Sexuelle Belästigung in der Sternwarte

Die jüngsten Vorkommnisse unangemessenen Verhaltens unter Astronomen zeigen: Die Einführung der Geschlechtertrennung an US-Universitäten ist nur noch eine Frage der Zeit.


Vor wenigen Wochen war Geoffrey Marcy noch als Kandidat für den Nobelpreis gehandelt worden, Mitte Oktober wurde bekannt gegeben, dass er von seiner Position als Professor für Astrophysik an der University of California, Berkeley zurücktritt, nachdem eine Mehrzahl der anderen Fakultätsmitglieder ein Misstrauensvotum gegen ihn wegen unangemessenen Verhaltens ausgesprochen hatte. Auch die Doktoranden forderten die Universitätsleitung auf, Marcy zu feuern, und warfen ihr vor, Prestige und Drittmittel höher zu bewerten als das Wohlergehen der jungen Wissenschaftler. Nun muss man sich tatsächlich die Frage stellen, ob eine Universität eher danach streben sollte, große wissenschaftliche Leistungen zu fördern, oder sicherzustellen, dass erwachsene Menschen ja keinem Flirtversuch durch andere Erwachsene zum Opfer fallen.

Sexuelle Belästigung

Meg Urry, Präsidentin der American Astronomical Society (AAS), erläutert in einem Artikel für Scientific American, warum sie für Menschen wie Geoff Marcy keinen Platz an einer Universität sieht. Sie beschreibt das „typische“ Vergehen wie folgt:

„Eine Frau erklärt auf einer wissenschaftlichen Konferenz ihre Arbeit Kollegen mit ähnlichem Forschungsinteresse. Ein männlicher Wissenschaftler, in der Regel älter, schenkt ihr viel Aufmerksamkeit, und sie ist begeistert über den Ausdruck von Interesse an ihrer Arbeit durch einen renommierten Kollegen. Aber dann fängt es an, gruselig zu werden. Vielleicht gibt es flirtende Bemerkungen, Einladungen zu privaten Treffen, vielleicht eine Diskussion, die aus irgendwelchen Gründen in seinem Hotelzimmer stattfinden soll, oder er erwähnt sein Sexleben und dass es mit seiner Frau nicht mehr so richtig läuft.“

Mit anderen Worten: Ein 50 jähriger Mann zeigt einer 30 jährigen Frau, dass er sie attraktiv findet. So etwas darf auf einem US Campus nicht mehr sein. Warum nicht? Meg Urry erklärt es uns. Die junge Wissenschaftlerin ist nämlich aufgrund dieser Erfahrungen für die Wissenschaft verloren. Sie verbringt den Rest der Konferenz damit, den Mann zu vermeiden. Sie konzentriert sich nicht mehr auf die Wissenschaft, sondern darauf, „das Zusammentreffen zu überleben.“ Sie redet selbstverständlich auch nicht mehr mit anderen älteren Wissenschaftlern, usw. Schließlich hängt sie ihren Job an den Nagel.

Urry erinnert sich offenbar durchaus, dass es früher einmal eine andere Sichtweise gegeben hatte: „Vor zwanzig Jahren hätte man gesagt, wir sollten uns nicht in das Privatleben der Leute einmischen.“ Heute sei das aber nicht mehr so. „Heute haben viele Institutionen zu Recht Regeln, die die Machtungleichheit in diesen Beziehungen anerkennen. Professoren muss es verboten werden, sich privat mit Studentinnen zu treffen. Punkt.“ Und wenn ein Wissenschaftler etwas mit einer jüngeren Wissenschaftlerin anfängt, die ihr Studium bereits abgeschlossen hat, müsse das öffentlich bekannt gegeben werden, um zu verhindern, dass ihr Nachteile entstehen, sollte sie sich später von ihm trennen. Eine Altersangabe, bis zu der dieser Kinderschutz gelten soll, macht Urry nicht. Wahrscheinlich aber so ungefähr bis Mitte 30.

Opferkultur

Es mag unter den Professoren einige geben, die jüngere Wissenschaftlerinnen auf unangenehme Art anmachen. Und es gibt so etwas natürlich auch in jedem anderen Job. Das größere Problem ist aber, dass es immer mehr Menschen gibt, die Wissenschaftlerinnen und Frauen insgesamt in eine unangemessene Opferrolle drängen und ihnen die Fähigkeit absprechen, mit solchen zwischenmenschlichen Problemen fertig zu werden. Urry verweist auf den Ethik-Kodex der astronomischen Gesellschaft, nach dem alle Menschen mit Respekt zu behandeln seien. Offenbar betrachtet sie es nicht als respektlos, erwachsene Frauen wie Kinder zu behandeln, denen nicht zuzutrauen ist, einem Kollegen zu sagen, dass sie nicht mit ihm ins Bett wollen.

Im Fall Marcy geht es um Berührungen in den Jahren 2001 bis 2010, die ihm vier Frauen vorgeworfen haben. Als sexuelle Belästigung betrachtet die American Astronomical Society (wie viele andere Institutionen) in ihren Antibelästigungsregeln praktisch jeden Körperkontakt sowie jede Bemerkung, die irgendetwas mit Sex zu tun hat. Erlaubt ist wenig: „Nicht als sexuelle Belästigung zählen gelegentliche Komplimente sozial akzeptabler Art.“ Und sozial akzeptabel sind diese Komplimente natürlich auch nur, wenn der Adressat sich dadurch nicht belästigt fühlt.

Auf diese Weise wird der Umgang zwischen den Geschlechtern vergiftet und Menschen werden in die Doppelrolle als Opfer und Denunziant gedrängt. Denn natürlich sind alle Fälle von Belästigung der Universitätsverwaltung zu melden. So werden weitere Opfer produziert: die Opfer von mehr oder weniger begründeten Anschuldigungen. Insgesamt eine recht effektive Methode, das Klima zu vergiften und Misstrauen statt einen offenen Umgang miteinander zu kultivieren.

Der Campus als geschützter Ort

Erschreckenderweise steht Meg Urry mit ihrer Haltung keineswegs allein. In einer Online Petition haben bisher schon über 3000 Wissenschaftler erklärt, dass sie die Opfer von „Geoff Marcy’s unangemessenem Verhalten“ unterstützen. Es ist nicht anzunehmen, dass sie alle ausreichende Kenntnis seiner Verfehlungen haben, um sich ein Urteil erlauben zu können. Was sie offenbar eint, ist der Wunsch, den Campus zu einem trostlosen Ort zu machen, an dem allen klar ist, dass jeder Annäherungsversuch an eine Frau und jeder Witz riskantes Verhalten ist, das einen die Karriere kosten kann.

Gleichzeitig wird die Universität als behüteter und bewachter Wohlfühlort neu definiert, in dem Menschen vor den Realitäten des Lebens und damit auch vor Erfahrungen bewahrt werden. Marcy schreibt in seinem Entschuldigungsbrief, es sei schwer auszudrücken, wie schmerzhaft es sei, zu erkennen, dass er, wenn auch unbeabsichtigt, eine „Quelle des Stresses“ für Kolleginnen gewesen sei. Wahrscheinlich war es auch schmerzhaft für ihn, zu realisieren, dass die kompetitive Welt der Wissenschaft eine geworden ist, aus der Stress verursachende Frauenliebhaber administrativ entfernt werden.

Da man unter Astronomen, wie es scheint, besonderen Gefahren ausgesetzt ist, laufen auf ihren Veranstaltungen sogenannte „Astronomy Allies“ herum. Sie tragen einen Anstecker („badge of trust“), um erkannt zu werden, und bieten an, sich bei ihnen auszuheulen und auch gleich eine Beschwerde einzureichen. Der Anstecker soll auch ein Signal für die älteren Herren sein. „Er erinnert Menschen, die darüber nachdenken, eine Belästigung zu begehen, dass es immer Menschen gibt, die Leuchtfeuer bereithalten, um die Ecken zu beleuchten, die sie dunkel zu halten hoffen.“

Wenn Marcy wenigstens Anglist statt Astronom wäre! Dann wäre es ihm erspart geblieben, auch noch dafür verantwortlich gemacht zu werden, dass es in seinem Forschungsgebiet zu wenige Frauen gebe. Sein Harvard Kollege David Charbonneau klagt: “Wir arbeiten so hart daran, Geschlechterparität zu erreichen. Und wenn die prominenteste Person ein regelmäßiger Belästiger ist, wird dadurch eines der nationalen Hauptziele bedroht.“ Vielleicht hat die akademische Astronomie außer z.B. dem Entdecken von Exoplaneten (von den 100 ersten hat Marcy 70 entdeckt) einfach noch zu viele andere Ziele.

Getrennte Labore für Jungen und Mädchen

Der Fall Marcy ist kein Einzelfall. Wir erinnern uns, dass vor wenigen Monaten der 72 Jahre alte Nobelpreisträger Tim Hunt mit einem harmlosen Witz über Frauen im Labor einen Twittersturm und seinen anschließenden Rausschmiss bewirkte. Stein des Anstoßes war folgende Bemerkung in Hinblick auf Wissenschaftlerinnen: „Drei Dinge geschehen, wenn sie im Labor sind: man verliebt sich in sie, sie verlieben sich in einen, und wenn Sie sie kritisieren, weinen sie. Vielleicht sollten wir getrennte Labore für Jungen und Mädchen haben.“ Das klingt verdammt nach einer Beschreibung der Realität bei Astronomiekonferenzen. Und es sollte uns nicht wundern, wenn die scherzhaft geforderte Geschlechtertrennung von den Sittenwächtern bald tatsächlich umgesetzt würde.

 

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Thilo Spahl

Thilo Spahl

Thilo Spahl ist Diplom-Psychologe und lebt in Berlin. Er ist freier Wissenschaftsautor, Mitgründer des Freiblickinstituts und Redakteur bei der Zeitschrift NovoArgumente.

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  • Etwas sehr blauäugig, lieber Thilo Spahl. Das Argument, die betroffene Frau könnte ja sagen, dass ihr die sexuellen Annäherungen des Professors nicht passen, verkennt völlig die extreme und vielfältige Abhängigkeit, in der sich Studierende und Promovierende befinden. Hier besteht ja nicht nur ein Arbeitsverhältnis, Professoren sind nicht nur Chefs, denen man sich etwa durch einen Arbeitsplatzwechsel entziehen kann, sie sind auch die wichtigste Autorität wenn es um den Erfolg des angestrebten Abschlusses geht. Und ehrlich gesagt – wenn es einem Hochschullehrer nicht gelingt, seine Komplimente so zu platzieren, dass es nicht unangenehm für die betroffene Person ist, dann ist die Gefahr, dass er die Ablehnung nicht wegsteckt, ohne dass das für das Betreuungsverhältnis Konsequenzen hat, wohl durchaus gegeben. Betreuung ist nun mal eine sehr persönliche Sache.

    Das Problem ist viel komplexer, als der Artikel behauptet. So einfach ist das nicht.

    • Michael Sander

      Genau Herr Friedrich. So einfach ist das Leben nicht. Wo kämen wir denn hin, wenn Männer einfach Frauen anmachen dürften, die Ihnen gefallen? Pfui, Pfui, Pfui! Am Ende dieser Entwicklung könnten doch tatsächlich gegengeschlechtliche Paare stehen, die dann auch noch Kinder in die Welt setzen. Das darf auf keinen Fall passieren. Deshalb bin ich auch dafür, das männliche Balzverhalten so schnell wie möglich unter Strafe zu stellen. Denn bekanntlich sind Männer geborene Vergewaltiger und Frauen geborene, hilflose Opfer. In dieser komplexen Welt, sollte man das zusammentreffen dieser beiden Gruppen tunlichst vermeiden.

  • Michael Schneider

    …wenn es einem Hochschullehrer nicht gelingt, seine Komplimente so zu platzieren, dass es nicht unangenehm für die betroffene Person ist…

    Definieren Sie bitte allgemein gültige Kriterien und zwar jede Ethnie, jeden Kulturkreis betreffend, die sicherstellen, dass eine beliebige Person ein Kompliment nicht als unangenehm empfindet. Nachgedacht? Und? Geht nicht? Aha! Na sowas.

    Als normaler Mann mit einiger Lebenserfahrung fällt mir hier nur noch der Satz ein: „Heul doch!“ Wer das Leben nicht erträgt, sollte im Bett bleiben… Übrigens bin auch ich schon „Opfer“ (Mannomann) von mehr oder weniger geglückten Annäherungsversuchen geworden, denn auch so manche Frau hat nicht unbedingt das Talent, ihre Empfindungen der Situation angemessen vorzubringen. Na und? Stört mich nicht! Es menschelt halt hier und da. Das gehört dazu.

    • Man braucht keine allgemeingültigen Kriterien und erst recht keine Definitionen dafür. Man braucht Einfühlungsvermögen, Erfahrung, und die Bereitschaft, die Signale der anderen Person zu verstehen und beim eigenen weiteren Verhalten zu berücksichtigen.

      • Michael Schneider

        Einfühlungsvermögen? Die Menschen sind so unterschiedlich, dass ein Satz zu Frau A gesagt gut ankommt, bei der „Zicke“ B jedoch als akustische Vergewaltigung verstanden wird. Noch mal, welche Kriterien legen Sie hier an? Welche Signale soll ich beachten? Ich habe schon erlebt, dass mein fröhliches und völlig unbedachtes hintergrundfreies „Guten Morgen, Frau XX“ mit dem Satz: „Machen Sie mich nicht an!“ beantwortet wurde. Also, wie kann ich als Mann sicher sein, nicht wie im Beispiel weiter oben durch einen einfachen Satz in normaler Sprache mein Leben zu ruinieren? Einen Satz, der vor zwanzig, dreißig Jahren keinerlei Konsequenzen (außer vielleicht den gewünschten) gehabt hätte und hier und jetzt als „gruselig“ bezeichnet wird? Nur so am Rande, ich führe kein Personalgespräche mit weiblichen Mitarbeitern ohne eine Ohrenzeugin im Nachbarzimmer bei weit geöffneter Tür. Ich möchte nämlich in dieser feministisch vergifteten zwischenmenschlichen Atmosphäre nicht den Rest meines Arbeitslebens mit Abmahnungen zugepflastert werden, nur weil die Damen hier einen Welpenschutz genießen mit Umkehr der Beweislast in einer Art Hexenprozess. Noch mal, wer es nicht erträgt, im Umgang mit anderen Menschen auch mal normales (Balz)Verhalten zu erleben, der sollte einfach im Bett bleiben.

        Im hiesigen Nachrichtenblättchen war vor einiger Zeit ein Bericht über eine lt. Artikel lesbische Studentin, die völlig entsetzt war, dass ihr Professor nicht nur eine eigene Meinung Männer und Frauen betreffend hat, sondern diese sogar noch öffentlich vor seinen Studenten äußert. Ihr Problem war wohl, dass er völlig anderer Meinung war wie sie. Und so etwas findet seinen Weg in die Tageszeitung einer Universitätsstadt… Es ist also auch schon hier bald so wie im Artikel oben beschrieben. Das wiederum finde ich gruselig!

  • Snafu

    OK, das wird jetzt lang. Angesichts der kompletten Ignoranz gegenüber der Kernproblematik ist es unausweichlich, etwas weiter auszuholen.

    Irritierender Weise klingt es so, als hätten Sie noch nie den Universitätsbetrieb von innen gesehen. Wie kann man ein Diplom haben und sich nicht bewusst sein, wie unausgewogen das Machtverhältnis zwischen Koryphäen und Neulingen eines Fachbereichs ist? Das liegt in der Natur der Sache, hat aber einige Konsequenzen. Zum Beispiel die, dass ein Flirt (egal wie erwünscht, unerwünscht, unangenehm, peinlich, brillant, erotisch, plump, nett, süß oder was auch immer) NIE NEVER EVER auf gleicher Augenhöhe stattfinden kann. Für die, die es nicht wissen: Das auf-einer-Augenhöhe-sein ist fürs Flirten eine der Grundvoraussetzungen. Das ist keine „Opferkultur“, das ist Common Sense!

    Für alle, die konstatieren, man könne als Student/in schließlich einfach freundlich Nein sagen, weil wir ja alle ach so erwachsen sind, hier eine kleine Anekdote dazu:

    Vor einigen Jahren hingen das Studium und die berufliche Zukunft einer Freundin am seidenen Faden. Nach einem in der Regelstudienzeit souverän durchgezogenen medizinischen Studium, in der sie keine einzige Klausur oder Prüfung verpatzt hatte, lag nur noch eine einzige mündliche Prüfung zwischen ihr und dem zweiten Staatsexamen. Den Professor kannte sie bereits aus den entsprechenden Seminaren. Dort war er ihr als etwas „gockelhaft“ gegenüber großen, blonden Frauen aufgefallen, worauf sie (groß, blond) aber nicht weiter reagiert hatte. In der Prüfung ließ sie dann mit ungleich anspruchsvolleren Fragen als die, die an ihre drei Mitprüflinge gerichtet wurden, zweimal nacheinander durchfallen. Wer nicht weiß, was das bedeutet: Man hat pro Prüfung nur drei Versuche, sonst kann man das Studium in die Tonne treten.

    Direkt nach dem zweiten Durchfallen-Lassen (anders kann man es nicht nennen) beugte er sich vor und bot meiner komplett erschütterten Freundin an, „dass man sich vor der nächsten Prüfung mal unter vier Augen treffen könne“. Ihren Mitprüflingen fielen fast die Augen aus dem Kopf. Gesagt hat aber keiner was, denn Professoren sind – wer hätt’s gedacht – Götter in ihren Fachbereichen. Wer es sich mit ihnen verdirbt, kann die Möglichkeit einer akademischen Karriere an den Nagel hängen. Je nach Fachbereich ist es sogar schwer, einen Job in der Industrie zu finden, wenn man den falschen Uni-Leuten in die Suppe spuckt.

    Nach etwas Recherche stelle sich heraus, dass besagter Professor bereits wegen ähnlicher Zwischenfälle aufgefallen war. Konsequenzen: Keine. Oder doch… er darf Prüfungen nur noch mit einem Beisitzer abhalten. Ein Beisitzer/Protokollant ist allerdings sowieso in jeder Prüfungsordnung vorgeschrieben, und für diesen gilt die Abhängigkeit vom Wohlwollen des Professors in noch höherem Maße als für Studenten, da es sich meistens ein Universitätsmitarbeiter des Fachbereichs handelt, der/die eine akademische Karriere anstrebt. Den letzten Prüfungsversuch konnte besagte Freundin übrigens nach Beantragung beim Prüfungsamt bei einer anderen Professorin abhalten. Als diese hörte, bei wem meine Freundin vorher zweimal durchgefallen war (ohne dass meine Freundin die Umstände weiter erläutert hätte), zog sie nur eine vielsagende Augenbraue hoch und meinte „Ach… DER!“

    Die Lösung ist übrigens ganz einfach und muss keineswegs auf „getrennte Labore“ hinauslaufen:

    KEINE FLIRTS BEI UNAUSGEWOGENEM MACHTVERHÄLTNIS!

    Es möge sich bitte nur der kleine Prozentsatz angesprochen fühlen, der dieses bisschen an Common Sense nicht von sich aus aufbringt. Das betrifft Männer und Frauen in der Position des Chefs, des Professors, des Lehrers, des Vorgesetzten, des Auftraggebers oder einer sonstigen Positionen, in denen eine Person in irgendeiner Form auch nur kurzfristig Kontrolle über Lebensbereiche einer anderen hat, z.B. in Form von (Arbeits-)Zeugnissen, Beurteilungen, Mietverträgen, Arbeitsverträgen, Aufträgen, Prüfungen, Zulassungen oder Stipendienvergaben.

    Wenn jetzt einer beleidigt ist, weil er ein Abblitzen niemals persönlich nehmen würde: Das mag in Eurem Fall stimmen, steht aber nicht in Neonschrift über Eurem Kopf. Die meisten Frauen haben irgendwann in ihrem Berufsleben negative Erfahrungen mit den Konsequenzen eines verletzten Männeregos gemacht (Es gibt sicher auch Beispiele mit umgekehrten Geschlechterrollen. Untergekommen sind sie mir noch nicht).

    In meinem Fall erst neulich wieder:

    Bei der Akquise habe ich mich eine Weile per Chat mit einem potentiellen Kunden unterhalten. Während der Schilderung seines Projekts und meiner Fähigkeiten flossen hier und da Small-Talk-Elemente mit ein. Natürlich, gehört dazu. Bald wollte er ein Foto sehen, mit der Argumentation, dass er sich nicht gerne mit gesichtslosen Menschen unterhält. Das geht mir ähnlich, trotzdem werde ich bei solchen Anfragen schon mal misstrauisch. Aber ok, ich verwies ihn auf ein Social-Media-Profi mit Foto. Dann bohrte er weiter nach und stellte mehrfach Fragen über meinen Beziehungsstatus. Natürlich alles ganz locker und unverbindlich mit vielen Smileys. Und siehe da: Als ich diese Fragen freundlich abwimmelte, war er plötzlich nicht mehr zu erreichen – nachdem wir einen Tag hin- und hergeschrieben haben.

    Meine Erfahrung sagt: Hätte ich mich als „theoretisch verfügbar“ dargestellt, hätten wir noch Kontakt. Passiert mir jedenfalls nicht zum ersten Mal.

    Das sind nicht nur mild nervige Zwischenfälle. Sie haben bei Überschneidungen mit Beruflichem auch schlicht und ergreifend Einfluss aufs Geld. Bei meinem Beispiel ist mir rund ein Tag Zeit für Akquise flöten gegangen, weil irgendein Idiot sich durch einen abgeblockten Flirtversuch auf den Schwanz getreten gefühlt hat – frustrierend genug. Ein in den Sand gesetztes Studium oder eine verbaute akademische Karriere durch Professoren, die ihre Macht ausspielen, sind dagegen Kaliber, durch die jahrelange Nachteile entstehen können.

    • derblondehans

      Fr. Snafu: ‚Es gibt sicher auch Beispiele mit umgekehrten Geschlechterrollen. Untergekommen sind sie mir noch nicht).‘

      … werte Fr. Snafu, ich kann Ihnen versichern, dass Ihr(e) Beispiel(e) auch mit umgekehrten Geschlechterrollen ‚unterkommen‘. Vielleicht nicht so häufig. Es beginnt schon in der Grundschule, wenn die Lehrerin bei Neuzugang ’stöhnt‘ ‚oh neee, schon wieder ein Junge.‘ Nicht mal dass die Eltern dabeistanden, hielt sie von dieser Bemerkung ab. Ich stimme Ihren Beitrag aber ansonsten zu.

      Im Übrigen ‚fährt‘ man als Mann besser, Man(n) flirtet nicht, Man(n) lässt flirten. Ist auch viel spannender. 😉

      • Snafu

        DA ISSER WIEDER! Ich hab Sie vermisst.

        Das es Bereiche in unserer Gesellschaft gibt, in denen Männer benachteiligt sind (wie z.B. in den frühen Jahren des Bildungssystems), da stimme ich zu. Konkret meine ich aber den Fall, dass eine Vorgesetzte/ Vermieterin/ Auftraggeberin /Berufsschullehrerin nach abgelehnten Avancen einen Mann beruflicher Benachteiligung aussetzt.

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