Wachmanns Heil – Eine Wachkolumne zwischendurch

Die Frequenz, mit der unser Bundesinnenminister die Bevölkerung mit seltsamen Äußerungen verunsichert, steigt stetig. Jetzt will er Hilfspolizisten. Das ist besonders für die gefährlich.


Wenn er nicht gerade irgendwelche lustigen offenbar frei erfundenen Zahlen mitteilt, wie

„Es kann nicht sein, dass 70 Prozent der Männer unter 40 Jahren vor einer Abschiebung für krank und nicht transportfähig erklärt werden.“

oder auch behauptet 30 Prozent der syrischen Flüchtlinge würden mit gefälschten Pässen einreisen – deren Herkunft selbst in seinem Ministerium niemand kennt und die im Falle der gefälschten Pässe definitiv falsch sind, die er sich also nur ausgedacht haben kann – macht der BMI bevorzugt bahnbrechende Vorschläge zur Sicherheit der Bevölkerung.

Jetzt will er also die Einbruchskriminalität mit Hilfe von Wachpolizisten bekämpfen. Wachpolizist ist nicht der Gegensatz von Schlafpolizist, aber es ist etwas ähnliches. Wenn Sie ein Western-Fan sind, dann kennen Sie  so was schon aus dem wilden Westen, den Hilfssheriff. Musste ein Pferdedieb gestellt werden oder war der hauptamtliche Sheriff außerhalb unterwegs, dann bekam irgendein anderer, möglichst jemand der eh gerade nichts zu tun hatte, einen Stern an die Brust gepinnt und übernahm damit ein öffentliches Amt. Ausbildung unnötig, Hauptsache Knarre.

130 Stunden Inhalt, 163 Stunden ballern

Nun ganz so einfach stellt der Minister sich das mit dem Wachpolizisten nicht vor, aber die geplante 3-monatige Schnellausbildung ist auch praktisch nichts. Und nach diesem Quickykurs sollen die neuen Helfer, mit denen ich garantiert nicht Freund werde, nicht nur stolz eine Polizei-Uniform tragen dürfen, sondern auch eine richtige Waffe.

In Sachsen, wo solche Pseudopolizisten schon auf den Bäumen wachsen, bekommen die ca. 130 Stunden Unterricht in Fächern wie Recht, Kommunikation, Verhaltenstraining und interkulturelle Kompetenz, aber 163 Stunden Waffen- und Schießausbildung. Wenn sie also schon nicht wissen, was sie tun sollen sie wenigstens treffen. Gruselig. Ich bleib da lieber weg.

Stellen Sie sich einmal vor, was man in 130 Stunden auf 4 oder mehr Fächer verteilt  insgesamt so lernen kann. Viel ist das nicht. Und wenn nach diesen 130 Stunden jemand mit einer Waffe durch die Gegend rennt, dann erhöht das nicht die Sicherheit der Bevölkerung, nein, es gefährdet sie.

Bundesverunsicherungsminister

Wenn der Bundesverunsicherungsminister nun diesen irrwitzigen Vorschlag macht, dann ist dies zunächst einmal die Bestätigung des von mir seit Jahren immer wieder erhobenen Vorwurfs an die versammelten Innenminister der Republik, dass sie die reguläre Polizei und die Justiz kaputt gespart und damit die Sicherheit der Bevölkerung gefährdet haben.

Statt immer wieder neue Überwachungsmaßnahmen und Schnüffeleigesetze zu fordern oder auch Ressentiments gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen zu schüren,  hätte man einfach kontinuierliche Polizeiarbeit fördern müssen. Es ist ein Offenbarungseid und ein jämmerliches Armutszeugnis, wenn De Maizière nun plötzlich diese Lücke mit Instant-Polizisten auffüllen will. Geht es erneut darum an der falschen Stelle zu sparen? Natürlich sind diese armen Pappkameraden viel billiger als Polizeibeamte mit einer regulären 3-jährigen Ausbildung.

Gottlob ist dieser Minister nur für die Bundespolizei und damit nur für einen kleinen Teil der bundesdeutschen Polizei verantwortlich. Die Landesinnenminister sollten sich von diesem Unfug nicht überzeugen lassen. Sie sollten Geld in Polizei und Justiz investieren, wenn sie wirklich die Sicherheit erhöhen wollen. In Beamte, die auch in Stresssituationen wissen, was zu tun ist, und nicht aus Not und Überforderung mal so einfach jemanden weg ballern. Und in Beamte, die man auch in den 3 Jahren der Polizeiausbildung auf ihr Verfassungsverständnis prüfen kann.

Wachkomapolizisten

Das Argument, die Wachbeamten sollten ja nur im Objektschutz eingesetzt werden, taugt nicht einmal für einen schlechten Witz. Die sollen ja nicht nur einfach irgendwo rumstehen. Die sollen verhindern, dass jemand in das bewachte Objekt eindringt. Das muss ja nicht zwingend ein freundlicher Einbrecher sein, der sich alleine durch den Anblick so eines Wachmanns schrecken lässt. Was sollen diese Wachen denn tun, wenn das von ihnen bewachte Objekt Ziel eines Terroranschlags wird? Billig sterben? Da werden aus Wachpolizisten schnell mal Wachkomapolizisten. Diese Menschen in Uniform könnten sich auch zum beliebten Ziel für Anschläge entwickeln. Terroristen töten gerne Uniformierte, zumal wenn die qua Ausbildung kaum zur Gegenwehr in der Lage sein werden.

Nee, nee, dieser Vorschlag ist mal wieder dummes Zeug von Thomas De Maizière. Da gelten unmittelbar die Paragraphen 9 und 6 des Kölschen Jrundjesetzes. § 9 Wat sull dä Quatsch? und  § 6 Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet!

Heinrich Schmitz

Heinrich Schmitz

Heinrich Schmitz ist Rechtsanwalt, Strafverteidiger und Blogger. In seiner Kolumne "Recht klar" erklärt er rechtlich interessante Sachverhalte allgemeinverständlich und unterhaltsam. Außerdem kommentiert er Bücher, TV-Sendungen und alles was ihn interessiert- und das ist so einiges. Nach einer mit seinen Freital/Heidenau-Kolumnen zusammenhängenden Swatting-Attacke gegen ihn und seine Familie hat er im August 2015 eine Kapitulationserklärung abgegeben, die auf bundesweites Medienecho stieß. Seit dem schreibt er keine explizit politische Kolumnen gegen Rechtsextreme mehr. Sein Hauptthema ist das Grundgesetz, die Menschenrechte und deren Gefährdung aus verschiedenen Richtungen.

More Posts - Website

  • derblondehans

    … werter H.S., Ihre gute Absicht in Ehren. Ich glaube aber, Sie wissen nicht wirklich was d’e Misere will. Die de Maizières und die Ex-FDJ-Sekretärin haben da nämlich so ihre Erfahrungen.

    Ich zitiere die Historie: ‚… versprach man sich von den FH keinesfalls nur die personelle Verstärkung beim Streifen- und Postendienst oder bei Großveranstaltungen, die als der Normalfall ihres Einsatzes geschildert wurde. Es ging von Anfang an auch um die diskrete Ausspähung der Gesellschaft gerade dort, wo sich die »Arbeiter-und-Bauern-Macht« bislang keinen Zugang hatte verschaffen können.‘

    Daher!

Wir verwenden Cookies, um Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an soziale Medien und für Analysen weiter. Durch die Benutzung unserer Webseite stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen

Wir verwenden Plugins, mit denen Sie unsere Inhalte in sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Google+ teilen können. Bereits durch den Aufruf von Seiten werden Informationen an diese sozialen Medien weitergegeben. Außerdem verwenden wir Google Analytics, um die Nutzung unserer Seite analysieren zu können.

Schließen