Tango tanzende Jünglinge II. Teil Vom Schloß Silling nach Saló

Pasolini war längst nicht der erste Hellsichtige, den Faschisten in angeblich demokratischen Zeiten aus dem Wege räumten und er wird nicht der letzte bleiben, wenn sie sich weiter zur Macht hangeln. Wolfgang Brosche spricht Klartext.


Pier Paolo Pasolini hatte verstanden, daß „Die 120 Tage von Sodom“ die ultimative Verwertung des Menschen im hemmungslosen Konsum seines Körpers, seiner Gefühle, im Genuß an Blut und Schrecken beschreiben, und daß der Roman das Leiden als einzigen Lebenszweck zum Inhalt hat, an dem sich einige wenige berauschen. Vielleicht ist er auch deshalb eines der katholischsten Werke, die jemals entstanden sind. Pasolini verfilmt das Buch 1975. Es ist ein Werk über eiskalte Teilnahmslosigkeit, eine Teilnahmslosigkeit, wie sie Klaus Barbie beim Foltern in Lyon, Slobodan Milosevic beim Schlachten auf dem Balkan, der in Briefen an seine Frau über den Gestank der Kremierten klagende KZ-SS-Mann, an den Tag legten. Oder wie sie auch ein gewisser wortarmer Präsident angesichts des mörderischen Ku-Klux-Klan-Mobs in Charlottesville oder beim Herumstolzieren zwischen den Sturmopfern im Süden zur Schau stellte. Denn was nutzt genüßliche Teilnahmslosigkeit, wenn man sie nicht verlogen zur Schau stellt als ihr Gegenteil. Das Gegenteil von Sadismus ist nämlich nicht der Masochismus, sondern die Sentimentalität. Jene selbstverliebte Sentimentalität, die schon beginnt, wenn der gefühlvolle Klein- oder Großbürger Pennern einen Euro reicht mit der besorgten Ermahnung, den nicht zu versaufen oder wenn er Menschen bedauert, die sich unter einen Dachvorsprung bei einem Wolkenbruch kauern, aber sie natürlich nicht hereinbittet. Warum sollte man sich dann weiters ersaufende Flüchtlinge einladen – die, die es tun, werden dann natürlich als Gesetzesbrecher verunglimpft. Nicht nur, daß man selbst nicht helfen will, man will auch andere, indem man deren Mitgefühl verspottet, gar kriminalisiert, daran hindern – denn das könnte ja gefährliche Mode werden, nicht wahr Boris Palmer? – Mit „Wir können nicht allen helfen“ sprechen Sie den Deutschen aus dem sentimentalen Herzen.

Ich gehöre zu den wenigen Tausend Kinobesuchern, die den Pasolinifilm damals gesehen haben. Noch keine achtzehn hatte ich mich in den nicht jugendfreien Streifen hineingeschlichen. Wenige Tage später wurde er als erster Film nach der Nazizeit in Deutschland verboten. Warum? Die Zensoren wußten genau weshalb! Pasolinis Film zeigte Vergewaltigungen, eine wenig appetitliche Kotfreßorgie, bei der offensichtlich Schokowürste verzehrt wurden und zum Schluß die Verstümmelungen schöner junger Körper, aber ohne den Hauch des Phantastischen oder des Mitgefühls. Im Kino nebenan konnte man in den damals aufkommenden Splatterfilmen kaum weniger Scheußliches konsumieren. Aber diese Horrorfilme waren Produkte einer Sexploitation-Industrie, Kinoramschwaren des Phantastischen, die Geld einbrachten mithin Mehrwert, so etwas konnte man natürlich nicht verbieten. Pasolini jedoch zeigte die Wirklichkeit hinter der Sexploitation, zeigte wie Menschen als Ramschwaren benutzt werden. Vor Wahrheiten haben Zensoren ja immer Angst. Lügen lieben sie. Wie hieß es doch vor einiger Zeit? Die ganze Wahrheit könnte die Bevölkerung verunsichern! Sind es nicht eher die Zensoren, die verunsichert würden, wenn das Publikum sie durchschaut? Da sie sich nicht und die Bevölkerung mit der Wahrheit verunsichern lassen wollten, verboten die Zensoren damals die Aufführung des Pasolini-Filmes. Ausgerechnet Joachim Fest – seit seiner Speer-Biographie ein Fachmann für Nazi-Doppelmoral, setzte sich an die Spitze der Schreier nach Verboten der Wahrheit (FAZ 7.2.1976). Sein Sohn Nikolaus kämpft inzwischen bei der AfD weiter gegen die Wahrheit weiter so und wo sein konservativer Vater aufgehört hat.

Pasolinis Version des deSade-Stoffes war keine reine Verfilmung eines historischen Werkes – der Autor-Regisseur hatte den Schauplatz – ein finsteres Schloß im Schwarzwald der französischen Vorrevolutionszeit – ins Saló von 1944 verlegt, jener letzten Zuflucht Mussolinis am Gardasee. Die Vorlage wurde auf bloß drei Tage verkürzt, aber die Genres der Abscheulichkeiten und ihre strenge Choreographie blieben gleich, denn Sadismus, Masochismus und verleugnete Sentimentalität verabscheuen, wie wir bei deSade gesehen haben, die Anarchie, aber eben nicht die Weinerlichkeit – mißlingt einem der Herren bei deSade seine grausame Genußsucht einmal, dann werden sie jammer-jämmerlich und gerieren sich als Opfer, was die wirklichen Opfer dann zu büßen haben. Genauso ist es mit den plärrenden AfDlern, die schon Widerspruch für Angriff halten – und dann genauso wie bei deSade zuschlagen – das nennen sie Ausübung der Meinungsfreiheit oder ihrer demokratischen Rechte. Nicht zu vergessen ihr sentimentales Gegreine von Volk und Vaterland, von Traditionen und deutscher Ehre und so weiter und so fort, die sie so genüßlich aus den Kotbrocken der Geschichte geklaubt haben. Jetzt wird auch verständlich weshalb die andere Seite faschistischer Koprophilie ein fanatischer Sauberkeitswahn ist, nicht nur der verschmierten Finger und Hirne, sondern vor allem des Blutes. Rassismus ist ein blutiger Waschzwang! Die weinerliche und gleichzeitig aggressive Sentimentalität der Rechten, ist nur die Kehrseite ihres Sadismus…sie lieben das Opfer, das andere bringen müssen und haben ein ständiges Verlangen nach Reinheit, weil sie tatsächlich so tief in der Scheiße stecken. Sie sind sich selbst bestärkend so abgrundtief verlogen wie Josef Fritzl, der in seinem Prozeß erklärte, er habe seine Tochter zwar 25 Jahre eingesperrt und vergewaltigt, mit ihr Kinder gezeugt, einige davon im Ofen verbrannt, aber sie doch geliebt. In seinem Kellerversteck habe er die Vergasungsanlage, die er für überrachende Zwischenfälle eingebaut hatte, nie benutzt. Das sei doch ein Zeichen der Vaterliebe. Ob nun Vaterliebe bei Josef Fritzl oder Vaterlandsliebe bei Björn Höcke, sie sind vom gleichen Kaliber.

Die Herren bei Pasolini sind vier Repräsentanten des faschistischen Staates: gierig, verfressen, korrupt und opportunistisch, reich und unbotmäßig delektieren sie sich an der Vernichtung einer Gruppe entführter schöner, junger Menschen. Die müssen den unumschränkten Herren zu Willen sein, werden ihre Hunde, ihre Würmer, ihre Sexual-und Qualobjekte, um am Schluß abgeschlachtet zu werden. Und warum? Einfach so – aus Daffke – weil die Herren es können… weil sie überzeugt sind, daß Fressen und Gefressen werden die Welt am Laufen halten (das neoliberale Glaubensbekenntnis) und daß es besser ist zu fressen, als gefressen zu werden – der faschistische Zusatz zum neoliberalen Credo. Interessanterweise verdrängen diese Herren immer die Tatsache, daß sie eines Tages auch dran sein werden: denn welcher Diktator ist schon im Bett gestorben? Stalin? Der verreckte in seiner Datscha, ohne daß ihm jemand die Hand hielt, weil selbst der verreckende Diktator noch soviel Schrecken verbreitete, daß die Angst vor dem hilflos Siechen größer war als ein Fünkchen Mitgefühl – er hatte sich, seinen Adepten, dem ganzen Lande dieses Mitgefühl ausgetrieben und mit Stumpf und Stiel vernichtet und mußte so sein eigenes Opfer werden. Es ist diese letale Konsequenz, die mit der Ermannung beginnt, von der nicht nur der erwähnte Herr Höcke so gerne schwärmend schluchzt…

Keine Träne auch bei Ceaucescu und seiner Elena, die noch nicht mal eine Träne für sich selbst hatte am Tage ihrer Hinrichtung, sondern nur noch obszönes Keifen. Stunden zuvor hatten sie auf dem Altan ihres Palastes nur ein abgefeimtes Dauergrinsen für die empörten Bukarester übrig. Ein Grinsen wie es auch heutigen autoritären Charakteren von Marine LePen bis zu ihrer Taschenausgabe Frauke Petry in den Gesichtern herumspukt. Die bissige Alice Weigel und Konsorten können noch nicht mal grinsen, sondern nur noch keifen von den „Müllhaufen der Geschichte“ und den Müllmenschen, für die sie andere halten, die nicht so verrottet denken wie sie selbst.

Die Heiserkeiten des Hasses und die Tränen der orgiastisch Kreischenden, die im Wahlkampf Angela Merkel anschrieen, galten nur noch der eigenen Leere, die mit nichts aufzufüllen ist – wenn sie nur könnten wie sie wollten und wie Mänaden ihre Gegner zerfleischen (deren Mütter vergewaltigen und ihnen die Finger abschneiden), würde auch das weder zur Befriedigung, schon gar nicht zur Ernüchterung reichen. Sie müssen fortgesetzt zubeißen – um das eigene Gebissensein, die eigene Zerrissenheit nicht zu merken, eine Zerrissenheit, die durch einen Werwolfbiß über Generationen weitergegeben wird. Deshalb wird übrigens so gerne von der mystischen wölfischen Verfaßtheit gefaselt, anstatt von einer immer weitergegebenen Erbkrankheit des Hasses – der viele wollüstig und schulterzuckend zugleich erliegen. Es ist besser den anderen Schmerzen zuzufügen, die diese Schmerzen gar nicht verursacht haben, als den eigenen Schmerz zu spüren. Es ist immer besser Sündenböcke zu opfern und dann „das Schicksal“, die angeblich so eingerichtete menschliche Natur, dafür verantwortlich zu machen; das ist die verschlagene Strategie der menschlichen Wölfe…. Wirkliche Wölfe sind nicht verschlagen!

Als ich Pasolinis Film damals sah, war ich kleinbürgerlich-pflichtgemäß (das war ja auch die Erwartung der Zensoren) zu sehr von der Orgie aus Kot, Blut und Niedertracht schockiert – so daß ich erst viele Jahre später begriff, daß die erschütterndsten Szenen nicht die der Koprophagie oder Zerstückelung waren. Pasolini hatte die schneidende Lakonik jenes letzten deSade-Satzes: „…daß die zwölf übrig gebliebenen alle miteinander aßen, “ in eine Bildlakonik übersetzt, die erst Unverständnis erzeugte, aber dann tiefste Verstörung. In Verstörung endet der Film. Gedreht, aber dann nicht einmontiert, war auch eine „erlösende Schlußversion“: die Herren fliehen vor den anrückenden Truppen der Alliierten und werden erschossen. Nicht einmal diese tödliche Gerechtigkeit gönnt uns Pasolini – nur einen Tango der Teilnahmslosigkeit, der nie vergeht…

Einer der vier Herren im edlen Morgenrock auf einer Art Thron hockend, betrachtet durch ein Fernglas – das er zuweilen umdreht, um das Geschehen in weite Ferne zu rücken – wie die nackten Beschäler auf dem Hof des Hauses junge ebenso nackte Gefangene schlachten. Die Mörder müssen nackt sein wie die Opfer, um die Grenzen zu verwischen. Ein weiterer der Herren, am Vortag in Seide gekleidet, nun in barbarischer Nacktheit, führt im Hof die Oberaufsicht.

Pasolini, in konsequenter Kälte, läßt uns die Schreie der Gemarterten nicht hören…wir sehen nur die aufgerissenen blutenden Münder tonlosen Schmerzes, denen die Zungen herausgerissen werden und die ebenso blutigen Augenhöhlen, denen man des Sehen heraussticht…Es sind abgeschnittene Blicke und stumme Schreie, die uns länger hallend verfolgen, als je gehörte…

Neben dem Observations-Herrn auf dem Thron tanzen zwei der entführten Jünglinge, die ohne Zweifel als nächste gemordet werden, blind für das Leid ihrer Altersgenossen, schmusend Tango. Der eine fragt den anderen: „Wie heißt eigentlich deine Freundin…?“ Der Film bricht ab…

Die verstörendste Szene der Filmgeschichte. Sie war die im wahrsten Sinne des Wortes Fleisch gewordene Lebensenttäuschung Pasolinis. In seinen Arbeiten vor „Saló“ (Filme über das „Decamerone“, die „Canterbury Tales“ und erotische Erzählungen aus „1001 und einer Nacht“) hatte er die schönen und vor allem lebendigen Körper junger Menschen und ihre Lebenshoffnungen, die sich in Zärtlichkeiten, Nähe und leidenschaftlichem Sex ausdrückten, gefeiert. Besetzt waren die Rollen damals mit Laien – zumeist aus dem Subproletariat, denen ein Engagement nach Cinecittá ein Lebenshöhepunkt werden konnte.

Aber Pasolini hatte die Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderung durch die sozialdemokratisch korrumpierten Unterschichten aufgegeben zu jener Zeit der frühen 70er, in der neoliberale Mafia-Figuren wie Berlusconi sich anschickten, die italienische Politik zu erobern und durchzukorrumpieren und in denen immer deutlicher wurde, daß es gar keine gesellschaftliche Avantgarde gab und daß der Kapitalismus auf seinen orgiastischen Höhepunkt zulief – einen Dauerorgasmus, der bis heute anhält, aber durch seine Zuckungen das Gebäude inzwischen zum Einsturz bringt: den Konsumismus. Wir spüren längst die Schmerzen konsumistischer Dauerejakulationen.

Die Ideale der französischen Revolution waren damals schon, vor 40 Jahren, mit kapitalistischer Perfektion verraten und verkauft worden. Heute findet dieser Verrat seine Vollendung mit Dieselautos auf Raten für jeden, Wüstenrothäuschen, Shopping-Queens, Champagner bei ALDI und der halbjährlich wechselnden I-Phone-Mode. Es herrschen endlich die Freiheit zum permanenten Konsum, an allen Orten; die Gleichheit aller vor der Warenwelt. Wenn das entsprechende Geld fehlt, um soviel zu konsumieren wie man zu wollen hat, so ist das die Schuld der Konsumenten – aber der Zugang zu den Waren ist ja angeblich für alle gleich. Und schließlich ist die selbstbesoffene, sentimentale Brüderlichkeit im Konsum die größte demokratische Errungenschaft, die für Geld zu haben ist.

Ach, ihr alleinerziehenden Mütter, wir senken auch für euch die Finanzsteuern wenn ihr Euch als Altersvorsorge Immobilien kauft…das ist Demokratie! Suum cuique- und statt Brot versprechen wir Kuchen für jeden! Heines Zuckererbsen können wir Euch aber nicht geben die brauchen wir für uns.

Pasolinis „Saló“ setzt dieser Dystopie von der tödlichen Gleichheit im Konsum, im Verbrauch, noch eine weitere Bitternis auf mit dieser letzten Szene…es gibt auch keinen Widerstand mehr: die Korruption hat alle ergriffen – das tanzende junge Schlachtvieh genießt den Vortag seiner Zerstückelung, weil es neue modische Lederjacken trägt, tanzen kann für Momente im gleichen erhabenen Raum wie die Herren… die Jungen kriegen neben den Scheißwürsten auch mal eine echte zugeworfen und sind der Macht täuschend nah…Nichts ist mehr mit der Revolution der jungen Leiber… Die Identifikation mit den zerstörerischen Herren ist vollendet – morgen werden sie mitschlachten oder geschlachtet werden, und ein anderer der Herren wird sie durchs Fernglas beobachten, und wenn auch er es umdreht, dieses Pandämonium an Freßorgie so weit wegrücken, wie sein längst zerstörtes Mitempfinden.

Recht eigentlich hat Pasolini hier auch Kafka verfilmt: ob nun Herr K. oder der Heizer oder der Beobachter der Sichelmaschinen – ja der lungenkranke Autor selbst – sie haben jedes Gefühl für sich selbst abgeschafft, nur dann konnten sie ins Stadium allgemeiner Teilnahmslosigkeit eintreten, aber immer weiter wie Zombies funktionieren. Das Leid wird abstrakt, wenn man es durch ein umgedrehtes Fernglas betrachtet.

Würde ich an Gott glauben, so sähe ich einen rachsüchtigen Zynismus Gottes im Tod des Regisseurs Pasolini. Ausgerechnet von einem Vertreter des Subproletariates, von dem er sich in marxistischer Gutgläubigkeit soviel erhofft hatte, wurde er umgebracht. Bis heute ist nicht geklärt, ob der Stricher, der Pasolini am Strand von Ostia viehisch mit dem Auto mehrfach überfuhr, nicht gar von neofaschistischen Feinden des Regisseurs angestachelt und bezahlt worden ist – weil er sie durchschaut hatte – so wie wir, um den Bogen zum Heute wieder zu schlagen, zum Beispiel die AfD durchschauen müssen.

Pasolini war längst nicht der erste Hellsichtige, den Faschisten in angeblich demokratischen Zeiten aus dem Wege räumten und er wird nicht der letzte bleiben, wenn sie sich weiter zur Macht hangeln.

Die Herren auf Schloß Silling führen ja genau Buch wer „abzutun“ sei, eine Todesliste. Ihnen machte es offenbar gleich die rechte Terrorzelle um den Bundeswehrsoldaten Franco A., dessen Kumpane auch zur AfD Kontakte pflegten. Auch sie führten Todeslisten. Und was denn anders haben gewissen Herrschaften aus der AfD im Sinne, wenn Sie davon räsonnieren, sie wollten nach ihrer Machtergreifung „aufräumen und ausmisten“ oder „auf die Jagd gehen“? Wozu denn jagt man denn sonst?

Doch wie uns deSade gelehrt hat, reicht das Töten allein nicht, die Gier nach Vernichtung kennt keine Grenzen – es müssen Knochen zerstückelt werden wie beim Überfahren mit dem Auto. Es reicht nicht, Menschen in die Luft zu sprengen: der NSU versah wie der IS seine Bomben auch noch mit Nägeln, damit sie das Fleisch der Opfer zu Brei zermalmten. Matsch wird übrig bleiben bei Stürzen aus dem Helikopter, von denen Thorben Schwarz von der AfD geistig taumelnd phantasiert – übrigens ein achtzehnjähriges Jüngelchen, nicht unähnlich den beiden Tänzern bei Pasolini, leidlich hübsch und ebenso ohne Mitgefühl und teilnahmslos. Dieser Tage rühmte er sich auf seinem FB-Profil beim vaterländischen Treffen Björn Höckes und seiner AfD-Kumpane am Kyffhäuser dabei sein zu können, aufzugehen in der Führermenge, die ihm Identifizierung bietet, deutsche Auserwähltheit verspricht, die ihn aber am Schluß opfern würde wie die Herren auf dem Thron in Saló oder in den Kerkern von Schloß Silling. Ein Mitmacher unterer Dienstgrade…eine läppisch-alberne Figur wie jener SS-Offizier Erhard in Lubitschs Film „Sein oder Nichtsein“, der sich schamlos-eitel wegen seiner dort vollbrachten „Leistungen“ Konzentrationslager-Erhard nennt und am Schluß doch auf Befehl, für seinen Führer, aus dem Flugzeug springt. Er vollzieht also an sich selbst das, was der junge Herr Schwarz für erstrebenswert hält, wenn es um seine Gegner geht, ohne zu begreifen, daß er auch selbst in den Strudel – oder um im Bild zu bleiben – den Sogwind seiner kalt-lächelnden Brutalität gerissen wird.

Haben sie genug gedräut am Kyffhäuser oder auf Parteitagen dann feixen diese Herrschaften in die Kameras; denn sie ergötzen sich daran, daß ihre jetzt offen ausgesprochenen Machtphantasien Beachtung finden. Phantasien – da braucht man nun wieder keine Phantasie, um sich das ausmalen – die auf lustig-belachten Mord hinauslaufen; wie sich ja wohl Volker Arppe lachend ergötzte an den seinen.

Klaus Theweleit beschreibt in seinem Buch „Das Lachen der Täter“ das Dauerlachen des rechten Terroristen Anders Breivik, als er auf der Insel Utoya höchst befriedigt über sechzig Kinder und Jugendliche erschoß. Was Breivik später als einziges bedauerte war, daß es ihm nicht gelang, noch mehr zu ermorden. Die Mordrunst hatte kurzfristig am Abend auf Utoya ihre Befriedigung gefunden, beim Prozeß gierte Breivik bereits wieder.

Volk, Vaterland, Heimat, ethnische Rein-, Überlegenheit und Männlichkeit und dergleichen Schwachsinn, wie sie Höcke und Gauland genau wie Breivik als vorgeschobene Motivation angeben, liefern pseudo-logische Gründe für den eigentlich gewollten Rassismus, Menschenhaß und den zwangsläufigen Mord. Die Ursachen liegen woanders; wir wollen uns herantasten.

Die Herren auf Silling behaupten einmal, sie agierten so mörderisch-blasphemisch, um die Nicht-Existenz Gottes zu beweisen, aber selbst das ist nur eine invertiert-religiöse Rechtfertigung, um Mord zu verteidigen. Ist es nicht merkwürdig, daß die Quäler bei deSade komplexe dogmatische Gedankengebäude entwickeln, daß die Betreiber der Vernichtungslager der Nazis pseudowissenschaftliche Erklärungen dafür erfanden, daß Breivik ein tausendseitiges Manifest schrieb, um die Mordlust zu rechtfertigen? Sie wußten zutiefst, daß sie alle unmenschlich handelten – sie waren eben keine Amokläufer ohne Ordnung und Zucht – wie ja auch die rechten Bewegungen das Ornament der Massen, das militärische Reglement oder wie die AfD in ihrem Programm die Disziplin, die Ungleichheit schaffende Hierarchie verehren, ja anbeten. Schlichter menschlicher Anstand würde sie abhalten, aber die Lügen vom höheren Auftrag, die Dressur der dressurbereiten Gesellschaft, haben sie entwöhnt vom Mitgefühl. Sie wollen uns überzeugen, daß der Mensch in Ungleichheit geregelt, normiert, gezüchtigt und gezüchtet werden kann. Und so wird zum Inhalt der meisten Gesellschaften eben diese Pädagogik der Normierung, die nur um den tödlichen Preis des ermordeten Mitgefühls etabliert und immer weiter fortgeführt wird. All diese Mordgierigen rechtfertigen ihre Mordrunst mit höheren Zielen – sie erklären Sanftheit, Lebendigkeit, Mitgefühl und Kooperation zum verachteten „Gutmenschentum“, zur anarchischen Gefahr, weil die Welt angeblich so mörderisch sei, jedoch nur so mörderisch ist, weil sie darauf bestehen und weil ihnen das Macht und Lust verschafft. Deshalb entwickeln ja auch die Herren im Schloß Silling komplizierte Verhaltensregeln, die zwangsläufig Gewalt, Schmerz und Lust zum Ziel haben. Der frei lebende, frei (mit)empfindende und frei denkende Mensch wird zur Gefahr deklariert, so wie der zur Gefahr erklärt wird, der sich dem Wahn des alles fressenden Konsumismus nicht hingeben will und Widerstand leistet. Widerstand gegen die Betreiber der Schlachtbank für Menschenfresser, für Menschlichkeitsfresser, die selber unters Messer kommen werden eines Tages. Dieser Konsequenz müssen sie sich stellen, aber sie jammern und greinen ja bereits wenn man ihre Bösartigkeiten bösartig nennt und bestehen auf ihrer Meinungsfreiheit zur Bösartigkeit.

Erschreckende Musterbeispiele für diese Greinerei, ja Schreierei wie von Kesselflickern damals auf den Marktplätzen, marodieren heute durch alle Medien. Akif Pirincci zum Beispiel ist einer der lautesten, der sich besoffen geschrieen hat an Bösartigkeit und Niedertracht – und er lacht bei seinen verbalen Schießübungen wie Breivik auf Utoya. Auch für Pirincci ist kennzeichnend, daß er bei seiner Sprachfreßlust einen gargantuesken Lärm macht – eben wie jener Riese, der mit der Faust auf den Tisch haut, damit man ihm mehr zum Fressen bringe.

Da er selber dieser wüsten Sprachphantasterei entbehrt, zitiert etwa David Berger auf seinem nicht minder üblen Geschrei-Blog „Philosophia Perennis“, Pirincci des öfteren, mit dem er schmusende Brüderlichkeit eingegangen ist. Er leiht sich dessen Lügengeschrei von der unterdrückten Meinungsfreiheit aus, sein eigenes hat nicht so viele perfide Arabesken. Aber es ist bereits so laut und schrill, daß man Berger inzwischen auch in Israel wahrnimmt und ihn dort zu den Repräsentanten neofaschistischer Umtriebe zählt.

http://blogs.timesofisrael.com/first-neo-nazi-party-to-be-elected-to-the-german-federal-parliament-on-sept-24/

Ausgerechnet diese Apologeten der AfD wagen es zu behaupten, sie seien „Freunde“ der ehemals verfolgten Juden. Das ist ebenso verlogen wie Alice Weidels Geschwätz, die AfD sei die „einzig verbliebene Schutzmacht“ für Homosexuelle. Wir haben Glück, daß sie weder eine gute, schon gar nicht eine charismatische Rednerin ist; ihr Sprachgebrauch ist entlarvend. Er erinnert an den Begriff des „Schutzjuden“, also jene einzelnen Juden, die seit dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert geduldet wurden – wofür sie bezahlen mußten. Und auch nur geduldet, wenn sie den jeweiligen Landesherren, die ihnen diesen Titel verliehen, in irgendeiner Weise politisch oder finanziell nützten. War das nicht mehr der Fall, gingen sie ihres des Schutz-Status´ verlustig – das Spiel mit dem Feuer bezahlten die meisten mit Vertreibung oder gar der Vernichtung. Der zynische Goebbelsspruch, „Wer Jude ist, bestimme ich“, faßt die prekäre Lage der „Schutzjuden“ präzise zusammen. Genauso wird es auch mit der „Schutzmacht“ für Homosexuelle sein. David Berger speziell, der sich name-droppender- und photo-shoppender Weise gern mit Alice Weidel oder Beatrix von Storch im Scheinwerferlicht präsentiert, wird sich noch umgucken, wenn ihn die Hände, die er jetzt küßt, ohrfeigen, da er genug zur Machteroberung dieser Leute beigetragen hat, denen er zujubelt wie weiland die Deutschen an den Straßenrändern wenn der Führer vorbeifuhr. Es wird diesen Opportunisten der Mitgefühlslosigkeit und ihren Anhängern dann ebenso ergehen wie den tanzenden Jünglingen bei Pasolini.

Wie das Schlachtfest aussieht (bisher hat es ja nur Saalschlachten geben: Petry gegen Lucke, Meuthen gegen Petry, Petry gegen alle…etc.) hat einige Jahre vor Pasolini bereits ein anderer Regisseur nahezu dokumentarisch und gleichzeitig als große Oper – Götterdämmerung eben – präsentiert: Luchino Visconti kam wohl der Wirklichkeit des sogenannten „Röhm-Putsches“ sehr nahe in seinem Film „La caduta degli dei“: er zeigt die Erotik des Mordes, zeigt wie nach (selbstbe-) durchsoffener und durchvögelter Nacht SA-Männer, die brutale Straßenbande der NSDAP, sich mit Jünglingen in den Betten räkeln– Lederhosen und Khakispießer, wehe wenn sie losgelassen – um dann von den nächsthöheren Parteichargen ermordet zu werden. Es gibt immer einen Rang darüber, der eher und mehr töten und fressen darf als die anderen. Zum Wohle des Ganzen – wie ja die Mordorgie als Abwehr der Gefahren für Reich und Regierung verkauft wurde. Hitler soll sogar dabei höchstselbst Hand angelegt haben. Die Wölfe waren in ihrem Element – Opfer und Täter längst nicht mehr zu unterscheiden.

Auch die faschistische Revolution, die Alternative für Deutschland, der konservative Aufbruch, die neuen Liberalen etc. pp. fressen ihre Kinder – und die Kinder, wie man an Torben Schwarz sieht, freuen sich darauf, bald mitmachen zu können, begeistert weil man ihnen Teilhabe an der Gewalt, dem Leiden und dem Freßgelage verspricht und gleichzeitig längst so abgestumpft, um zu erkennen welche Schmerzen, wieviel Leid sie anrichten. Sie sind blind für das Leid der anderen – aber auch blind für das eigene Leid.

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