Klimaschutz ist die eigentliche Katastrophe

Klimapolitik, wie sie allen voran von Deutschland praktiziert wird, ist nicht nur nutzlos, sondern schädlich.


In Paris treffen sich erneut Unmengen von wichtigen und weniger wichtigen Leuten zum Klimagipfel. Es ist der 21ste. Er wird wie die 20 davor nichts bringen. Seite 1995 findet der Klimagipfelzirkus statt, die globalen die CO2-Emissionen sind dennoch nicht gesunken. Trotzdem hält man munter an dem Ziel fest, sie in den nächsten 35 Jahren um etwa 90% zu reduzieren. Nichts davon wird geschehen, wie Bjorn Lomborg gerade vorgerechnet hat. Die ganze Show dient nur dazu, sich als moralisch überlegen zu präsentieren und von dem massiven Schaden abzulenken, den die Klimapolitik anrichtet. Die unausgesprochene Prämisse der großen Reduktionsziele ist nämlich, dass die Armen der Welt arm bleiben, dass ein Afrikaner im ganzen Jahr weniger Energie verbraucht als ein Klimagipfelteilnehmer an einem Wochenende in Paris. Das ist nicht akzeptabel.

Mensch oder Klima?

Klimaschutz ist heute das große globale Ziel, dem sich scheinbar alle verpflichtet fühlen. Eine weltweite verlässliche Energieversorgung für alle Menschen ist ein anderes. Welches ist wichtiger? Wir sollten wenigstens damit beginnen, ernsthaft darüber nachzudenken. Schon heute leiden soundsoviele Menschen unter den Folgen des Klimawandels, hören wir immer wieder. Stürme, Hitze, usw. Die Belege dafür sind von zweifelhafter Qualität. Eine andere Aussage lautet: Noch heute leiden vier Milliarden Menschen tagtäglich unter den Folgen unzureichender Energieversorgung. Diese Tatsache ist vollkommen unzweifelhaft und das Leiden ein vielfältiges.

Energiearmut führt unmittelbar zu unzureichender Wohnqualität, Ernährung, Gesundheit, Bildung, Mobilität. Sie führt auch zu einer gering ausgeprägten Fähigkeit, sich vor Naturkatastrophen und Wetterextremen zu schützen. Und letztlich auch zu weniger Naturschutz. Wo achtmal so viel Land gebraucht wird, um die gleiche Menge Getreide zu erzeugen, und statt fossiler Energieträger Holz verheizt wird, braucht man sich über die Abholzung von Wäldern und Rückgang der Artenvielfalt nicht zu wundern.

Ohne Frage sollten wir Anstrengungen unternehmen, unser Energieversorgung effizienter und umweltverträglicher zu gestalten. Wir dürfen aber das primäre Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, die globale Energieversorgung massiv auszuweiten.

Energiewende für Afrika

Bei uns steht der Begriff „Energiewende“ für die Abkehr von fossilen Energieträgern sowie der Kernenergie. In Afrika ist eine ganz andere Wende gefordert. Hier geht es darum, die Energiearmut zu überwinden. Aus welchen Quellen kann der große Nachholbedarf Afrikas gedeckt werden? Der Anteil an Erneuerbaren am Primärenergieverbrauch beträgt heute in Afrika etwa 50% und wird hauptsächlich durch Brennholz gedeckt, in Asien (Nicht-OECD-Länder) und Südamerika sind es 30, in der EU und Deutschland etwa 10 und in den USA 5%.

Die Richtung, die Afrika gehen muss, ist klar: Weg von den alten Erneuerbaren, hin zu fossiler und Nuklearenergie und nur in geringem Maße zu den neuen Erneuerbaren. Afrika hat größere Gasvorkommen als die USA, fördert aber nur ein Viertel so viel, wovon das meiste exportiert wird. Gas wird daher in den nächsten Jahrzehnten die dominante Rolle spielen. Nach den Prognosen eines McKinsey Reports wächst die Erzeugung aus Gas von 28 TWh im Jahr 2010 auf 710 TWh in 2040, Kohle würde von 225 auf 371 ansteigen, Wasser von 92 auf 256, Solar von Null auf 127, wobei das Wachstum vor allem nach 2030 zu erwarten sei, wenn die Technik effizient genug geworden sein soll. Dass die meisten Länder freiwillig kaum auf Wind und Sonne setzen, ist verständlich. Die Kosten sind zu hoch. Nach einer Schätzung des Center for Global Development kann mit Investitionen von 10 Milliarden USD in erneuerbare Energien eine Elektrizitätsversorgung für 30 Millionen Menschen aufgebaut werden. Der gleiche Betrag in Gaskraftwerke investiert würde jedoch 90 Millionen Menschen Zugang zu Elektrizität ermöglichen.

Globaler Energiebedarf wächst weiter

Beim Klimaschutz muss man der Realität ins Auge blicken. Die Vorstellung diverser Öko-Visionäre, zugunsten des Klimaschutzes den weltweiten Energieverbrauch auf dem heutigen Niveau zu halten oder gar zu senken, ist absurd und beinhaltet die klammheimliche Hoffnung, dass Afrika arm und unterentwickelt bleibt. Um bis 2035 die Energieverfügbarkeit pro Kopf weltweit auf das Niveau von Bulgarien zu bringen, wäre ein Anstieg um 88% nötig. Das hieße aber auch, dass wir in Deutschland auf bulgarisches Niveau absänken. Das fänden die meisten sicher nicht lustig. Um auf deutsches Niveau zu kommen, sind 200% Steigerung notwendig. Das ist noch weit entfernt vom US-Niveau (460% Zuwachs), aber doch recht ambitioniert. Ein nur moderater Anstieg wäre ein katastrophales Versagen. Unser Ziel kann es nicht sein, die Welt dadurch zu retten, dass ein Großteil der Menschen arm bleibt. Energiearmut kann nicht der Preis für Klimaschutz sein. Andere Lösungen sind erforderlich und werden durch den weiteren technischen Fortschritt auch zu finden sein.

Ein wichtiger Schritt für Afrika ist die Entwicklung einer modernen Landwirtschaft. Dazu gehören, Traktoren, Erntemaschinen, Dünger, Bewässerung, Kühlhäuser, die erhebliche Mengen an Energie benötigen. Wie bei uns vor 50-100 Jahren werden sie zu einer elementaren Befreiung der Menschen führen und enorme neue Möglichkeiten eröffnen. Männer, Frauen und Kinder können sich, statt auf dem Feld zu ackern, der Bildung und der Entfaltung ihrer kreativen Möglichkeiten in privaten und geschäftlichen Aktivitäten aller Art widmen. Sie können der Gesellschaft, nicht anders als bei uns, als Industriearbeiter, Handwerker, Ärzte, Wissenschaftler, Ingenieure, Lehrer, Programmierer, Filmproduzenten, Künstler und so weiter zu Reichtum verhelfen, von dem alle profitieren. Ohne umfassende und schnell wachsende Energieversorgung können sie all das nur in weitaus geringerem Maße. Eine energiearme Welt ist auch eine kulturell arme Welt.

Wachstum und Innovation

Wir brauchen im Energiesektor Innovation. Die findet vor allem dort statt, wo im großen Stil neue Energieerzeugungskapazität aufgebaut wird. Es ist also die Mission der Entwicklungs- und Schwellenländer, die Energiesysteme der Zukunft zu entwickeln, zu erproben und in großem Maßstab zu implementieren. China hat nicht nur die Führung in der Solarenergie übernommen, es ist auch das Land, in dem saubere Kohlekraftwerke und neue Typen von Kernreaktoren entwickelt werden, die die bei uns genutzte, ein halbes Jahrhundert alte Technologie in Hinblick auf Sicherheit und Effizienz weit übertreffen können. Deutschland gibt kaum Geld für die Forschung und verschwendet stattdessen voller Stolz Hunderte von Milliarden für die Subventionierung ineffizienter Solardächer und Windräder.

Die vornehmste Aufgabe der entwickelten Länder wäre es, Technologien und Know-how zur Verfügung zu stellen und in Projekte zum Aufbau einer effizienten Energieversorgung sowie einer modernen Landwirtschaft und Gesundheitsversorgung zu investieren. Der Rest wird sich auch in Afrika von allein entwickeln. Natürlich nicht ohne Fehler, Irrwege und Ungerechtigkeiten, aber letztlich zum Vorteil und zum Wohle von Hunderten von Millionen von Menschen. Menschen, die so leben wollen wie wir, und denen niemand das Recht dazu absprechen kann.

Afrika ist im Aufbruch. In Afrika finden sich neun der 15 wachstumsstärksten Nationen der Welt. Ein entscheidender Faktor für den Erfolg ist die schnelle, massive Ausbau der Energieversorgung mit all seinen positiven Auswirkungen, allen voran die, Hunderten von Millionen von Menschen die Chance zu geben, in produktiven Tätigkeiten ihr kreatives Potenzial zu entfalten.

Was gut genug für Afrika ist, sollten wir daran messen, was gut genug für uns ist. Und gut genug für uns ist ohne Zweifel nur eine 100 prozentige Verfügbarkeit von Strom in beliebigen Mengen 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr.

Thilo Spahl

Thilo Spahl

Thilo Spahl ist Diplom-Psychologe und lebt in Berlin. Er ist freier Wissenschaftsautor, Mitgründer des Freiblickinstituts und Redakteur bei der Zeitschrift NovoArgumente.

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