Das Gewissen ist aus der Mode gekommen. Ethik und Moral sollen sich heute nur noch selten an der subjektiven inneren Stimme orientieren, sondern ihre Kriterien und Maßstäbe von außen und durch rationale Reflexion beziehen.
Aber wer sich selbst bei moralischen Konflikten beobachtet, merkt schnell, dass das Gewissen nicht zum Schweigen zu bringen ist. Deshalb ist es sinnvoll, sich über die Frage, was das Gewissen ist und wie es wirkt, ein paar philosophische Gedanken zu machen. Dabei lässt sich kritisch an Hegel und Heidegger anknüpfen. In diesem Podcast geht es zunächst um den Begriff des Gewissens bei Hegel.
(Veranstaltungshinweis: Ein öffentliches Seminar, an dem alle philosophisch interessierten Menschen teilnehmen können, gibt es Anfang November in Münster. Weitere Informationen gibt es hier.)
Update: Ein weiteres Video gibt es jetzt, in dem ich mich an den Begriff „Wirklichkeit“ bei Hegel annähere.
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Herold Hansen
Ihre Definition des Gewissens erweckt den Eindruck, es handle sich um etwas genetisch erworbenes, statisch Gutes und betont kaum, dass dieses Über-Ich (Freud), gerade in frühkindlicher Zeit, überaus bildbar ist.
In teuflicher Weise haben dies die Religionen ausgenutzt, um sich die Menschen nach ihren Normen verfügbar zu machen.
Ohne oder mit Religion gibt es nach gängigen Normen gute und böse Menschen. Um aber den Menschen zur Bestie zu machen, braucht`s die Religion, denn dann bekommt das Gewissen
als Über-Ich einen Gott als Ultra-Überinstanz, in dessen Auftrag und zu dessen Wohlgefallen man handelt.
In diesem Sinne kann ein Isis-Mann oder konnte ein Kreuzritter mit gutem Gewissen „Ungläubige“ grausam töten und darf von seinem Gott noch eine Belohnung im Jenseits erwarten.