Froome, Vuelta & die neue Radsport-Ordnung

Trotz Toursieg startet Christopher Froome in diesem Jahr bei der Vuelta. Ein weiterer Schritt Richtung Aufwertung der beiden anderen großen Landesrundfahrten?

Tour de France 2016, Peloton mit Froome - von Bald Boris unter CC BY-SA 2.0, zugeschnitten

Es ist gerade erst zwei Wochen her, da habe ich hier erklärt, um Christopher Froome und sein Über-Team Sky auf der Strecke zu schlagen, müsse man ihm und der Mannschaft ein normales Jahresprogramm geradezu aufzwingen. Also Starts bei den Frühjahrsklassikern, den drei großen Touren, kleineren Rundfahrten und Meisterschaften. Nun holt Froome stattdessen zum Präventivschlag aus und startet im August bei der Vuelta à Espana. Und im Gegensatz zum Start 2014 aus einer Position der Stärke heraus, so dass man ihn am Ergebnis durchaus wird messen dürfen, obwohl er schon den Toursieg in den Beinen hat.

Aufwertung anderer Rundfahrten

Für mich ist das durchaus ein gutes Zeichen. Es gibt seit Jahren wieder eine Tendenz zur Aufwertung der beiden anderen großen Rundfahrten, die ja nicht immer so im Schatten der Tour standen wie in den 90er Jahren. Man erinnere sich etwa an die Dekaden Bartalis und Coppis. Und nun hat das wohl auch der dominierende Athlet unserer Zeit erkannt: Die Stimmen, dass neben Chris Froome wohl mindestens noch die Teamkollegen Walter Poults und Mikel Landa-Mena im Team Sky die Tour ähnlich überlegen gewinnen könnten, würde sich die ganze Mannschaft in ihren Dienst stellen, mehren sich, und auch die Einschätzung von Jens Voigt, dass der Toursieg bei Sky zu 60 bis 70 % eine Teamleistung sei, sorgte für einiges Aufsehen. Wenn Froome das nicht auf sich sitzen lassen will, kann das der Spannung nur zuträglich sein.

Keine halben Sachen!

Allerdings müssen die anderen Mannschaften noch mehr machen, um diese neue Art der Auseinandersetzung zu forcieren. Wenn geknickte Tour-Verlierer, die schon in Frankreich voll gefahren sind, im Anschluss bei der Vuealta Genugtuung suchen ist das erstens so neu nun auch wieder nicht und zweitens die billigste Möglichkeit, Sky den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Sky wird ihn problemlos aufnehmen. Die Initiative ist jetzt einmal mehr bei Froome und seiner Mannschaft, nach denen sich die anderen ehrfürchtig ausrichten. Und warum sollte der Toursieger drei Wochen später schlechter in Form sein als die dort Geschlagenen?

Nein: Wer die Spielregeln wirklich ändern will muss aufhören auf die prestigeträchtige Tour zu schielen. Von sich aus, und nicht weil man dort wieder einmal klanglos untergegangen ist. Erst dann wird Sky bei Rennen abseits der Tour zu mehr als Alibi-Antritten gezwungen sein, und erst dann kann man hoffen, diese Mannschaft irgendwann auch in Frankreich mal wieder bezwingen zu können.

Sören Heim

Sören Heim

Sören Heim ist Journalist, Übersetzer und Schriftsteller. Er ist Träger des kosovarischen Preises für moderne Dichtung „Pena e Anton Pashkut“ (Stift des Anton Pashku) und des Sonderpreises „Favorit von Daniel Glattauer“ der art.experience 2014. In HeimSpiel schreibt Sören Heim mit Heimvorteil zu den Schnittpunkten von Kunst, Kultur und Gesellschaftspolitik. Er beleuchtet die unerwartete Bedeutung ästhetischer Fragestellungen für zeitgenössische Debatten, die mit Kunst auf den ersten Blick kaum Berührungspunkte haben. Und wo immer, sei es in der Politik, sei es in der Ökonomie, sei es gar im Sport, er auf geballten Unsinn und Unverstand trifft, wagt der Kolumnist auch das ein oder andere Auswärtsspiel. Bisher erschien die Kolumne HeimSpiel im Online-Debattenmagazin The European. Daneben veröffentlicht Heim in mehreren Literaturzeitschriften vornehmlich Lyrik und dichte Kurzprosa, und bloggt auf der eigenen Homepage aus seinem Zettelkasten. Auf Youtube macht er gemeinfreie Lyrik und eigene Texte hörbar, zuletzt Rilkes Duineser Elegien. Im Juli erschien ein Gastbeitrag zu Jan Wagner auf dem Literaturportal Literaturschock. Heim ist mit seiner Autorenseite auch auf Facebook vertreten. 2016 veröffentlichte Heim den "Roman in 24 Bildern" Kleinstadtminiaturen. Erschienen im Girgisverlag, ISBN: 978-3939154181.

More Posts

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir verwenden Cookies, um Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an soziale Medien und für Analysen weiter. Durch die Benutzung unserer Webseite stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen

Wir verwenden Plugins, mit denen Sie unsere Inhalte in sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Google+ teilen können. Bereits durch den Aufruf von Seiten werden Informationen an diese sozialen Medien weitergegeben. Außerdem verwenden wir Google Analytics, um die Nutzung unserer Seite analysieren zu können.

Schließen