5 Gründe, warum die DSGVO ein voller Erfolg wird

Die Kritik an den neuen EU-Datenschutz-Vorschriften ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Doch wenn die kurzsichtige Hysterie abklingt, werden die Vorteile in den Vordergrund rücken – auch für den Mittelstand. Gastbeitrag von Julius Reiter

pixabay

Ja, die Veränderungen hätten besser kommuniziert werden sollen. Ja, gerade für kleine Mittelständler ist die Umsetzung der EU-Datenschutz-Grundverordnung eine Herausforderung. Und ja, ich kann den Unmut vieler Unternehmer nachvollziehen.

Doch leider sind wenige DSGVO-Kritiker so sachlich wie Sascha Lobo. Im Gegenteil: Manche Tiraden der vergangenen Wochen wirkten geradezu hysterisch; bisweilen konnte man den Eindruck gewinnen, dass die EU-Datenschtz-Grundverordnung ein unbezwingbares Bürokratiemonster ist – was den Datenschutz auf ewig diskreditiert und gleichzeitig eine wachsende EU- und Politikverdrossenheit auslöst.

Befeuert wurde der Negativhype mit immer neuen Horrorszenarien und abstrusen Behauptungen wie jener, dass die Annahme einer Visitenkarte umfangreiche Informationspflichten auslöst – dankenswerterweise hat der frühere Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar diesen Mythos inzwischen entkräftet.

Wenn die Hysterie abflaut, sehen wir klarer

Ich will jetzt aber gar nicht näher darauf eingehen, dass die Grundzüge des neuen Rechts seit zwei Jahren feststehen, dass sich hierzulande materiell wenig ändert und dass die Datenschutzbehörden längst klar signalisiert haben, ihren Ermessensspielraum bei Sanktionen zugunsten des Mittelstands zu nutzen – geschenkt, zumal der Zusatzaufwand nicht wegzudiskutieren ist.

Retrospektiv darüber zu lamentieren, bringt uns aber nicht weiter. Und ich bin sowieso überzeugt: Ähnlich wie so viele andere „Hypes“ in der modernen Medienwelt wird auch die DSGVO-Hysterie von ganz alleine abklingen. Denn in den nächsten Monaten wird peu à peu deutlich werden, dass

  • der Zusatzaufwand sehr überschaubar ist, wenn erstmal die Weichen gestellt sind,
  • professionelle Abmahner in den allermeisten Fällen keine Chance haben,
  • die Datenschutzbehörden ihre neue Macht wohldosiert nutzen und
  • die neue Datenhoheit das Vertrauen zwischen Unternehmen und Kunden stärkt.

Die DSGVO und die Digitalisierung des Mittelstands

Hinzu kommt fünftens: Wie ich in meiner Datenschutz-Beratung hautnah miterleben durfte und darf, haben sich viele Unternehmer wegen der Umsetzung der DSGVO erstmals damit beschäftigt, über welche Daten sie verfügen und wo sie herkommen. Und im nächsten Schritt denken sie nun darüber nach, was sie damit machen können und welche neuen unternehmerischen Optionen sich daraus ergeben.

Ich bin überzeugt: Dadurch wird in den nächsten Monaten manch neue Idee entstehen – vor allem bei jenen, die nicht nur über die DSGVO schimpfen, sondern sie als Chance begreifen.

Das heißt natürlich nicht, dass alles perfekt ist. So ist es richtig, über zielgerichtete Ergänzungen die DSGVO zu diskutieren, etwa um „Abmahnanwälte“ noch effektiver auszubremsen. Wichtig ist darüber hinaus, den Datenschutz bei anonymisierten und pseudonymisierten Daten modifizieren. Das wird die nächste große Debatte – und sie verläuft hoffentlich weniger polemisch. Mehr Lobo, weniger Lamento, bitte.
—–

Professor Julius Reiter ist Gründer der Kanzlei Baum Reiter & Collegen in Düsseldorf. Als IT-Rechtler, Anlegeranwalt und Liberaler beschäftigt er sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung und der Frage, wie ein moderner Daten- und Verbraucherschutz aussehen kann. Hier geht’s zu seinem Blog Digital Fairplay – Menschen. Daten. Selbstbestimmung

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