Der Elemente vier: Erde

Blue Marble und Earth Day

Die Erde – unendliche Rundung. Wir schreiben das Jahr 2026 und die Erde dreht sich immer noch. In dieser Woche war „Earth Day“, der Tag der Erde. Kolumnistin Chris Kaiser wusste bis heute nichts davon, wie verhält es sich bei den Lesern?

Die Lampen an der Decke von Autorin Chris Kaiser
Zwei Lampen an der Decke bei Chris Kaiser zuhause. Chris Kaiser (privat)

Ich spiele seit ein paar Monaten ein Computerspiel, bei welchem In-App-Käufe Teil des Spiels sind und Interaktion mit anderen Spielern auf der ganzen Welt. Ich habe darüber schon einmal in dieser Kolumne geschrieben, denn es ist Teil meines Alltags geworden. In dieser Woche machte ein Ressourcen-Code die Runde, mit welchem man auf der offiziellen Homepage ein paar kostenlose Belohnungen fürs Spiel abholen konnte. Der Code war: EARTH DAY. Ich wunderte mich darüber, aber als ich die Kolumne schreiben wollte, stieß ich wieder darauf.

Ich weiß nicht, ob der geschätzte Leser es bemerkt hat, aber ich habe mit dem Text zu Ostern eine kleine Reihe eröffnet, die die vier klassischen Elemente: Feuer, Wasser, Luft und Erde zum Thema hatten. Es blieb nur noch das letzte übrig, das ist also diese Woche dran. Und ich habe das nicht auf diesen „Earth Day“ abgestimmt, weil ich davon nichts wusste. Nur einer dieser Zufälle. Was das ist, was ich darüber in Erfahrung brachte, wird im Folgenden dargestellt.

Eigentlich wollte ich über die Artemis-2-Mission  sprechen, denn gerade das Verlassen der Erde lässt unseren Planeten verstärkt ins Bewusstsein treten. Wenn wir uns vorstellen, den Mond zu betreten, würden wir uns die Erde wahrscheinlich als Ganzes als unsere Heimat sehen. Wenn wir auf dem Mond stünden, dann blickten wir hoch zu diesem kleinen blau-leuchtenden Großgestirn, das in etwa aussieht, wie seinerseits der Mond von der Erde aus, bei Nacht. Nur halt in blau.

Für den Menschen im 21. Jahrhundert bleibt im Normalfall die geozentrische Sicht in den Nachthimmel bestehen, nur wenigen Auserwählten ist die Sicht auf uns als Ganzes vorbehalten. Dennoch – wir fühlen uns tatsächlich als „Menschheit“ und diese Astronauten auf der Mission als unsere Repräsentanten. „Wir“ sind nicht nur „Papst“, „wir“ landen auch auf dem Mond. Bald wieder. Und unsere Heimat ist in dieser Sicht nicht „Deutschland“, nicht einmal „Europa“, es ist die „blue marble“, die Erde.

die Erde als "blue marble"

Blue Marble, aufgenommen von Apollo 17 am 7.12.1972

Dieser Ausdruck der „blue marble“ (blaue Murmel) – wer ihn erfunden hat, ist nicht so einfach feststellbar. Er ist aber wohl sehr früh als informelle Bezeichnung für das Bild der Erde durch die Astronauten der letzten Mondlandemission Appollo 17 entstanden. Dieses Bild erfuhr eine unglaubliche Popularisierung, die Bezeichnung als „blaue Murmel“ hat sicherlich dabei auch geholfen.

Die Menschen von 1972 – als dieses Bild entstand – haben zur Genüge Erdgloben in der Schule und woanders gesehen, auch Abbildungen der Erde waren keine Seltenheit – und dennoch hat dieser authentische, von Menschen genau so gesehene Anblick in einem Format, das für jeden handlich ist – eine Erde im Taschenformat – einen ungeheuerlichen Eindruck gemacht. Es wurde daraufhin immer wieder von der „Fragilität“ unseres Heimatplaneten gesprochen. Dieser, für uns irdisch Lebenden so groß erscheinende Planet, auf dem immerhin 8 Milliarden Menschen und noch ein paar andere Spezien leben können, auf einmal so klein, und auch von einer spektakulären Schönheit mit all diesen Farben und Nuancen. In den 70er Jahren nahm gerade die Umweltbewegung sowieso ihre Fahrt auf, und das Bild war eine willkommene Ikone der vielen Einzelinitiativen und -bewegungen geworden – was könnte den Gedanken des gemeinsamen Handelns zum Retten der Erde (eigentlich der derzeitigen Umweltbedingungen) besser repräsentieren?

Und dann wurde diesem Bild auch ein passendes Datum zur Seite gestellt, oder umgekehrt, jedenfalls gibt es seit den frühen 70ern die Idee, einen bestimmten Tag im Jahr der Erde zu widmen und das in der Zeit aufkommende Bild der Apollo-Astronauten. Mit zuerst variablem Datum, dann auf den 22. April festgelegt – eben in der gerade abgelaufenen Woche. Seit 1990 wird der Tag offiziell von verschiedenen Ländern als Feiertag anerkannt, im Jahr 2000 – das grandiose Jahr 2000, die Milleniumswende – wurde an diesem Tag ein weltumspannendes Feiern veranstaltet, bei dem 184 Länder mitmachten. Und das Bild von der „blauen Murmel“ wurde auch beim zweiten Google-Doodle im Jahr 2002 verwendet.

Artemis – Apollo – „blaue Murmel“ – Tag der Erde – globales Computerspiel (ok, diesen Zusammenhang habe ich aus meiner persönlichen Sicht eingeschmuggelt) – fehlt noch etwas? Vielleicht dieses:

Eine schöne Ergänzung dieses Reigens von Zusammenhängen fand ich beim Max-Planck-Institut für Meteorologie. Den Zusammenhang zur „blue marble“ stellten die Forscher der Institution selber her, anlässlich ihres 50-jährigen Jubiläums, das ins selbe Jahr fiel wie das des berühmten Fotos der Astronauten. Zu Ehren dieses Tages erinnern sie an die Nähe zwischen Klima- und Wetterforschung und haben sich einen typisch nerdigen Clou ausgedacht. Sie wollten eine Simulation des globalen Wetters aufgrund von bekannten Daten erstellen, und somit mit ihrem meteorologischen Wissen das Bild der blue marble erreichen. Eine bemerkenswerte Ähnlichkeit des Resultats! Bedenkt man, dass die damals erfassten Daten, die für die Simulation von 2022 verwendet waren, bei weitem nicht die Tiefe und Genauigkeit der heutigen Erhebungen besitzen konnten, wird es noch bemerkenswerter. Mein nerdiges Herz hüpfte mit dem der Forscher mit, aber seht selbst auf der Seite nach: Max-Planck-Institut für Meteorologie.

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