Vergesst das Leben nicht

Geht es jemandem so ähnlich wie mir? Irgendwann habe ich festgestellt, dass ich eine Art von innerer Abwehrhaltung aufgebaut habe, gar nicht mal wirklich zu beschreiben. Schleichend, unbewusst, diffus.
Eine Kolumne von Uwe Fischer


Foto: firmbee/Pixabay

Ich merke, dass ich mich in manche aktuellen Themen gar nicht vertiefen möchte und sie lediglich an der Oberfläche streife. Politische Themen, gesellschaftliche Themen, private Themen. Dass ich mich sehr bewusst emotionalen Dingen annähern muss, um sie nicht völlig zu verdrängen. Nachrichten schaue ich online, da kann ich gut selektieren. Manch eine Headline überfliege ich nur, im Autoradio drehe ich zur vollen Stunde den Ton weg. Jede Stunde Nachrichten? Hau mir bloß ab damit! Es würde selbst einen Menschen mit 5 Gehirnen überfordern, alle Änderungen hinsichtlich der Coronamaßnahmen tagesaktuell auf dem Schirm zu haben, und das ist nur ein Teil der Informationsflut, die täglich auf uns niederprasselt.

Innerer Karneval

Ein innerer Karneval ist mir manchmal näher als gebotene Ernsthaftigkeit, das Elend dieser Welt läuft uns nicht davon, ganz ausblenden werde ich es natürlich nicht. Welcher Castingklon mit welchem Hirn erweichenden Song am ESC teilnimmt ist mir allerdings gelegentlich bedeutsamer als eine Meldung zur großen Politik, ob der Glööckler das Dschungelcamp gewinnt oder welcher X -Promi mit welchem Y-Promi Zoff hat wegen eines Z-Promis kann mehr Freude ins Leben bringen als die Realität da draußen. Der Harry und die Maggie? Unwichtig, aber nur her damit! Und wenn die Zombieapokalypse kommt, werde ich das auch ohne Radio erfahren, oft kommt es mir eh so vor, als wären die längst unter uns. Spaziergänger, die keine Nazis sehen, könnten schon welche sein. Oder auch Menschen mit der Überzeugung, die Amerikaner/die NATO/der Westen hätten Putain (hier natürlich nicht „die Russen“, was ja grundsätzlich richtig ist, dann aber auch für „die Amerikaner“ zu gelten hat) zu einem Krieg gezwungen, den er um jeden Preis vermeiden wollte.

Unangenehmem stellt man sich ohnehin nicht gerne, aber es fühlt sich gerade anders an. Intensiver unangenehm.

Blick in den Rückspiegel

Manchmal versuche ich es mit dem Blick in den Rückspiegel um zu erkennen, wann es seinen Anfang nahm. Anfänge dieser Art haben allerdings die Angewohnheit, sich in kleinen Schritten von verschiedenen Seiten anzuschleichen, heimlich, still und leise, weil sie nicht bemerkt werden wollen, möchten sie eines Tages die volle Wucht entfalten. Dann stehen sie plötzlich da wie der Exibitionist mit geöffnetem Lüftungsschlitz der Hose und rufen „Buh!!!“. Man erschreckt sich und denkt: ‚Mensch, dieser Typ schlich doch schon die ganze Zeit um mich herum, warum habe ich den denn nicht bemerkt?‘

Die Irritation über eine merkwürdige Stimmung ist da und ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin. Liegt es etwa nur Corona und an der „Zwangsisolation“ der Menschen, an der von Merkel, Gates (wo ist der eigentlich abgeblieben?), Spahn, Lauterbach und den Weisen von Zion verursachten Pandemie, die unser Leben destabilisieren und uns voneinander entfremden soll? Hat uns die Impfung so kirre gemacht? Die Vergiftung durch den eigenen Atem hinter den Masken des Todes?

Zeitreise

Der Blick in den Rückspiegel ist fast wie eine Zeitreise mit Marty McFly in einem Renault ZOE, ganz gemächlich, nur mit sehr viel mehr Reichweite. Dr. Emmet L. Brown hat es ja drauf. Und dieser Blick sagt mir, dass Corona nur eine Etappe auf einer längeren Reise ist.

Wenn ich von der Vergangenheit in die Gegenwart reise, lässt sich eigentlich jeder beliebige Zeitpunkt wählen, mein persönlicher Startpunkt wird ein völlig anderer sein als Deiner, wenn es Dir denn genau so gehen sollte wie mir. Dazu kommt, dass sich dieses komische Konstrukt namens Zeit mit zunehmendem Alter merkwürdig verdichtet und die einzelnen Fäden dieses Gewebes sich nicht mehr so gut voneinander trennen lassen. Also picke ich mal wahllos hinein in die Kloake der jüngeren Geschichte und lasse mich überraschen, was sich so findet. Vorher schien die Welt noch irgendwie in Ordnung zu sein, was auch immer dieses vorher bedeutet.

Fixpunkte

Es gibt ein paar Fixpunkte unserer Geschichte, an die wir uns alle sehr gut erinnern können.

Wo warst Du z.B., als endgültig die Mauer fiel? Ich saß zuhause in Duisburg auf der Couch und wollte ganz spontan nach Berlin fahren, hatte aber zu der Zeit schon zu viele Krankenscheine und hing an meinem Job. So käuflich bin ich nun mal, für Geld gehe ich sogar arbeiten und blieb folglich mit Kaffee, Schokolade und Bananen im Ruhrgebiet. Sollte Clemens das lesen wird er vermutlich denken: ‚Gut so, da hast du den Menschen die neu gewonnene Freiheit nicht gleich mit einer Gabe Köpi versaut‘! Ein Bierbanause, so isser halt.

Wo warst Du an diesem einen 11. September? Ich war in Duisburg-Süd, in Düsseldorf also, am Hauptbahnhof auf dem Rückweg von einer Schulung, als ich die Meldungen auf den Bildschirmen im Bahnhof sah. Meine zuvor geschätzte Arbeit hatte ich da schon dran gegeben und eine andere Stelle angefangen.

Das waren schon prägende Ereignisse, sie kamen voller Wucht, aber sporadisch und mit den nötigen Atempausen dazwischen. Und ohne die heutige Allgegenwart sämtlicher Geschehnisse weltweit in Echtzeit. Im damaligen September rannte ich schnell weiter zum Zug, ziemlich irritiert, weil ich die rauchenden Twin Towers und die in der Hektik falsch eingeblendete Laufschrift „Kabul, Afghanistan“ nicht zusammen brachte. Im Zug wurde wild spekuliert, es war vom dritten Weltkrieg die Rede und von Terror und von Angriffen auf Amerika, aber mal eben am Handy nachzuschauen und sich Klarheit zu verschaffen war noch ein paar Jahre vom Zug Richtung Duisburg Hbf entfernt. Also rief ich einen Freund an, der erzählte kurz und knapp etwas von den Anschlägen und ich musste warten, bis ich vom Bahnhof mit dem Auto nach Hause kam und den Fernseher anschalten konnte, um alle bekannten Hintergründe zu erfahren.

2002

2002 war es und es kommt mir heute vor, als wäre es das Mittelalter der Nachrichtenübermittlung gewesen.

Viele gewichtige Ereignisse gab es in der Folgezeit, zunächst noch mit Abstand und – das ist für mich auch ein wichtiger Faktor – mit Aufregung, aber nicht gleich mit dem vollen Eskalationsprogramm. Menschen hatten Meinungen, die Fakten als Grundlage dieser Meinungen wurden von den Medien präsentiert. Von linken, rechten, mittigen, seriösen, unseriösen Medien oder von der Bild. Heute ist jeder Vollpfosten, der, ohne sich die Finger zu brechen, einen Rechner oder ein Handy anschalten kann, sein eigener Nachrichtensender samt Faktencheck und Meinungsforschungsinstitut. Niemand muss von nichts Ahnung haben, ein Finger, um Buchstaben in die Welt zu schicken und die Fähigkeit, jedes Rechtschreibprogramm zu ignorieren reichen aus. Ach ja, Wut- und Deppensmileys muss man finden können, sonst ist die Kommunikation unvollständig bis unmöglich.

Und so standen mit den Jahren Nachrichten immer schneller und in ganz anderem Umfang zur Verfügung, die Meinungen dazu wurden nicht erst an der Theke der Stammkneipe bei Pils und Camel Filter gebildet, sondern schon vorgekaut und halb verdaut mitgeliefert. Bevor einer Meinung reflexhaft eine Gegenmeinung entgegengebracht werden konnte, stand schon die nächste Meldung im Raum und man musste schnell gegen etwas anderes sein. Es wurde verwirrend, die Zeiten, in denen der mündige Bürger an der Theke mit jedem Schluck aus dem Bierglas informierter und klüger wurde, um am nächsten Morgen alles vergessen zu haben, waren vorbei. Jetzt stand das substanzlose Gelaber für alle Zeiten im Internet und man musste den Schwachsinn, von dem man früher nach wenigen Stunden nichts mehr wusste, vehement verteidigen, bis selbst die ältesten Freundschaften oder familiäre Bande daran zerbrachen. Das sogar nüchtern.

Passiert

Was alles so passiert ist in den letzten ungefähr 20 Jahren ist mit einer solchen Wucht über uns hereingebrochen, dass wir vieles eher schulterzuckend zur Kenntnis nehmen:

  • Zweiter Tschetschenienkrieg (immer diese NATO)
  • Zweite Intifada
  • DotCom Blase platzt
  • Massensuizid in Uganda mit 535Toten
  • Flutkatastrophe in Mosambik
  • Bürgerkrieg in Syrien beginnt
  • Anschläge New York
  • Jahrhunderflut der Elbe, weitere werden folgen
  • Amoklauf in Erfurt mit 16 Toten
  • Irakkrieg wegen unsichtbarer Massenvernichtungswaffen
  • Jahrhundertsommer in Europa, weitere werden folgen
  • 10 Terroranschläge in kürzester Zeit in Spanien
  • Unglück der Columbia
  • Tsunami im indischen Ozean mit 300.000 Toten
  • Geiselnahme in Tschetschenien, 340 Menschen sterben
  • Hurrikan Katrina
  • GroKo in Deutschland (wird in Geschichtsbüchern unter „Katastrophen der jüngeren deutschen Geschichte“ aufgeführt)
  • Einsturz der Eissporthalle Bad Reichenhall
  • Israel-Libanon-Krieg
  • Nordkorea testet erfolgreich eine Atomrakete
  • Natascha Kampusch flieht, ein Martyrium wird bekannt, das Opfer wird gemobbt
  • Die Vogelgrippe erreicht Deutschland
  • Massiver Stromausfall in Deutschland und Westeuropa
  • Saddam Hussein wird hingerichtet
  • Kyrill fegt über Deutschland hinweg
  • Heftiges Erdbeben in China
  • Kaukasuskrieg
  • Schuldenkrise in Griechenland und Ausverkauf des Landes
  • Erdbeben in den Abruzzen
  • Flutkatastrophe in Pakistan mit 1.600 Toten
  • Loveparadeunglück in Duisburg
  • 150 Tornados wüten in kurzer Zeit im Süden der USA
  • Schiffsunglück vor Lampedusa
  • Anders Breivik tötet 77 Menschen
  • Artillerieangriffe im Gazastreifen, neue Eskalation
  • Starkes Erdbeben in China
  • PEGIDA wird gegründet
  • Terroranschlag auf Charlie Hebdo
  • Ukrainekrieg (immer diese NATO)
  • Absturz der Germanwings-Maschine
  • Abschuss von Flug MH17
  • Flutkatastrophe und Erdrutsche in Myanmar und angrenzenden Ländern
  • Terroranschläge Bataclan-Halle und anderen Teilen von Paris
  • Höhepunkt der Flüchtlingskrise in Deutschland
  • Rechtsextremistische Anschläge nehmen zu, der Hass auf andere Menschen wird immer unerträglicher
  • Der IS marschiert immer weiter
  • Zugkatastrophe von Bad Aibling
  • Amoklauf von München
  • Unwetter bei Rock am Ring
  • Putsch in der Türkei mit 200 Toten
  • Erdbeben in Italien mit über 290 Toten
  • Verheerende Waldbrände in Portugal
  • Trump wird POTUS
  • Erstmals wieder Nazis im deutschen Bundestag
  • Schwerer Unfall zwischen Reisebus und LKW in Oberfranken mit 18 Toten
  • Sandstürme in Indien mit vielen Toten
  • Neue Hitzerekorde, heftige Waldbrände in Portugal, Griechenland, Kalifornien
  • Extreme Waldbrände in Australien
  • Verheerende Brände im Flüchtlingslager Moria
  • Ausbruch von Covid-19
  • Leerdenker halten sich für Denker
  • Hildmann schult um und wird statt Koch Bäcker für kleine Brötchen
  • Naidoo entgleitet endgültig, während Beate Bahner sich für die Justizministerin hält
  • Schiffmann und Ballweg finden viele dumme Sponsoren
  • Sturm auf das Kapitol und Stürmchen von zig Fantastilliarden auf den Reichstag
  • Die Flutkatastrophe in NRW und RLP

Ach, die Aufzählung ist so unvollständig, alle Dramen dieser Zeit aufzuzählen ist überhaupt nicht möglich. Da fehlen nicht nur Kriege und Attentate weltweit (alleine in Nigeria mit über 10.000 Todesopfern in 10 Jahren) Meldungen, die kaum Einzug halten in unsere Nachrichten, viele Flüchtlingsdramen auf dem Balkan, in Weißrussland, in Asien, in Afrika, Hungerkatastrophen, Umweltkatastrophen, Epidemien usw.

Die Realität überholt

Angefangen habe ich diesen Text, als Olaf Scholz von einigen Genossen schon fast für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde, weil er Putain im Alleingang zum Truppenrückzug bewogen hat. Nur kurz darauf wurde ich mit meinem Geschreibsel von der Realität des Krieges in der Ukraine überholt und alles ist noch viel schlimmer als zuvor.

Jetzt stehen wir so nah am Rande eines Krieges, der uns auch bedrohen könnte wie nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg. Es ist entgegen vieler Aussagen im Internet nicht der erste in Europa seit dieser Zeit, dafür der, dessen höchst dramatische Konsequenzen weder kurz- noch langfristig absehbar sind. Ein Irrer, der über Atomwaffen verfügt, ganz früh schon Tschernobyl besetzt hat, AKW bombardiert und überhaupt nicht einzuschätzen ist, hält die Welt in Atem und sorgt für äußerst unruhige Nächte. Wie soll man da Lust haben auf die Unzahl an Spekulationen quer durch die Medien, zumal die derzeitigen Virologen noch nicht alle auf Youtube zu Politologen umgeschult wurden und erst nach und nach die große mediale Bühne betreten?

Vorläufig muss „Ich finde den Krieg (möglichst allgemein formuliert und bloß nicht Putain zugeschrieben) ja auch irgendwie doof, aaaaaber…..!“und dann etwas mit NATO und den Amerikanern reichen. Ja, ich weiß um die vielen kriegerischen Handlungen, die von den USA ausgingen, aber genau darum geht es gerade nicht.

Auch nicht darum, dass es ja schön ist, wenn viele Menschen gegen den Krieg demonstrieren, wo die aber bloß alle sind, wenn es gegen Tierleid geht. Ich ernähre mich auch so oft wie möglich vegetarisch oder vegan und finde das Thema absolut wichtig, nicht ohne Grund stand Tierwohl-Julia auf meiner persönlichen Liste der unerträglichsten deutschen Politiker*innen ganz weit oben. Aber bei so einem Diskussionsverlauf warte ich darauf, dass jeden Moment das Internet implodiert und Putain die Arbeit abnimmt.

Internetführerschein

Wo sind die ganzen Demonstranten eigentlich wenn es darum geht, sich für einen Internetführerschein einzusetzen?

Wenn manche Menschen jetzt fragen, warum plötzlich dieses Flüchtlingsdrama vergessen ist oder jene Umweltkatastrophe, kann ich den Gedanken hinter Frage gut verstehen. Nur weiß ich nicht, wer all diese Ereignisse gleichzeitig auf dem Radar haben und emotional bedienen kann, ohne daran zu verzweifeln. Wir sitzen in unseren warmen Nestern, bemühen uns auf unterschiedlichste Weise, anderen Menschen zu helfen und wissen, dass wir nicht überall aktiv sein können. Es ist eine grundsätzliche Erfahrung der letzten Jahre, dass es sehr schwer ist, Menschen für gemeinnützige Aktionen zu gewinnen. Nicht etwa deshalb, weil sie nicht wollen sondern aus dem Grund, dass die engagierten Menschen schon an verschiedenen Stellen tätig sind und mehr nicht schaffen. Konzentrieren wir uns auf die Fluthilfe, bleiben Flüchtlinge aus der Ukraine auf der Strecke. Helfen wir denen, fehlen die Ressourcen für die Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, den verschiedenen afrikanischen Staaten. Haben wir den Krieg in der Ukraine im Blick, geht der auf die Kämpfe Erdogans in den kurdischen Gebieten verloren. Im Hintergrund dräut auch schon die Frage nach Chinas Umgang mit Taiwan oder Putins künftigen Gelüsten nach Georgien oder dem Baltikum. Bombardierte AKW lassen uns schlecht schlafen. Was im Sudan oder im Jemen geschieht ist komplett außen vor, selbst das Lieblingsthema Fußball und die anstehende WM in Katar werden mit keiner einzigen Silbe erwähnt. Dass die Bayern mal wieder Meister werden und Frankfurt, Union oder Freiburg nicht – gewendlert.

Es ist ja nicht so, dass wir uns nur mit dem Elend weit entfernter Menschen beschäftigen, oft genug gibt es zusätzlich im persönlichen Umfeld jede Menge Bedarf an Zuwendung.

Hier pendelt ein sehr geschätzter Mensch mit Schlaganfällen, Herzinfarkt und weiteren gesundheitlichen Problemen zwischen Intensivstation und Wohnung, da leidet ein sonst so lebensfroher Mensch an bestimmten Lebensumständen und ist verzweifelt auf der Suche nach der verlorenen Leichtigkeit, irgendwer ist auf andere Weise krank und kommt selbst für ein Telefonat nicht auf die Beine, es stirbt jemand, einem anderen droht die Arbeitslosigkeit, da gibt es endgültig entzweienden Familienzwist wegen der Diskussionen um Corona, Impfung und Reichsbürgern auf Demos und so einiges mehr. Dann muss man selbst noch frei von jeglichen Belastungen sein.

Dreibeiniger Spagat

Also versuche ich den schwierigen dreibeinigen Spagat, mich mit den aktuellen Ereignissen zu beschäftigen, ein Zuviel an Nachrichten zu vermeiden und gleichzeitig Humor und Lebensfreude zu bewahren. Wenn wir uns jetzt, im Leben, nicht freuen können, wann denn sonst?

Die Nummer mit den Jungfrauen im Paradies halte ich für faszinierend, leider aber für unglaubwürdig. Lügenpresse und Fake News sind keine Erfindung der Neuzeit, die Pinocchio-Twins Trump und Putin haben das nur dem Alten vom Berg abgekupfert.

Die Bibel verspricht entweder die stressige und schlecht klimatisierte Hölle oder den Himmel mit mehr gepflegter Langeweile als ein faules Wochenende ohne Bier und vernünftiges Buch auf der Couch, das ist auf Dauer kein Anlass zur Freude.

Das mit der Wiedergeburt und neuer Freude in einem künftigen Leben ist auch so eine Sache, stellt Euch nur vor, die Laura wird vom Wendler schwanger und Ihr kommt als deren Kind zurück auf den Planten! Frisch auf der Welt, schon total verschuldet und mit unbeliebten Eltern, die von der Werbung für Hundeleinen leben und sonst völlig egal sind. Oder als Pudel der Jacob Sisters. Man kann es sich nicht aussuchen, habe ich mal gehört, sonst wäre eine Wiederkehr als Putins Hämorrhoide oder als Trumps Erektionsstörung eine ernsthafte Option für ein sinnerfülltes künftiges Leben.

Humor behalten

Was bleibt, ist nicht den Humor zu verlieren, sich ruhig an Gestalten wie Putain mit lustigen oder gehässigen Bildchen abzuarbeiten, gleichzeitig aber Mensch zu bleiben und wenigsten einen Teil des Elends mit den eigenen bescheidenen Möglichkeiten zu mindern. Beides macht unser Menschsein aus, da dürfen ruhig die Ansichten über das, was Humor ist, auseinandergehen. Wenn wir uns das auch noch nehmen lassen, haben wir gar keine Chance, dieses Chaos zu überstehen, wo wir uns doch schon die jährlichen Wünsche für ein besseres neues Jahr abgewöhnt haben.

Informiert Euch weiter, bleibt menschlich und helft, so kenne ich Euch schließlich. Vergesst dabei aber nicht zu leben, zu lieben, zu lachen, zu tanzen, zu vögeln, zu essen, zu trinken, zu genießen. Hört gute Musik, lest gute Bücher, seht gute Filme, erzählt schlechte Witze. Geht spazieren (aber richtig), treibt Sport, geht mit Euren Hunden Gassi. Kocht, backt, häkelt, malt, schreibt, musiziert, gärtnert, gießt Blumen, züchtet Rosen, füttert Enten im Park, verwöhnt Eure Kinder, krault Eure Katze.

Die schlechten Dinge kommen von alleine, die guten können wir uns selbst holen.

Ein Hoch auf das Leben und auf die Welt
Auf dass uns nie etwas fehlt und keiner von uns leiden muss.
Ein Hoch auf unsere Brüder und die Schwestern,
Auf morgen und auch auf gestern – wir nehmen’s wie’s kommt

Und jetzt stoßt mit den Gläsern an,
Denn so jung kommen wir nicht mehr zusammen
Ihr sollt leben, Jungs, ihr sollt leben.
Und jetzt stoßt mit den Gläsern an,
Denn so jung kommen wir nicht mehr zusammen
Ihr sollt leben, Jungs, ihr sollt leben.
Schlechter als heute soll es uns nie gehen.

Ein Hoch auf eine wunderbare Zeit, und hoffen wir
Dass mehr davon bleibt, als nur ein Foto in einem Album
Ein Hoch auf ein jedes Hindernis,
Und wenn es auch noch so beschissen ist – aus Fehlern lernt man

Und jetzt stoßt mit den Gläsern an,
Denn so jung kommen wir nicht mehr zusammen.
Ihr sollt leben, Jungs, ihr sollt leben.
Und jetzt stoßt mit den Gläsern an,
Denn so jung kommen wir nicht mehr zusammen.
Ihr sollt leben, Jungs, ihr sollt leben.
Schlechter als heute soll es uns nie gehen.

Und jetzt stoßt mit den Gläsern an,
Denn so jung kommen wir nicht mehr zusammen.
Ihr sollt leben, Jungs, ihr sollt leben.
Und jetzt stoßt mit den Gläsern an,
Denn so jung kommen wir nicht mehr zusammen.
Ihr sollt leben, Jungs, ihr sollt leben. (copyright:Seiler und Speer)

 

Uwe Fischer

Nach 18 Jahren als Kundenbetreuer im Außendienst, 15 Jahre davon bei einem mittelständischen Unternehmen aus der Lebensmittelbranche, hieß es „back to the roots“ mit einer späten Ausbildung zum Logopäden. Heute betreibt Fischer seit 2008 gemeinsam mit seiner Partnerin eine Praxis für Logopädie in der Eifel.

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