Kommunikations Super-Gau Köln

Nichts hat Rechtspopulisten und Rechtsradikalen in den vergangenen zwei Jahrzehnten derart in die Hände gespielt wie der verzweifelte Versuch, ihnen nicht in die Hände zu spielen.

Graphik: Timo Rödiger
Graphik: Timo Rödiger

Im Widerspruch zu den Geschehnissen der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof verkündete das Kölner Polizeipräsidium am 1. Januar um 8.57 Uhr in einer Pressemitteilung, „wie im Vorjahr verliefen die meisten Silvesterfeierlichkeiten auf den Rheinbrücken, in der Kölner Innenstadt und in Leverkusen friedlich.“ Es sollten vier Tage vergehen, bis das Ausmaß der sexuellen Übergriffe in Köln bundesweit bekannt wurde. Vier Tage in denen, zumindest zum Teil, bewusst gelogen wurde. Von der Polizeiführung. Womöglich von der Stadtregierung. Und unterstützt von den Medien.

Die Falschinformationen

Der Polizei war, wenn auch noch nicht in vollem Umfang, am Morgen des 1. Januar bereits bekannt, dass das keine normale Silvesternacht gewesen war. Es hatte bereits vor Mitternacht etliche Anzeigen wegen sexueller Übergriffe gegeben, es war zu Ausweiskontrollen und sogar zu vereinzelten Festnahmen gekommen. Und wer sich in den sozialen Medien bewegte, erfuhr ebenfalls bereits im Laufe des 1. Januar, was vor dem Kölner Hauptbahnhof geschehen war. Dennoch berichtete kein einziges überregionales Medium von den Vorfällen. Einzig der Kölner Stadtanzeiger schrieb bereits an Neujahr von den Ereignissen und in der Folge auch Focus. Andere Medien folgten eher zögerlich in den nächsten Tagen, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten gar mit einer dreitägigen Verzögerung. Allerdings wurden weiter Falschmeldungen lancierte: Man wisse nichts über die Täter hieß es etwa, es gäbe keine Hinweise auf Flüchtlinge unter den Tätern und den Tätern sei es vorrangig um Diebstahl gegangen. Alle diese Mitteilungen waren nicht nur falsch, die mitteilenden Stellen müssen das zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits gewusst haben.

Es sollten weitere Tage vergehen, bis nach und nach zugegeben wurde, dass es sich bei den Tätern überwiegend um Männer nordafrikanischer oder arabischer Herkunft gehandelt hatte und dass sich unter ihnen etliche befanden, die als Asylwerber registriert sind.

Die ersten gesicherten Informationen kamen von Polizeibasis und Gewerkschaft, die es einfach nicht mehr ertragen konnten, als die Schuldigen gehandelt zu werden, die nichts bemerkt und nichts getan hätten und daher auch nicht wüssten, wer die Taten begangen habe. Dachten die Verantwortlichen in der Kölner Stadtregierung und der Kölner Polizeispitze, sie könnten im Zeitalter des Internets und der Sozialen Medien Informationen geheim halten? Informationen über ein Geschehen, das von hunderten Zeugen und Betroffenen im wahrsten Sinne des Wortes hautnah miterlebt wurde? Eine fatale Fehleinschätzung. Drei bis vier Tage lang wurde die „Berichterstattung“ über das Geschehen weitgehend den diversen rechten Blogs und Facebookseiten überlassen. Die Folge: Diese Gruppen übernahmen die Themenführerschaft, während Behörden und etablierte Medien nur noch hinterherlaufen konnten.

Was steckt dahinter?

Vermutlich waren sowohl die öffentlichen Stellen als auch die Medien von der Angst getrieben, die Stimmung gegenüber Flüchtlingen könnte endgültig kippen, steigt doch schon seit Monaten die Zahl gewaltsamer Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte. Ähnliche Vertuschungsversuche sind jüngst unter anderem aus Schweden bekannt geworden. Dort ging es um sexuelle Übergriffe von jungen afghanischen Flüchtlingen auf einem Musikfestival. Beamte haben mittlerweile zugegeben, dass bei Straftaten von Ausländern vermieden werde, die Nationalität zu nennen, um den fremdenfeindlichen Schwedendemokraten nicht in die Hände zu spielen. In Oxford und Rotherham in Großbritannien wiederum wurde der systematische sexuelle Missbrauch hunderter Mädchen über Jahre hinweg ebenso systematisch vertuscht – weil es sich bei den Tätern um Männer pakistanischer Herkunft handelte. Dort wurde das Schweigen von der Angst der Behörden motiviert, sich selbst dem Vorwurf des Rassismus auszusetzen – und womöglich den Rassismus in der Gesellschaft zu befördern. Auf der Strecke bleiben in all diesen Fällen die Opfer. In Rotherham hätten vermutlich hunderte spätere Opfer vor den Tätern geschützt werden können, wenn die Behörden bei den ersten Verdachtsfällen eingeschritten wären.

Es ist nicht allein bedenklich, dass sich Behörden entschließen, Informationen zurückzuhalten, um bestimmte Stimmungen in der Bevölkerung zu erzeugen oder zu vermeiden, es unterhöhlt auch die Grundlage eines demokratischen Rechtsstaates, der darauf aufbaut, dass sich Bürgerinnen und Bürger mittels frei zugänglicher Informationen selbst eine Meinung bilden und Entscheidungen treffen. Zudem bewirkt es, wie nicht zuletzt das Beispiel Köln zeigt, das Gegenteil des Gewünschten.

Rechte Kreise hätten selbstverständlich auch bei korrekter Berichterstattung versucht, sich des Themas zu bedienen – aber in diesem Fall hätten sie nicht die alleinige Interpretationshoheit für sich beanspruchen können. Es wären die Behörden gewesen, die die Bevölkerung wahrheitsgemäß informiert hätten. Die Medien wiederum hätten bei glaubwürdiger Berichterstattung über die Fakten auch bei der Einschätzung dieser Fakten glaubhaft agieren können. Durch die Nicht-Berichterstattung gehörte das Thema mehrere Tage lang den Rechtspopulisten und –extremisten, sowie dem Mob im Internet und damit auch die Hoheit über die Art der Darstellung. Aber damit nicht genug: Diese konnten zusätzlich darauf verweisen, dass die Behörden versucht haben, etwas zu vertuschen und ihr Lieblingsthema wurde ihnen geradezu auf dem Silbertablett serviert: Die „System- und Lügenpresse“. Chapeau!

Vertrauen zerstört

Wer so agiert braucht sich nicht wundern, wenn die Wählerinnen und Wähler bei der nächsten Wahl in Scharen zur AfD überlaufen. Dass in den ersten Tagen dieses Jahres sowohl von der Politik als auch von den Medien zerstörte Vertrauen wiederzugewinnen wird äußerst schwer werden. Der verzweifelte Versuch, den Rechten nicht in die Hände zu spielen, hat letztlich genau das Gegenteil bewirkt: Er hat deren Glaubwürdigkeit gesteigert und ihre Verschwörungstheorien untermauert. In der politischen Kommunikation quasi ein Super-Gau.

Nicht Fakten, Kritik und offene Debatte spielen den Rechten in die Hände, sondern das selbstauferlegte Tabu, der Versuch, bestimmte Dinge nicht offen anzusprechen. Denn vom Tabu profitiert regelmäßig nur einer: Der Tabubrecher, der mit jedem Tabubruch seine Glaubwürdigkeit in den Augen der Menschen weiter steigern kann. Nur richtige und offene Information und tabufreie Diskussion über Probleme, egal in welchem gesellschaftlichen Bereich, können den Rechtspopulisten das Wasser abgraben.

Wir haben, und das nicht erst seit Köln, ein Integrationsproblem bei jungen Männern aus arabischen Ländern und mehrheitlich islamischen Gesellschaften, bei Männern, deren Frauenbild von einer konservativen, autoritären und religiös determinierten Erziehung in zum Teil noch extrem patriarchalen Gesellschaften geprägt ist. Gesellschaften, in denen Frauen unter dem Mann stehen und sich in der Öffentlichkeit zurückhaltend und devot zu verhalten haben und in denen Frauen, die diesem Verhaltensmuster nicht entsprechen, als Schlampen gelten. Das auszusprechen ist nicht rassistisch, denn jedem vernünftigen Menschen ist klar, dass dieser Befund nicht auf alle Männer aus diesem Raum zutrifft. Es käme auch niemand auf die Idee, anzunehmen, alle Jugendlichen im Osten Deutschlands seien rassistische Ausländerfeinde, wiewohl wir ganz offensichtlich ein Problem mit einer wachsenden Zahl rechtsradikaler und zum Teil auch gewalttätiger Jugendlicher haben. In beiden Fällen ist die Zahl derer, auf die der jeweilige Befund zutrifft, groß genug, um sie zu einem gesellschaftlichen Problem zu erklären. Und Probleme lassen sich nur bewältigen, wenn man bereit ist, sie als solche wahrzunehmen und zu benennen. Wenn unter den Tätern von Köln ausschließlich junge Männer nordafrikanischer und arabischer Herkunft waren und sich unter ihnen viele syrische Flüchtlinge befanden, dann muss genau darüber geredet werden, um Strategien entwickeln zu können, wie diese Männer an unsere Gesellschaft herangeführt werden können.

Jeder Versuch des Vertuschens, gerade in dem äußerst sensiblen Bereich Flüchtlinge und Integration, ist ungewollte Wahlhilfe für die Populisten von AfD oder FPÖ. Diese Themen gehören nicht an den rechten Rand, sondern in die demokratische Mitte der Gesellschaft. Um sie dort hinzuholen, ist es notwendig, alle Informationen auf den Tisch zu legen, in offener Debatte zu klären und nach Lösungen zu suchen. Gerade schwerwiegende Probleme dürfen kein Tabu sein, will man die Bevölkerung nicht verunsichern und den hetzerischen Parolen der Rechtspopulisten ausliefern. Verschweigen und Vertuschen darf in einem demokratischen Rechtsstaat schlicht und einfach keine Option sein!

Heiko Heinisch

Heiko Heinisch

Nach Abschluss des Geschichtsstudiums arbeitete Heiko Heinisch u.a. am Ludwig-Boltzmann-Institut für historische Sozialwissenschaft. Seit 2005 ist er freiberuflich tätig. Nach längerer Beschäftigung mit den Themen Antisemitismus und nationalsozialistische Judenverfolgung wuchs sein Interesse an der Ideengeschichte, mit Schwerpunkt auf der Geschichte der Ideen von individueller Freiheit, Menschenrechten und Demokratie. Er hält Vorträge und veröffentlichte Bücher zu christlicher Judenfeindschaft, nationalsozialistischer Außenpolitik und Judenvernichtung und widmet sich seit einigen Jahren den Problemen, vor die Europa durch die Einwanderung konservativer Bevölkerungsschichten aus mehrheitlich islamischen Ländern gestellt wird. Daraus entstand das gemeinsam mit Nina Scholz verfasste Buch „Europa, Menschenrechte und Islam – ein Kulturkampf?“ im Wiener Passagen Verlag (2012). Er ist Mitglied des Expert_Forum Deradikalisierung, Prävention & Demokratiekultur der Stadt Wien. Im November erscheint das gemeinsam mit Nina Scholz verfasste Buch „Charlie versus Mohammed. Plädoyer für die Meinungsfreiheit“ im Passagen Verlag.

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  • derblondehans

    H.H.: ‘Verschweigen und Vertuschen darf in einem demokratischen Rechtsstaat schlicht und einfach keine Option sein!’

    In einem demokratischen Rechtsstaat ist Verschweigen und Vertuschen keine Option. In der ‘BRD’ wird, nicht erst seit Silvester 2015/16, verschwiegen und vertuscht. Und nun?

    • Heiko Heinisch

      Das muss sich dringend ändern!

      • derblondehans

        … Zustimmung, das heißt aber auch, die ‘BRD’ war und ist weder demokratisch, noch ein Rechtsstaat. Что делать?

        • Heiko Heinisch

          Eine Demokratie ist immer ein work in progress. Da passieren Fehler, da kommt es zu Fehlentwicklungen. Aber das Schöne ist doch, dass man diese benennen kann, dass man sie öffentlich diskutieren kann und dass man auch etwas ändern kann.

          • derblondehans

            Benennen und öffentlich Bekennen kann ich was und wo und wann ich will. Dass, wo auch immer, etwas geändert werden kann, steht außer Frage. Sonst würden wir hier nicht diskutieren. Der Eine will den ‘Status quo’, der Andere will Veränderung. Es ist halt alles eine Frage des ‘Preises’, was ich, jetzt stellvertretend für pro oder contra, meine, bereit bin zu zahlen.

            Aber ich stimme Ihnen zu, ‘eine Demokratie ist immer ein work in progress und wie schon mal geschrieben, halte ich es, in dieser Sache, mit Winston Churchill: ‘Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen.‘ … nur, wo, in welchem Land haben ‘wir’ Demokratie? Die Herrschaft des Volkes?

          • Heiko Heinisch

            Sie wollen ja hoffentlich keine Basisdemokratie – oder?

          • derblondehans

            Eine Demokratie nach Schweizer Vorbild.

  • Anselm

    Welche Verschwörungstheorie? Die, dass muslime junge Männer Gewalt gegen Frauen ins Land bringen? ah ja…

    • Heiko Heinisch

      Die, dass sich dahinter ein Plan zur “Umvolkung” des Abendlands verbirgt.

      • derblondehans

        … natürlich gibt es einen ‘Masterplan’. Das können Sie zum Beispiel mit Marx/Engels/Lenin nachweisen, mit der EU-und Merkel Politik, … die Ex hat das wiederholt – auf Nachfragen – öffentlich bestätigt. Und nahezu täglich schwurbelt sie: ‘Wir schaffen das!’ … die Deutschen mögen sich überraschen lassen, usw., usf., und das hat Folgen.

        … oder im Spiegel: ‘Dem gleichwohl fortdauernden Rassismus, fordert Cavalli-Sforza, müsse energisch entgegengetreten werden. Das wahre Heilmittel gegen die Wiederkehr der rassenbiologischen Gespenster sieht er jedoch in der Vermischung der Völker – soweit die Gesellschaften dies politisch verkraften könnten. Auf solche Weise, prognostiziert der Gelehrte, könne der Mensch ohne Schaden werden, wie er mutmaßlich vor 100 000 Jahren war: von mehr oder minder brauner Hautfarbe.’

        Wobei, nach meiner Auffassung, ‘Cavalli-Sforzas Kernthese, die Einteilung der Menschheit in Rassen, seien lediglich Anpassung an klimatische Bedingungen; die Vererbung von Hautfarbe und Gesichtsform werde allenfalls durch einige Dutzend Gene geregelt’, wohl richtig ist.

        Mit einer zwangsweisen ‘Vermischung’ der Hautfarben, der ‘Gleichheit’ willen, von heute etwa 6/7 Milliarden Menschen, im Verhältnis zu Zeiten JC etwa 200 Millionen, vor 100’000 Jahren noch erheblich weniger, kann aber die Idiotie, der Größenwahn, rassistisch sozialistischer Ideen, besser nicht nachgewiesen werden.

        Außerdem übersieht er in seiner eigenen Argumentation, obwohl er nachweist, dass es keine Rassen gibt, dass die Ideologie, als DIE Ursache für die ‘gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit’, bei einer ‘Volks-Vermischung’ nicht verschwindet. Beispiele zuhauf. Das ist, nach meiner Auffassung, nur durch den Wettbewerb der Nationen untereinander, nicht durch eine, wie und warum, der reinen Macht wegen, sich selbst überhöhten Weltregierung’, möglich.

        • Heiko Heinisch

          Ich glaube, Sie vermischen da einiges – und nur weil irgendwer irgendwas schreibt, ist es noch nicht wahr. Ich kann keinen Masterplan erkennen, eher schon Chaos.

          • derblondehans

            … nun ja, mag ja sein, dass Sie das nicht erkennen, Merkel selber
            bei Anne Will: Ich habe einen Plan.

          • sh

            Und das A-Team erst. “Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert”. Alter, so was von assoziativem Denken.

          • derblondehans

            … wenn Merkel A-Team ist, dann ist mein Hamster der Tiger von Echnapur. Oder wie der Spiegel schreibt, ‘Nicht die Politiker bestimmen die Geschicke der Eurozone, sondern Banker und Bürokraten’, ‘aus dem Primat der Politik ist der Vorrang einer staatenübergreifenden Finanzaristokratie geworden.’

            Oder wie Horst Seehofer es offenbart:

          • derblondehans
          • Heiko Heinisch

            Ja, das sagt Egon Olsen von der Olsenbande auch immer. 😉

          • derblondehans

            … nun ja, was für ein Vergleich. Angela Merkel von der Merkelbande. Aber meinetwegen. Nur bitte keine Fortsetzung mehr für letztere.

  • Herold Hansen

    Ausgangspunkt für solche Desaster ist die Tabuisierung von Problemlagen und die Stigmatisierung der Kitiker!
    Merkel hat es geschafft, im Verein mit Ministerien, Behörden, Kommunen, Polizei und vor allem Presse ein Kartell des Vertuschens und Verdammens zu schaffen. Die Polizei entschuldigt sogar ihre Vertuschung mit der Angst vor Stigmatisierung als rechter Nazi.

    Selbstverständlich ist bewusstes Verschweigen eine Form des Lügens und unsere Presse hat sich so, zumindest bei denTabu-Themen, den Titel “Lügenpresse” redlich erworben. Womit wir beim nächsten Tabu-Thema “Pegida” sind. Klar ist, dass da einige Idioten vorneweg laufen. Genau so klar ist es, dass hier ein Heer von Arbeitslosen, Mini-und Dreifachjobbern, arme Witwen und Rentner, alleinerziehende Mütter unzufriedene Bürger aller Art eine seltene Gelegenheit sehen, ihrer Unzufriedenheit mit Merkels Politik einmal Öffentlichkeit zu verschaffen.

    Statt das “Warum” zur Diskussion zu stellen, nimmt das Merkel-Kartell das Vorneweg-Laufen von Kritikwürdigen als willkommenen Anlass, zigtausende redlicher Bürger pauschal zu stigmatisieren als rechte Nazis. Ende der Diskussion, ihr Abschaum des Volkes!
    Welch willfährige Rolle unsere Justiz dabei spielt, sollte es auch noch zum Einsatz von Wasserwerfern kommern, zeigt Stuttgart 21. Man ließ sich 5 Jahre Zeit, um den dortigen Polizeieinsatz als illegal zu erklären.

    Ob wir nach Köln dauerhaft den Wandel von der Vertuschungskultur zur Wahrheitskultur geschafft haben, bleibt zweifelhaft.
    Noch vorgestern verbreitete der Südwestfunk: Zwei Männer bei Trier gefasst, die ihre schwangere Schwester erstochen haben! Erst beim Lob auf die erfolgreiche Polizei kam es zu dem “Versprecher”, dass es sich wohl um einen Ehrenmord handelte, die Benennung der Täter als Syrer wagte erst tags darauf die Tageszeitung, wohl wegen der erwarteten bösen Leserbriefe.

    • Heiko Heinisch

      Wichtig wäre, die Debatte prinzipiell auf Fakten zu stellen und nicht auf Vermutungen. Dazu müssten die Fakten aber auch erhoben werden, denn, wie geschrieben, muss ein Problem erst einmal als solches wahrgenommen werden. In der Schweiz etwa wird die Nationalität von Tätern erhoben und veröffentlicht: http://www.sonntagszeitung.ch/read/sz_10_01_2016/nachrichten/Sexualdelikte-und-Nationalitaet–die-Zahlen-53551

    • Anderer Max

      Rassismus bleibt Rassismus.
      Wenn Sie einen Unterschied machen zwischen “Ehrenmord” und “Mord” ist das rassistisch.
      Dann sind Sie ein Rassist.

      Auch wenn Ihnen das nicht gefällt – daran ist nicht Angela Merkel Schuld.

      Selbstreflexion ist unangenehm und sehr viel komplexer, als die Schuld bei seiner Mama zu suchen.
      Teenager machen das, Erwachsene soltlen besser argumentieren.

      • Herold Hansen

        Werde Ihre Kritik an die von mir zitierte Tageszeitung und die zuständige Polizeidirektion weiterleiten.

        Bin ganz angetan von Ihrer großkotzigen Belehrung bezüglich Selbstreflektion. Das deutet zumindest auf ein abgebrochenes Studium in Psychologie im ersten Semester hin.

      • Heiko Heinisch

        Es gibt einen großen strukturellen Unterschied zwischen einem Mord an der Ehefrau (das sogenannte Familiendrama) und einem Ehrenmord. Nicht für das Opfer, aber in bezug auf den Täter und sein Umfeld: Im ersten Fall kann der Täter kaum auf Unterstützung seines faniliären oder sonstigen Lebensumfelds hoffen. Im zweiten Fall fordert dieses Umfeld die Tat mehr oder weniger vehement und feiert den Täter als Helden, der eine vermeintliche Familienehre wieder hergestellt hat. Wo steckt in dieser Aussage der Rassismus?

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  • derblondehans

    Was
    für ein Omen, the globe 1940

    • derblondehans

      und im 19. Stockwerk des Axel-Springer-Hochhauses in Berlin die WeLT 2016

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  • Iannis

    Danke, das musste jetzt wirklich mal gesagt werden!

  • Anderer Max

    Oh mann … Roland Tichy schreibt einen Artikel, in welchem er unbestätigte Gerüchte als Fakten darstellt. Seine Schlussfolgerung ist “Medien wollen uns was verheimlichen”. Und alle springen auf den zug auf, irgendwer hätte irgendwas verschweigen wollen … Wat is hier los? Verdachtsberichterstattung ist nun nicht nur “richtig” sondern ein Muss, damit rechte Pöbler kein Wasser auf ihre Mühlen bekommen? Der Pressekodex ist egal, wir nennen einfach die Herkunft bei jeder lappalie, egal ob für die Straftat relevant? Seit wann ist bei sexueller Nötigung die Hautfarbe des Täters von existentieller Bedeutung für die Straftat? Sind arabische sexuelle Übergriffe schlimmer, als deutsche? Worin unterscheiden sie sich, dass das auf einmal Topthema ist? Scheiße bleibt scheiße, ob ich sie so nenne, oder nicht. Und nur weil ein rechter Publizist seine Ängste als Fakten darstellt …

    • Heiko Heinisch

      Hätte es sich um Hooligans gehandelt, wäre darüber, so glaube ich, am 1. Januar breit berichtet worden. In diesem Fall wurden die Geschehnisse an sich zunächst gar nicht erwähnt und die Polizeiführung hat gelogen.
      Prinzipiell ist ein sexueller Übergriff ein sexueller Übergriff, da gebe ich Ihnen recht. Aber in dieser Form, als Angriffe ganzer Gruppen auf einzelne Frauen, war das bislang in Deutschland unbekannt – ist aber in der arabischen Welt gängige Praxis. Um diesem Phänomen begegnen zu können, ist es nötig, es zu benennen. Es ist ein Phänomen, das mit der Erziehung und Sozialisation in arabischen und darüber hinaus in islamischen Gesellschaften zusammen hängt. Weiter unten habe ich die Schweizer Kriminalstatistik zu Sexualstraftaten verlinkt. Die Ergebnisse sind mehr als eindeutig.

    • Martin09

      Der Pressecodex besagt, dass die Zugehörigkeit der Verdächtigen/der Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt wird, wenn für das Verständnis ein (!)begründbarer Sachzusammenhang (!) besteht. Er untersagt das Nennen der Herkunft/Religion etc. also nicht schlechterdings.
      Ich rechne es Ihnen wirklich hoch an, den Rassisten nicht nachgeben zu wollen und ich bin genauso besorgt über die Flut an rassistischer Scheiße, die sowohl im Internet als auch in den Medien kursiert und die in bester Stürmer-Ästhetik das widerliche Bild der zu beschützenden deutschen Frau zeichnet, die vom triebgesteuerten Untermenschen heimgesucht wird. Und, auch wenn das eigentlich selbstverständlich ist: von Arabern/Muslimen verübte sexuelle Übergriffe wiegen selbstverständlich nicht schwerer als von autochthonen Deutschen verübte Sexualdelikte.

      Nur: griffige antirassistische Slogans wie “Scheiße bleibt Scheiße” können dann nicht erklären, wie diese- hinsichtlich Ausmaß und Intensität- tatsächlich neue Form der sexuellen Belästigung und der sexuellen Übergriffe aus dem enthemmten Männlichkeitskollektiv heraus zustande gekommen ist. Der ja durchaus nachvollziehbare Gedanke, darauf aufmerksam zu machen, dass sexuelle Gewalt an Frauen kein gesellschaftliches Novum ist, sondern auch auf Großereignissen wie dem Oktoberfest ein Problem darstellt, geht angesichts der Ereignisse in Köln fehl. Köln war ein Novum an sexueller Gewalt, hinsichtlich der Quantität (das Oktoberfest hat im Schnitt 6 Mio. Besucher, 2015 gab es 20 Anzeigen wegen Sexualdelikten, keine davon wegen Vergewaltigung; 2014 gab es 17 Anzeigen, 2 davon wegen Vergewaltigungen. Köln brachte es in einer Silvesternacht auf 521 Anzeigen wegen Sexualdelikten), vor allem aber hinsichtlich der Qualität: auf dem Oktoberfest gab es eben keinen- laut Zeugenaussagen- „enthemmten“ Mob, bestehend aus mehreren 100 Jungmännern, die im männlichen Kollektiv gemeinsam bis zum Äußersten gingen. (Ich weiß, dass Sie das Beispiel des Oktoberfestes selbst nicht genannt haben!)
      Vielmehr drängt sich die Assoziation mit dem Tahrir-Platz auf, wo sich seit Beginn des arabischen Frühlings regelmäßig sexuelle Massenverbrechen gegen Frauen ereigneten. Dass es- die Wahrheit ist immer konkret!- islamisch-sozialisierte Jungmänner waren, von denen die Übergriffe an Frauen- die im Nahen Osten nicht nur an öffentlichen Plätzen, sondern auch im Alltagsleben und in den Familien an der Tagesordnung sind- ausgingen, ist schon deshalb wichtig, weil diese Männer (Stichwort: “begründbarer Sachzusammenhang”) in just den Ländern sozialisiert wurden, die in Sachen Emanzipation der Frau am schlechtesten abschneiden. Die Bilanz des „Gender Gap Index“ (der die Fortschritte bei der Gleichstellung von Frauen bewertet), fiel 2015 katastrophal aus: von 145 untersuchten Ländern landete kein (!) arabisches/muslimisches Land auf den ersten 100 Plätzen, am besten schnitten noch die VAE (119) ab.Unter den 10 letztplatzierten Ländern befanden sich 6 arabische Länder, sämtliche 10 letztplatzierten sind mehrheitlich islamische Länder.

      Es ist deshalb wichtig, auf den Zusammenhang zwischen spezifisch
      islamischer Geschlechter- und Sexualmoral, spezifisch islamisch geprägter Sozialisation und den konkreten Ereignissen in Köln hinzuweisen, der eben auch in dieser zugespitzten Form enthemmter Übergriffigkeit gegenüber „ungläubigen“ und „unzüchtigen“ (und deshalb: zum Abschuss freigegebenen) Frauen zum Ausdruck kommt. Das heißt selbstverständlich nicht, dass deshalb die zahlreichen Belästigungen Autochthoner verschwiegen werden dürfen, es bedeutet auch nicht, dass sich deswegen die Flüchtlingspolitik ändern sollte usw. Es ist aber wichtig, dass die Diskriminierung der Frau speziell im Islam problematisiert wird, damit a) bereits jetzt erkennbare Probleme, die Deutschland als Einwanderungsland mit islamisch sozialisierten Jungmännern hat, adäquat (ich meine damit keine Abschiebungen!) angegangen werden können, b) insbesondere die prekäre Situation, die muslimische Frauen sowohl in Aufnahmelagern als auch in Familien, die bereits mehrere Generationen hier sind, erleiden müssen, endlich thematisiert und diesen Frauen nicht mehr ausgerechnet von Linken (sei es aus Ignoranz, aus Kulturrelativismus usw.) der Rücken zugedreht wird, und c) nicht die falschen von den Kölner Vorfällen profitieren können; damit meine ich die von Ihnen angesprochenen Rechtspopulisten, ich meine aber auch die reaktionären Islamverbände, die ihre Patentlösung (mehr Islam, noch mehr Rückzug der Frau aus dem öffentlichen Raum etc.) der Politik unter Garantie schmackhaft werden machen wollen.

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