Blogosphäre – wie sie funktioniert

Eine Woche nach der Veröffentlichung unseres Manifests für einen Neustart der Blogosphäre denkt Jörg Friedrich darüber nach, wie das aussehen kann…


Vor gut einer Woche haben DieKolumnisten ihr Manifest zur Wiederbelebung der Blogosphäre veröffentlicht. Die Resonanz reichte von Ablehnung über Skepsis bis zur hoffnungsvollen Zustimmung. Es hat sich aber auch gezeigt, dass viele mit dem Begriff Blogosphäre gar nichts mehr anfangen können und sich fragen, wie das funktionieren soll.

Es wurde auch darauf hingewiesen, dass wir nicht die Einzigen sind, die über solche Fragen nachdenken. Luca Hammer z.B. hat im Dezember schon was dazu geschrieben. Ein Loblied auf den Blogger hat Jürgen Koller vor wenigen Tagen verfasst. Und am gleichen Tag schrieb Armin Wolf zu exakt diesem Thema – die Sache liegt in der Luft.

Hier ein paar Gedanken aus der Sicht eines Schreibers, der in den Hochzeiten der Blogosphäre selbst einen kleinen persönlichen Blog betrieben hat, dann bei ScienceBlogs einen Blog mit kontroversen Diskussionen betrieben hat, dann hier und da Kolumnen und Artikel veröffentlicht hat und seit zweieinhalb Jahren zu den Kolumnisten gehört.

Was ein guter Blogger braucht, um seine Leser zu erreichen

Die Blogosphäre sorgt nicht nur dafür, dass der interessierte Leser per Verlinkung von einem interessanten Beitrag über ein Thema zum nächsten kommen kann, sie ist nicht nur persönliche Weiterempfehlung unter Bloggern durch Querverweise und Blogroll. Zwar lebt und wächst die Blogospäre durch die Verlinkungs-Arbeit, die sich die Blogger machen, und durch die Kommentare in den Blogs, die ebenfalls Links zu anderen Blogposts anderer Blogger enthalten. Aber diese Verlinkungen geben nicht nur den Lesern Hinweise auf andere interessante Inhalte im Netz – sondern vor allem auch den Suchmaschinen. Die guten inhaltlichen Deep Links von einem Blogpost zum anderen verbessern das Ranking der Blogs in den Suchergebnissen und ermöglichen es den Bloggern somit, neue Leser zu erreichen, die sonst niemals auf ihre Texte aufmerksam geworden wären.

Die Blogosphäre ist deshalb vor allem für Blogger gut, die Inhalte schreiben, welche nicht schon morgen unaktuell geworden sind. Gerade für diese Blogger ist Facebook auch ein sehr unbefriedigendes, ungeeignetes Medium. Klar, ein paar klug-witzige Sätze zur aktuellen politischen Lage kann man da rasch mal posten und vielleicht sogar über ein-zwei Tage eine mehr oder weniger spannende Diskussion haben. Aber wer eine Rezension zu einem aktuellen Roman schreibt, wer über die Geschichte der russischen Revolution arbeitet, wer rechtliche Fragen grundsätzlich beantwortet, der will, dass diese Texte, die auch in zwei Monaten noch relevant sind, auch noch in zwei Monaten wiedergefunden werden. Und dazu ist Facebook das falsche Medium.

Unser Manifest hat sich deshalb auch nicht „gegen Facebook“ gewandt. Wir wollten nur daran erinnern, dass Facebook nicht alles ist, und dass es für die meisten von uns Bloggern nicht der beste Kanal ist, die Leute zu erreichen, die sich für unsere Beiträge interessieren. Wir haben die Grenzen von Facebook beschrieben und skizziert, welche Möglichkeiten wir sehen, diese Grenzen zu überwinden. Das Schöne ist: Jeder kann auf seiner eigenen Plattform so viel machen, wie er selber mag. Mit ein bisschen Durchhaltevermögen und ein wenig Versuch-und-Irrtum wächst die Sache dann allmählich zur lebendigen Blogosphäre zusammen.

Was es alles schon mal gab

Das erste ist: Einfach wieder mehr verlinken. Natürlich sind die Deep Links von einem Artikel zum anderen da am Besten. Die Blogroll ist aber auch nicht schlecht, wenn sie gepflegt wird. Sie zeigt, welche anderen Seiten auch interessant sind – und vielleicht zeigt sie auch, warum. Der Link in der Blogroll kann ja mehr enthalten als nur den Namen des anderen Blogs.

Man kann sich aber auch regelmäßig hinsetzen und schauen, was andere zu einem aktuellen Thema geschrieben haben – und darüber dann eine kleine Blogschau machen. Macht Arbeit, aber bringt viel und öffnet Horizonte.

Es gab vor ein paar Jahren eine Reihe von Formaten, die die Vernetzung von Blogs unterstützt haben – das kann man alles mal wieder ausprobieren und schauen, wie das so läuft. Vielleicht funktioniert einiges auch nicht mehr, vielleicht bildet sich was neues. Man wird sehen…

Jörg Phil Friedrich

Der Philosoph und IT-Unternehmer Jörg Phil Friedrich schreibt und spricht über die Möglichkeiten und Grenzen des digitalen Denkens. Friedrich ist Diplom-Meteorologe und Master of Arts in Philosophie.

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