Frei nach dem, dessen Name mir gerade nicht einfällt: Sage mir, wie du mit Fehlern umgehst, und ich sage dir, wer du bist.
Wann hast du das letzte Mal einen Fehler gemacht? War es etwas Beiläufiges oder etwas Gravierendes? Bei der Arbeit oder im privaten Leben? Hat es jemand bemerkt – oder du selbst? Hat es dich lange beschäftigt? Was waren die Konsequenzen? Hast du Verantwortung übernommen, daraus gelernt – oder versucht, es zu vertuschen? Wenn ja, ist es gelungen? Vielleicht ist es in einer Gemeinschaft passiert, und du konntest es jemand anderem in die Schuhe schieben, alles sauber von dir weisen? Ich gehe natürlich davon aus, dass du – ja, genau du – entspannt und konstruktiv damit umgehst.
Das weiß eigentlich jeder: Wer arbeitet, macht Fehler. Wer mehr arbeitet, macht mehr Fehler, und umgekehrt. Das ist keine Schwäche, sondern Statistik. In Zahlen ausgedrückt hat das, was man Versagen nennt, fast immer einen Zähler und einen Nenner. Übrigens: Es ist erstaunlich, wie selten der Nenner zur Sprache kommt. Fehler gehören trotz aller Sorgfalt in jedem Bereich eines Unternehmens zum Arbeitsalltag. Genau deshalb existieren Reklamationsabteilungen, Controlling, Rückstellungen für Garantieansprüche, ganze Stellen, deren Existenz nur deshalb gerechtfertigt ist, weil Menschen Fehler machen werden. Der Fehler ist eingepreist. Er wird nicht nur erwartet, er ist bereits gebucht. Wir tun so, als sei das Ziel die Fehlerfreiheit, aber die Bilanzen sagen etwas anderes.
Ein Treffer hinterlässt kein Wissen, höchstens eine Bestätigung. Ein Irrtum dagegen ist eine gelebte Erfahrung, mit einem Davor und einem Danach, mit einem Menschen, der ihn ausgehalten hat. Was wir können, können wir meistens aus Fehlern – vorausgesetzt, wir lernen daraus. Dazu gehört auch der Mut, sich zu irren, etwas zu sagen oder zu tun, bevor man sicher ist.
Trotzdem wird so getan, als sei der Fehler eine Ausnahme – und entsprechend wird mit ihm umgegangen. Manchmal als Anlass, jemanden zurechtzustutzen. Manchmal als Hebel, der gezogen werden kann, wenn ein Verhältnis kippen soll.
Wer Fehler bei anderen sucht, findet sie immer. Das ist die einfachste Übung der Welt. Fehler der anderen sind billiger als die eigenen. Schwieriger ist es, die eigenen mitzuzählen, vor allem die laufenden, nicht die längst abgehakten.
Vielleicht liegt die eigentliche Zumutung des Fehlers darin, dass er uns daran erinnert, wer wir sind: keine Uhrwerke, sondern Menschen. Wir wünschen uns Fehlerfreiheit, weil sie Kontrolle bedeutet. Wer keine Fehler macht, ist Herr der Dinge, zumindest in der eigenen Vorstellung. Das Problem ist nur: So lebt niemand. Wir bewegen uns tastend durch die Welt, treffen Entscheidungen mit dem Wissen, das wir gerade haben, und stellen mitunter fest, dass es nicht gereicht hat.
Ach Mensch. Tue dir selbst einen Gefallen –
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