Dokumentierter Humor

„Was haben wir gelacht“ im Kino

Die Dokumentation „Was haben wir gelacht“ ist in den Kinos. Chris Kaiser hat sie sich mit ihrem Mann angesehen. Es geht um Humor als Waffe gegen Frauen, Muster von Sexismus im deutschen TV der 90er.

Unheimliches Lachen
So ein Lachen tut weh Pixabay - Whitedaemon

„Würdest du den Film also empfehlen?“, fragte mich die Kollegin beim Mittagessen, nachdem ich ihr vom Kino-Besuch erzählt hatte. Dazu muss ich vorwegschicken, dass wir schon vor dem Wochenende über den Film gesprochen hatten und beide neugierig waren, nachdem überall in unserer beider Social Media Besprechungen und Trailer aufgetaucht waren. Aber ob dieser Film auch in den Kinos in unserer Nähe gezeigt werden wird? 

Dokumentationen sind ja eher selten Blockbusters.

Fünf illustre Namen

„Was haben wir gelacht“ heißt der lakonische Titel und im Trailer und auf dem Plakat reihen sich die fünf bekannten Gesichter: Maren Kroymann, Esther Schweins, Gaby Köster, Bettina Böttinger und Hella von Sinnen.

Für Menschen meines Alters Namen, die in unserer Jugend und Studentenzeit absolut präsent waren. Fast so präsent, wie die der anderen, der Männer der Branche: Thomas Gottschalk, Rudi Carell, Stefan Raab und der unvermeidliche Großmeister der Late Night Talk: Harald Schmidt. Im Trailer wird klar, dass das Lachen im Halse stecken bleiben wird, ein Moment der Bitterkeit diesseits von #metoo, weil DAS nicht mehr machbar ist, was DAMALS, in den 80ern und 90ern offenbar selbstverständlich war: Frauen an den Rand zu drängen und sie zum Witz gegen sie selbst zu zwingen.

Keine Reportage

Das Ganze eine Dokumentation zu nennen, passt nicht ganz. Die Filmemacherinnen gehen nicht reportage-gemäß nach draußen, sie fangen auch nicht die Realität in erster Instanz auf. Es gibt keine Gartenzaun-Interviews, keine Totalen, keine Dynamik von gerade Geschehendem. Sondern es wird genau das Ambiente simuliert, ja herbeigerufen, in welchem die beklagte Tat stattgefunden hat und der Täter, ist der Fernsehapparat, der Tatort das Wohnzimmer zuhause, das man jetzt auf der Kinoleinwand sieht. Man sieht die fünf Frauen in ihren Sesseln sitzen, nachdem sie die einzelnen Ausschnitte gesehen haben und hört sie das und Ereignisse aus der Zeit kommentieren. Es geht nicht um Klatsch und Tratsch und was hinter den Kulissen passierte. Es war das, was in den Archiven der Sender vorliegt, genauso gesendet, genauso gesehen. Und von uns damals gemocht. Bis zu dem Moment, wo die fünf ihr Emotionen und Gedanken bloßlegen, mit Ehrlichkeit und Offenheit, mit dem Vertrauen zu den Filmemacherinnen, aber auch mit dem resoluten Mut, sich nicht mehr in die Zwänge des Showbiz einfangen zu lassen, sondern sich den Mechanismen zu verweigern und sie in Worte zu fassen.

Nach Luft geschnappt

Ich muss dazu sagen, dass ich das Ganze in einem kleinen Programmkino gesehen habe, und es genau 32 Sitze im Saal gab. Immerhin restlos ausverkauft. Aber Wohnzimmer as Wohnzimmer can get in einem Kino. Darunter gerade mal 3 Männer, inklusive meinem eigenen. Und wir alle lachten nur wenig, während ich mir an einer Stelle die Hände ins Gesicht schlug und nach Luft schnappte. Wie einige andere im Saal. Wenn man die Szenen auf dem Sofa von Wetten dass…? hintereinanderschnitt, dann fällt es richtig auf, das Muster. Gottschalks unvermeidliche Hand auf dem Knie bei den weiblichen Stargästen, von Steffi Graf bis Claudia Schiffer. Und dieses unerschütterlich fehlende Unrechtsbewusstsein dabei. Und plötzlich sieht man das, was man damals nicht wahrgenommen hat oder schnell vergessen: Wie derb misogyn Harald Schmidt sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zum Witz macht. Wie der jungen Esther Schweins das Lächeln im Gesicht gefriert, neben Gottschalk oder Harald Schmidt. Gespiegelt in der erst jetzt einsetzenden Verzweiflung bei der heutigen Person in ihrem Sessel. Der harte urteilende Blick von Hella von Sinnen. Und die empathisch-solidarische Maren Kroymann.

Lernprozess

„Es ist ein Lernprozess“, spiegelt Maren Kroymann die Gedanken des Zuschauers, umso mehr der Zuschauerin. 

Denn in diesem erinnerten Wohnzimmer der 90er, in welchem unser Röhrenfernseher den Humor als Waffe gegen Frauen schwang, und Täter war, haben wir gelacht. Wir waren die unwissentlichen Komplizen. Der Film hingegen klagt nicht an, er öffnet uns die Augen; ein erster Weg zur Heilung. Er wird zur Therapie.

„Empfehlen?“ Ich schüttelte den Kopf zu meiner Kollegin. „Nein. Ein MUSS!“

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One comment
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Mighty Quinn

In Teil 2 sind dann die RTL-Tutti-Frutti-Weiber dran‘. Oder? Was für ein ‚RTL- Schweinskram‘.

‚Schweins‘ self:

Ich komme hier
mit meinem Schlitten,
hab’ keinen Sack,
dafür zwei … [Hebegriff an den Vorbau mit süffisant-dreckigem Grinsen und Kunstpause] … Rentiere …

… wie war das mit dem Glashaus und den Steinen? Gefallen hat mir aaaber das ausverkaufte Kino. 32 Sitze. Das ist Galgenhumor. Oder?