Fußnoten eines jammernden Boomers

Alle paar Jahre wird es Zeit, die Rubrik, unter der man seine Texte veröffentlicht, zu überprüfen, ob die noch zeitgemäß ist. Gestartet bin ich 2017 bei den Kolumnisten mit Bei Hank im Wohnzimmer und berichtete von meinen (leider nur) fiktiven Treffen mit dem König der US-amerikanischen Untergrundliteratur in dessen kleinem Bungalow in East Hollywood.

Vor ein paar Tagen befand ich mich in einer kleinen Diskussion – selbstverständlich in Facebook. Twitter, Instagram, Telegram, Tiktok, und wie die anderen Plattformen noch so heißen, nutze ich nicht. Und im realen Leben gibt’s diese Diskussionen ohnehin nicht. Zumindest nicht mit den Menschen, mit denen ich verkehre – über das spannende Thema „Moralischer Anstand und Achtsamkeit in den sozialen Medien“ und mir wurde bereits nach meinem Kommentar Nummer 2 die Debattenfähigkeit abgesprochen, weil ich als alter weißer Mann (vulgo Boomer) weder über das notwendige Einfühlungsvermögen noch über die geistige Fähigkeit verfüge, um mich in gebührender sittlicher Reife dazu äußern zu dürfen. Und ich dachte spontan: Weshalb aus meiner Boomer-Not keine Tugend und das zu meinem neuen Kolumnisten-Merkmal machen? „Fußnoten eines jammernden Boomers“ klingt zwar nicht ganz so sexy wie das Original Notes of a dirty old man, aber mir gefällt mein Plagiat trotzdem recht gut.