In Puerto Rico darf man z.B. die eigene Gouverneurin wählen. Derzeit handelt es sich um Jennifer Gonzáles, welche der Partido Nuevo Progresista angehört. Eine Partei, von der man bei den US-Wahlen nie etwas mitbekommt hat, denn Puerto Rico ist kein Bundesstaat. Es handelt sich lediglich um eine karibische Insel mit über neun Millionen Quadratkilometer Fläche. Ein wunderschöner sonniger Ort, den mehr als drei Millionen Menschen bewohnen. Diese BürgerInnen zahlen mit dem US-Dollar und sprechen fast ausschließlich und selbstverständlich spanisch.
Puerto Rico – Teil der USA seit 1898!
In Folge des Spanisch-amerikanischen Krieges von 1898, kam Puerto Rico unter die militärische Kontrolle der Vereinigten Staaten. Die USA entwickelte sich damals zur Supermacht und die Geschichte der Insel, die kein souveräner Staat werden durfte, war bewegt und wechselhaft, mit haarsträubenden rassistischen Ausuferungen. Alle politischen Auseinandersetzungen seit damals, führten nicht dazu, dass Puerto Rico mit mehr Menschen, als beispielsweise in den Bundesstaaten Iowa, Kansas, New Mexiko oder Nebraska, zu einem Bundesstaat des amerikanischen Traums wurde. Natürlich gab und gibt es immer wieder Bestrebungen, Abstimmungen und vor allem wirtschaftliche Interessen, dies zu ändern.
Nichtsdestotrotz hat Puerto Rico eine eigene Polizei, eine eigene Armee und hört übersetzt auf den Namen „reicher Hafen“. Vor allem aber besitzt die Insel ein eigenes Parteiensystem, mit Parteien, die es im Wahlsystem des US-Bundes nicht gibt. Gouverneurin Jennifer Gonzáles ist zwar auf Bundesebene auch Mitglied der Republikaner und war es auch auf der eigenen Insel als stellvertretende Vorsitzende. Doch das politische Insulaner-Leben, ist schon sehr sondergeregelt.
Es lohnt sich, hier mehr ins Detail der politisch rechtlichen Lage von Puerto Rico und seiner BürgerInnen zu gehen und vor allem die ganze geschichtliche Entwicklung seit dem ungebetenen Besuch von Christoph Columbus 1493 (seine zweite Reise für Spanien) zu beleuchten, der die Karibikinsel „San Juan Batista“ taufte, wonach immer noch die Inselhauptstadt San Juan benannt ist.
Wie wäre es wenn … ?
Jetzt darf sich Jede und Jeder einmal vorstellen, Sie oder Er hätte eine ähnlich blühende Phantasie, wie ich. Ein freigestellter Staat in der Bundesrepublik Deutschland. Ein Land für blaue, blauweiße und orange Farben – ob Insel oder nicht, sei erst einmal dahingestellt. Ein Gebiet mit eigenen Parteien, eigenen GesetzeshüterInnen und mit ein paar netten Fußballfan-freundlichen SoldatInnen.
Ein Land, mit eigenen Wahlen, welches den Grüß-August aus dem Schloss Bellevue nur auf dem Papier besitzt. Ein Ort, der nicht Teil der Bundesgesetzgebung ist, aber ein nichtinkorporiertes Staatsgebiet darstellt. Eine Art “Thüringer Kloß“ in einer Phantasielandschaft in Form einer „Lüneburger Heide“. Eine Spielwiese quasi auch für „Demokraten“, die bei der Überprüfung unserer Demokratie, vieles vermissen mussten, z.B. das Mitspracherecht bei jedem Scheiß.
Vielleicht wäre es dann aber mein Trugschluss, dass die EinwohnerInnen dieses „karibisch modellierten Freistaates“ damit fein seien, dass sie von den Wahlen zum deutschen Bundestag dann leider ausgeschlossen würden.
Immerhin, ich wäre ja persönlich noch so nett gewesen, sie weiterhin den Euro als Landes … (äh Insel, Karibik, Freistaat) Währung nutzen zu dürfen. So ganz nach den nichtinkorporierten Gebieten der USA, von denen es neben Puerto Rico noch einige andere gibt, u.a. auch dass drei Hektar umfassende Kingman-Riff.
Eine andere Art der „Wiedervereinigung!“
Allein die Vorstellung, dass einst nach dem Mauerfall Teile des Landes mit verschiedenen Rechten, sich frei von der Bundestagswahl und seinen Abgeordneten hätte fühlen dürfen, hätte vermutlich die Menschen der Friedlichen Revolution sehr verärgert.
Sich dann von dem Staatsoberhaupt der alten Bundesrepublik etwas sagen lassen zu müssen, hätte wahrscheinlich für erheblich größere Identifikation-Störungen gesorgt, als ohnehin schon. Indirekt, oder ziemlich direkt von einer Regierung abhängig zu sein, die man in fünf neu gebildeten neuen Ländern nicht hätte mitwählen dürfen, wäre vermutlich nicht so lustig gewesen, wie es zugegebenermaßen, erst einmal für mich klingt.
Jedoch, Diskussionen auch unter den Kolumnisten über Parteienverbote, wären vermutlich etwas anders verlaufen, als derzeit. Es hätte ja ein nichtinkorporiertes Gebiet gegeben, in dem man in Ausübung des sich ungerecht behandelt Fühlens, mit seinem eigenen Parteiensystem auch seine eigenen „Ätschibätsch-Alternativen“ gehabt hätte. Alternativen für ein deutsches Gebiet ohne das Recht, den in Folge regierenden „Abkanzler“ wählen zu können.
Träumereien dieser Art sind nicht neu!
Ermahnungen, dass Menschen deutscher Herkunft überall auf der Welt, Phantasien besonderer Konstrukte haben und dies möglicherweise zu Recht, nehme ich gerne chiffreartig entgegen.
In unserem Haushalt gibt es übrigens noch einen sog. „Wendenpass“. Ausgestellt auf eine Bürgerin der „Republik freies Wendland“. Ein nicht souveräner „Staat“, welcher vom 3. Mai 1980 bis zum 4. Juni desselben Jahres existierte und dann von Ordnungskräften der Bundesrepublik Deutschland, nahe der geplanten Tiefbohrstelle 1004 per Räumung des Hüttendorfes annektiert wurde. Ob die damalige Bundesregierung unter Helmut Schmidt die „Republik freies Wendland“ in der kurzen Zeit ihrer Existenz als nichtinkorporiertes Gebiet erklären wollte, ist meines Wissens nicht verbrieft.
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