Die grüne Anhängerschaft im Vereinigten Königreich wächst. Gewissermaßen schillernd tut sich dabei der Parteivorsitzende von England und Wales hervor: Zack Polanski. Seine Familie, die den jüdischen Glauben lebt, stammte aus Osteuropa. Sie zog zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Großbritannien und änderte ihren Familiennamen in Paulden. Der als David Paulden geborene Spross dieser Familie nannte sich im Alter von achtzehn Jahren Zack Polanski – zur Unterstreichung der Geschichte seiner Vorfahren.
Die Grünen auf der Insel – eine Splitterpartei!
Seit jeher stellen im Vereinigten Königreich die Labour Party und die Tories die Regierungschefs – ein systembedingtes Gesetz in einer institutionellen Monarchie. Bis vor nicht allzu langer Zeit galt die „Green Party of England and Wales“ als völlig unbedeutend. Derzeitige Umfragen sehen die Grünen jedoch als ernsthafte Mitbewerber, unter anderem Dank eines Parteivorsitzenden, der sich durch das Betätigen bestimmter medialer Mechanismen als Stimme der Hoffnung darstellt. Ein Mann, der auf Positivität setzt und aufgrund seines offenbar charismatisch-volkstümlichen Auftretens als „Turbo-Normie“ bezeichnet wird – eine dritte ernstzunehmende Figur im Rennen um 10 Downing Street. Zack Polanski wechselte 2017 von den Liberaldemokraten zu den Grünen. Der aus der Nähe von Manchester stammende 43-jährige Mann lebt heute im London Borough of Hackney, einem Bezirk im Norden der Metropole.
Es gibt durchaus Parallelen zu den Umfragen und Wahlergebnissen in der Bundespolitik. Auch dort gewinnen die Grünen durch Verluste anderer Parteien. So bestreitet Polanski gar nicht, dass die „Green Party of England and Wales“ vom Niedergang der Labour Party profitiert.
Bemerkenswert ist, dass die bislang unbedeutenden Grünen gegen die extreme Rechte von Reform UK antreten und sich in den bekannten Erhebungen durchaus vergleichbare Balkendiagramme wie in aktuellen deutschen Grafiken ergeben.
Vote Green!
Es ist jedoch ein besonderes Bild, wenn man Menschen aus England und Wales in bunter Mischung mit hübschen „Vote Green“-Schildern stehen sieht. Beim Betrachten der Außenwirkung sticht unter anderem eine junge Handwerkerin hervor: Hannah Spencer gewann den ersten Westminster-Sitz für die Grünen im Norden Englands. Die junge Frau (Jahrgang 1991) gründete einen Sanitärservice mit dem lyrisch anmutenden Namen „Hannah’s Household Plumbing“.
Zack – auf einmal Grüne auf der Insel. Ein Bild in einem Land mit einem ökologisch denkenden und orientierten König, an das man sich erst gewöhnen muss. Allerdings ist das historisch gesehen nicht ganz korrekt. So entsteht zunächst ein Blick aus nicht allzu großer Ferne.
Immerhin bemerkt die bekannte Boulevardpresse des Königreichs, dass es da einen Mann gibt, der sich vegan ernährt und mit seinem Lebenspartner im Norden Londons lebt – und äußerlich durchaus ins Bild der Menschen passt. Soweit, so unspektakulär.
Ein Mann, der sich selbst „Eco-Populist“ nennt. Sprachlich nimmt er, insbesondere als Akteur in den sozialen Medien, Positionen ein, die man hierzulande eher von Auftritten einer Heidi Reichinnek von den Linken kennt.
Die Entwicklung der Grünen auf der Insel!
Auf der Insel muss man ins Jahr 1974 zurückblicken, als die erste sogenannte grüne Partei bei den Unterhauswahlen knapp 4.600 Stimmen erhielt – sie nannte sich „People“. Daraus entstand die „Ecology Party“, die bis 1985 unter diesem Namen existierte und 1983 auf 0,2 % der Stimmen kam.
In jenem Jahr besuchte ich selbst zum ersten Mal London. Im Zug von Folkestone nach London sah ich als noch Achtzehnjähriger, wie sich ein älteres, ausgesprochen schick gekleidetes Paar extrem höflich mit einem abgerissenen Punk mit Irokesenschnitt unterhielt. Eine Szene, die ich mir bis dahin nirgendwo anders hätte vorstellen können und die mein persönliches Bild der britischen Gesellschaft prägte. Konservative Kräfte bestimmten die Wirklichkeit und gewährten damaligen „Erscheinungen“ ihre Existenz mit britischer Höflichkeit.
Von 1985 bis 1990 gab es die Green Party (UK), die bei den Europawahlen 1989 tatsächlich 15 % der Stimmen erhielt und damit die meisten Stimmen aller europäischen grünen Parteien auf sich vereinte. Noch zwei Jahre zuvor hatten die britischen Grünen bei den Unterhauswahlen lediglich 0,3 % erzielt.
Seit 1990 heißt die Partei „Green Party of England and Wales“, nachdem sich die schottischen Grünen vom Gesamtkonstrukt getrennt hatten. Bemerkenswert ist der aktuelle Zulauf zur Partei, die mittlerweile deutlich mehr Mitglieder als die Liberaldemokraten und die Tories aufweisen kann.
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