Es gibt immer viel zu sagen und zu schreiben in diesen Zeiten. Die Meinungsfelder wabern, da die Ereignisse nicht aufhören, sich zu ereignen. Um einen herum schlägt es mehr als dreizehn, und Herausforderungen fordern, angenommen zu werden. Dann schaue ich alte Filme, zitiere immer wieder die gleichen angeschimmelten Sprüche. Ich brabble vor mich hin und mache in der Öffentlichkeit nicht den besten Eindruck. Aber das ist mir dann auch in den allermeisten Fällen egal. Ein ehemaliger Chef von mir fand für so einen Zustand die passenden Worte: „Ich möchte seltsam erscheinen!“
Es gibt Zeiten, da ist die Welt so komisch geworden, dass ich mich sprachlich nicht mehr interessiere. Mein Kommentar bleibt dann aus, und Menschen um mich herum fragen sich, ob denn alles okay ist. Alles okay? Es ist nie alles okay, und es ist noch nie alles okay gewesen. Sicher wollte ich einmal den Eindruck erwecken, als wäre alles komplett in Ordnung. Das kann durchaus auch mal Spaß machen, diesen Eindruck zu erwecken und den eigenen Worten eine gewisse Farbigkeit zu verleihen.
Im Moment habe ich einfach Spaß daran zu schweigen. Nicht etwa, um Fettnäpfchen zu vermeiden, sondern um diese einfach einmal zu beobachten.
„Hallo, Fettnäpfchen – wie geht es dir?“
„Ja, du mich auch!“
Schreibblockade!
Andere nennen das dann Schreibblockade. Dann sind sie fertig und haben alles gesagt. Sie führen dann etliche Gespräche mit FreundInnen darüber. Dabei bräuchten sie diese Gespräche einfach nur aufzuschreiben und hätten dann tausend Geschichten parat. Sie bestehen dann darauf, immer noch blockiert zu sein, und ihr Leiden füllt den Raum.
Mir ist tatsächlich mal eine Muse weggebrochen. Eine Gefühlschaotin, Kollegin, der Udo-Mann würde sagen: eine Komplizin. Und dann hat sie mir das gegeben, was man für eine erwachsene Blockade gut gebrauchen kann. Einen Laufpass. Damit konnte ich dann auf Reisen gehen und den Leuten erzählen, dass mir Lippen, Neckereien und Eitelkeiten fehlen würden, um sozusagen inspiriert zu sein. Dieses Weibliche um mich herum, welches mir betrunken und mit Lippenstift die Kunst ins Ohr säuselt.
Nein, es ist anders: Die Worte sind auf der Suche nach mir. Und ich entscheide, ob ich sie dann auch verwende oder nicht.
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