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Der Sexist und die Teheraner Frauenfreunde – Kolumne zur Kündigung des Atomdeals

Mal wieder eine politische Kolumne von Ulf Kubanke, Nahost-Kenner und ehemals Mitglied der Deutsch-Israelischen Juristenvereinigung. Hier seine Sicht auf die Kündigung des Atomdeals mit dem Iran.

Der Trick bei der Beurteilung der Frage, Atomdeal kündigen ja oder nein, besteht darin, sie ohne Abneigung gegen Trump oder Bibi allein sachlich zu beurteilen.

Zwei Argumente werden meist pro Iran-Deal herangezogen, die erst einmal gut klingen. Zum einen sei deren Streben nach der A-Bombe vorerst „eingehegt“; zum anderen begegne man der Gefahr eines atomaren Wettrüstens in Nahost. Beide Thesen halten näherer Begutachtung nicht stand.

Atomdeal kündigen: ja oder nein?

„Eingehegt“ ist dort mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts, jedenfalls nicht die Gefahr eines atomar im Verborgenen forschenden Iran. Der Iran bzw. sein faschistisches Regime sieht sich zwei großen Missionen verpflichtet. Erstens der schiitischen/iranischen Vorherrschaft in der Region. Zweitens der Vernichtung Israels.

Wir erleben nach dem Atomabkommen einen zutiefst unzuverlässigen Nichtpartner, der die gesamte Region destabilisiert mit seinem Eingreifen in Libanon, Irak, Syrien und Jemen. Das klappt nur, weil das Regime durch seine in Teilen wiedererlangte finanzielle Handlungsfähigkeit sowohl verdeckt als auch offen militärisch und politisch operieren kann.

Wenn wir jetzt noch das Element der Taqiya in Betracht ziehen – eine Art schiitisches Äquivalent zu „Tarnen, Täuschen, Tricksen gegen Ungläubige“ – stellt sich mit Recht die Frage: Wie kann sich die Weltgemeinschaft ohne Not einer solchen Gefahr aussetzen, nachdem der Iran durch die schweren Sanktionen vor Jahren weit weniger handlungsfähig und damit deutlich ungefährlicher war?

Wie plausibel ist es, einem Regime hier Tür und Tor zu öffnen im Streben nach dem Atom, das allen Ernstes „Gott“ als obersten Souverän in der Verfassung zu stehen hat, vertreten durch den revolutionären Mullah-Rat & nicht durch etwa das Volk?

Atomenergie „verdienen“?

Weil dort in Nahost tatsächlich eine Gesellschaft existiert, die mit Tel Aviver Thinktanks, Cultural Life, Sexual Free Life und Gewaltenteilung operiert, statt mit juristisch festgeschriebener Entrechtung der Frauen, Steinigung, Folter, Verstümmelung und klerikalfaschistischem Totalitarismus, steht ebenso die moralische Frage im Raum, ob es ethisch überhaupt vertretbar sein kann, ausgerechnet das letztgenannte Grauen mit ziviler Atomenergie zu belohnen. Das könnte man ja auch als Schlag ins Gesicht der Opfer des Regimes betrachten, nicht wahr?

Vielleicht hat man(n) Atomenergie ja erst dann verdient, wenn man(n) nicht bräsig zuschaut, sobald Vergewaltigungsopfer als „unislamische Kreatur“ wegen „Sex außerhalb der Ehe“ in Folterkellern verschwinden, weil die Aussage des männlichen Täters vor Gericht doppelt wiegt? Erst dann, wenn man eben nicht arschig zur Religionspolizei geht oder dort Richter/Staatsanwalt bzw. sonstwelche Systemstütze wird, sondern als solidarisches Volk diese Stalking Imams zu jenem Teufel jagt, den sie in Israel oder den USA erblicken?

Fazit

Insofern gibt es gar nichts zu verlieren. Ein nukleares Wettrüsten kann sich ein sanktionierter Iran nicht leisten. Die Nachbarn auch nicht. Israels militärische Möglichkeiten sind ohnehin High End und müssen es auch bleiben, wenn man die zahlenmäßige Überlegenheit der anliegenden Antisemitensysteme betrachtet.

Und in Zeiten, in denen sogar das ebenfalls unappetitliche Haus Saud (wenn auch nicht aus moralischen Gründen) seine anti-israelische Haltung relativiert und mit den Haschemiten plus Ägypten eine rationale Achse der Realo-Außenpolitik winkt, kann ich den Irandeal erst recht nur als großen historischen Fehler und Irrweg bezeichnen, weil er völlig unnötig ist. Und gerade keinerlei wünschenswerte Stabilität bringt außer Privilegien für den Aggressor.

Und Deutschland?

Das Interessante ist, dass große Teile – nicht nur die BDS-Gestalten etc – das Gefühl haben, hier bzw. allgemein auf der Seite der Underdogs, der Opfer, des Fairplay zu sein. Genau diese drei Begriffe hört man gehäuft in Diskussionen. Dieser fehlgeleitete Impuls führt zur nahezu dauernden Entschuldigung aller möglicher Gräuel, die dann als „kulturelle Eigenart“ angesehen werden. Opponiert man gegen diese Haltung, ist man dann der Rassist, der wohl imperialistisch denke. Nein! Denn in Wahrheit sind es jene, die der eigentlich einzig freien, friedlichen und der gesamten zivilisierten Welt in Wissenschaft und Partnerschaft helfenden Gesellschaft zugunsten ismlamofaschistischen Grauens in den Hintern treten. Und das nach dem Holocaust. Echt jetzt? Fukk off!

Insofern habe ich hierzulande immer das Gefühl, dass der innere Moralkompass bei vielen komplett fehljustiert ist. Man will das Ethische unterstützen und schafft es nie, weil man falsche Prämissen hat. Das gilt natürlich nicht für alle. Man kann kein Volk stereotyp zur homogene Masse degradieren. Aber all zu weit verbreitet ist das Symptom leider.

PPS: Welch Ironie unserer Tage, dass ausgerechnet ein destruktiver Sexist als einziger  den Teheraner Frauenfreunden in den Arm fällt.
++++

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22 comments
Hank

Gut gesprochen. Ich glaube nur nicht, dass Dicke-Eier-Trump und seine Saudi-Kumpels es auch nur einen Deut besser meinen. Dass in SA gerade so ein Hauch von einem Hauch von Liberalisierung zu spüren ist, ist noch nicht wirklich ein Indiz für eine Kehrtwende hin zur Menschlichkeit. Dass man jetzt abwägen muss, ob so ein Atomdeal langfristig aufgrund von wachsender wirtschaftlicher Verflechtung irgendwann auch ein paar demokratischere oder rechtsstaatlichere Umgangsformen hervorruft, während das Regime unter diesem Mantel weiter solange zündelt, bis es knallt – oder ob die harte Tour den Iran enger in die Schranken weist und die Mullahs lieber heute als morgen so eine Art Verzweiflungsschlag gegen Israel oder sonstwen führen werden, das ist ein bisschen wie die Sache mit Teufel und Beelzebub.
Jedenfalls scheint man auf allen Seiten gerade sehr erfreut darüber zu sein, die neuen Flugzeuge und Luftabwehrwaffen ohne schlechtes Gewissen ausprobieren zu dürfen.

Koppold

Bisschen elaborierterJargon- inhaltlich
BILD-Niveau und letztendlich Kriegstreiberei

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    Ulf Kubanke

    ich bedanke mich für die seriöse und ernstnehmbare, sehr inhaltliche entgegnung. chappeau.

    gern gebe ich zurück: was stimmt daran nicht?
    irans entrechtung von frauen und homosexuellen per gesetz?
    irans einmischung gen irak, syrien, libanon etc?
    irans finanzierung von horrortruppen a la hisbollah?
    irans ständiges zündeln an israels legitimen sicherheitsinteressen?

    aber der kriegstreiber heißt nicht ali chamenei sondern kubanke?

    dicht am thema, wertester, dicht am thema.

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    Rainer Seifert

    Meine Güte, Herr Franz Koppold. Nun habe ich extra eine andere Seite mit anderen Themen aufgeschlagen, und schon treffe ich auch hier wieder auf Sie, tsss.

    Dass in etlichen arabischen Ländern und Kulturen ein gewisses Klima des Mittelalters herrscht, haben Sie tatsächlich auch noch nicht mitgekriegt? Vielleicht verbringen Sie mal fürs erste einen schönen Urlaub in Ost Anatolien, oder versuchen Sie nur, ein von dort nach Deutschland zwangsverheiratetes Mädchen zu sprechen.

    Hierbei wären gewisse Türkischkenntnisse von Vorteil denn viele der armen Wesen können kaum Deutsch. Noch weitaus schlimmer sind allerdings die dran, welche von Europa nach dorthin zwangsverheiratet werden. Hier kann man wenigstens noch weglaufen und hat die Chance, unterzutauchen. Dort endet die Tragödie bedauerlicherweise oft mit Ehrenmord. So wie leider mitunter auch in Mitteleuropa.

    Schon mal was von dieser furchtbaren Angelegenheit gehört? Und das alles importieren wir gerade vieltausendfach. Ob sie es nun glauben oder nicht. Ein Blick in regionale Zeitungen klärt mitunter mehr auf, als Berichte in ARD und ZDF.

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Klausi

Huch, ein nicht ausschließlich Trump verdammender, die Atrotizitäten des real existierenden Islam verniedlichender Beitrag? Das muss durchgerutscht sein. Herr Schmitz, Herr Brosche, intervenieren Sie!

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Otto56

Aus Sicht der westlichen Welt (und auch aus meiner) sind die iranischen Schiiten Despoten, frauenfeindlich und totalitär. Aus Sicht des islamischen Iran sind die westliche Welt (und damit auch ich) ungläubig, sexistisch und entartet. So ist die Welt. Trotzdem müssen beide Seiten miteinander reden oder am Ende steht ein atomarer Krieg. Wir sollten aufhören unsere Demokratie und damit unsere Vorstellungen über die Menschenrechte in alle Länder der Welt als einzig wahr exportieren zu wollen, wie ich verlange, dass der Islam aufhört seine Glaubensgesetze auf mich überzustülpen. Geben wir jedem Volk Zeit und Raum den richtigen Weg zu finden, helfen wir dabei, wenn es gewünscht ist und passen wir auf, dass es nicht zu Lasten oder auf Kosten anderer Völker geschieht. Oder kurz gesagt: Verteidigung unserer Werte ja, Krieg nein!
In dieser Hinsicht war und ist der Atom-Deal mit dem Iran zur richtigen Zeit eine richtige Antwort.
Ich glaube nicht, dass sich Barack Obama, Francois Hollande, David Cameron und Angela Merkel geirrt haben als sie das Abkommen auf den Weg brachten. Und auch Emmanuel Macron oder Theresa May sind Realpolitiker genug, um abzuwägen, was der Welt nutzt oder eben auch nicht. Es ist schon erstaunlich, dass nur Donald Trump, ein bisschen Benjamin Netanjahu und natürlich Ulf Kubanke die Welt verstehen. Ich stimme lieber Obama zu, wenn er sagt, ohne das Atomabkommen könnten die Vereinigten Staaten (und die ganze westliche Welt) vor die negative Entscheidung gestellt werden, ob sie einen atomar aufgerüsteten Iran akzeptieren wollen oder einen weiteren Krieg im Nahen Osten.

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    Ulf Kubanke

    „Wir sollten aufhören unsere Demokratie und damit unsere Vorstellungen über die Menschenrechte in alle Länder der Welt als einzig wahr exportieren zu wollen“

    nun sind die menschenrecht ja nicht irgendein westlicher tüdelkram, sondern in nord, süd, ost und west verbrieft.

    auch sonst widerspreche ich diesem satz, obwohl ich sehr ehrenvollen, empathischen grundwillen des kommentars durchaus sehe und nachvollziehe.

    der punkt ist jedoch: es geht nicht um „exportieren“ oder „dem deutschen wesen zum genesen“ etc. es geht darum, dass dortige jetzige generationen von schwulen, frauen, apostatikern etc entrechtet und getötet werden. für nichts. nun hat man die wahl, sich ethisch eher auf deren seite zu stellen – denn die haben nur ein leben und nicht 100 jahre zeit – oder sich täterprivilefgierend zu verhaslten.

    und solidarität mit den opfern zu zeigen, ist eben nicht ein arroganter export, sondern der einzige nichtarrogante export statt der geschäftemacherei mit den blutmullahs.

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      Franz Koppold

      machen wir lieber Geschäfte mit den Saudis, die verehren die Schwulen, befreien gerade den Jemen, lassen der Frauen jetzt sogar Autofahren und helfen in Syrien den Kopfabschneidern, den Assad loszuwerden.
      Aber gegen Israel haben sie seit neuestem keine Vorbehalte mehr.
      Deshalb ist es gut und richtig, ihnen Recht viele gute deutsche Waffen zu verkaufen, die können sie dann auch einsetzten, wenn es endlich gegen die teuflischen Mullahs losgeht, die nicht nur Ideen bedrohen, sondern die ganze Welt..
      Merken Sie was? Ach, geh..

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        Ulf Kubanke

        unnötig sarkastischer einwand. der ist zwar berechtigt. aber nicht bei meiner adresse. die saudis bekommen und bekamen von mir ihr fett genau o ab wie der iran. allein schon der schlimmen unterwanderung in elfenbeinküste, marrolo oder tunesien, wo sie versuchen, subversiv den wahabismus zu verankern.

        both crap, keine frage. aber momentan sind es die iraner mullahs, die in 4 hauptstädten negativ wirkend präsent sind und israel bedrohen. das hat für Sie aber anscheinen keine priorität. sonst hätten Sie mich nicht konkludent als kriegstreiber bezeichnet und würden hier solidarischer zu tel aviv klingen.

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Koppold

Da wird halt wieder mal ein regime change
gefordert, weil da ein, wie Sie meinen, faschistisches System aus moralischen Gründen gestürzt werden muss. Verträge, die man eingegangen ist, stören dabei nur.
Wie sowas ausgeht, sehen wir in Libyen, sehen wir im Irak, sehen wir in Syrien.
Überlassen wir es den Iranern, sich von ihren Despoten zu befreien.

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Franz Koppold

soll heißen, die nicht nur Israel, sondern
die ganze Welt bedrohen.

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Franz Koppold

Iran wird keinen Krieg gegen Israel beginnen.Erstens hat Israel Atomwaffen und wenn es trotzdem eng wird, hilft der grosse Bruder.
So wie es im Moment aussieht, plant Israel
eher einen Präventivkrieg gegen den Iran.
Und da hört meine Solidarität mit Israel dann halt auf. Ich anerkenne natürlich das Existenzrecht auch das Selbstverteidigungsrecht Israels, das heißt aber nicht, dass ich mit dem notorischen Kriegstreiber Netanjahu solidarisch bin.

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Franz Koppold

es geht bei der ganzen Geschichte hier nicht um Moral, Menschenrechte oder Demokratie, sondern um Geopolitik.
Saudi Arabien, die USA und Israel wollen den Einfluss Irans zurückdrängen oder am besten ganz eleminieren.
Der Bruch des Atomabkommens lässt einen Krieg gegen den Iran wahrscheinlich werden. Man wird den Iranern unterstellen,weiter an der Bombe zu basteln, und dies dann mit Bomben verhindern. Ob die Iraner dann tatsächlich die Bombe bauen oder nicht, ist dann nebensächlich.Kontrollieren kann das dann niemand mehr, weil das Abkommen ja tot ist….

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Franz Koppold

und Leute wie Herrn Reichelt und Herrn Röpke kommt die Aufgabe zu, dem gemeinen Volk zu erklären, wie schrecklich die Herrschaft der Blutmullahs ist,und dass man unbedingt etwas unternehmen muss, dieses Scheckenregime zu beseitigen und wenn das nur durch Krieg geht, dann ist das eben so..
Leider geht ihr Kommentar in diese Richtung und deshalb sind Sie für mich eben ein Kriegstreiber.

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Jan Eustergerling

Das die liberale Bewegung im Iran dadurch gekillt wird – das stört natürlich nicht.
100% Netanjahu-Propaganda, der der weit größere Kriegstreiber als Rohani ist.
Diese Kolumne empfinde ich regelrecht als widerwärtig.
Keine Differenzierung, keine Kenntnis der iranischen Gesellschaft, die totale Überhöhung der israelischen Seite … grauenhaft. Ulf, du bist der wahre Herold des Krieges. Mich hast du verloren.

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Rainer Seifert

Herr Kubanke, eine Frage an Sie als früheres Mitglied der Deutsch Israelischen Juristenvereinigung. Können Sie mir bitte erklären, warum Herr Schuster, und nun wohl auch Frau Knobloch, sich dafür stark machen, dass Deutschland – aufgrund seiner Vergangenheit, wie es heißt – alle „Schutzsuchenden“, von denen die meisten als nicht gerade israelfreundliche Moslems bekannt sind, angeblich die Pflicht hat, aufzunehmen?

2016 hat sich doch wohl Frau Knobloch noch brieflich an den bayerischen Ministerpräsidenten gewandt, mit der Aufforderung, seiner patriotischen Pflicht nachzukommen, die Masseneinwanderung zu stoppen oder wenigstens zu begrenzen. So wurde es jedenfalls in der ARD berichtet.

Ich möchte keinem Menschen etwas unterstellen, aber wissen die beiden etwa wirklich nicht, dass es mittel- bis langfristig dann vorbei ist mit unserer abendländischen Kultur? Israel aber soll und wird weiter bestehen…

Und noch etwas anderes. Da der junge Herr Ofarim letztens bei Plasgen sagte, wie gemein er früher in der Schule beleidigt wurde. Das ist natürlich furchtbar, sollte aber nun bitte auch nicht als Judenhass in Deutschland oder ähnliches betrachtet und verallgenmeinert werden. Meine Eltern waren aus Schlesien. Als ich 1949 in die Schule kam, wurde ich auch wegen meines damaligen -zugegeben etwas komischen – Dialektes gehänselt, schwerst beleidigt und gemobbt (nur das Wort kannte noch keiner). Kinder und Jugendliche suchen sich fast immer ein vermeintlich schwaches Glied aus, soll heißen, jemand der etwas anders ist als sie, oder den sie für anders halten. Dafür lassen sie oft Verstand und Überlegung vermissen, wie man heute auch gut bei bestimmten Schreihäsen erkennt. .

Als ich seit Anfang der 60er Jahre im ÖD beschäftigt war, hatte ich zwei Kollegen jüdischer Abstammung. Einen älteren, der eine Rubrik über mir stand und einen Gleichaltrigen auf meiner Augenhöhe. Sie waren Kollegen wie alle anderen auch, nie wurde über das Dritte Reich diskutiert, und wirklich niemals habe ich auch nur ein böses Wort von anderen Kollegen, ja nicht mal eine Erwähnung dessen, gehört. Insofern konnte ich in meinem Umfeld weder damls noch heute etwas von Judenfeindlichkeit bemerken.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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    Ulf Kubanke

    lieber Herr Seifert,

    natürlich bin ich kein Hellseher, der sagen könnte, was in den Köpfen von Schuster/Knobloch etc vorgeht.

    Ein paar Zedanken zum Themahabe ich dennoch parat.

    Grundsätzlich isses klar;es gibt:

    1. Die rechtsradikalen Antisemiten
    2. Die gutbüütgerlichen bzw. linken Intellekto-Antijudaisten, die sich gern einen pseudoseriösen Anstrich geben a la BDS, während sie mit Doppelstandards, Brunnenvergifterthesen und Delegitimation arbeiten.
    3. Die Islamo-Variante; dort meist tatsächlich eher in bildungsfernen Segmenten massiv an zu treffen.

    a) Aus rechtlicher Sicht etwa kann ich sagen, dass nur deshalb die rechten Antijüdischen Straftaten im der Kriminalstatistik so dominant sind, weil etliche Übergriffe muslimischer Täter meist von selbigen als rein israelkritisch motiviert und freiheitskämpferisch verkauft werden. Im Ergebnis hat dies zur Folge, dass die Statistik diese Taten nicht in die Gruppe antisemitischer Delikte einsortiert, sondern per Motiv in die Gruppe „Politisch motivierte Straftaten“. Schon allein hierdurch entsteht ein verzerrtes Bild, welches die Dimension des Symptoms zu Unrecht relativiert bis marginalisiert.

    b) Hier in Deutschland haben wir es hier mithin mit einem Signal des „Seid vorbereitet, seid nicht blauäugig, wehret den Anfängen!“ zu tun, welches die bundesdeutsche Gesellschaft durchaus zur Kenntnis nehmen sollte, so ihr am sozialen Frieden gelegen ist. Die alltägliche Gefahr für Leib, Leben etc von sichtbaren Juden in diesem Land geht momentan (je nach Wohnort) nämlich nicht auschließlich in erster Linie nur von Gartenzaunnazis oder Springerstieflern aus. Man kann mal versuchen, mit Davidstern oder Kippa nach Einbruch der Nacht ungeschoren durch etliche Viertel manch deutscher Städte zu kommen. Das wird eng. Allerdings in vielen Gegenden nicht in erster Linie wegen Skinheads o.ä.. Wir erlebten es neulich.

    Wir erinnern uns zusätzlich, dass mittlerweile sogar ein deutsches Gericht den Angriff junger Araber auf eine Synagoge als eine Art legitimen Israelprotests wertete. Nehmen wir doch einmal dieses falscheste aller Signale und setzen es konkret in folgenden Zusammenhang mit Nahost.

    c) Egal ob man vor Assad oder IS flieht: Es ist kein Geheimnis – und der Recherche zugänglich -, dass Menschen, die etwa aus Syrien kommen, seit Jahrzehnten per medialer Assadclan-Propaganda und oft auch interfamiliär mit einem Judenbild aufwachsen, dass ausschließlich negative Stereotype transportiert und impft. Derartiges zieht sich bis ins Entertainment, etwa in Form von Telenovelas, in denen Juden oder Israelis ausschließlich als bösartige, herzkalte Menschenhasser dargestellt werden.
    d) Insofern ist es kein Wunder, dass diese hier ankommenden Menschen (und ja, ich bin persönlich absolut dafür, sie hier rein zu lassen und zu integrieren) selbst im Fall einer ansonsten aufgeschlossenen, weltoffenen Denkweise an speziell diesem Punkt all zu oft einfach „rot sehen“, weil der Hass auf Juden/Israel durch manipulativ erfahrene Fehlprägung reflexartig in zu vielen von ihnen aufsteigt. Dieses Problem ist im Bereich Syrien leider extrem ausgeprägt. In Ländern wie Marokko oder Tunesien ist es hingegen kaum virulent, da es dort keine Regime- und systemerhaltende Feindschaft zu Israel gibt. Dort ist man tendenziell weiter im Denken.

    Aber:

    Ebensowichtuig ist es,trotz der Problemlage nicht der AFD und ähnlichem Denken auf zu sitzen. Es braucht keinen Wittgenstein, um zu erkennen, dass es nicht zielführend ist, Menschen abertausendfach leberwurstig über einen Kamm zu scheren und damit eine Homogenität vorzugaukeln, die den Einzelnen als Individuum nivelliert und zur Gattung degradiert. Das ist strukturell und methodisch all zu nah bei Rassismus und bedient sich derselben Mechanismen, die auch Antisemiten und/oder Südländerhasser gern zum masturbativen Demagogenkaffekränzchen of Troll nutzen. Das Entindividualisieren ganzer ethnischer, religiöser oder geografischer Gruppen ist die Totenglocke für jede demokratische, weltoffene und pluralistische Gesellschaft. Wer diesem Highway to Hell aus Angst um seine eigene Kultur (die er meist weder kennt noch lebt oder schlüssig definieren kann) folgt, ist in nahezu allen Fällen mithin kein Patriot, sondern meist nur ein mit pathologisch xenophobem Minderwertigkeitskomplex geschlagener Grobian.

    Was tun?

    Salomonisch wäre hingegen, die Flüchtlinge selbstverständlich wie unvoreingenommen aufzunehmen und für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung zu begeistern. Aber andererseits eben auch dafür Sorge zu tragen, dass sie ihr mitgebrachtes, hanebüchenes Judenbild in Fällen obiger Konstellationen entweder ändern oder passiv, bar jedweder Agitation für sich behalten. Zumindest es nicht aggressiv nach außen kehren.
    Doch wie soll das gehen? Leichter gesagt als getan, nicht wahr? Einfach per Druck oder Dekret läuft sowas nicht. Das glauben nur Typen wie „The Donald“ und scheitern zu recht an sich selbst und dem eigenen Tunnelblick. Es bleibt mithin nur der Weg, wenigstens den Versuch zu unternehmen, dass alle Gruppen einander auch mit dem Herzen wahrnemen und nicht lediglich über ihren oft verstimmten Bauch.
    Deshalb mag ich Kobi Farhi von der israelischen Band Orphaned Land so gern. Er sammelt Palestinenser und andere Araber ebenso als Fans ein wie Israelis oder Engländer, Deutsche, Franzosen usw.
    Auf den Gigs gibt es nie Stress oder Ausschreitungen. Die jungen Leute dort – ich meine jetzt Araber und Israelis – nehmen einander als Menschen wahr und kommen ins Gespräch.Ein Anfang, eh?

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      Rainer Seifert

      Vielen Dank für ihr so umfangreiches statement, Herr Kubanke.

      Die Lage Deutschlands könnte man vielleicht auch als hoffnungslos aber nicht ernst bezeichnen, wenn man seinem Sarkasmus mal Ausgang gewährt.

      Hoffnungslos deshalb, weil auch Sie sehr gut wissen, man kann den Menschen aus diesen fremden Kulturen in der Masse nicht die Grundlagen unserer Demokratie nahebringen. Weiterhin würde kein Sozialsystem irgendeines Staates die Masseneinwanderung dauerhaft schadlos überstehen, ohne der in der Relation immer geringer werdenden Fraktion der Einzahler immer höhere Belastungen abzuverlangen.
      Dies muss und wird zum Ausenanderbrechen des Systems führen.

      Nun fordert der IWF schon Deutschland auf, dass normale Renteneintrittsalter auf 70 Jahre anzuheben. Dies ist natürlich nicht allein der Zuwanderung in die Sozialsysteme geschuldet.

      Während ich früher in Berlin mit sehr viel Publikumsverkehr u.a. am Bülowbogen mit türkischstämmigen Landsleuten überhaupt keine Probleme hatte – Politik war kaum ein Thema – ist bekanntlich seit Erdogan einiges anders geworden. Der dortige Führer tönt ja mitunter schon heute so, als gehöre ihm demnächst halbe Mitteleuropa.

      In Bayern führte ich vor einem Jahr mit einem direkten Nachfahren türkischer Gastarbeiter ein hochinteressantes Gespräch. Er überraschte mich mit der Aussage, die Türkei dürfe aufgrund einer von den Alliierten verhängten Strafe wegen des Weltkrieges erst Anfang der 20er Jahre wieder Öl in ihrem Staatsgebiet fördern. Das genaue Datum habe ich leider nicht mehr im Kopf. Wenn das so stimmt, zeigt es doch wieder einmal, zu welchem Wahnsinn politische Maßnahmen führen können.

      Als früherer jahrzehntelanger Wähler der Sozialdemokraten werde ich mich wegen meinem Bekenntnis zur AfD auch nicht von kleinen dummen Deutschlandhassern als Nazi beschimpfen lassen. Dafür haben wir alten Westberliner nicht so lange dem roten Imperialismus die Stirn geboten. Denen wünsche ich nur mal eine Woche, so zu hungern und zu frieren, wie ich es als kleines Kind während der Sowjetblockade der Stadt, sowie den Jahren davor und danach ertragen musste. Wir würden sie wohl eine ganze Zeit auf den Straßen vermissen müssen.

      Ihr Name klingt ja auch ein wenig nach altem „Spree-Adel“. Liege ich da richtig? Er wäre für jede Altberliner TV- oder Radiosendung bestens geeignet.

      Wer schon heute die Zahlen von Schulkindern mit Migrationshintergrund in den Großstädten ansieht, sollte leicht erkennen können, dass schon länger hier Lebende zumindest dort bald eine Minderheit sein werden. In ländlichen Gegenden dauert es dann ein bis zwei Generationen länger.

      Folgendes habe ich beim von Israel gesteuertem Gatestone Institute gefunden.

      Für Palästinenser bedeutet das „Recht auf Rückkehr“, dass Israel Millionen Palästinensern erlauben soll, nach Israel zu kommen – eine Forderung, die keine israelische Regierung jemals akzeptieren könnte, da sie die Juden zu einer Minderheit in ihrem eigenen Staat machen würde.

      Welch Glück für Israel, dass der Staat nicht die deutsche Regierung hat.

      Ihnen wünsche ich weiterhin gute Beiträge und viel Gesundheit.