(für SEO: Berlinale Staatsgeld Palästina Debatte 🙂 )
Die Scheinwerfer sind aus, der rote Teppich eingerollt, die letzten Branchen-Visitenkarten längst wieder in zu engen Jacketts verstaut. Die Internationalen Filmfestspiele Berlin sind vorbei. Und wie so oft kam der eigentliche Knall erst mit dem Finale: Die Chefin des Festivals, Tricia Tuttle, soll – wenn es nach Kulturstaatsminister Wolfram Weimer geht – schnellstmöglich ihren Hut bzw. Palästinaschal nehmen und Platz für einen politisch mit mehr Fingerspitzengefühl ausgestatteten Nachfolger (m/w/d) machen. Quasi ein Abspann mit Personalnote. Fast wirkt es, als gieren diese Festspiele selbst dann noch nach Drama, wenn die Kameras schon längst weitergezogen sind.*
Wozu das alles?
Man könnte ohnehin fragen: Wozu benötigt man dieses Festival eigentlich noch? Braucht die Welt wirklich ein weiteres – mit Verlaub – künstlich aufgeblasenes Regional-Event, das sich global geriert, aber im Kern vor allem Berliner Selbstvergewisserung betreibt? Cannes hat das Meer, Venedig die Patina, Hollywood die Industrie. Berlin hat den Diskurs. Und Diskurs, das weiß man hier, ersetzt zur Not auch Glamour.
Vielleicht liegt genau darin die Daseinsberechtigung: Die Berlinale als moralische Volkshochschule mit Sektempfang. Als Ort, an dem nicht nur Filme laufen, sondern Haltungen. Wo Premieren schneller politisiert werden als sie ausverkauft sind. Wo das Festival weniger Marktplatz des Kinos ist als Marktplatz der Gesinnungen.
Und als Zuschauer stellt sich noch eine andere Frage: Warum eigentlich wird ein derart hochpolitisches Event mit Staatsgeld gefördert? Wenn auf den Bühnen politische Resolutionen verlesen und außenpolitische Botschaften formuliert werden, ist das dann noch Kultur – oder längst halboffizielle Diplomatie? Und falls es tatsächlich einzig Branche ist: Kann sich eine milliardenschwere internationale Filmindustrie ihre eigenen Festivals nicht selbst leisten? Muss der Steuerzahler das moralische Dauerpanel subventionieren?
Der rote Teppich als Tribüne
Und damit wären wir beim zuverlässigsten Programmpunkt der vergangenen Jahre: der wahlweise erstaunlichen oder anstößigen Palästina-Liebe der Kulturschaffenden.
Kaum ein Panel, kaum ein Empfang, kaum ein improvisiertes Statement vor laufender Kamera, das nicht wenigstens in einem Nebensatz „Gaza“ fallen lässt. Man trägt Kufiya wie andere Leute Seide, man unterschreibt Aufrufe, die klingen, als seien sie zwischen Häppchenbuffet und Branchenempfang entstanden, und man ist sich vor allem in einem einig: Man steht auf der richtigen Seite der Geschichte.
Das Problem beginnt nicht mit Mitgefühl. Mitgefühl ist nie das Problem. Das Problem beginnt dort, wo Mitgefühl zur Pose gerinnt – und Komplexität als Störgeräusch empfunden wird.
Projektionsfläche Palästina
Denn diese merkwürdige Palästina-Liebe ist oft weniger konkrete Solidarität mit real existierenden Menschen als Projektionsfläche. Palästina funktioniert in diesem Milieu wie ein ästhetisch aufgeladenes Symbol: für Widerstand, für das „Globale“, für das romantisierte Narrativ vom edlen Opfer gegen den übermächtigen Westen. Es ist die perfekte Leinwand für die eigene moralische Selbstvergewisserung.
Israel hingegen taugt in dieser Dramaturgie selten für Zwischentöne. Der jüdische Staat wird – bewusst oder unbewusst – zur Chiffre für Militär, Macht, Westen, Komplizenschaft. Und damit ist die Rollenverteilung im kulturellen Kopfkino schnell geklärt. Dass die Realität vor Ort aus konkurrierenden Traumata, religiösen Radikalisierungen, politischen Sackgassen und einer tragischen Geschichte beider Völker besteht, stört da nur.
Selektive Empörung
Was auffällt: Die Leidenschaft ist selektiv. Wo sind die großen Bühnenmomente für die Kurden? Für die Uiguren? Für die Opfer sudanesischer Milizen? Man hört sie gelegentlich, ja. Aber sie erzeugen nicht annähernd dieselbe identitätsstiftende Wucht im Berliner Kulturbetrieb. Palästina ist anschlussfähig – ästhetisch, politisch, biografisch. Es erlaubt maximale Empörung bei minimalem Risiko.
Denn riskant wäre es, Ambivalenz auszuhalten. Riskant wäre es, zu sagen: Ja, das Leid in Gaza ist entsetzlich – und ja, auch israelische Zivilisten wurden massakriert. Riskant wäre es, die eigene Szene darauf hinzuweisen, dass moralische Eindeutigkeit selten mit analytischer Tiefe korreliert.
Applaus im eigenen Echo
Stattdessen erlebt man eine Art performativen Internationalismus. Je globaler das Statement, desto lokaler die Selbstvergewisserung. Man sendet Signale an das eigene Milieu – und bekommt Applaus aus genau diesem Milieu zurück. Es ist ein geschlossener Kreislauf der Bestätigung.
Natürlich gibt es Ausnahmen. Natürlich gibt es kluge Stimmen, die differenzieren, die historische Verantwortung und gegenwärtiges Leid zusammen denken wollen. Aber sie gehen im Getöse unter. Differenzierung ist kein guter Hashtag.
Die subversive Zumutung
Und so wird die Berlinale immer wieder zur Bühne für ein moralisches Schaulaufen, bei dem politische Komplexität auf Festivalformat geschrumpft ist. Drei Minuten Statement, Applaus, weiter zur nächsten Premiere – oder eben weiter zur nächsten Personaldebatte im Nachgang.
Vielleicht wäre die wirklich subversive Geste nicht die nächste Resolution, sondern ein Satz wie: „Ich weiß es nicht.“ Vielleicht wäre die radikalere Haltung, die eigene Ungewissheit öffentlich zu machen, statt sie mit Parolen zu übertönen.
Aber Ungewissheit trägt sich schlecht – selbst dann noch, wenn der Teppich längst eingerollt ist.
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* Wie es mit dem Machtkampf Minister vs. Intendantin ausgegangen ist, stand zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Kolumne (Donnerstagmorgen) noch nicht fest. Wer’s dennoch unbedingt erfahren möchte -> bitte die Feuilletons der einschlägigen Zeitungen auf „Push-Benachrichtigung“ einstellen.
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