Aller Anfang ist Hayes

Das Album „Hot Buttered Soul“ (1969) ist ein Meilenstein der Musikgeschichte; sein Opener „Walk On By“ ein erotischer Burner für die Ewigkeit.

Walk of Fame, Orpheum, Memphis Foto: Steve Snodgrass. Lizenz: CC BY 2.0

Nach zwei Gastartikeln über David Bowie und Iggy Pop habe ich die Ehre, hier eine eigene Rubrik namens „Hörmal“ zu verfassen. Songtipps, Reviews, Portraits, Sex & Drugs & Anekdoten und so weiter.

Erstmals schreibe ich jedoch in Form einer eigenen Kolumne. Schon geht es los: Man fühlt sich dem Leser auf einmal viel näher als bei normalen, unpersönlicheren Artikeln. Nun sitze ich hier vor dem weißen Papier samt Schreibblockade und Gefühlsstau und soll mindestens das musikalische Evangelium verkünden (so zumindest stets der Eigenanspruch).
Indes: Wie schreibe ich eine gute, eine richtig geile Kolumne?

Man sagt: Sie sollte persönlich sein, aber nicht zu selbstverliebt. Nicht devot, aber auch kein Platzhirsch. Nicht bierernst und nicht zu albern. Nicht zu sozialistisch und zu bürgerlich. Kein öder Mainstream aber auch keine Oberlehrervorlesung. Keine Wahnwichtelei, aber um Goths willen auch keine Lügenpresse. Und vor allem keine Schmähkritik, denn Böhmo-Gate ist überall…..na, das kann ja praktisch gar nicht schiefgehen.

Sollte ich mich mit Drogen und Drinks bewaffnen? Besser nicht. Schon Dali wusste: „Ich nehme keine Drogen. Ich b i n die Droge!“ Alles andere ist Tüdelkram.

Sollte ich mich an trendy Kollegen wie dem Lobo orientieren? Nun, der ist zwar toll. Doch schon dem Namen nach sind wir beide Wölfe. Und ein jeder Wolf muss den eigenen Weg, das eigene Rudel finden.

Sollte ich mich ganz und gar der dunklen Seite der Macht verschreiben, mir einen rhethorischen Giftschrank zulegen und den „Ork-Brief von Kubanke“ erfinden? Tja….vielleicht muss man nicht jede Spontanidee zu ende denken….und das Karma sitzt schließlich auch mit am Tisch.

Das alles scheint mir mithin nicht gerade vielversprechend. Letzten Endes gibt es ohnehin wohl nur ein einziges Vorbild, wenn es um die eigene Kolumne geht: Carrie Bradshaw!
Wie hieß es gleich in „Sex And The City“: „immer schreiben, immer spontan bleiben und stets persönlich. Dann klappt das schon. Auch wenn es mal eng wird.“

Na, dann mal los.

Geben Sie mir bitte die Chance, Sie mit einem einzigen Song zu verzaubern. Es ist ein Lied, welches bei jeder Gelegenheit und jeder Zielgruppe funktioniert, ohne auch nur im geringsten beliebig zu klingen. Egal ob man gerade Klassikfreunde, Hiphopper, Hippies, Metalheads, Funkchicks, Soulbrüder, Jazzfreaks oder wen auch immer zu Gast hat:

Wer diesen Track auflegt, ist ein King of Credibility. Ein Stück, dass so gut sitzt wie Nick Caves Maßanzug oder die Fluppe im Mundwinkel von Keith Richards.

Here we go: Isaac Hayes – „Walk On By“

Die meisten schätzen den „Black Moses“ sicherlich als Komponisten des legendären „Shaft“-Soundtracks. Andere kennen ihn durch seine Rolle in „South Park“. Und einige aus der örtlichen Scientology-Gruppe fragten sich wohl bereits, warum ihnen der Sitznachbar mit der sonoren Stimme so bekannt vorkommt. Dies alles ist hierfür gleichwohl unwichtig. Das gesamte Album „Hot Buttered Soul“ (1969) ist ein Meilenstein der Musikgeschichte; sein Opener „Walk On By“ ein erotischer Burner für die Ewigkeit und jedes wichtige Date.
Nach dem opulenten Einstieg rollt die Gitarre einen hypnotisch twängenden Groove aus, der bereits den 70ies-Funkrock vorweg nimmt. Simultan singt Hayes sich zu wohl dosiertem Streicher-Pomp – der auch jeden James-Bond-Soundtrack adeln würde – das gebrochene Herz aus dem massigen Leib.

Als besonderer Clou fungieren kongeniale female Backing-Vocals und geben dem Song seinen essentieller Sidekick. Im Verlauf übernehmen Gitarre und Hayes schmirgelnde Orgel das letzte Kommando und kochen den Sud zur schwitzenden Ekstase hoch.

Fertig ist der „Perfect Nightsong“.

Schon theoretisch fällt es schwer, sich Menschen vor zu stellen, die dieser Song tatsächlich kalt lässt.

Wer das nicht liebt, der (zutreffendes bitte anlächeln)

a) existiert nicht, weil der Stoff einfach zu überragend klingt.

b) sollte gar keinen Player besitzen dürfen.

c) ist als Amphibium entschuldigt.

….alle anderen jedoch werden mit Song und LP eine Zierde fürs heimische Plattenregal entdecken, die auch nach nach knapp 50 Jahren kein einziges Gramm ihres sexy Charismas verlustig geht.

Ulf Kubanke

Ulf Kubanke

Ehemaliger Anwalt; nun Publizist, Gesprächspartner und Biograph; u.a. für Deutschlands größtes Online-Musikmagazin laut.de.

More Posts

  • SpeediConzal

    ERSTER! Boah wie albern. Aber ich wollte gleich mal alle Niveaugrenzen unterschreiten. Hier bist du also aufgeschlagen Anwalt, feine Sache und Glückwunsch, freut mich wirklich das du dir ein Stück Freiheit des Wortes zurück hollst. Werde gleich sentimental, so Niveau wieder hergestellt.

    Gruß Speedi

  • Kurt Davids

    Klasse, Ulf! 🙂

Wir verwenden Cookies, um Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an soziale Medien und für Analysen weiter. Durch die Benutzung unserer Webseite stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen

Wir verwenden Plugins, mit denen Sie unsere Inhalte in sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Google+ teilen können. Bereits durch den Aufruf von Seiten werden Informationen an diese sozialen Medien weitergegeben. Außerdem verwenden wir Google Analytics, um die Nutzung unserer Seite analysieren zu können.

Schließen