Wir können auch Klassenerhalt

Unsere 1. Frauen des FC St. Pauli leben Fußball durch Kontinuität und steigen auch im zehnten Regionalligajahr in Folge nicht ab. Nachdem unsere Profis das Abenteuer Bundesliga erst einmal unterbrechen mussten, bleiben unsere 1. Frauen in ihrem gewohnten Ligaumfeld.

Foto: Matthias von Schramm

Die Diskussionen im Verein über den Abstieg der Profis und seine Folgen sind auch Wochen danach immer noch wenig kreativ. Die Fans äußern sich genauso prosaisch, wie man es auch bei anderen Vereinen in Dauerschleife erlebt. In dieser Disziplin sind wir also gar nicht so viel anders als ein erfolgsverwöhnter Bundesligist. Unsinnige Vorhaltungen in eigentlich ruhigen und stabilen Zeiten sind leider sehr beliebt. Forderungen werden laut, ohne die Finanzierungsmöglichkeiten zu hinterfragen und ohne dass etwas Gravierendes geschehen wäre. Der FC St. Pauli ist lediglich in die 2. Bundesliga abgestiegen, und die neue Saison hat noch gar nicht begonnen.

Da ist der Gegenentwurf: unsere 1. Frauen FCSP. Mehr als eine angenehme Abwechslung. Auch wenn deren Saison gar nicht mal so viel erfolgreicher war als die der Männer. Besonders in der Hinrunde fehlte vor allem die Effizienz, und Punkte blieben auf der Strecke. Vier Ligabegegnungen endeten torlos – so viele wie noch nie in einer Saison.

Torlos und erfolgreich in die Sommerpause!

So gab es am letzten Spieltag am Sonntag, dem 31. Mai 2026, daheim auf der FeldArena auch nur ein 0:0 gegen den TSV Barmke. Dieser eine Punkt reicht aber letztlich zum sicheren Klassenerhalt. Bei einer Niederlage wäre der Abstieg sehr wahrscheinlich gewesen und vor allem abhängig von einem Aufstiegsspiel der Meisterinnen von Holstein Kiel gegen die U21 des Effzeh – ein Spiel um einen Platz in der 2. Bundesliga. Mit dem engsten aller Endresultate konnte das Team dieser Abhängigkeit entfliehen.

Barmke war zwar ersatzgeschwächt und feldunterlegen, aber deren gigantisch reagierende Torfrau Jana Tauer trieb unsere Offensive in den Wahnsinn. Frau Tauer (wir haben Jana, was habt ihr?) hielt einfach alles. Die Barmkerinnen trafen zudem unser Aluminium – beinahe wäre es das dann gewesen mit dem sicheren Klassenerhalt. Die Nerven und das Leiden für St.-Pauli-Fans nahmen auch an diesem Sonntag kein rasches Ende. Erst als der Abpfiff durch Schiedsrichterin Joelina Wendtorff erfolgte, durfte ich mit meinen anderen „üblichen Verdächtigen“ unseres gleichnamigen Fanclubs aufatmen.

Es folgte auf ausgelassene Jubelarien die feierliche Verabschiedung unserer langjährigen Spielerinnen Tara und Verena. Auch Trainerin und wichtige Frau der Abteilung Kim hatte ihr letztes Spiel an der Seitenlinie. Es floss Bier und Mexikaner in Strömen, da Mexikaner als Lieblingsgetränk unserer nun ausscheidenden Torfrauen-Legende Tara bekannt sind.

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Ein versöhnliches Saisonende an einem sonnigen Sonntag!

Die Woche zuvor hatte unser Team um die Trainerlegenden Kim und Kalli zum dritten Mal den Hamburger Verbandspokal gewonnen, indem man im altehrwürdigen Stadion Hoheluft im Endspiel die Hamburger Meisterinnen des Walddörfer SV mit 3:0 nach Toren von Annie, Josie und Neele besiegen konnte. So geht es dieses Jahr auch in die Play-offs für den DFB-Pokal. Solches war unserem Team 2025 nicht vergönnt, weil man eben dieses besagte Finale auf Hoheluft gegen Vicky verlor.

10 Jahre Regionalliga Nord!

Am 28. August anno 2016 trug unser Team das erste Spiel in der dritten Liga im deutschen Frauenfußball aus. Man besiegte am ersten Spieltag den VfL Jesteburg (heute FC Jesteburg-Bendestorf) mit 5:3 Toren. Zum Ende der Saison landete das Team auf einem ausgezeichneten dritten Platz.

In der Saison 2018/19 erfolgte dann der Fast-Abstieg. Endspiel auf der FeldArena wie letzten Sonntag. Gegen die Frauen des SV Meppen II musste damals unbedingt ein Sieg her. Historisch gewann unser Team die Begegnung am 19. Mai 2019 mit 7:2 Toren.

Beinahe genauso knapp ging es in der Saison 2021/22 zu. Am 29. Mai 2022 musste man bei Holstein Kiel antreten und möglichst punkten. In der Nachspielzeit hatte Kiel einen Elfmeter zugesprochen bekommen, den unsere immer noch aktuelle Torfrau Rike an den Pfosten lenkte. Ein Nachschuss traf aber ins Herz der ganzen Abteilung, und unser Team war mit 3:2 geschlagen.

Unsere Frauen dachten, sie wären abgestiegen, und waren minutenlang am Boden zerstört. Wir konnten aber vermelden, dass der Walddörfer SV gegen Wellingsbüttel nur unentschieden gespielt hatte und Werder Bremen II gar gegen den TV Jahn Delmenhorst eine Niederlage hinnehmen musste. Und deswegen hielten wir auch diesmal einfach mal die Klasse.

Auf diese Weise wurde unser Team nun zusammen mit Holstein Kiel zum Liga-Dino – sollte aber die U21 des 1. FC Köln von den Kielerinnen im Aufstiegsduell besiegt werden, dann würden wir als alleiniger Dino ins elfte Jahr in Folge in die Regionalliga-Nord-Saison 2026/27 starten.

Das wird eine unterhaltsame Saison!

Die Liga wird für die nächste Spielzeit auf vierzehn Teams aufgestockt, und es ergibt sich schon rein klanglich eine wunderbare Unterhaltsamkeit. Stand jetzt ist nur unklar, ob Holstein Kiel oder der TSV Barmke noch dabei sein werden.

Die neuen Teams

Mutmaßlich bekommen wir aber Ligabesuch vom SV TiMoNo (Timmel – Moormerland – Nordmoor), welcher die Niedersachsenmeisterschaft gewinnen konnte.

Aus Schleswig-Holstein kommt der SSC Hagen Ahrensburg in die Regionalliga – ein Verein, der quasi an der Hamburger Stadtgrenze im Speckgürtel klebt.

Hamburg bietet den Walddörfer SV auf, ein Team, welches schon einige Jahre Regionalliga-Erfahrung hatte und nun wieder die Stadtmeisterschaft sichern konnte.

Bremens Meisterinnen sind der TV Eiche Horn. Ein Team, welches historisch aus der Frauenfußball-Abteilung des TuS Schwachhausen hervorging, mit welcher wir als Fanclub einst eine sehr freundschaftliche Verbindung pflegten.

Die U20 des VfL Wolfsburg kommt nun zum zweiten Mal aus der 2. Bundesliga zu uns herabgestiegen.

Die anderen Gegnerinnen

Zu guter Letzt verbleiben in der Liga folgende potenzielle Gegnerinnen: SV Henstedt-Ulzburg, SpVg Aurich, HSV (U20), Hannover 96, der Eimsbütteler TV, SV Werder Bremen II und der ATS Buntentor.

Ein Grund zum Feiern!

Wieder versammeln wir uns als Fanclub nach dieser Nervenschlacht in nicht ganz leiser Einkehr. Beim Kiezitaliener machen wir zwecks Aufnahme eines Neumitglieds eine Sondersitzung und sind sozusagen eine von vielen kleinen Oasen des Vereins, die sich ein Stück Inselglück gönnen. Eine „Familie“, die das meckernde Fuß- und Trikotvolk für ein paar Stunden an einem schönen Sonntagabend außen vor lässt.

Wir können auch Klassenerhalt und zeigen, wie das geht. Bei Limoncello, Aperol Spritz und anderen Erfrischungsgetränken erfreuen wir uns an der gelebten Witzkultur unserer Generation.

Forza!

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