In ihrer wunderschön persönlichen Sonntagskolumne zum Palmsonntag berichtete Chris Kaiser glockenhell von ihrem Umgang mit dem Glauben, der letztlich im Atheismus mündete. Mein Leben war von norddeutsch-protestantischen Ereignissen geprägt und demzufolge wirklich im Sinne meiner Humorsensibilität nicht unlustig. Um ernsthaft tiefgläubig zu werden, dazu fehlte mir buchstäblich die Gelegenheit.
Gedanken zur Fußwaschung!
In Erinnerung an das Abendmahl, nimmt sich vornehmlich ein Mann im priesterlichen Gewande, die Füße von ein Dutzend Personen vor und reinigt diese. Ein Ritual, welches alltägliche Situationen des Lebens aufnimmt. Der Priester wäscht die Füße der Gemeinen der Gemeinde, vollbringt also eine liebevoll inszenierte Geste, an einigen Jeder-Menschen.
Ein Ritus aus einer Zeit, als die Leute noch viel in Sandalen und Sandaletten unterwegs waren und Strümpfe und Socken in vornehmlich warmen Klimazonen nicht unbedingt Not taten. Da die Straßen und Wege durchaus permanent staubig waren, bot sich oft eine Fußwaschung an.
Heute vielleicht ein etwas ungewöhnliches Ritual, obwohl ich aus Haltung, in Sandalen von Birkenstock, meinen Gang zum Standesamt und zur Eheschließung im Jahre 1994 antrat.
Das Waschen der Füße ist mir aber auch im Alltag meiner Arbeit geblieben. Während Fußgänger eine Hornhaut produzieren und sich ein stabiles Gerüst, inklusive orthopädischer Auffälligkeiten, aufgrund des zu Fuß seins entwickelt, verhält sich das bei immobilen Personen durchaus anders.
Die Sohlen unserer RollifahrerInnen, sind weich und auf andere Art und Weise zu waschen und bedürfen einer eher medizinischen Pflege. Aber die Fußwaschung, ist einer assistierenden Person durchaus geläufig und dass dieser im Alltag notwendige Vorgang zum Ritual am Gründonnerstag wird, ist somit ein für mich dann doch verständliches und durchaus passendes Bild.
Greinen-Weinen-Wehklagen!
Dem geneigten und auch aufrechten Leser und einer solchen Leserin dürfte aufgefallen sein, dass die Farbe Grün, in meinem Leben schon eine besondere Rolle spielt. Drum ist das gewissermaßen eine innere versiffte WG-Party, dass ich mich am Triduum Sacrum (Messe am Tage des Abendmahls) mit diesem in der Natur, von der Sonne beschienenen leuchtenden Farbton beschäftigen darf, der u.a. durch Chlorophyll sichtbar wird.
Nun soll es aber am Gründonnerstag, eher um das Greinen-Weinen und Wehklagen der Büßer gehen, welche an diesem Tage wieder gnädig von einer Gemeinschaft aufgenommen werden. Quasi also ein Termin, der ein vorläufiges Ende eines Mobbings in einer Belegschaft fordert. Eigentlich eine gute Sache, die in der einen oder anderen Dienststelle im sozialen Bereich, im wahrsten Sinne der Riten, Fuß fassen könnte.
Kirchenfeste FreundInnen aber empfehlen auch, dass man am heutigen Tage Spinat und Kräuter zu sich nehmen solle, was ich wiederum ernährungsphysiologisch für sinnvoll erachten würde.
Erinnerungen an den Religionsunterricht!?
An den Religionsunterricht in der Grundschule habe ich selbst keine Erinnerung, was ein Indiz dafür ist, dass der vermutlich Scheiße war, oder sogar nichtssagend. Folgendes weiß ich aber noch: zu Beginn meiner Pubertät, auf dem Weg zum Schulzentrum Egenbüttel hin, traf ich ein nettes Mädchen, welches als freche Göre aus dem Religionsunterricht geflogen war, weil sie behauptet hatte, dass Gott doof sei. Damals hat mich diese Aussage von diesem freundlichen Frechdachs tief erschüttert.
Meine Oma Martha hatte nämlich immer gesagt, dass man so etwas nicht sagen darf. Martha war auch keine tiefgläubige Person, aber sie hatte ihrem kleinen Enkel gegenüber Vermittlungsabsichten. Man nennt das auch Erziehung. Immerhin lehrte sie mir das Vaterunser und warnte davor, dass böse Worte einen lebenslangen Schluckauf nach sich zögen, bei dem bei jedem „Hicks“ ein Tropfen Blut direkt von der Südspitze des Herzen, nach unten fallen würde, was irgendwann (vermutlich im hohen Alter) den sicheren Tod zur Folge hätte.
Mein wunderschöner Rellinger Kirchenskandal zur Zeit meiner Konfirmation!
Ich hatte Ende der 1970er Jahre Konfirmationsunterricht bei einem damals recht jungen und schönen Pastor. Ein gefühlvoller Held des Alltags, der sich gerne sacht durchs volle Haupthaar fuhr, weiche Nickis trug und einen sanften Strich an der Violine beherrschte. Dieser Mann hieß Klaus Eulenberger. Noch in späteren Jahren lauschte ich seinen gekonnt sensiblen Morgenandachten auf NDR Kultur. Sein Kumpel Pastor Ulrich Hentschel, löste dereinst den erlesenen Kirchen-Skandal in der Gemeinde Rellingen aus und ich war live dabei. Hentschel und Eulenberger hielten politische Predigten. Und mein Bezug zum Glauben, zumindest zu Kirchenleuten, verdichtete sich.
Hentschel war wohl das, was man einen Alt68er nennen durfte, brachte die AKW-Diskussion auf die Kanzel und äußerte sich zur Kandidatur zum Bundesdeutschen Regierungschef des Franz-Josef Strauß. In dem von Christdemokraten geprägten Ort im Kreis Pinneberg, in Schleswig-Holstein, hagelte es Beschwerden von der Gemeinde.
Ich erinnere mich noch, als Hentschel in der Rellinger Kirche eine Weihnachtsmesse hielt, und ein alter „Bauer“ am Ende der Feierlichkeit laut tönte: „Sie haben uns das Fest verdorben!“ Mein Vater aber begab sich zu meinem stillen Vergnügen auf Hentschels Seite und bezeichnete den „Bauern“ als Arschloch, der uns allen nämlich mit seinem „Geblöke“ Weihnachten versaut hätte. Allerdings mochte es Vater gar nicht, dass der scheue Eulenberger auf der Straße, die Leute der Gemeinde nicht grüßte und ständig sein Pony vor seinen vermutlich rehbraunen Augen herum zappelte.
Seltsam auch für die Menschen, dass mein Pastor nach der Geburt seines ersten Kindes, ins Babyjahr ging und seine Frau als Sozialarbeiterin bald wieder ihre Arbeit aufnahm. Ein echtes Klatschthema, damals im beschaulichen Rellingen.
Die Frau des Eulenberger war es auch, die uns Konfirmanden einen Film über das Apartheid-Regime in Süd-Afrika zeigte, der sehr aufwühlend war. Im Anschluss an die Vorführung sprach sie: „Man möchte den Machthabern dort mit dem nackten Allerwertesten ins Gesicht springen!“
Diese Erlebnisse weckten mein Interesse für erste politische Gruppen und Haltungen.
Austritt aus der Kirche!
Nach dem ich aus dem Elternhaus ausgezogen war, trat ich allerdings sofort aus der Kirche aus. Die Theologie war ein Feld, welches mich immer noch berührte und mir auch selbstverständlich bei meiner pflegerischen Tätigkeit oft über den Weg lief.
Ich wünsche frohe Ostertage!
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