Der Wolf, das Reh, Hurz

Wölfe kehren langsam nach Deutschland zurück. Für die einen ein Grund zur Freude, für die andern ein Grund zur Angst. Aber wie sieht es eigentlich rechtlich aus?

Wolf

Der Gärtner war sich sicher, von einem Wolf an der Hand berührt worden zu sein, als er am Friedhofszaun werkelte. Er habe sich mit einem Hammer gewehrt. In der Nähe habe er noch mehrere andere Wölfe gesehen. Nun ja, manche Leute sehen auch weiße Mäuse oder Ufos oder verwechseln den Nachbarn mit einer Wildsau. Erstere sind häufig in der Psychiatrie,  letztere sind häufig Jäger. Nachdem insgesamt sieben DNA-Proben ausgewertet wurden, steht fest, keine der Spuren stammte von einem Wolf. Was auch immer den Mann berührt haben mag, ein Wolf war es nicht. Die Spuren an seinem Hammer stammten von einem Reh. Hurz.

Oberschlaue Leser meiner Kolumne werden nun einwenden, dass ich doch mal geschrieben hatte, aus dem Nichtvorhandensein von DNA-Spuren dürfe man keine Schlüsse ziehen, der Wolf sei also nicht endgültig entlastet und das ist ganz theoretisch auch völlig richtig. Wenn ich allerdings einen Wolf todesmutig mit einem Hammer traktiere und sich dann am Hammer keine Wolfs- sondern Reh-DNA nachweisen lässt, ist die Vermutung, ich hätte auf ein Reh eingeprügelt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit festzustellen.

Korrektur: Ein aufmerksamer Leser wies mich darauf hin, dass an dem Hammer keine Reh-DNA, sondern überhaupt keine DNA nachgewiesen werden konnte. Das Wesen, dass den Gärtner berührt und das dieser mit dem Hammer vertrieben haben will, scheint demnach keine DNA zu haben. Möglicherweise handelt es sich um einen homöopathischen Wolf. Mein Dank geht an Heiko Habbe.

Der Listige

Nun kennen wir die Listigkeit des Wolfes ja bereits aus diversen Märchen. Wer so hinterhältig ist, ein Rotkäppchen nicht gleich beim ersten Kontakt im Wald zu vergewaltigen, äh, zu fressen und statt dessen erst eine alte, vermutlich eher zähe Frau so geschickt aus ihren Klamotten bekommt, dass er die Frau verspeisen und sich dann mit ihrer Kleidung in deren Bett legen kann ohne Blutspuren zu hinterlassen, um als Nachtisch noch das Rotkäppchen zu vernaschen, dem ist auch zuzutrauen, dass er erst ein Reh aus seinem Fell lutscht, um dann mit dem Fell verkleidet, harmlosen Gärtnern in die Hand zu beißen.

Gleichwohl hat die Nachricht vom bösen Wolf wieder mal für jede Menge Aufregung gesorgt. Obwohl in Deutschland die Gefahr von einem Jäger getötet zu werden – jedes Jahr gibt es rund 40 Tote durch sogenannte Jagdunfälle – wesentlich größer ist, als einem Wolf zum Opfer zu fallen, scheint der Wolf als Angstmacher immer noch eine große Nummer zu sein.

Peng

Viele Schäfer, aber auch viele Jäger scheinen scharf darauf zu sein, endlich wieder Wölfe töten zu dürfen. Das ist verständlich, da Wölfe ja irgendetwas fressen müssen und sich daher gerne in einer Schafherde bedienen oder aber auch dem Jäger die Beute wegnehmen. Und so wie der Biodeutsche fürchtet, der Neger nehme ihm wegen seiner wilden Sexualität die blonde Maid weg, so fürchtet der Jäger selbiges bezüglich des süßen Bambis, dass er in ein paar Jahren gerne selber erschießen möchte.

Rechtlich ist der Wolf da auf der sicheren Seite. Er genießt einen Rechtsschutz wie kaum ein anderes Lebewesen.

Schon der internationale Schutz durch das CITES, das Washingtoner Artenschutzabkommen gibt ihm Sicherheit. Dasselbe gilt für die Berner Konvention ( Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume)  Zusätzlich wird der Wolf noch durch die EU-Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt. Alle diese Abkommen und Richtlinien haben in Deutschland unmittelbare Wirkung und geben dem Wolf damit eine Art Diplomatenpass. Dies wird umgesetzt durch das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG).

Jeder kluge Wolf weiß daher, dass in § 44 Abs. 1 BNatSchG geregelt ist:

(1) Es ist verboten,

1.

wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,

2.

wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören; eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert,

3.

Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wild lebenden Tiere der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,

4.

wild lebende Pflanzen der besonders geschützten Arten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, sie oder ihre Standorte zu beschädigen oder zu zerstören

Wölfe abknallen geht also gar nicht. Außer in Sachsen haben Wölfe auch nichts mit dem Jagdrecht zu tun. Und selbst in Sachsen, wo sie dem Jagdrecht grundsätzlich unterfallen, genießen sie eine ganzjährige Schonzeit. Die Idioten gegen die Wolfisierung des Abendlandes müssen also ihre Flinten im Waffenschrank lassen.

Bewirtschaftung

Dass möchte z.B. der brandenburgische Umweltminister Vogelsänger gerne ändern. Es werde eine Regelung zur Bejagung geben, sagte der Minister bei der Eröffnung eines Wolfs- und Herdenschutzinformationszentrums in Groß Schönebeck (Barnim). Ja, das hätte er gerne, der Umweltminister. Und diese Sprache ist so wunderbar verräterisch weichgespült. Für Wölfe, die Weidetiere reißen und identifiziert werden könnten, brauche es „entsprechende Bewirtschaftungsmaßnahmen. Bewirtschaftungsmaßnahmen bedeutet aber nicht etwa, dass die Wölfe sich etwas zu essen abholen dürfen, es bedeutet, abknallen. Es sind aber doch nur die, die Weidetiere reißen, mag man einwenden, also nur die bösen Wölfe. Aber welcher Wolf würde sich seiner Natur entsprechend denn ein leckeres Schaf entgehen lassen, wenn der Schäfer es ihm leicht macht und wenn der Jäger ihm sein Wild bereits weg geschossen hat.

Wölfe fressen die für sie am leichtesten zugängliche Nahrung. Die sind ja nicht blöd. Und eine unbewachte Schafherde ist eine Einladung zum Mal. Schäfer müssen ihre Herden mit Herdenschutzhunden und entsprechenden Zäunen schützen. Dann bleibt der Wolf auch weg. Der steht nicht auf Stress und er ist klug und vorsichtig. Dafür kann man die Schäfer auch finanziell unterstützen und man kann sie entschädigen, wenn Schafe gerissen wurden und klar ist, dass der Übeltäter ein Wolf und nicht etwa ein wildernder Hund war.

Problemwölfe

Es spricht nichts dagegen, einen Wolf, so es ihn denn geben mag, der seine natürliche Scheu vor Menschen verloren hat, abzuknallen, wenn er denn gegenüber Menschen aggressiv geworden ist. Das soll man dann aber auch abknallen nennen und nicht butterweich mit entnehmen umschreiben. Die Möglichkeit besteht auch bereits jetzt zur Gefahrenabwehr. Die Landesumweltminister können einzelne Problemwölfe zum Abschuss freigeben. Allerdings muss es sich dabei um eine konkrete Gefahr und nicht um ein paar Hirngespinste von Agoraphobikern oder Menschen mit Wolfshalluzinationen handeln.

In Deutschland gibt es laut Wolfsbeobachtungsstelle des Bundes (DBBW) wieder ungefähr 73 bestätigte Rudel. Angriffe auf Menschen hat es bislang keine gegeben und es ist auch nicht ernsthaft zu erwarten, dass Wölfe auf die Idee kommen, Menschen anzufallen.

Wesentlich gefährlicher als Wölfe sind neben den Jägern zum Beispiel die Wildschweine, die sich als Gewinner des Klimawandels wie die Schweine vermehren und obwohl die Jäger pro Jahr etwa 500000 abschießen immer noch das Land überschwemmen. Da könnte die Wölfe eine willkommene Hilfe sein, wenn die Jäger sie nicht als Gegner , sondern als Partner ansehen würden. Deutschland hat nach entsprechenden Berechnungen von Forschern Platz für etwa 440 Rudel . Da ist noch reichlich Platz nach oben. Und Beute wie früher, also leckere Rotkäppchen, gibt es für sie eh nicht mehr. Während ich in meiner Kindheit noch angstfrei mit meinem Hund durch den Wald laufen und dort auch spielen durfte, gibt es heute kaum noch Eltern, die die Gelassenheit der Eltern meiner Generation aufbringen. Da werden die Kinder schon mit dem Allradfahrzeug in die Schule gebracht, aber alleine in der Natur zu spielen und aufzuwachsen, ist heute den wenigsten Kindern vergönnt. Und das hat nichts mit dem Wolf zu tun, sondern mit dem Menschen, der sich immer weiter von der Natur entfernt und dem sie letztlich – wie man am Beispiel der Wölfe sieht – auch zunehmend gleichgültig geworden ist.

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23 comments
clemenshaas

Die Kolumne hätte nie bei facebook veröffentlich werden dürfen! Das steht „Neger“ drin!

Jan Eustergerling

Nun sind Wölfe eigentlich nicht auf Wildschweine aus. Zu wehrhaft. Maximal Frischlinge, aber die sind in der Regel gut behütet. Und Jäger sind auch nicht automatisch nur „aufs Abknallen aus“. Das ist mir etwas zu grobgeschnitzt.
Wölfe reissen in Deutschland vor allen Schafe und kleinere Tiere. Kaninchen, Hasen etc.
Wichtig ist einfach zu unterscheiden zwischen der Realität (Wolfsrudel oder Einzeltiere in einem sehr engen Kulturraum, der im Grunde nicht genug Platz für eine problemlose Koexistenz bietet) und der mythischen, Literarischen Überhöhung und Behandlung des Wolfes.
Bleiben wir am besten gelassen, stützen wir uns auf Wissen und machen wir den Wolf nicht zu einem Symbol.
Denn der Wolf ist weniger bedroht als die Uferschnepfe, das Birkhuhn oder die Sumpfohreule. Und die sind auch Natur.

    margot Drinkmann

    da muss ich Ihnen Recht geben. Durch den Wolf und die damit zusammenhängende Veränderung der Natur, verlieren viele Pflanzen , Vögel, und Insekten die lebensnotwendigen Baum und Gebüsch freien Lebensräume. Man kann den Wolf eher einen Vernichter nennen, als einen Helfer der Natur

    Gunnar Schell

    Nicht einmal 1 % der Nahrung des Wolfes besteht in Deutschland aus Schafen und anderen Nutztieren, auch Hasen und Nager sind weit unter 5 %. In erster Linie frisst er Rehe (52 %) und danach kommen gleich die Wildschweine mit über 20 % und das sind nicht nur Frischlinge, sondern auch alte und kranke Tiere. Daher hat er zum Beispiel in Osteuropa auch positiven Einfluss auf die Eindämmung der afrikanischen Schweinepest.

Olli

Wer den Wolfsphobikern eine erhöhte Kreislaufaktivität bescheren will, der besuche sie in Begleitung eines Marxdorfer Wolfshundes…

Caro

Der Wolf ist von unseren Vorfahren aus gutem Grund bejagt worden. Die haben das nicht aus Langeweile gemacht. Die alten Heimatbücher sind voll von Angriffen auf Menschen! Der Mensch besteht nunmal aus dem, was Wölfe im Allgemeinen fressen: Fleisch!!! WARUM sollten Wölfe nicht auch Menschen angreifen??? Können wir wirklich ruhigen Gewissens sagen, daß von den Wölfen keine Gefahr ausgeht??? NEIN! Wir leben hier in einem dicht besiedelten Kulturland und wir haben bisher keinerlei Erfahrungen vorzuweisen, daß Wölfe wirklich harmlos sind und nur spielen wollen…..!! Den Friedhofsgärtner nun hinzustellen, als sage er die Unwahrheit, halte ich für sehr ungezogen!!! Die Zeit wird uns zeigen, daß ein Zusammenleben mit Wölfen in diesem Land nicht funktioniert!! Wir sollten uns beizeiten auch mal überlegen, ob wir hier ein großes Naturschutzgebiet, ein riesiges Flüchtlingslager oder eine Industrienation sein wollen!!!

Jelle van Oostrum

Komplimente Herr Schmitz,
(verzei mir bitte mein slechtes deutch, ist schon mher als 30 jahre her das ich die deutsche sprache in der schule gelernt habe).

Das ist das beste Artikel, das ich bis jetzt gegen/über die Wölvenhetze, der zurzeit rumgeht, gelezen habe.

Ich hoffe von Herzen, das irhen Collumn menschen zum nachdenken, statt schreien ohne zu wissen wass die schreinen, bewegt.

Freundliche Grüssen
Jelle van Oostrum (Pro Wolf + PRO NATUR)

    Rainer Seifert

    Gibt es in den Niederlanden auch schon Wolfsrudel oder sind die erstmal vorsichtig und warten ab? Vielleicht fehlen ja auch die großen, zusammenhängenden Waldgebiete.

Heinrich Schmitz

Der Wolf frisst mehr Wildschweine als Schafe.

lilie58

Und so wie der Biodeutsche fürchtet, der Neger nehme ihm wegen seiner wilden Sexualität die blonde Maid weg,* – Bemerkung überflüssig! So etwas kann man dann nicht mehr ernst nehmen. Wer wird zuerst gefressen? Die Klientel der links und global denkenden Wölfe ohne und mit Kultur? Also die hiesige Uferschnepfe, das hiesige Birkhuhn oder die hieisige Sumpfohreule, sie alle werden aus ihrem ohnehin kleinen Habitat vertrieben bzw. die bleiben und überleben, die werden sich in einer Sardinendose einrichten müssen, hart und böse wird der Überlebenskampf.

Ralph

„Entnehmen“ klingt mir zu profan. „Lethal vergrämen“ hört sich viel schlauer an und noch weniger Leute begreifen, worum es geht. Was in diesem Fall ja auch beabsichtigt ist

Grauer Wolf

Lieber Heinrich Schmitz, toller Tatsachenbericht. Jetzt kommt’s aber für die Landwirte knüppeldick. Wolfsrudel managen Krankheitsausbrüche
„Slowakische Wölfe reinigen ihre Territorien von der afrikanischen Schweinepest“. Der totale Erklärungsnotstand im Landwirtschaftsministerium… Eine friedliche Adventszeit wünsche ich allen aufmerksamen Mitbürgern. https://wilderness-society.org/wolfpacks-manage-disease-outbreaks/

caruso canary

Da wäre es ratsam gewesen, der „Herr Rechtsanwalt“ wäre seinem Metier treu geblieben. Da wirken seine Anmerkungen wenigstens noch halbwegs sachgerecht.

Hermann Piechotka

Es ist dem Populismus der herrschenden sogenannten Altparteien zu verdanken, das der Wolf mal wieder als Schreckgespenst her halten muß. Statt der oft zweifelhaften Figuren, die teilweise schon nach drei Wochen den Jagdschein machen dürfen. Die man erst unter Einschaltung der unteren Jagdbehörden in ihre Schranken verweisen muß. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Ist doch die Geselschaftsjagd bei Bonzen und Politikern höchst beliebt, Uferschnepfe, Birkhun…………? die Liste läßt sich beliebig fortsetzen. Wer ist Schuld am Verschwinden vieler Arten der Wolf, vielleicht die anderen großen und kleinen Prädatoren die auf mehr oder weniger grausige Weise gejagd , bekämpft werden. Mal an die eigene Nase fassen. Der Wolf jagd vor allem Hasen u. Kaninchen? Aus welchem Witzbuch ist das?

    Rainer Seifert

    Auch hier ähnelt unser Staat also der totgeglaubten DDR. Wenn Mielke und Genossen mal gerade nicht auf Menschenjagd waren, weil die Stai Spitzel Lieferschwierigkeiten hatten, dann ging es ab ins Grüne.

Rainer Seifert

Die Zukunft unserer einheimischen Wolfsrudel erfüllt mich mit schwerer Sorge.

Schon jetzt hat sich in Ostbayern, dem Land der Luxe, der Rotwildbestand laut Mittelbayerischer Zeitung drastisch verringert. Wie mir ein Jäger sagte, reißt ein Lux jede Woche ein Reh.
Da kann man nur hoffen, dass für die Konkurrenz noch genug übrig bleibt.

Aber wo würde denn für diese armen Wölfe noch Platz sein, wenn die im 2. UN Pakt in Deutschland für möglich gehaltene Einwohnerzahl von 278 Millionen Menschen Wirklichkeit wird?

Oder ist das etwa eine Zahl, die sich nur total weltfremde Schreibtischspinner ausdenken können? Immerhin könnte somit Gesamteuropa durchaus die in den nächsten Jahrzehnten drohende zusätzliche Verdoppelung der Einwohnerzahl Afrikas auffangen. Für die übernächste Generation kämen dann auch noch die Weiten Sibiriens in Frage.

Sollte eine fast landesweite Bebauung Deutschlands im Hongkong Stil tatsächlich die Sympathien unserer Grüninnen treffen?

Arme Wölfe. Dann sehen wir die also auch weiterhin nur in Tierparks und Zoos.

    Heinrich Schmitz

    Zuviel Rotwild schadet dem Wald.

      Rainer Seifert

      Das ist weitestgehend bekannt. Zumindest in ländlichen Gebieten – mag in Großstädten mitunter anders sein. Deshalb wurde ja auch „abgeknallt“.

      Aber was dann, wenn kaum noch welches übrig bleibt? Vom Frust der Jagdgenossen mal ganz abgesehen.

      Was frisst die scheue Familie Lux dann und was bleibt für die „Herrscher der Wälder“? Zumindest wohl der Menschen Nähe.

      Es ist ja schon ziemlich frustrierend, dass anscheinend alle früher gelesenen grauseligen Geschichten am Lagerfeuer und im Tiefschnee über Wölfe im Wilden Westen erstunken und erlogen zu sein scheinen.

      Nur, warum wurde empfohlen, sich bei Begegnungen mit einem Wolfrudel groß zu machen und mit nach oben ausgestreckten Armen zu brüllen? Leider weiß ich nicht mehr, von woher die Empfehlung kam.

    Dirk Scheidemann

    Die Aussage, ein Luchs reiße jede Woche ein Reh, ist Jägerlatein. Aber gehen wir spaßeshalber mal davon aus es sei so: Der Nahrungsbedarf eines erwachsenen Luchses liegt pro Woche bei ca. 8 kg. Erwachsene Rehe wiegen zwischen 10 und 35 kg, da der Luchs auch mal ein Kitz nimmt und um die Rechnung zu vereinfachen nehmen wir ein mittleres Gewicht von 16 kg an. Dann wäre das ein halbes Reh pro Woche. Nun ist das Gebiet das ein Luchs für sich beansprucht sehr groß, mindestens 10.000 Hektar (entspricht 100 km²). Das bedeutet, unser – sich aussschließlich von Rehen ernährender – Luchs würde im Jahr 26 Rehe auf einer Fläche von 10.000 ha fressen. Das sind 0,26 Rehe pro 100 ha. Berücksichtigt man weiterhin, dass der Bestand an Rehen häufig zwischen 20 und 40 pro 100 ha liegt und der Luchs in Wahrheit eben nicht nur von Rehen lebt, dürfte der Einfluss dieses Beutegreifers auf die Populationsdichte von Rehen in den allermeisten Revieren eher marginal sein.