Dampf ablassen

Am 26.10.1977 fuhr die letzte Dampflok in Deutschland im regulären Einsatz. Wann wird der letzte Verbennngsmotor laufen?


Der Lärm ist ohrenbetäubend. Im wahrsten Sinne des Wortes. Passagiere und Passanten stumpfen nach einer Weile ab. Wie laut ihr Transportmittel ist, merken die meisten erst, wenn sie an einen Ort echter Ruhe kommen. Dann fühlen sie, wie sehr der hohe Lärmpegel sie belastet.

Die Abgase verpesten die Umwelt und den Dreck der aus dem Auspuff kommt, würden Sie niemanden in den Atemwegen wünschen. Erst recht nicht dem dreijährigen Kind dass keine zwei Meter entfernt steht, während das Fahrzeug vorbeirauscht.

Darüber hinaus ist der Motor lächerlich ineffizient. Was ist so großartig an einer Maschine, die praktisch die gesamte, im Brennstoff enthaltene Energie ungenutzt verpuffen lässt? Wer verteidigt so etwas, wenn es deutlich effizientere Fortbewegungsmöglichkeiten gibt? Die Zukunft ist elektrisch: Sauber, leiser, extrem effizient. Mehr als 90% der Leistung wird in Bewegung umgesetzt.

Time to say goodbye

All das lässt nur einen Schluss zu. Es ist Zeit Abschied zu nehmen.

Am 26. Oktober 1977 fuhr sie zum letzten Mal: Die Dampflokomotive. Eine Lok beförderte, gemeinsam mit einer Diesellok, einen Güterzug vom Emdener Hafen in den Rangierbahnhof Emden. Etwa zeitgleich fuhr die Dampflok Nummer 043 903-4 einen „Hilfszugwagen“ von Oldersum nach Emden. So banal endeten 140 Jahre Verkehrsgeschichte.

132 Jahre ist es jetzt her, dass der erste Verbrennungsmotor genutzt wurde, um ein Fahrzeug anzutreiben. Der PKW war erfunden. Der riesige Erfolg des Verbrenners war auch deshalb möglich, weil der Staat mit massiven Investitionen half. Ein Fünftel unserer Städte ist heute mit Parkplätzen zugepflastert, tausende Kilometer Autobahnen wurden gebaut und vom Steuerzahler bezahlt, nicht von den Autoherstellern. Das war auch richtig, denn der gesellschaftliche Nutzen der privaten PKW war immens.

Ganze Generationen von Ingenieuren tüftelten am Verbrennungsmotor herum und erfanden immer weitere Verbesserungen. Moderne Motoren nutzen etwa 30-40 Prozent der im Brennstoff gespeicherten Energie. Die Dampflok nutzte im besten Fall nur 10 Prozent. Darum musste sie weichen. Und zwar auf fast allen Strecken dem Elektromotor.

Denn dieser nutzt zwischen 90 und 95 Prozent der gespeicherten Energie. Durch Rekuperation gewinnt er darüber hinaus Energie zurück, wenn das Fahrzeug bremst. Der extremste Fall ist ein Fahrzeug, das mehr Energie generiert als es verbraucht.

Dampf ablassen

Ich wundere mich oft, wie ideologisch die Debatte um Elektroauto versus Verbrennungsmotor geführt wird. Die Meinungen stehen meist schon im Vorfeld fest, alle Argumente die das eigene Weltbild untergraben, werden ignoriert. Wenn das nicht möglich ist, greift man zum schäbigsten Mittel und hinterfragt die Motivation der Quelle. Rufmord aus einem einzigen Grund: „Deine Daten widersprechen meinem Weltbild.“

Vielleicht geht es auch eine Nummer kleiner. Sollten wir nicht fragen: Was erwarten wir von einem modernem Fortbewegungsmittel?

Es sollte sicher sein. Es sollte bequem sein. Es sollte effizient sein. Wir erwarten auch dass es unsere Umwelt nicht belastet. Und selbst wenn uns die Natur egal ist, wollen wir kleine Kinder vor giftigen Abgasen schützen. Knien sie sich an den Rand einer vielbefahrenen Straße, damit sie auf der Höhe von Kinderköpfen den Verkehr erleben, dann verstehen Sie was ich meine. Darüber hinaus sollte ein Auto möglichst leise sein, damit es die Lebensqualität der Anwohner nicht beeinträchtigt. Wer erinnert sich noch an diesen Witz aus den 80ern?

„Frau Schmitz, sie leben seit 20 Jahren an der Autobahn. Irgendwelche Schäden?“

Frau Schmitz wirft den Kopf von links nach rechts und wieder zurück: „Neiiiiiiiin. Neiiiiiiiin. Neiiiiiiiin.“

Anstatt ideologisch die eine oder andere Technik zu verteidigen, sollten wir fragen: „Was bietet dem einzelnen Menschen den größten Nutzen?“ Und dann anhand des Vergleichs entscheiden.

Vergleichen

Fangen wir mit der Lärmbelastung an. PKW mit Verbrennungsmotoren erzeugen Abrollgeräusche, Fahrtwind und Motorenlärm. Ein Elektroauto nur Abrollgeräusche und Fahrtwind. Das Elektroauto ist leiser.

Ein Elektroauto erzeugt keine Abgase die von Kindern eingeatmet werden. Ein Verbrennungsmotor dagegen schon. Das Elektroauto bietet saubere Luft.

Sowohl traditionelle PKW als auch Elektroautos erzeugen Umweltbelastung in der Herstellung. Der Unterschied: Das Elektroauto in sich selbst, erzeugt keine weiteren Umweltschäden sobald es produziert ist. Der Verbrennungsmotor stößt dagegen immer weiter Abgase aus. Was oft vergessen wird: Das Benzin „materialisiert“ sich nicht aus dem Nichts in der Tankstelle. Es wird als Rohöl aus der Erde gezogen, chemisch aufwändig aufbereitet, per Tanker und Pipeline über tausende Kilometer transportiert und dann auf den letzten Kilometern vom Tankwagen verteilt.

Das Elektroauto bezieht seine Kraft aus dem bereits bestehenden Stromnetz. Dieses Netz würde es auch ohne Elektroauto geben. Jetzt kommt oft der Einwand: „Aber der Strom wird doch aus Kohle erzeugt.“

Dazu gibt es zwei Dinge zu sagen:

1. Stimmt das nicht. Etwa 50% unseres Stroms wird aus abgasfreien Mitteln erzeugt: Wasserkraft, Wind, Sonne, Erdwärme, Biogas – und Atomstrom.

2. Der wesentliche Punkt ist aber ein anderer: Ein Elektroauto ist offen für jede Stromquelle. Es muss nicht mit Kohle aufgeladen werden. Es kann genauso gut Sonnenstrom oder Strom aus Windkraft „tanken“. Versuchen Sie mal beim Verbrennungsmotor den Kraftstoff auszutauschen. Einfach mal Wasser in den Tank schütten und sehen was passiert… Das Elektroauto ist flexibel in seiner „Kraftstoff“-Quelle.

Effizienz

Wie effizient sind die verschiedenen Antriebsarten? Moderne Verbrennungsmotoren wandeln 30-40 Prozent der Energie in Leistung um. Elektromotoren 90-95%. Elektrofahrzeuge sind die effizientesten Fortbewegungsmittel die es gibt.

Menschen wollen bequem reisen. Viel Aufwand wird von den Autoherstellern betrieben, um das zu ermöglichen. Trotzdem sind auch in einem modernen PKW bestimmte Lärmquellen nicht auszuschließen. Spätestens auf der Autobahn wird der Motor laut. Die Mittelkonsole zieht sich durch das gesamte Fahrzeug, weil darunter der Antriebsstrang sitzt.

Das war für mich das erste „Aha“ Erlebnis als ich mich in einen BMW i3 gesetzt habe: Keine Mittelkonsole. So viel freier Raum! Weil beim Elektroauto die Motoren winzig sind und die Batterien im Fußboden stecken, gibt es im Innenraum deutlich mehr Platz. Die leise Fahrt ermöglicht auch auf der Autobahn noch Gespräche ohne sich anzuschreien. Selbst bei einem Kleinwagen. Zugegeben: Bequemlichkeit ist immer subjektiv. Für mich ist das Elektroauto der klare Gewinner. Vielleicht vergleichen Sie einfach mal selbst, was für sie angenehmer ist.

Sicherheit

Bleibt noch die Sicherheit. Bisher war es „state of the art“ mit etlichen Litern hochbrennbarer Flüssigkeit mit hoher Geschwindigkeit über die Autobahn zu rasen, während weniger als einen halben Meter vor dem Fahrer tausende winziger Explosionen stattfanden.

Bei einem Elektromotor gibt es keinen Verbrennungsmotor der bei einem Unfall in die Fahrerkabine gedrückt werden kann. Das erhöht die Sicherheit ungemein. Nicht ohne Grund hat Tesla bereits 2013 etwas Außergewöhnliches erreicht: Das Tesla Model S erreichte die beste Sicherheitsbewertung die jemals bei einem PKW gemessen wurde.

Bei der Sicherheit kann ein Verbrennungsmotor nicht mit einem Elektroauto mithalten.

Sicherheit, Bequemlichkeit, Effizienz, Auswirkungen auf die Umwelt, Gesundheitsschäden und Lärmbelastung für Anwohner. Überall ist das Elektroauto klarer Sieger.

Deswegen müssen Sie nicht losrennen und ein Elektroauto kaufen. Aber es erzwingt zumindest eins: Die Einsicht dass es vielleicht nicht rationale, sondern emotionale Gründe sind, aus denen jemand sich gegen Elektroautos wehrt.

Arbeitsplätze

Das erklärt auch Argumente wie: „Daran hängen Millionen Arbeitsplätze.“ Sind wir abhängig vom Verbrennungsmotor? Abhängigkeit führt über kurz oder lang immer zu wirtschaftlichem Ruin.
Wenn eine Technologie so klar überlegen ist, wie das Elektroauto – was rettet dann die Arbeitsplätze der deutschen Autoindustrie? Verweigerungshaltung, während der Rest der Welt an uns vorbeizieht? Oder massive Investitionen, um möglichst rasch Marktführer bei Elektroautos zu werden?

Das bringt mich zu meinem eigentlichen Anliegen, dem Punkt an dem wir uns sicher einig sind: Wir alle wollen das unsere Kinder in einem wohlhabenden Land aufwachsen und alle Chancen wahrnehmen können.

Wir stehen schon heute im Wettbewerb mit China. Dort werden jedes Jahr 20 Millionen Autos verkauft. Sieben Mal mehr als in Deutschland. Doch unsere Kinder konkurrieren mit Indern. Heute kommen diese Inder zu uns, morgen wird ihre Heimat eine wirtschaftliche Supermacht sein. Über eine Milliarde junger Menschen die in die weltweite Mittelschicht aufstreben.

Und die – wie China – voll auf das Elektroauto setzen. Wir können diejenigen sein, welche diese Autos verkaufen. Oder wir schauen zu, wie uns Tata, Tesla und BYD die Arbeitsplätze wegnehmen.

Messen wir unsere Entscheidungen nicht an der Nostalgie beim Anblick einer alten Dampflok, sondern an der stufenlosen Beschleunigung die uns im Elektroauto in die Zukunft katapultiert.

 

chris pyak

chris pyak

Chris Pyak ist Geschäftsführer der Immigrant Spirit GmbH. Der Kommunikationsexperte berät Unternehmen bei der Anwerbung und Integration internationaler Fachkräfte. Als Journalist hat Chris in fünf verschiedenen Ländern gearbeitet und Teams in vier verschiedenen Kulturen geleitet. Chris Pyak ist verheiratet und lebt in Düsseldorf.

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