Besuch in der Regionalliga der Frauen des FC St. Pauli

Als Fußball für mich mehr Bedeutung bekam, als sonst bei einem handelsüblichen „Couch-Potatoe“ üblich, begann ich Berichte über die Regionalliga-Nord im Frauenfußball zu schreiben. Ich pflegte meinen Blog von 2017-2024 und zog mich dann wieder zurück. Dennoch ist der gelegentliche Besuch dieser Szene, mit Freunden, „meiner Familie“ und einer einzigartigen Umgebung geblieben. Letzten Sonntag schaute ich wieder vorbei – zum ersten Mal seit damals wieder mit Kamera.

Foto: Matthias von Schramm 15. März 2026

Die üblichen Verdächtigen in St. Pauli!

Der wirklich effektive Eingang zum Verein FC St. Pauli geschah für mich über die 1. Frauen des FCSP. Das Team war recht frisch in die dritte Liga im Frauenfußball Deutschlands aufgestiegen. Hamburger Meisterinnen 2016, was zugleich den Aufstieg in die Regionalliga Nord bedeutete. Ein gewisser „Kaitrainer“ hatte die 1. Frauen dahin geführt und zwei Fanclubs hatten sich gegründet. „Ey die Hunde“ und „Die üblichen Verdächtigen“. Letzterem schloss ich mich am 1. Dezember 2017 an und wurde somit Mitglied einer großen „Familie“.

Das waren Dinge, die nicht geplant waren. Sie geschahen einfach. Sie funktionierten über das eine oder andere Getränk, welches man in Gemeinschaft zelebrierte und sich zuführte und bei mir persönlich über meine Kamera, die ich immer zu den Spielen auf der FeldArena am Millerntor-Stadion und auch bei Auswärtsspielen bei mir trug. Ein Öffner für eine Freizeitbeschäftigung mit entsprechender Intensität. Spielberichte waren dann die Folge, nach einer gewissen Zeit auch für die Homepage des Vereins.

Die Fan-Identifikation!

Man darf sich unser Fansein nicht deckungsgleich mit den Ultragruppierungen der bekannten Fußball-Clubs vorstellen. Wir sind junggebliebene Zauselinnen und Zausels, die mit erschreckendem Tempo auf das Rentenalter zurasen. Dies bringt jede Menge gesundheitliche Herausforderungen mit sich. Dennoch werden „Tapeten“ gemalt, Spielerinnen, die neu ins Team kommen, begrüßt und Gesänge angestimmt. Es ist zwar eine Art Imitation des großen Fußballs, Woche für Woche in den Stadien der Bundesligen. Aber es ist letztlich viel schöner. Denn Jede und Jeder kennt Jede und Jeden. Dabei geht es nicht um die Übersichtlichkeit, die daraus resultiert, sondern um eine bestimmte Art des sich aufeinander Einlassens. Am 8. September 2023 kamen gegen die Frauen des HSV 19.710 Zuschauende ins Millerntor-Stadion. Und weiteres Fanaufkommen konnte generiert werden. Im Stadion-Hoheluft bei diversen Pokalfinalspielen des lokalen Verbandes, in der Adolf-Jäger-Kampfbahn im DFB-Pokal und auch im Jahre 2023 in London. Ein bisschen Aufregung in diesem kleinen Kosmos, der schnell die ganze Welt bedeutete.

Sonnenschein, Wind und Wetter und ein Sieg gegen den Abstieg!

2024/25 stieg ich also als Berichterstatter aus und suchte wieder nach einem Teil meines Lebens, welches ich bis 2017 geführt hatte. Ich blieb „üblicher Verdächtiger“, nicht mehr so aktiv, aber interessiert, teilweise geistig abwesend, immer aber über die Problematiken des Ligaalltags unseres Teams weitgehend informiert.

Letzten Sonntag, am 15. März 2026, war hier wieder einiges los. 180 Menschen strömten nach Schiedsrichterin-Angaben auf die FeldArena. Ein Kunstrasenplatz-Ensemble zwischen „instergrammable“ Medienbunker auf dem Heiligengeistfeld und der mit Rainbow-Flag PV Anlage bedachten Nord-Tribüne des Millerntor-Stadions. Diese zwei Plätze nämlich vor dem Stadion werden in Fortführung eines Wortflügels FeldArena genannt. Hier stehen Spieltag für Spieltag seit Jahren, recht ordentlich viele Menschen dicht gedrängt am Spielfeldrand, was ein besonderes Flair ausmacht.

Ein kleines Derby stand an. Unsere 1. Frauen FCSP hatten Heimspiel gegen den Eimsbütteler TV, spielten sich bei Wind, Wetter und Sonne (wie üblich an diesem Ort) zeitweilig in einen Rausch, gingen durch Tore von Ann-Sophie Greifenberg, Nina Woitzek und Janice Hauschild 3:0 in Führung und brachten nach erwachtem Widerstand der ETV Frauen einen 3:2 Heimsieg ins Ziel. Damit konnte unser Team nach 14 Spieltagen seinen Abstiegsrang verlassen und endlich mal wieder ein Spiel in der Liga für sich entscheiden.

Eine Atmosphäre zum niederknien!

Vor dem Spiel wurde in der Gruppe ein kleines Fahnenmeer erzeugt. Irgendwer ließ per Bluetooth Box beim Einlaufen der Spielerinnen „Hells Bells“ erklingen. Bei Spielen unserer Frauen eher unüblich. Aber gut, was will man machen heutzutage!? Mittlerweile sind weitere Gruppierungen jüngerer Menschen dazu gekommen. Da wird dann halt schon mal gerne zur eigentlichen Tradition, jugendlicher Esprit gereicht. Das konnte man gut finden, oder sich schön saufen. Ich hatte eine kleine Kamera dabei und nahm ein paar Fotos in bunten Frühlingsfarben auf.

In der Pause am Cateringstand im Nordbereich des Stadions, boten wie immer Menschen der Frauen und Mädchenabteilung des Clubs Kuchen und Schönes zur Stärkung für uns Zuschauende an. Auch nach langer Abwesenheit meinerseits, konnte ich fast nur bekannte Gesichter ausmachen. Das hob die Laune, zumal zu diesem Zeitpunkt unser Team mit 3:1 führte. Ein lächelnder Austausch.

Kommentare von ETV-Fans, die traditionell eine sehr eigene Auslegung von Fußballregeln haben, schwirrten geisterhaft im Hintergrund und untermauerten die Vibes. Ein Bier im bunten Fanbecher musste sein.

Nach dem Spiel verabschiedete sich mit modischer Sonnenbrille der Kapitän unserer Profis Jackson Irvine, von einer seiner Jünger-Truppen, die ich im Gegenlicht vor dem grünen Bunker erspähen konnte.

Der Fanclub kehrt zum Ernst seines Seins zurück!

Nach der sportlichen Sause, blieb die brillante Stimmung an uns haften. Ein Ligaspiel wurde gewonnen. Und da wir viel vor haben dieses Jahr, musste es ein ernstes Treffen in einer geheimen Lokalität geben, inklusive geistig fitter Protokoll-Schreiberin, die zusammen mit ihrem Freund unseren Altersschnitt im Fanclub deutlich nach unten zieht.

Es sei nur soviel verraten: unser Team spielt dieses Jahr zehn Jahre in der Regionalliga-Nord und unser Fanclub feiert im Sommer den zehnten Geburtstag.

Aber auch wenn derartige Ernsthaftigkeiten menschlicher Leidenschaft besprochen werden müssen, kommt es bei solchen Treffen immer wieder zu unfassbaren Kuriositäten. Ein Mitglied, welches zur Zeit der Gruppenbestellung beim Kellner, gerade die Nasszellen des Restaurants aufsuchte, bekam von uns das an dieser Stelle gängige Spezi zugewiesen. Weil dieser Mensch, wie allgemein bekannt, immer selbiges Mischgetränk in vergleichbaren Situationen bevorzugt. Nach seinem Gang aus den Urinal-Katakomben des Hauses, zurück in den Gastraum, geriet der Kollege jedoch komplett aus der Fassung und bestand darauf, stattdessen ein kleines Glas Wasser zu bekommen. Es gibt Verrücktheiten, die ganze Weltbilder auch in solchen Alltagssituationen immer wieder in eine ziemliche Schieflage bringen.

Verbandspokal als Zugabe!

Am Dienstag, den 17. März gab es noch ein kleines Bobon in der Woche. Unsere 1. Frauen FCSP trugen ihr Achtelfinalspiel im Hamburger Verbandspokal aus. Sie gewannen gegen die unterklassigen Gegnerinnen des TSC Wellingsbüttel mit 4:0 Toren. Die Gastgeberinnen aus dem Alstertal verkauften sich aber gut. Diese Spiele abends und mit Flutlicht auf kleinen Plätzen, sind immer etwas Besonderes. Das Publikum scheint immer noch, je mehr an die Stadtränder gerät, recht trinkfreudig zu sein und eher dem anderen großen Verein Hamburgs zugetan. Immerhin hat der TSC Wellingsbüttel immer einiges mehr an Publikum als Landesligist, wenn der FC St. Pauli auftaucht und seine Fans mitbringt. Mir ist dann auch vorgestern wieder eingefallen, warum mich diese Welt des Fußballs jahrelang so in ihren Bann gezogen hat und mich immer noch erreicht.

Forza!
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