Europa 20/25

Aus Angst vor den „Gefühlen“ von Konservativen fahren angebliche Realpolitiker Europa vor die Wand. Ein Liberaler springt Martin Schulz zur Seite und fordert die Vereinigten Staaten von Europa

Jetzt geht es wieder los. „Geht nicht“. „Völlig unrealistisch“, „Weiter so.“ „So macht man Europa kaputt.“ Die Bedenkenträger laufen zur Hochform auf. Hämische Kommentare von allen Seiten.

Dabei ist nicht Martin Schulz der Träumer, sondern jene, die ernsthaft glauben, das jetzige System könne überleben.

Was erwarten wir eigentlich von einem Staat?

Er soll zwei Dinge gewährleisten: Er soll demokratisch legitimiert sein und er soll Probleme tatsächlich lösen.

Die EU versagt bei beiden Ansprüchen, weil sie keine Demokratie ist, sondern ein Bund souveräner Nationalstaaten.

Aktuell werden alle Entscheidungen in der EU von den Nationalstaaten getroffen. Die Regierungschefs von 28 Ländern treffen sich hinter verschlossenen Türen. Das bedeutet: es gibt keinerlei Transparenz. Niemand weiß,, wer was genau gesagt hat. Ohne Transparenz können wir Bürger aber niemanden zur Verantwortung ziehen.

Auf satte 96% der Entscheidungsträger haben wir sogar gar keinen Einfluss. Sie sind Staatschefs der anderen 27 EU Länder und können von uns Bürgern weder gewählt noch abgestraft werden. Trotzdem haben sie die Macht, unser Leben massiv zu beeinflussen. Ist das demokratisch?

Darüber hinaus müssen alle 28 Staatschefs auch noch einer Meinung sein. Legt auch nur ein einziger Staat ein Veto ein, dann passiert gar nichts.  Luxemburg (Bevölkerung 0,5 Millionen Menschen) kann damit 507 Millionen Europäer als Geiseln nehmen.

Formelkompromisse statt Problemlösungen

Als Folge beschließen die Staatschefs immer nur Formelkompromisse. Diese werden den nationalen Parlamenten vorgelegt, welche sie nur noch abnicken können. Details zu verändern, wird für die nationalen Parlamente unmöglich: Um Gottes Willen nicht den mühsam erzielten Kompromiss in Frage stellen – und dann erneut mit 27 Staaten verhandeln!

Siehe Eurorettung. Ein Gesetz wird mit ein paar Stunden Vorlaufzeit vorgelegt und dann heißt es: Friss oder stirb! Das ist das Ergebnis, wenn souveräne Nationalstaaten internationale Verträge schließen.

Um Probleme wirklich zu lösen, wären harte Entscheidungen nötig. Die sind aber unmöglich, weil ein einziges Veto alle blockieren würde. Folglich bleibt es bei hehren Worten. Für kommende Krisen sind wir völlig unvorbereitet.

Paradebeispiel hierfür ist die Flüchtlingskrise. Die EU Kommission hat sehr früh eine europaweite Verteilung von Flüchtlingen vorgeschlagen. Das EU Parlament hat zügig abgestimmt und die Quote bestätigt. Und dann?

Dann haben die nationalen Regierungen die Flüchtlingsquote zunächst einmal zu einem windelweichen Mini-Kompromiss aufgeweicht. Und selbst diesen Mini-Kompromiss haben sie bis heute nicht umgesetzt. Die EU Kommission ist sogar vor den Europäischen Gerichtshof gezogen, um Ungarn und Polen zur Umsetzung zu zwingen. Die Kommission bekam Recht. Die Nationalstaaten verweigern die Umsetzung aber trotzdem. Konsequenzen: Keine.

Als Folge kamen im Jahr 2015 über 800.000 Flüchtlinge nach Deutschland. Statt nur 200.000 wie eigentlich aufgrund der europäischen Quote vorgesehen. Die direkte Folge davon: Die AfD zieht mit fast 13 Prozent in den deutschen Bundestag ein. Die rechtsradikale Partei wäre ohne die Flüchtlingskrise längst Geschichte.

Die Alternative

Was wäre geschehen, wenn wir in den Vereinigten Staaten von Europa leben würden?

Dann hätte das Europaparlament in öffentlicher Debatte über die Flüchtlingskrise gestritten. Liberale, Sozialdemokraten und Konservative hätten sich die Köpfe heiß geredet – und sehr schnell würde jedem klar: Wir Europäer haben sehr oft die gleichen Ideen und Sorgen. Es sind Ideologien die uns unterscheiden, nicht Nationalitäten. Jeder Bürger wüsste genau, welche Vorschläge die verschiedenen Parteien machen und wie die einzelnen Abgeordneten abgestimmt haben.

Das Für und Wider jeder Position wäre ausführlich öffentlich besprochen worden. Es herrschte Transparenz. Der Bürger wäre informiert und könnte belohnen oder bestrafen – entsprechend des Verhaltens der Abgeordneten.

Dann hätte das Parlament entschieden. Mit einfacher Mehrheit, wie es üblich ist in einer Demokratie. Und die Entscheidung wäre von der europäischen Regierung umgesetzt worden.

Das wäre sowohl demokratisch als auch wirksam

Genauer: Das wäre eigentlich selbstverständlich in einer Demokratie.

Im Fall der Flüchtlingskrise: Hätten EU Kommission und EU Parlament sich durchgesetzt, dann wären nur etwa 200.000 Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Und die AfD säße heute nicht im Bundestag. Kein Wunder dass die Rechtsradikalen Europa hassen: Sie brauchen Krisen, um zu überleben.

Denken wir zehn Jahre in die Zukunft. Wir werden mit Sicherheit weitere Krisen erleben. Und dann?

Schon die letzten Krisen hat das System unabhängiger Nationalstaaten nur mit Mühe, Not und sehr viel Geld zudecken können. Wirklich gelöst worden ist keine einzige davon.

Wenn die nächste Krise kommt, wird das jetzige System untergehen und die Nationalisten werden die Macht übernehmen. Wollen wir darauf warten?

Oder reformieren wir die EU jetzt und bauen sie zu einer vollwertigen Demokratie aus? Denn darum geht es bei den Vereinigten Staaten von Europa.

Wir Bürger sind keine Kinder. Wir sind nicht nur „Konsumenten“. Wir werden erst recht keine „Untertanen“.

Gebt uns Transparenz, damit wir wissen, wer welche Position vertritt.
Gebt uns Macht, die Verantwortlichen zu belohnen oder zu bestrafen.
Gebt unseren gewählten Vertretern die Macht, Entscheidungen auch umzusetzen.

Mit anderen Worten: Gebt uns eine echte europäische Demokratie!

Zeit für die Vereinigten Staaten von Europa.

Chris Pyak ist Co-Vorsitzender der ALDE Party Individual Members. Die ALDE Party ist die europäische Dachpartei der FDP.

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11 comments
Chris Pyak

Der bekannteste Vertreter der Vereinigten Staaten von Europa – und damit eines demokratisch legitimierten Europas! – ist übrigens mein Parteifreund Guy Verhofstadt.
https://www.youtube.com/watch?v=kckJnjcP3SA&list=PLLWciGmBFmi8CTpZXI0gkdW78fSsoBo8s&index=10

derblondehans

*Ein Liberaler springt Martin Schulz zur Seite und fordert die Vereinigten Staaten von Europa*

… es ist mir unverständlich, warum Chulz, spätestens nach dieser Aussage, nicht in U-Haft einsitzt oder zumindest mittels einer ‚weißen Jacke‘ ruhig gestellt und ein Verbotsantrag für die SPD gestellt wird.

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland Art 21

(2) Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind verfassungswidrig.

Daher!

    Klaus Lenz

    An den blonden Hans:

    Ist Ihnen auch der Artikel 146 geläufig?,

    Art 146
    Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk
    gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in
    freier Entscheidung beschlossen worden ist.

    Da die Bundesrepublik keine Verfassung hat, schon gar keine über die Ost- und Westdeutschland gemeinsam abgestimmt haben, wäre es an der Zeit das nachzuholen.

    Und in Anbetracht der politischen Situation europa- und weltweit sind kleine Nationalstaaten eh überflüssig geworden.

    Ich bin Elektromonteuer und arbeite schon sehr lange europaweit, ich wohne seit einigen Jahren überwiegend in Spanien. Ich bin zufällig in Deutschland geboren, lebe aber als Europäer.

    Als Liberaler hatte ich mir mal von der FDP erhofft, dass diese das Thema Europa mit hoher Priorität angeht, aber Fehlanzeige. Deshalb bin ich jetzt schon länger Direktmitglied der ALDE, um mich auch dort für ein vereintes Europa zu engagieren. Europa bringt mir und anderen in den Bereichen, wo es funktioniert, einfach nur Vorteile.
    Wenn die Sozialdemokraten in Person von Herrn Schulz das angehen wollen, was die FDP verpennt, soll mir das auch recht sein.

    Klaus Lenz

    der blonde Hans schrieb:

    „… es ist mir unverständlich, warum Chulz, spätestens nach dieser Aussage, nicht in U-Haft einsitzt oder zumindest mittels einer ‚weißen Jacke‘ ruhig gestellt und ein Verbotsantrag für die SPD gestellt wird.“

    „(2) Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind verfassungswidrig.“

    Da es mehr als offensichtlich ist, dass der blonde Hans von einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung nichts hält, wäre es angeraten zu überprüfen inwieweit er selbst in Untersuchungshaft gehört.

    Politische Gegner sind auch dann mit Respekt zu behandeln, wenn die andere Ziele vertreten. Respekt und Anstand liegt Ihnen aber wohl sehr fern.

    Ich mache es noch einmal deutlich:

    Ein Bekenntnis zu einem föderalen vereinten Europa, mit demokratischen Mitteln, legitimiert durch die Bürger, ist nichts, was gegen den Bestand der Bundesrepublik gerichtet ist.

    Im Gegenteil. Es ist eine längst überfällige Notwendigkeit, den europäischen Frieden dadurch weiter zu festigen, sowie durch gemeinsame Wirtschafts- und Sozialstandards das Leben der Bürger noch verbessern zu können.

      derblondehans

      … ich glaub mein Hamster bohnert. Ausgerechnet die Genossen, die anno ’14 die Kriegskredite bewilligt und anno ’33 mit A.H. Tränen der Selbstbeweihräucherung vergossen, schwätzen von Frieden. Nicht zu fassen das ist.

      ‚Wie von der Mutter Deutschland ans Herz gedrückt‘ Wilhelm Hoegner über den SPD-Umfall vom 17. Mai ’33 [sic!]

      Zur Rede Hitlers am 17. Mai 1933 schrieb Hoegner in seinem Buch ‘Flucht vor Hitler’:

      ‘Eine sanftere Friedensrede hätte auch Stresemann nicht halten können …
      Da brach ein Beifallssturm der anderen Abgeordneten los. Selbst unser unversöhnlichster Gegner, Adolf Hitler, schien einen Augenblick bewegt. Der Reichstagspräsident Göring aber stand auf und sprach großartig die Worte:

      ‘Das deutsche Volk ist immer einig, wenn es sein Schicksal gilt.’ Er befahl mit lauter Stimme, die Tatsache der einstimmigen Annahme der Erklärung des deutschen Reichstags in die Niederschrift der Sitzung aufzunehmen.

      Dann fingen die deutschnationalen Abgeordneten das Deutschlandlied zu singen an. Die meisten in unseren Reihen sangen mit. Manchen liefen die Tränen über die Wangen. Es war, als hätte uns Sozialdemokraten, die man immer als die verlorenen Söhne des Vaterlandes beschimpfte, einen unsterblichen Augenblick lang die gemeinsame Mutter Deutschland ans Herz gedrückt.

      Als wir dann ins Freie kamen, strahlte der Himmel heller, die Bäume im Tiergarten schimmerten grüner, und das Herz ging uns auf …’

      Von den Sozis ans Kreuz genagelt, nix lieber als das wünsche ich mir. Ich werde denen meine ganze Verachtung für mehr als 100 Jahre sozialistischer Diktatur in die Visage schleudern. Nur ein Kniefall vor den Völkern Europas, auch dem Deutschen Volk, könnte mich davon abhalten. Mann du meine Fresse.

      Seit Bismark hat sich nix geändert. Wo er recht hat, hat er recht, hat er Chulz:

      ‘Seit elf Jahren haben wir den Vorzug, mit Sozialdemokraten gemeinschaftlich zu tagen – mein Gedächtniß läßt mich vielleicht im Stiche, aber ich appellire an das eines jeden andern, ist Ihnen bei den langen Reden auch nur eine einzige in Erinnerung, wo auch der leiseste Schatten eines positiven Gedankens, eines Vorschlags über das, was künftig werden soll, nachdem sie das Bestehende in Bresche gelegt haben – ist Ihnen etwas derartiges erinnerlich? Ich wäre dankbar, darauf aufmerksam gemacht zu werden.
      Ich kenne Nichts der Art und ich glaube auch den Grund zu wissen, warum die Herren darüber, wie sie die Welt künftig gestalten wollen, wenn sie die Herren wären, sorgfältig schweigen: sie wissen es nicht, sie wissen in dieser Beziehung Nichts, sie haben auch den Stein der Weisen nicht. Sie können die Versprechungen niemals halten, mit denen sie jetzt die Leute verführen.’

        derblondehans

        … wobei ich noch nicht mal den völkerrechtswidrigen Krieg der Sozialisten in Afghanistan, im Sudan, in Mali oder Ex-Jugoslawien erwähnt habe. Was für widerliche Figuren. Echt eh.

Wolfgang Brosche

Blonder Hans –
ich habe die Nase voll von Ihren dauernden persönlichen Widerwärtigkeiten und Ihrem Faschistischen Unsinn. Werde mich jetzt beiden Kollegen dafür einsetzen, daß Sie Ihre anonymen Infamien hier nicht mehr loswerden können. In der Propagandabteilung der AfD,Sektion „Verunglimpfung“, wird man Sie besser gebrauchen können.
Hier setzen sich die Kollegen ohne Honorar hin und machen sich Gedanken und Recherchenmühen und Sie pöbeln alles aus puren Querulantendaffke zugrunde. Verbrüdern Sie sich mit Akif Pirincci, auf Schnellroda wird man Sie willkommen heißen!