Zünglein an der Trage – die Stones & ihr neues Album „Foreign Tongues“

Was haben Karel Gott, Marduk und U2 gemein? Alle drei berufen sich zeitlebens maßgeblich auf die Rolling Stones als Haupteinfluss und covern den semi-sinistren Klassiker „Paint It Black“. Zum Glück hat Jaggers Truppe in den letzten fast sechseinhalb Jahrzehnten mehr vollbracht als seltsame Leute zu inspirieren. Mit dem Überraschungsalbum „Foreign Tongues“ machen Jagger, Richards und Wood den Musiksack im 65. Stones-Jahr so richtig zu.

The Rolling Stones
Foto: Pressebild "Foreign Tongues" (2026) Copyright: Kevin Mazur & Universal Music Group

1966 – „Nachwirkung“ in Hollywood: Wir befinden uns in Kalifornien. Genauer gesagt in den legendären RCA Studios, Sunset Drive, Hollywood. „Aftermath“ der vierte Rolling Stones Longplayer wird seinem Namen getreu bleiben. Er wird den nachfolgenden sechs Dekaden mehr Ehre erweisen, als es diesen britischen Grünschnäbeln ehedem bewusst war. Für Jagger, Richards, Jones und Co markiert das Album überhaupt das erste Mal, die Eierschale komplett von sich zu werfen. Keine der vorherigen drei Platten schaffte es, ohne zeitübliche massenhaft Coverversionen auszukommen. Sie haben das Songwriting gerade erst erlernt, eingesperrt in der Küche, während der ausgekocht kreative Manager und Kumpel Andrew Loog Oldham ihnen das Bad Guy Image erfindet und nebenan wartet. „Kommt erst raus, wenn ihr einen gottverdammten eigenen Song geschrieben habt.“

Musikgeschichtlich befinden wir uns Anfang ’66 an einem Punkt, unmittelbar bevor die sinnlich psychedelische Gefahr des Rock sich auf Vinyl manifestiert. Pink Floyd, Velvet Underground, The Doors? Kommt alles im Folgejahr. Jefferson Airplane, Grateful Dead? Klar, die Hashbury-Szene kocht nebenan in San Francisco. Teils mit den Dead live in Ken Keseys partyhöllischem Kuckucksnest – alle Gäste auf LSD.

Teils mit Grace Slick als überhaupt erster sexy-selbstbewusster Hohepriesterin of Rock; bereits öffentlich angebetet von Hunter (S. Thompson.

Doch alles geschieht bislang nur live on Stage. Ihre Debüt-Alben fehlen noch.

Genau jetzt, vor 60 Jahren, veröffentlichen die Rolling Stones das e i n e Lied: „I’m going Home“.

Erstmals ein fast 12 Minuten Song. Erstmals volle Möhre dopeske Improvisation voll bedrohlichem Instinkt. Bereits so klingenscharf und blackmusic-groovy, wie es eine weiße Band erst 1969 mit dem Iggy & the Stooges-Erstling erneut vollbringen wird.
Doch der Funke zu allem entzündet sich hier.
Woher kommt dieses leicht sinistre Grundfeeling?
Keith lakonisch: „Die Beatles trugen bereits den weißen Hut. Da blieb uns nur der schwarze Hut.“
Link:

New York 2026

Die Welt ist in Aufruhr. Von Madonna bis U2 haben ehemals zuverlässige globale Seismografen letztere mit ihren aktuellen Routine-Werken nicht gerade beeindruckt. Weder per instinkiver Leidenschaft, noch Inspiration oder Humor. Und jetzt kommt allen Ernstes im Sommerloch eine Band, deren Kern auf die 90 zustrebt wie der Limes gegen Unendlich? Der Drummer bereits über die Themse? Nach je über 100 Alben und Singles? Keine drei Jahre nach dem zugegeben ziemlich okayen „Hackney Diamonds“? Was soll da schon passieren?

Das hier:

„Call me Mr Charm, Mr Charm, Mr Charm!“ Eingängig, komplex, Wahnsinns-Dynamik, voll Sommerhit, voll Tanztempel, voll Highway 61 mit Shades, 200 Sachen, attraktiver Begleitung plus allerhand in Handschuhfach und Kofferraum. Darüber ein gallig brithumoriger Spottext über den gockelhaften Großmogul Musk. Kann es einen schöneren Sommerhit geben?

Zumindest ähnliche große Momente gibt’s ohne Ende. „Side Effects“ etwa beeindruckt mit seinem sich melodisch steigernden Aufbau zu einem Rhythmusmonster aus Classic Rock mit bluesfunky Einschlag. Daneben bitte gleich Micks Soloklopper „Just another Night“ (1985) in die Playlist tüten.

Credibility mit Kuhglocke

Hier herrscht trotz ansehnlicher Truppenstärke weder kreatives Vakuum noch Chaos.

Namhafte Gäste setzen sie so treffsicher wie talentgetreu ein. So etwa Robert Smith mit Cure-Drive beim Ohrwurm „Never wanna lose you“. Steve Winwood als Edeljoker an die Orgel, Sir Paul schnappt sich den Bass im intensiven „Covered in you“. Und Bruno Mars drücken sie ’ne Kuhglocke in die Hand. Fehlt nur noch Christopher Walken. Ergebnis: Alles songdienlich, uneitel im Sinne der Kunst zusammen gefügt. Kompliment.
Dazu mit Andrew Watt ein Producer, der noch nicht einmal halb so alt ist wie die meisten Protagonisten.

Geht es hier mithin ums Alter?
Achwas, sobald gemeinsame Kreativität das Ruder übernimmt, herrscht Inspiration statt Generation.

Watt setzte zuletzt neben den Stones u.A. Pearl Jam, Eddie Vedder oder Paul Mccartney mit gekonntem Cinemascope-Dynamit in Szene, ohne verkrampft modernistisch oder gar rückwärtsgewandt rockistisch zu agieren. Kombiniert mit Stones’sch abgehanener Urwüchsigkeit reift beim Hörer bereits im Verlauf des ersten Durchgangs folgende Erkenntnis: Es gibt zum Glück einen deutlich hörbaren Unterschied zwischen „Vintage“ und „Altbacken“.

Enttäuschung erfährt dieser Gedanke an keiner Stelle.

Zur weiteren Beweiserhebung:

Man klaube sich vom Klangbuffet z.B. das räudige „Rough And Twisted“ und per Nachschlag trocken aufs Maul mit „Hit me in the Head“. Alles hier signalisiert: „No Prisoners, Baby!“

Das geht nur mit ordentlich Credibility. Die haben sie Zuhaufe. Schon allein Keith’s sympathischer Coolness-Faktor. Der einzige Mensch auf diesem Planeten, der damit gleich ziehen kann, ist doch allerhöchstens Clint.

Daneben haben sie alles erkämpft als noch unerfahrene Nachkriegskinder, in den ganz frühen Jahren noch komplett ohne Security, als das Publikum sich erst einnässte, um kurz darauf die Bühne auseinander zu nehmen. Tja.

Derweil die englische Staatsmacht sich anschickt, sowohl an den angeblich so moralzersetenden Piratensendern auf hoher Nordsee, wie auch an unseren angeblich so fiesen Fünf ein unwürdiges Exempel zu statuieren.

Hierzu benötigt man als Ausgangspunkt folgendes Lied.

Link:

„We Love You“ – 1967 eine haarsträubenderweise nicht auf dem Album enthaltene Single zu „Their Satanic Majesties …“ – ist lupenreiner Spacerock, quasi ein prähistorischer Stoner.

Daneben ein echter Genre-Geburtshelfer; chronologisch noch vor Pink Floyds Debüt veröffentlicht. Zuerst das nervös zuckende Piano zur gegen alle Kunst ins Schloss fallenden Knasttür. Danach der berechtigt sarkastische Anti-Establishment-Text, in dem Jagger und Richards ihre jüngsten, wenig angenehmen Erfahrungen mit Polizei und Justizwesen kommentieren.

„You will never win ‚we‘ / Your uniforms don’t fit ‚we‘ / We forget the place we’re in. ‚Cause we love you / We love you. Of course, we do.

Dazu passend im Hintergrund:

Beatpoet Alan Ginsberg als irrer Zirkusdirigent des Absurden

Jedes Statement echt; kein Netz oder doppelter Protestpopindustrie-Boden. Im Gegenteil: Die devianten Lünmel zeigen sich – ganz Künstler – als verfolgter Dorn im Auge einer bürgerlich oktroierten Doppelmoral. Sogar Jaggers damalig Süße, Marianne Faithfull, musste für einen spontanen Promofilm herhalten, in dem die Band den legendären Unrechtsprozess Londons gegen Oscar Wilde szenisch nachstellt. Damit ist „We Love You“ übrigens auch einer der ersten Videoclips überhaupt.

Zwei weitere Anspieltipps zu dieser experimentell rebellischen Facette 1967 : Für „2000 Light Years From Home“ schrieb Mick die Lyrics nach seiner Verurteilung im Brixton Prison. Die herrlich schroffe Rarität „Child Of The Moon“ („Jumpin‘ Jack Flash“ B-Seite) rundet das Bild detailverliebt ab.

Link: „Child of the Moon“

Keith: „Danach trugen wir wirklich den schwarzen Hut. Vorher war er nur Anthrazit.“

Mit solchem Outlawruf sowie dem kometenhaften Flug aus der verarmten britischen Nachkriegsabteilung in den gesetzlosen Rock’n’Roll-Olymp, überstanden die Steine als eine der wenigen Dinocombos ihrer Zeit unbeschadet die Punkwelle.
Und darin ist noch nicht einmal Altamont ’69 oder Keith’s Kanada-Affäre ein paar Jahre später enthalten.

Solche Credibility bekommt niemand geschenkt.
Es geht nur mit Ehrlichkeit.

In den Stones Zeilen finden sich solch ehrliche Gedanken oft. Mitunter als Reflexion über Amerika. Zuletzt diagnostizierten sie den dortigen Werteverfall der Konservativen vor 20 Jahren mit „My Sweet Neocon“.

Auf „Foreign Tongues“ wird es nun richtig bitter. „Ringing Hollow“ ringt stellvertretend für uns alle, die noch was spüren, in den Staaten durch, um die global finale Enttäuschung über die in diesem Fall tatsächlich moralzersetzende MAGA-Hybris zu artikulieren.
„Wenn Stimmen erstickt werden.
Will ich laut schrei’n.“

Einheit zwischen Wort und Tat gewahrt?

Jepp, man vergesse nicht um die Blues-Meriten. Ohne das Pushen der Stones (später u.A. auch Clapton) wären schwarze Blueshelden wie Muddy Waters, oder Howlin‘ Wolf gar nicht erst ins schlohweiße US-TV eingezogen. Mehr noch: Nicht wenigen der Pioniere verhalfen diese jungen Briten ganz konkret zu einem späten Popularitäts- wie Geldsegen, der den Farbigen von ihren eigenen Labels regelmäßig vorenthalten wurde.

Was also läge näher als die aktuelle Rechnung nunmehr gen Country zu bürsten, direkt an jene, die es angeht?

Der Clou: Der Refrain ist zwar nicht eins zu eins, aber nahezu Tom Waits „55er“ in schneller und mit „Lady Liberty“ statt „Lady Luck“. Passen würde es ohnehin. Verkörpert Tom in seiner Haltung doch seit jeher alles, was Keith & Ko und viele von uns an diesem Land lieben. Gut gebrüllt, englische Löwen.

Kommen wir zur soulyfunky Side des Albums in Form von „Jealous Lover“. Da sind sie seit Äonen unschlagbar. Indizien? Na, u.B. die weitgehend untergegangene Funknummer „Dance (Pt.1)“ von „Emotional Rescue“. Dazu das sträflich unterschätzte „Black’n’Blue“ (1975 aber bitte die Version mit den Live-Jams checken) – erschaffen aus purer Spielfreude mit „dem Neuen“, Ronnie Wood. Hörbefehl: „Hey Negrita“, das Outtake „I Love Ladies“ und besonders“Melody“
Link:

Den Spitznamen „der Neue“ trägt Ronnie noch immer.

Überhaupt der Humor

Zwischen dem Abgang von Mick Taylor (nach „It’s only Rock’n’Roll“ 1974) und Ronnies erwähntem Einstand, macht dieser seine erste Solo-Scheibe, chronologisch nach den Erfolgen mit Jeff Beck/Rod Stewart/Faces. Die Stones diskutierten die Idee des Einstiegs mit ihm.
Ronnie: „Was auch ist, ich muss erstmal meine eigene Platte machen.“

Resultat: Keith und Mick machen mit. Bowie auch auf einem Song. Jetzt dürft Ihr genau e i n m a l raten, wie das erste Album des Ron Wood heißt?

Jepp:
„I’ve Got My Own Album to Do“ (1974).

Daraus das herrlich derbe Duett mit Mick – „Am I grooving you“:

In diesem Zusammenhang

Niemand macht so schön den Zeichentrick-Macker wie Jagger. Gern gibt er die Testosteronschlampe und impft treibenden Rhythmusheulern wie „Miss You“ (1978), „She Was Hot“ (1984) oder „Brown Sugar“ (1972) sein ganz und gar einzigartiges Zitteraal-Fieber ein.

Ein wenig Ladykiller, ein wenig Eulenspiegel und ein guter, fast zu knuffiger Schuss Schimpanse.

„Ah, brown sugar how come you taste so good? Brown sugar, just like a young girl should!“

Yeah, wer das für zynisch, sexistisch oder gar rassistisch hielt, wurde nicht glücklicher bei Jaggers tougher Einbettung
„Scarred old slaver know he’s doin alright / Hear him whip the women just around midnight.“

Harscher Text in Partyrock-Tarnung. Künstlerisch so konsequent, dass Generationen angesoffener Nadelstreifen auf Kaviargelagen den Text nichtsahnend zu fiesem Top 40 Bandsound mitgrölten. Ab dafür:
Link:

Die eigene Weiterentwicklung des Genres kann sich diesbezüglich ebenfalls mehr als sehen lassen. Was die Stones etwa aus Rhythm And Blues 1969 im Serienkillersong „Midnight Rambler“ machen, ist rhythmisch wie dramaturgisch der Zeit weit voraus.

Vor allem sein heruntergefahrener Mittelteil samt kontrastierendem Keulenriff erzeugt fetteste Gänsehaut.
Link:

Nimmt man all dies zusammen, erscheint es nur folgerichtig, mit Amy Winehouse eine verehrte Kollegin zu covern. Selbstverständlich muss es dann auch „You Know I’m No Good“ sein. Wie Amy die weibliche Seite der weißen Blackmusic ultimativ verkörpert samt lümmeliger Laszivität, Leidenschaft und Exzess; bedeutet die Stones Variante selbiges aus männliche Perspektive. Beide Versionen ergänzen einander zu verrauchter Mitternacht auf dem ewigen Schlachtfeld zwischen Feminin und Maskulin.
Link:

Wo ist Keiths Ballade?

„Some Of Us“ – so rührend wie würdevoll schiebt dieser Gichtgeplagte Rockpirat die Zeilen „Some of us are on their Knees“ in den Fokus.

Das charmant warme Liedchen erinnert in seinem Grundton an „Sleep Tonight“ von der „Dirty Work“ LP 1986. Das gilt ebenfalls in Bezug auf schnelle Nummern wie „One Hit To The Body“ und das Titelstück. Hörbefehl!

Bei genauerer Betrachtung entdeckt man in „Some of us“ sogar den Missing Link zur These. Die Grundidee hierfür entstand genau während der „Dirty Work“-Sessions, wurde damals jedoch nicht ausformuliert. Die Urversion fand sich seinerzeit auf Bootlegs. Bis jetzt erwähnt Wikipedia dies nirgends und suggeriert, alle Tracks würden aus der „Hackney“-Phase stammen.

Der Punkt ist gleichwohl:

Das kommt nicht von ungefähr. 2026 Energie aus Harmonie. Vor 40 Jahren: Kreative Reibung aus Disharmonie.

Hintergrund: Zwischen Keith und Mick hing der Haussegen damals mehr als schief. Richards hatte – wohl nicht ganz zu Unrecht – den Eindruck, dass Jagger seine besten Einfälle nach dem 1984er Hitalbum „Undercover“ vor der Band verbarg und für sein grandioses Solo-Debüt „She’s The Boss“ (1985 u.A. „Just Another Night“ oder „Hard Woman“) bunkerte.

Der Zwist störte ihre sonst so fruchtbare Zusammenarbeit beträchtlich. Doch das hatte auch sein Gutes. Ronnie Wood stieß in die Lücke, komponierte und arrangierte mit Richards den Löwenanteil von „One Hit“. Es wurde mithin der allererste Rolling Stones-Track, bei dem Wood Co-Writer-Credits erhielt.

Man hört auch, dass das Lied ein Baby der beiden Gitarristen ist. Sehr schön etwa, wie in der famosen Maxiversion die ästhetischen Akustikgitarren Woods nach ein paar Sekunden von Richards schroffer E-Gitarre zerhackt werden und dennoch im Verlauf immer wieder kurz ins Rampenlich rücken.

Jagger singt Zeilen, die durchaus zum Sinnbild ihres Streits taugen, ebenfalls passend aggressiv. Im zugehörigen offizielen Video geben Mick und Keith sich körpersprachlich darüberhinaus wenig Mühe, ihre Wut aufeinander zu verbergen. Dem Song tut dies sehr gut. Zur Krönung des ganzen taucht Jimmy Page für das Solo als Special Guest auf.

Link zum Clip:

Link zur Maxi:

Dieses Talent zur direkt musikalischen Zuspitzung alles intensiv Empfundenen besitzen die angepissten Fünf seit langem.
Es kam schon in den Sixties gerade recht für ihre apokalyptische Seite.

Hierzu bitte die ungesund strahlende Destruktivität von „Gimme Shelter“ als elegant pumpenden Rockmantel auf den Plattenteller nageln. Dazu die großartige Gaststimme Merry Claytons vernehmen,
„Rape Murder. It’s just just a Shot away!“.
Kein freundliches Ladidah-Hippieliedchen, sondern schmerzerfüllter Aufschrei, der gegenwärtig leider nicht weniger aktuell ist als in jenen Tagen der Bedrohung.

Link:

Wer kann sie danach ergo nur noch holen? Doch höchstens der Teufel. Macht er auch.

„Sympathy For The Devil“ dazu als gespiegelt okkulte Seite derselben Medaille. Die behutsame gesangliche Steigerung parallel zu den schwellenden Instrumenten. Richards klingenscharfe Axt. Vom Gentleman zur entfesselten Bestie in sechseinhalb Minuten. Dazu ein im Wortsinne Killertext samt sprachlicher Bilder bis hin zu den ermordeten Kennedys, der für damalige Verhältnisse mehr als nur gewagt oder hardboiled war. Ein erster satanischer Pesthauch, der etwas später auch den Heavy Metal infizieren sollte. Die Künstler galten der Yellowpress fortan als Teufelsanbeter. Dass die Zeilen lediglich Hochkultur in Form von Bulgakovs „Meister und Margarita“ künstlerisch verarbeiten, wurde bewusst übersehen. Total guter Clip:

Fehlt was?

Ja, das Leben des Brian. Brian Jones‘ Story. Die ist jedoch dermaßen komplex, wenn man es gut machen will – allein schon durch das Bäumchen wechsel dich-Spiel mit Anita Pallenberg (von Brian zu Keith) und Linda Keith (von Keith zu Brian), die Stories um Marianne Faithfull, ihre Freundschaft zu Brian und Anita, die unangenehme Rolle von Jones Familie, sein auffällig rücksichtsloses Paarungs- wie Beziehungsverhalten, einsetzende geistige Umnachtung und zur Krönung der frühe Tod als totale Mystifizierung, als Mythos aus der Asche. Wobei noch nicht einmal gänzlich geklärt ist, ob es Mord war.
Ich sag mal so. Das würde den Rahmen dann ja doch ein wenig sprengen. Bis dahin bleibt allem „Paint it Black“ mit seiner tollen Tonleiteridee und dem exotischen Vibe.

Link:

Fazit: Aus allem Besten, was die Rolling Stones in 65 Jahren gelebter Musikhistorie zu unbedingter Leidenschaft, unbedingtem Freiheitsdrang mitbringen, zimmern sie mir „Foreign Tongues“ ein großes Spätwerk.

Zünglein an der Trage?

Oh ja, doch sicherlich nicht an ihrer eigenen.
Sondern als Sanitäter an der Bahre global erodierender Werte in sicher errungen gewähnten ethischen Bereichen jedweder Art.
Denn die Menschheit gibt sich momentan offenkundig nicht gerade viel Mühe bei der Frage, was für eine Welt wir der ewigen Rockband Rolling Stones hinterlassen wollen.

Das Beste jedoch: Selbst, so man das alles nicht weiß, nichts von all dem hier verfassten Kram. Tja, Leute, in diesem Fall funktionieren diese fremden Zungen ganz ohne Zusammenhang als klangfarbenfrohe Partydroge.

In diesem Sinne,
„I’m going Home….“.

From Hamburg
with Love
UK

PS zur Vertiefung aus meinem Archiv:

Mick solo:

Der Tausendsassa

Keith solo:

From Hamburg with Love – eine Kolumne zu Keith Richards Geburtstag

„Beautiful Delilah“ (Chuck Berry) covern sie vor FT erstmals 1964, noch mit Brian Jones in Hochform. Zu dieser Frühphase habe ich diese Auftragsarbeit gemacht – mit der „Delilah“ Urversion.

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