Lieber Michel Houellebecq

Für seinen Roman „Unterwerfung“ erhielt Michel Houllebecq am 26. September den Frank-Schirrmacher-Preis verliehen. Die Laudatio hielt Necla Kelek. Die Kolumnisten geben sie erstmals vollständig wieder.

Mosaik Michel Houellebecq, von Clément Mitéran unter CC BY-SA 2.0, zugeschnitten

Sehr geehrter Damen und Herren,

sehr geehrte Frau Schirrmacher,

sehr geehrte Jury,

ich bedanke mich, dass sie mir die Gelegenheit geben, die Laudatio für Michel Houellebecq, den Preisträger des Frank-Schirrmacher-Preises 2016 zu halten.

Ich danke der Jury und besonders Herrn Meyer von der Neuen Zürcher Zeitung, dass ich, liebes Publikum, heute hier sein kann.

Lieber Michel Houellebecq,

ich freue mich Ihnen zum Frank-Schirrmacher-Preis zu gratulieren und möchte Ihnen kurz darstellen, was dieser außergewöhnliche Journalist und Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für mich bedeutete.

Frank Schirrmacher führte als Herausgeber der FAZ ein offenes Haus, in dem er in seinen Artikeln, mit seinen Büchern, aber auch in den von ihm angestoßenen Debatten das Land immer wieder zu Diskursen über Zukunftsfragen unserer Gesellschaft, herausforderte. Er konfrontierte die Leser mit „ungeheuerlichen Neuigkeiten“, wie eine Sammlung seiner Texte betitelt ist. Er spürte das Beben in der Gesellschaft, bevor sich der Riss auftat. Als Seismograph oder Frühwarnsystem kultureller Erschütterungen, ähneln sich der Namensgeber des Preises und Sie lieber Preisträger, auch wenn Ihre jeweiligen Ausgangspunkte, die Methoden und vielleicht auch die Ziele sich unterscheiden. Weder bei Frank Schirrmacher noch bei Ihnen war oder ist vorauszusehen, was als nächstes die Agenda bestimmen wird. Sei es thematisch oder in der Form.

Jede Erzählung braucht eine Dramaturgie

Die Bücher von Frank Schirrmacher waren keine wissenschaftlichen Werke, obwohl sie immer eine These oder einen theoretischen Kern umschlossen, sondern diskursive durchrecherchierte Erzählungen mit Debattenpotential. Aus seinen Artikeln und Büchern erfahren wir, dass jedes Ding oder Phänomen, das wir uns zum Thema machen wollen, eine  Erzählung braucht, wenn es mehr als einen inneren Zirkel erreichen soll.

Jede Erzählung braucht eine Dramaturgie. Und wenn sie es auf die Bühne, sprich in die Zeitung und in die Öffentlichkeit schaffen will, eine Inszenierung. Er war der Meister solcher Inszenierungen, die immer um die großen Themen wie Angst, Alter, Technologie und Identität kreisten. Alles Themen, lieber Preisträger, die ich auch bei Ihnen gefunden habe.

Er, und wenige andere, erkannte(n)  im Jahr 2005, also vor über zehn Jahren, dass der Islam in Europa, dass die Integration der Muslime, und in der Folge Zwangsheirat, Ehrenmorde, Parallelgesellschaften und Wertewandel die großen Themen werden sollten. Und, dass wir uns dieser Herausforderung stellen müssen. Er ließ mich, die damals unbekannte Soziologin, die an keiner Hochschule lehrte, sondern ihre Studien in Schulen, Moscheen und Gefängnissen betrieb und davon berichtete, schreiben. Es löste eine erste Debatte um Integration und Islam aus, deren Wirkung nachhaltig war.

Gelegentlich rief er an, machte Mut und fragte: „Haben Sie was für uns?“. Er wollte die Debatte – andere nicht. Für ihn gab es nur zwei Kriterien: ist es relevant und gut geschrieben.

Die Haltung, die mich mit Frank Schirrmacher zum Thema Islam und Integration, oder sagen wir zu den Prinzipien und der Widerstandfähigkeit unserer Gesellschaft, verband, hat der Kollege Hendryk M. Broder in einem Gespräch mit Frank A. Meyer in eine wunderbare Geschichte gekleidet. Broder erzählte von dem legendären holländischen Fußballtrainer Johan Cruyff, dessen Mannschaft Ajax Amsterdam gegen einen viel schwächeren Gegner spielte, in der ersten Halbzeit aber aus Überheblichkeit kein Tor zustande bekam. In der Halbzeitpause sagte der Trainer zu seinen Spielern: „Die können gegen uns nicht gewinnen. Aber wir können gegen sie verlieren.“

Lieber Michel Houellebeq,

ich gehe nicht davon aus, dass Sie mich kennen, denn wenige meiner Bücher sind in Ihre Sprache übersetzt worden. Ich bin keine Prosa-Schriftstellerin, keine Literaturkritikerin, sondern zunächst einmal eine Ihrer Leserinnen. Darüber hinaus bin ich Soziologin, die sich mit gesellschaftlichen Erscheinungen, vor allem mit Einwanderung und Islam auseinandersetzt. Ich bin, im Gegensatz zu den Protagonisten Ihrer Romane, eine politische Figur. Ihr – man kann ihn schwerlich als Helden bezeichnen – also ihr Protagonist im Roman „Die Unterwerfung“, der Literaturwissenschaftler François, würde mich sicher in die Kategorie der „Kassandras“ einsortieren. Selbst Redakteure der Zeitung, in deren Räume wir hier geladen sind, haben uns „Kassandras“ mit Bezeichnungen wie „Panikmacherin“ oder „Fundamentalisten der Aufklärung“ versehen, um genau das zu erreichen, was Ihr François beklagt, nämlich das Thema „Islam“ zu beerdigen.

François sagt: “Die Menschen waren das Thema leid – und in den Kreisen, in denen ich verkehrte, war man es noch eher leid als anderswo.“ Doch das Thema steht immer wieder auf der Tagesordnung, ganz ohne unser Zutun. Und es wird wohl noch lange dort bleiben.

Ich bin mir sicher, dass Frank Schirrmacher sein Vergnügen daran gehabt hätte, dass bei einem nach ihm benannten Preis, die „Kassandra“ Kelek  – Sie verzeihen, dass ich Sie zitiere – für den „Staatsfeind“ Houellebeq die Lobrede hält.

Aus ihrem Roman wurde ein Buch Hiob

Nehmen Sie Folgendes, lieber Michel Houellebecq, nicht als Kritik an Ihrem Werk an, sondern als den Versuch über Inhalte, Disposition, Struktur und Wirkung ihres Romans „Unterwerfung“ zu sprechen. Ich möchte versuchen, Ihnen die Parallelen oder Unterschiede der Ereignisse und Entwicklungen in Frankreich und Deutschland zu beschreiben. Komparistik (vergleichende Literaturwissenschaft) wenn Sie so wollen.

Die Wirkung Ihres Romans „Unterwerfung“ setzte ein, bevor er überhaupt gelesen werden konnte. Der mörderische Anschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ und den jüdischen Supermarkt war einerseits zufällig mit einer Karikatur von Ihnen auf der Titelseite verbunden, andererseits illustrierte das Zusammentreffen von Erscheinen des Romans mit den Morden das ganze Dilemma. Die Fiktion wurde von der Realität eingeholt, aus ihrem Roman wurde ein Buch Hiob.

Sie selbst, ungewollt (?) der Überbringer schlechten Botschaft, wobei sie doch – wenn ich die Disposition Ihrer Bücher und der Charaktere richtig gelesen haben – ein Autor der Gemeinschaft der Einsamen sind. Ihr François und auch die Figuren der anderen Bücher erscheinen als verlassene, unpolitische Kreaturen, die weder Täter noch Opfer sind, sondern eher gefühlsarme Gestalten. Sie agieren wie Crash-Test-Zombies – ganz wie in ihrem Roman  „Die Möglichkeit einer Insel“ – sozusagen Klone Ihrer selbst.

Sie haben sich richtigerweise von dem unterstellten Wirkungszusammenhang von Fiktion und Realität distanziert und die Verantwortung als Schriftsteller dafür abgelehnt. Der Schriftsteller hat Verantwortung für seine Wahrnehmung und Wiedergabe, nicht für den Gegenstand. Er ist Überwachungskamera, oder Alarmmelder, und so wenig für den Sturm verantwortlich wie die Windmühle, die Geschwindigkeit in Kraft oder Korn in Mehl verwandelt, aus dem andere Brot backen.

Ihr Werk folgt weder den formalen Sprachexperimenten und der gehäckselten Realität des Nouveau Romans, der Agit-Prop-Prosa oder des Bad-Acting-Staatstheaters oder dem Polit-Kitsch des Agitationstheaters von einer „Neomigrantin“  das mit Hilfe von Raubtiernummern zum „Theater des Jahres“ empor rezensiert  wird.

Die Bühne als Ort der Realitätsverweigerung

Während in diesen intellektuellen Versuchen auf der Bühne und im Buch die westliche Welt und deren Lebensentwürfe und Traditionen erbarmungslos kritisiert und geschreddert werden, und die bürgerliche Identität gar als grundlegend verdächtig und schuldig angesehen wird, stehen denselben Leuten „fremde Kulturen“ unter Kritikvorbehalt und  Beleidigungsschutz. Moralische Hybris inszeniert Opferhöllen. Die Bühne als Ort der Realitätsverweigerung, die sich bis heute nicht wirklich mit den verschiedenen Fassetten des Migrantenseins beschäftigt.

Die Kulturbeamten verhalten sich damit nicht anders als die muslimisch-orientalische Community selbst, die die Debatte nicht kennt. Debatten um Burka, Kopftuch, Kinderehen, Zwangsheirat, Ehrenmord und Parallelgesellschaften werden von Muslimen höchst selten geführt. Weder in einer Moschee von organisierten Muslimen, noch in der Theaterwelt. Es gibt Dissidenten wie mich – und ein paar andere, die diese Themen immer wieder sezieren, aber eine Debatte innerhalb der muslimischen Communitiy findet nicht statt. Es wird sich nicht in die eigenen Dinge eingemischt, stattdessen wird jede Einmischung als Angriff begriffen. Die Muslime selbst haben ihre Chancen, in der Freiheit anzukommen, und dabei sich dem Mittel der Kunst zu bedienen, ungenutzt gelassen.

Dass die Bühnenfassung ihres Romans „Unterwerfung“ ein so großer Erfolg in Deutschland ist, hat einerseits mit der schauspielerischen Leistung eines Edgar Selge zu tun, aber auch mit einer Sehnsucht des Publikums, dass sich wünscht, das im Theater so ein wichtiges Thema zu Wort kommt.

Die Arroganz gescheiter Dandys

Die Beschreibung in Ihrem Buch, wie Frankreich islamisiert wird, ist nachvollziehbar und ich könnte eine Reihe vergleichbarer Beispiele sowohl aus Deutschland, aus Europa wie aus aller Welt anführen. Die „ideologische Liederlichkeit“ (Darymple) der Intellektuellen, die alles abschätzig behandelt, was nicht ins eigene Weltbild passt, kommt einer kulturellen Demontage gleich. Die Arroganz und Ignoranz gescheiter Dandys macht Schule und Politik  – bis die Wirklichkeit in Form von Wahlniederlagen dieses Konzept zerstört. Wer eine Gefahr von fremden Kulturen ausgehen sieht, gilt in deren Augen als Brandstifter.

Als Brandstifter, die anprangern dass die Migrantenpolitik aus Bequemlichkeit oder wider besseren Wissens, von den politisch Verantwortlichen den Migranten selbst überlassen wird. Probleme wie Parallelgesellschaften oder Familiengewalt werden solange unter kulturellen Vorbehalt gestellt, bis es knallt.

Und Salafisten können ihre Indoktrination unter dem Schutz der Religionsfreiheit betreiben, bis es tatsächlich knallt.

Wir haben Islamwissenschaften, die keine Untersuchungen zu Koran oder Hadithen zulassen. Der Koran gilt an europäischen Universitäten als heiliges Buch und ist sakrosankt. Wie mit den 200 Gewaltstellen im Koran umgegangen werden soll, ist kaum ein Seminar wert.

Dass die Integration in Deutschland – vor allem der muslimischen Migranten – in erheblichem Masse gescheitert ist, ist auch dem Wirken der Migrationsforschung anzulasten. Dieses Wissenschaftsversagen ist eine Folge der ideologisierten Herangehensweise der Migrationsforschung. In Deutschland wie in Frankreich.

Dies nur am Rande, um einzugrenzen, vor welcher gesellschaftlichen Kulisse das  aktuelle Stück „Unterwerfung“ aufgeführt wird.

Die Gesellschaft hat ihre Mitte verloren

Für mich stellt in ihrem  Roman „Unterwerfung“ der Islam aber nur die Versuchsanordnung dar. Er ist nicht das eigentliche Thema. Sie beschreiben in „Unterwerfung“ eine Gesellschaft, die ihre Mitte verloren hat. Bei Ihren Figuren ist dieser Verlust greifbar, nämlich vor allem in Form von Abwesenheit von Familie. In ihrer Versuchsanordnung erscheint deshalb alles so hoffnungslos, weil die Figuren in der französischen Gesellschaft so bindungslos, einsam und verlassen sind und Partnerschaft wenn, dann nur als Geschlechtsverkehr praktiziert wird. Da erscheint das Gegenmodell einer islamischen Sozialordnung mit verordneter Unterwerfung selbst für den „Sozial-Dummy“ François reizvoll.

Für mich stellt sich die französische Gesellschaft, ihrem Blick folgend, als hoffnungsloser Fall dar. Um Ihnen das mit einem Bild zu verdeutlichen. Frankreich ist bei Ihnen nicht das Land, in dem Milch und Honig fließen, sondern eine Ödnis mit Universität und sozialer Zusatzversicherung.

Sie beschreiben den Islam als eine mögliche aber nicht als die einzige Form, die die Gesellschaft unterwirft oder verwandelt. Sie beschreiben in beklemmender Weise die Selbstaufgabe und schleichende Konversion einer sich im Selbstbild immer noch als groß empfindenden Nation. Sie illustrieren wie aus individuellen Nöten, Versorgungsängsten, realer Gewalt, Korruption, Karrieredenken, empfundener Sinnlosigkeit und Überdruss ein Zustand depressiver Zustimmung entsteht. Das zentrale Thema Ihres Werks erscheint mir die Einsamkeit der Seele und die Fühllosigkeit der Gesellschaft, einer Gesellschaft, die ihre innere Heimat verloren hat.

Unterwerfung als Heilung der Gesellschaft?

In einem Interview erzählten sie von der Überlegung, dass die Konversion ihres François genauso gut in Richtung Katholizismus hätte gehen können. Nur habe Ihnen das konkrete Anschauungsmaterial gefehlt. Da könnte ich Ihnen helfen, denn die europäischen „Neoreligiösen“ sehen genau in der Unterwerfung eine Heilung der Gesellschaft.

Und damit komme ich auf einen Satz den Sie in einem Interview mit Thomas Steinfeld in der Süddeutschen Zeitung  geäußert haben. Ein Satz, der mich irritiert hat. Auf die Frage, warum der Mensch Religion brauche, (vielleicht) zur Absicherung der eigenen Werte, haben Sie geantwortet:

Ja. Das Leben ist ohne Religion einfach so über alle Maßen traurig.

Ihr François konvertiert am Ende des Romans zum Islam. Nicht aus spirituellen oder philosophischen Gründen, sondern aus Opportunismus. Sie sagen dazu:

Ursprünglich wollte ich, dass er Katholik wird. Aber ich habe mehrfach versucht, die Szene zu schreiben, und es fühlte sich immer falsch an. Da kam mir die Idee mit dem Islam.

Was ist Religion?

Aber was ist Religion: Religion zielt ja darauf, um es verkürzt zu sagen, eine Stimmungslage über das gesellschaftliche und persönliche Sein zu schaffen, so dass sie als unverrückbare Wirklichkeit  erscheint. Traditionen, Sitten und Mythen werden mit religiöser Bedeutung aufgeladen, sakralisiert und legitimiert. Lassen wir einmal den schicksalsgläubigen Hinduismus und die organisierte Leere des Buddhismus außen vor und wenden uns den Buchreligionen zu.

Nun besteht unter den von mir so genannten „Neoreligiösen“ die vorherrschende Meinung, dass sich die sogenannten abrahamitischen Religionen an einen, gar an denselben Gott wenden. Die Unterschiede gelten ihnen als marginal. Sie wollen Lessings „Ringparabel“ als Überbau.

Das Judentum ist die Religion des Zweifels und der Fragen, das Christentum die der Antworten und der Islam, die der Hingabe oder Unterwerfung. Unterschiede werden eingeebnet und Religion wird zu einer Sache des allgemein menschlich Erhabenen, des Konsens und der Mystik erhoben.

Ein Journalist vergleicht in der SZ den Kulturkampf im 19. Jahrhundert, um die Säkularisierung der Katholischen Kirche im Deutschen Reich, mit der Auseinandersetzung um die Islamverbände heute. Man möchte ihm zurufen: Ja die Katholische Kirche hat sich nicht selbst säkularisiert, sie wurde dazu genötigt. Und wir sollten dies mit den Islamverbänden auch tun.

Das Knien verlernt

Ein anderer Schriftsteller möchte die lateinische Messe zurück und klagt, „in der westlichen Welt hätten die Menschen das Knien verlernt“ und sein muslimischer Freund fügt hinzu: „Heute gilt die heiligste Handlung, die ein Mensch vollbringen kann, nämlich sich selbst zu opfern, als lächerlich und pathologisch“, was im Zusammenhang mit der Märtyrersure aus dem Koran aber in einem anderen Lichte steht: Sure 9, Vers 112: „Denen gehört das Paradies – die auf dem Wege Allahs streiten, die töten und getötet werden. Ihnen gehört die wahre Verheißung.“

Das sind Stimmen der einflussreichen, intellektuellen „Neoreligiösen“, die versuchen, über die Propagierung religiöser Hingabe, die Gesellschaft zu heilen. Unterwerfung unter Religionen als Sinnspende und universale Lösung?

Dabei, das erahnen wir aus Ihren Büchern, lieber Michel Houellebecq, ist Religion, gleich welche, auch nur Ideologie und vergebene Liebesmüh. Die eigentliche Tragik von François ist denn auch nicht nicht die Religion, sondern wird bereits in einem Zitat auf der ersten Seite Ihres Romans deutlich. Sie zitieren Huysmans: „Im Grunde dachte er… ist mein Herz durch das lockere Leben verhärtet und vertrocknet, ich bin zu nichts nutze.“

Francois beendet seine Forschungsarbeit und fühlt sich bereits nach der Abgabe leer. Nur das wissenschaftliche Denken scheint ihn am Leben gehalten zu haben. Womit wir bei einem Franzosen, dem Wegbereiter der Aufklärung, René Descartes, angekommen wären.  „Ich denke, also bin ich“, als Roman geschrieben. Wer aufhört zu denken, wird sich irgendwann und wem auch immer unterwerfen.

Lieber Michel Houellebecq,

Sie haben uns eine anstrengende Aufgabe hinterlassen.

Wir brauchen Sie. Lassen Sie uns „Einzeltäter“ bleiben.

Bleiben Sie anstrengend.

Herzlichen Glückwunsch.

Dieser Text ist in gekürzter Form bereits in der Welt erschienen.

Necla Kelek

Necla Kelek

Necla Kelek wurde in Istanbul geboren und lebt in Berlin. Sie hat Volkswirtschaftslehre und Soziologie studiert und wurde zum Dr. phil. promoviert. Ihre Bücher »Die fremde Braut«, »Die verlorenen Söhne«, »Bittersüße Heimat« und »Himmelsreise« sind Best- und Longseller und haben die Debatte um Integration und den Islam in Deutschland nachhaltig geprägt. Necla Kelek wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Geschwister-Scholl-Preis 2005, dem Hildegard-von-Bingen-Preis 2009 und zuletzt dem Freiheitspreis 2011.

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