre ist Ihr Satz Nahrung. Ihre Aussage war nicht nur erschreckend weltfremd sondern auch ziemlich bigott.

Afrika ist ein großes, abwechslungsreiches Land. Es besteht aus 54 ganz unterschiedlichen Staaten.
49 dieser Staaten befinden sich in der Subsahara. Mit Nigeria, Ghana, Äthiopien, und Zambia eine der wirtschaftlich am schnellsten wachsenden Regionen der Welt.
Trotz des rasanten Wirtschaftswachstums herrscht für viele Menschen dort bitterste Armut und Not.
Der CO2 Pro-Kopf Ausstoss ist verschwindend gering.
In dieser Region wächst die Bevölkerung stark. Wissenschaftler sprechen von demografischer Dividende, mit allen Risiken und Chancen.
Fossile Brensstoffe, Mineralien und landwirtschaftliche Erzeugnisse machen den Großteil der Exporte Afrikas aus.
Aber von dem Ressourcenreichtum ihrer Länder haben die meisten Bürger dort nichts.
Das ist die Folge von westlicher Gier, von korrupten Eliten in afrikanischen Staaten, von falscher Entwicklungshilfe und Wirtschaftspolitik.
Europa flutet Afrika mit subventionierten Lebensmitteln zu Dumpingpreisen. Afrika, die Müllkippe Europas, ein Riesengeschäft. 

Im reichen Deutschland essen die Menschen viel Wurst, träumen von Flatscreen und SUV.

Seit knapp 65 Jahren essen Sie jeden Tag Fleisch. Dies, Herr Tönnies, bekannten Sie stolz.
So einem wie Ihnen, dem schmeckt keine vegetarische Alternative. Der Veggie-Wurst sagten Sie daher: Tschö! und Adé!

Der Regenwald ist voller Geheimnisse und Abenteuer. 

Er ist die grüne Lunge der Welt. Unser Schutzengel gegen den Klimawandel.
Die industrielle Produktion von Fleisch ist seine Bedrohung: die Massenaufzucht von Schlachtvieh ist eine der Hauptursachen für die Abholzung des Regenwaldes.
Für den Anbau riesiger Sojafelder werden die Regenwälder Südamerikas großflächig vernichtet.
90% der europäischen Soja-Importe sind für die Tierhaltung bestimmt.
In Deutschland merken wir nichts vom andauernden Sterben des Regenwaldes.
Auf dem Smartphone vergleichen wir Preise, wo gibt es die billigste Wurst?

Gib Gas, ich will Spass

Steuererhöhungen finden Sie nicht so prickelnd. Weder für Fleisch noch für CO2 Emissionen. Das ist schnell zu verstehen.
Sie wollen schlussendlich reicher werden, nicht ärmer. Ihrem Sohn vielleicht noch einen größeren, schnelleren SUV schenken. Christian Lindner würde das gefallen, der „Werte Union“ und natürlich der AFD.
Alle lieben das Schweineschnitzel.
Ihre Sorge um die Vernichtung des Regenwaldes wirkt eher wie ein Schwindel. Der Schutz des Regenwaldes passt nicht zu Ihrem Geschäftsmodell.
Dass Ihnen die Probleme des Klimawandels besonders am Herzen liegen, wer genau soll das je glauben?

Was in Ihren Sätzen zum Ausdruck kam: ein Chauvinismus, von kolonialistischer Geschichte getragen.

Afrika ist ein schönes Land und seine Menschen sind wunderbar. Die Folgen des Klimawandels werden sie desaströs treffen.
Im übrigen wird Ihr Vorschlag, jedes Jahr 20 Kraftwerke in Afrika zu bauen, den derzeit niedrigen C02 Pro-Kopfausstoss in der Subsahra Region erstmal erhöhen, logische Folge des demografischen Kapitals.
Mit Ihrem gedankenfreien Geplapper erweckten Sie den Eindruck, Klimawandel und Afrikas Schicksal sei dem Tönnies herzlich egal.

„Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“ trällerte einst Stephan Remmler.

HAUPTSACHE: Möglichst ohne Einschränkungen weitermachen zu können wie bisher. Das ist wahrscheinlich Ihre größte Sorge.
Im alten Griechenland wurde jener Bürger als „Idiot“ (idiotes) bezeichnet, der Privates nicht von Öffentlichem trennen wollte.
Der kluge Grieche Platon hielt den ‚Idiotes‘ – also jenen, der sich nur für seinen eigenen ‘Oikos’ interessierte – für eine bedauernswerte Figur.
Denn wer sich nur ums eigene Haus und den eigenen Herd schert, der verkennt, dass auch er von der Gnade und dem Fleiß der Gesellschaft lebt.
Nur wenn dem „Idioten“  – so reich er auch sein möge – die Gesellschaft beispringt, kann er als solcher überleben.

Entschuldigung

Für Ihre Aussage haben Sie sich entschuldigt, Herr Tönnies.
Sie stellten sich hin und sagten: „Meine Aussage war falsch, unüberlegt und gedankenlos und entsprach in keiner Weise unserem Leitbild. Es tut mir sehr leid“
Das klang furchtbar aufrichtig.
Die ewigen Zweifler werden missgünstig raunen, es wäre Ihnen nur um Begrenzung von Schaden gegangen.
Aus der Befürchtung, dass es für ‚Herta‘, die ‚Tönnies Holding‘ und die ‚Zur Mühlen Gruppe‘ am Ende noch um die Wurst gehen könnte.
Aber warum sollte eine solche Entschuldigung nicht annehmbar sein?
Ist es nicht schöner eine Entschuldigung anzunehmen, als mit dem moralistischen Schwert strafend zu richten, bis zum Sankt Nimmerleinstag?
Mit Ihrer Aussage jedenfalls haben Sie schließlich niemand getötet.
Wenn Sie, Clemens Tönnies, Ihrer Entschuldigung Taten folgen ließen, sie wäre glaubhafter.

Ein beherzter Einsatz zum Wohle des Klimas, ein tatkräftiges Engagement für soziale Gerechtigkeit, das wäre die schönste Entschuldigung der Welt!

Es gibt zu viele arme Schweine, zu viele Würste und Tod.
Eines jedoch ist sicher:  Jeder Mensch möchte in Würde leben. Und: Wir alle haben nur diesen einen weißbeflockten, blaugrün drehenden Ball, Mutter Erde.

Ihre Charly Maria Mayer.

C.M. Mayer

C.M. Mayer

C. M. Mayer ist in Südafrika, in Kapstadt, geboren und hat an der Stellenbosch University Arts & Social Sciences studiert. Nach einer beträchtlichen Erbschaft und einer wilden Zeit in New York (im Umfeld der feministischen Punkautorin Kathy Acker) landete Charly M. Mayer, am Ende einer 2 jährigen Weltumrundung mit der familieneigenen Segelyacht, schließlich in Hamburg, der deutschen Heimat ihrer Eltern. Dort studierte sie in Clubs und Kneipen die unterschiedlichsten Frauen, Männer, und andere Wesen der Nacht. Als Ghostwriterin hat sie für etliche Prominente, Politiker und Journalisten gearbeitet und dabei unzählige Zigaretten geraucht. Weil das ungesund war, bevorzugt sie heute lieber dicke kubanische Zigarren. Sie liebt Wein, Whiskey und ihren alten, dunkelblauen Maserati Granturismo. Mit der Zeit ist sie der Menschen überdrüssig geworden. Daher hat sich C. M. Mayer mit ihrer Lebensgefährtin und dem gemeinsamen Afghanischen Windhund 'Hush' in einen kleinen Ort, im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis zurückgezogen. Dort fand sie die notwendige Muße, um sich autodidaktisch der Philosophie, der Fotografie und dem Studium der Natur zu widmen. Als Autorin bevorzugt sie es, ihr eigener Geist zu bleiben.

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